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Eine Woche Martinque zum Eingewöhnen

Ich verreise nicht gerne nur für einen 2-Wochen-Event. Wenn ich schon um die halbe Welt fliege, möchte ich auch ein wenig in die örtliche Kultur eintauchen. Und deshalb verbrachte ich im Dezember 2008 eine Woche zur Akklimatisierung in einem Bungalow auf der Insel Martinique, bevor es auf große Fahrt ging.

Die große Fahrt, das war der Segeltörn, den ich schon im Artikel „Segeln mit dem Katamaran durch die Karibik“ beschrieben habe. Die Woche davor habe ich größtenteils nichts gemacht. Niente. Also, keine Pläne geschmiedet, welche Ecken der Insel Martinique ich besuchen möchte. Keine „Must-See“ und „Big-Fife“ oder „Top-10“ der lokalen Touristenhighlights herausgesucht. Letztendlich bin ich dort natürlich schon gelandet. Aber freiwillig. Und immer dann, wenn ich es wollte. Denn ich hatte ein Auto. Das ist sehr zu empfehlen, auch wenn die Karren ein bißchen rumpelig wirken, so bringen sie einen doch zumindest im ersten Gang über jeden Hügel der Insel. Was man bedenken sollte ist, dass es hier in karibischen Gefilden um Punkt 18 Uhr dunkel wird. Eben noch pickt man sein Gepäck vom Gepäckband und sieht draußen den idyllischen Sonnenuntergang. Und schon ist es finstere Nacht. Die Sonne fällt ins Wasser – und wo eben noch die Kolibris koitiert haben, schnalzen jetzt die Grillen.

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Und diese Grillen sind echt tierisch laut. Man hört sie durch die geschlossenen Fensterscheiben und denkt, sie müssen mal mindestens die Größe von Eichhörnchen haben, um diesen Lärm produzieren zu können. Dazu kommt das Gequietsche der Förderpumpen links und rechts der Landstraße. Und es regnet. Und statt Standstreifen haben die Straßen einen metertiefen Seitengraben als Ablauf für das Regenwasser. Einmal falsch gelenkt und der Corsa ist hinüber. Meine Güte, was für ein Einstieg… Navi gab es 2008 auch keins. Hab die halbe Küste nach der Bungalow-Siedlung abgesucht. Dann fand ich die Einfahrt, gleich hinter dem Kaff namens „Le Diamond“, ein kleines Tor am Rande der Landstraße nach Petite Anse: Les Océanides!

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Da stand ich nun in meinem Bungalowchen. Den Seesack über die Schulter geworfen und den Gitarrenkoffer unter dem Arm. Regentropfen so groß wie Murmeln sammelten sich auf den Blättern der Pflanzen im Garten. Und ich dachte mir, dass dieses üppige Grün wohl heute den Regenguss seines Lebens abbekommen hatte. Das war auch so, wie ich später feststellen sollte. Ich lag auf dem Bett und es fiel mir Dank abendlicher Dunkelheit und Jetlag nicht schwer, einzuschlafen.

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Wer früh schlafen geht, wacht auch früh wieder auf. Und so kam es, dass ich in dieser Woche fast immer mit der Sonne aufstand. Das ist früh! Sie geht hier irgendwann kurz nach 6 Uhr auf, der Horizont färbt sich entsprechend früher. Mein Bungalow war schön nach Süden ausgerichtet, so dass ich die ersten Sonnenstrahlen um die Ecke lunzen sah. Eigentlich bin ich eine Eule. Aber für diese eine Woche wurde ich zur Lärche. Was tun mit all der Zeit?!

Zum Beispiel Cruisen gehen. Mit dem Miet-Corsa in aller Ruhe mal die Küstenstraße abfahren (also nicht das, was andere Randgruppen unter diesem Begriff verstehen!).  Was mir auffiel: schon im nächsten Kaff ist der Sand schwarz statt weiß. Und man wird komisch angeschaut, wenn man bei 30° C und 100% Luftfeuchtigkeit eine Regenjacke trägt. Viel Armut. Zerrupfte Dörfer und Flußläufe. Argwöhnisch kuckende Einheimische. Warum ist der nicht in seiner Ferienanlage? Hat er vielleicht sein Kreuzfahrtschiff verpasst? Haben sie ihn ausgesetzt?

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Also erkunde ich die anderen Ecken in Martiniques Süden. Irgendwie steckt in den Straßen ja auch ein Stück meiner Steuern. Denn Frankreich unterstützt seine Départements auf der anderen Seite des Atlantiks nicht zu knapp mit Euronen und hinzu kommen noch Gelder aus EU-Fördertöpfen. Deswegen gibt es hier (und auch auf Madeira und ich möchte meinen Arsch verwetten auch auf den Azoren und Kanaren) exzellente Landstraßen und stylische Flughäfen. War das wirklich so gedacht, als man das System erfand…?

Die Landstraßen schlängeln sich den Berg hinauf und sind so prächtig, dass die Einheimischen sie gerne für Rennen nutzen. Es kann also passieren, dass einem auf 1.500 m Höhe über dem Meer in einer engen Kurve ein Kleinwagen auf der eigenen Spur entgegen kommt. Wohin, wenn rechts nur Fels ist und links der Abgrund? Das dachte sich wohl auch der Franz-Karibe und schwenkte mit rauchenden Reifen zurück auf seine Seite des Abhangs… verdammte Hacke, sowas braucht kein Mensch. Zerfetzt werden auf Martinique, da kommt mich am Grab doch keiner besuchen. Sobald mein Herzschlag wieder im Mitteleuropäischen Bereich angelangt war, hielt ich an der nächsten Parkbucht an und besuchte den örtlichen Hähnchenbrater. Die Schwarzkariben braten gerne mal ein Huhn. Besonders gerne in einem halbierten Ölfass. Und so knabberte ich mein Backhendl und bewunderte die in Lokalkolorit verfassten Schilder des Restaurants.

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Weiter rauf den Berg und auch sonst an jeder Ecke gibt es sehenswerte Flora zu bestaunen. Genau wie auch auf Madeira sprießt es hier aus jeder Ecke und ein botanischer Park folgt dem nächsten. Sehr schön ist zum Beispiel der Jardin de Balata in den Bergen nördlich von Fort-de-France. Als sonstige Flora gibt es auf Martinique eigentlich nur noch zwei erwähnenswerte Arten: Zuckerrohr und Bananen. Beide werden auf großen Plantagen angebaut und haben über die Jahrhunderte dazu geführt, dass auf diese Insel nahezu jede Frucht (und auch fast das gesamte Fleisch) importiert werden muss. Dank der Subventionen aus Paris ist das möglich und so wird auch in absehbarer Zeit niemand auf die Idee kommen, hier sinnvollere Dinge als Zuckerrohr und Bananen anzupflanzen.

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A propos Zuckerrohr. Wie auch auf anderen Inseln der Karibik wird er nahezu vollständig zu Rum verarbeitet. Besonders der frische, klare und etwas grasig schmeckende Rhum Agricole ist hier zu erwähnen. Auf Madeira am anderen Ende des Atlantiks heißt er Aguardente, die Brasilianer nennen ihn Cachaça. Bekannte Destillerien sind hier auf Martinique zum Beispiel Dillon, Trois Rivières, Clément oder La Mauny. Alle haben sie mehr oder weniger schöne Destillerien. Die Rumbrennerei in Calheta auf Madeira schlagen sie jedoch mit Leichtigkeit. Hervorzuheben sind hier die Destillerien von Dillon bei Fort-de-France und die von Clément auf der Ostseite der Insel. Gleich daneben befindet sich eine verfallene Bananenplantage inklusive wildem Stier, die ebenfalls einen Besuch wert ist.

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Die Marken Dillon und La Mauny bekommt man auch in den Feinkostabteilungen vieler deutscher Supermärkte. Ein Daumenhoch davon im Schnapsglas zusammen mit einem Viertel ausgedrückter Limette, etwas Zuckerrohrsirup und einer Prise Muskatnuß und schon erhält man den kleinen Apéritif namens Ti Punch. Der macht zwar ganz schön blau, besonders wenn man den „authentischen“ Rum mit 55 Umdrehungen verwendet. Dafür hat er aber ein Aroma zum Niederknien.

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Irgendwann zieht es einen auch mal in die Hauptstadt Fort-de-France. Hier habe ich es weniger als 15 Minuten ausgehalten. Mangels Parkplatz aber dafür mit penetrant drängelnden Einheimischen gesegnet, gab ich meinem kleinen Corsa die Sporen und schon waren wir wieder auf der Landstraße nach ich-weiß-nicht-wo.

So verging ein Tag nach dem anderen. Früh aufstehen, dann auf dem Markt einkaufen. Natur und Orte besichtigen. An traumhaften Stränden faulenzen. Und abends vor dem Grill zu ein paar Gläsern Rum und mit Gitarrengezupfe den Sonnenuntergang bewundern. Was will man mehr von einem Urlaub. Die Zeit vergeht wie im Fluge, man gewöhnt sich sogar ein wenig an die karibische Gelassenheit. Und mit dieser gesunden Einstellung trat ich den längeren Teil der Karibikreise auf einem Katamaran unter Segeln an.

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Gut Essen in der Karibik

Wenn man in der Karibik unterwegs ist, erschlägt einen die Menge der unbekannten Gerichte. Grund ist die ethnische Vielfalt, man hat Menschen aus allen Ecken der Welt hierher geschleppt und jede Gruppe brachte nicht nur ihre Arbeitskraft ins Land, sondern auch ihre kulinarischen Vorlieben.

Wobei die Kariben selbst eigentlich nie eine Rolle spielten. Niemand spricht heute mehr von ihnen. Die Kariben, das waren die Ureinwohner der Antillen Inseln. Damit sind weder die importierten Afrikaner noch die nachfolgenden Inder oder Chinesen gemeint. Die Kariben ähneln viel mehr den Native Americans, also dem Volk, das man in Deutschland die „Indianer von Amerika“ nennt. Sie wurden ausgerottet.

Und damit war Raum für die europäische und afrikanische Küche gewonnen. Und die Spanische. Auch die Holländer waren mal hier. Und auch die Portugiesen und sogar die Engländer. Ok, die haben nichts mitgebracht, denn England schafft es selbst heute noch als kulinarisch rückständig zu gelten, obwohl sie Kolonien in allen Ecken der Welt hatten, wo wirklich äußerst anständig gekocht wurde. Wie kann man nur so beratungsresistent sein und das über Jahrhunderte.
Aber zurück zu dem, was man heute in der Karibik genießen kann.

Früchte der Natur

Darunter verstehe ich vor allem die Kokosnuss, die Kakaoschote und die Muskatnuss. Kokosnüsse liegen an jedem Strand herum, sind dann aber auch schon ein wenig über das Verfallsdatum heraus. Trotzdem kann man sie öffnen, wenn man die Fähigkeit dazu besitzt. Es ist nämlich für Büromenschen nahezu unmöglich, an das Fleisch und den Saft heran zu kommen. Auf dieser Seite kann man nachlesen, wie es mit Hilfe eines in den Boden gerammten Stocks funktioniert.

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Die Kakaofrucht ist dann reif, wenn sie von gelb so langsam ins braune changiert. Man öffnet sie einfach und schlabbert das süße, weiße Fruchtfleisch von den Kernen ab. Die Kerne selber, das sind natürlich die Kakaobohnen. Glückwunsch an die Südamerikanischen Völker, dass sie herausfanden, wie man aus diesen bitteren Bohnen etwas so Schmackhaftes wie Schokolade macht. Aber mit bitteren Bohnen kennen die sich ja aus, denn auch der Kaffee stammt nicht weit von hier.

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Muskatnüsse sind ein Wunder der Natur. Mitsamt ihrem überdimensionalen Fruchfleischpanzer sehen sie aus wie ein leckerer Pfirsich. Beißt man hinein, zerfällt diese Illusion schlagartig und es wird klar, dass hier nur der Kern zählt. Die frische Muskatnuss ist mir einem grellroten Netz umgeben, welches selbst als Gewürz verkauft wird und „Macis“ genannt wird, die Muskatnussblüte. Sie schmeckt ebenfalls nach Muskat, nur nicht ganz so intensiv wie die Nuß. Die Inder verwenden sie gern für Curries. Die frische und noch ziemlich weiche Muskatnuss wird dagegen von den heutigen Kariben sehr gern über ihren Punch oder „Ti Punch“ gerieben!

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Sie schmeckt überhaupt nicht so, wie man es von Mutterns Sonntagsbraten kennt. Die fruchtige, leicht scharfe Frische tut jedem Cocktail gut. Hier gibt sie dem Ti Punch aus neuem weißen Rum und Zuckerrohrsirup den nötige herben Akzent. Die Muskatnuss Flocken sind weich und wollig, ganz anders als es eine trockene Muskatnuss kann.

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 Früchte des Meeres

So richtig erfolgreich waren wir mit dem Fischen leider nicht. Dafür waren wir gut im Handeln und konnten den lokalen Fischern auf der Insel Mustique für ein paar Caribian Dollars ihre roten Grätenfische abkaufen. Das war jetzt kein Gesellenstück, sondern eher aus der Not geboren. Aber immerhin hatten wir etwas zu tun beim herausfriemeln der Gräten. Und zwar noch lange, nachdem der letzte Currygeschmack unsere Geschmacksnerven durchdrungen hatte. Mann, was waren die grätig… später haben wir sie am Stück gegrillt, das war einfacher.

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Dafür bin ich seit diesem Urlaub ein großer Freund der Conch Schnecken. Dabei handelt es sich um die Tiere, die in diesen stacheligen großen Muscheln leben. Die Gehäuse liegen kubikmeterweise an sämtlichen Stränden der Karibik herum, vorzugsweise dort, wo man sie isst. Sollte man auf die Idee kommen, so ein Gehäuse im Gepäck mit nach Hause zu nehmen, so könnte das zu Diskussionen mit dem heimischen Zoll führen. Selbst 3D-Scanner können aber noch keinen Mageninhalt erfassen, also immer rein damit, denn die Dinger sind einfach delicious. Wer nicht weiß, dass es sich um Meeres-Schnecken handelt, könnte glatt von Hühnerfleisch oder ähnlichem ausgehen. Die Tiere sind recht groß und ergeben kleingeschnitten und gekocht ein ziemlich schmackhaftes Gulasch.

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Saucen

Vor allem eine Sauce ist mir im Kleinhirn hängen geblieben: sie war gelb, durchsetzt mit roten Pünktchen und sehr scharf. Es handelte sich um eine Mischung aus Banane, Senf und Chili. Sie wird fast überall in kleinen Salzstreuern zum Nachwürzen am Tisch angeboten. Man kippt zunächst mal aus den Latschen, weil sie so scharf ist, möchte sie aber nach eine Weile nicht mehr missen. Wer keinen Feinkost- oder Gewürzeladen in der Nähe hat wie zum Beispiel das Gewürzhaus Alsbach in Frankfurt, der findet solche Saucen unter dem Namen Baron West Indian Hot Sauce (und ähnlich klingende) im online Versand.

Wer dann auf den Geschmack gekommen ist, dem seien noch folgende Saucen ans Herz gelegt, die in eine ähnliche Richtung gehen:

Ob zur Bratwurst, aufs gekochte Ei oder zu Fisch und Fleisch: diese Saucen passen immer. Man darf sich nur nicht irritieren lassen, falls dieser Geschmack auf der nächsten Grillparty bei anderen auf Unverständnis stößt… einfach immer ein Aldi-Gewürzketschup für den deutschen Geschmacksverweigerer in petto haben.

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Segeln mit dem Katamaran durch die Karibik

Die Karibik, das waren für mich immer Piraten, Goldschätze, Rum und Kanonenfregatten. Heute gibt es dort nur noch den Rum. Das Piratenflair findet man auch noch, aber bloß in Form von Hollywood-Kulissen, die nach dem Dreh von „Piraten der Karibik“ übrig geblieben sind. Im Winter 2008 bin ich auf einem Charter-Katamaran mitgesegelt und habe einen der schönsten Urlaube in der karibischen Inselwelt erlebt.

Bevor ich mich einige Jahre später dazu entschied, lieber selber ein Boot zu führen als irgendwo mitzusegeln, bin ich damals doch ziemlich häufig irgendwo mitgesegelt. Eigentlich nicht „irgendwo“, sondern bei einem der vielen Anbieter von Charter-Segeltörns in der Karibik. Nur im Sommer in Kroatien mit Freunden herumzuschippern, das langte mir nicht. Ich wollte dort hin, wo bis jetzt nur meine Phantasie unterwegs war. Es gibt dieses eine Hörspiel von Pippi Langstrumpf, dass ich als Kind auf heavy-rotation gehört habe. Darin wird das Schicksal ihres Vaters beleuchtet. Er vegetierte in einem karibischen Gefängnis vor sich hin, bis Pippi höchstpersönlich dort hinreiste und ihm ein Eisbein per Flaschenzug in seine Zelle schickte. Die Piraten knallten sich derweil in ihrer Höhle mit Rum und Grog den Kopf zu und so gelang es Pippi, ihren Vater schlußendlich zu befreien.
Kurz und gut: da wollte ich auch hin!

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Doch bevor ich diesen zweiwöchigen Urlaubstörn antrat, habe ich mir zunächst einmal die Ausgangs-Insel näher angesehen. Das war Martinique, eine Insel genau in der Mitte der wie auf einer Perlenkette aufgereihten Inseln „über dem Winde„. Sie ist Teil Frankreichs und damit der EU. Man zahlt in Euro und das allgemeine Feeling ist das eines sehr südlichen französischen Departments. Aber dazu mehr in einem anderen Artikel.

Schließlich habe ich meinen Mietwagen in Le Marin abgegeben, meinen Seesack geschultert, den Gitarrenkoffer gepackt und mich auf den Weg zum Steg unseres Katamarans gemacht. Ich hatte tatsächlich einen Seesack, zumindest die moderne Variante, sehr beständig und wasserdicht, wenn man alle Verriegelungsmechanismen korrekt bedient hat. Dazu allerdings den klapprigen Koffer mit der Slide-Gitarre in der Hand. Der hatte mir schon bei der Einreise einige Aufmerksamkeit beim Zoll beschert. Klar, da passt ne Menge Dope rein. Hätte ich auch mal genauer reingeschaut an denen ihrer Stelle. Mehr als dass der Halsstab ziemlich schief eingeleimt ist, habe ich aber trotz Röntgen nicht erfahren.

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Kaum näherte ich mich dem Steg, begrüßte mich Hans der Skipper und sagte, ich solle meinen Kram doch einfach schon mal im Kat deponieren. Samstags werden die Charterboote immer gründlich gereinigt. In diesem Fall war Svend Age, seines Zeichens Chef der Agentur, noch im Boot und organisierte die Verteilung der letzten Spaghettireste der Vorgängergruppe an die nächste Crew. Sobald er von Bord war, übernahm Hans das Kommando und leitete erstmal eine Chlorifizierung der Toiletten ein. Danach eilten wir im Mietwagen mit- und gegen den Straßenverkehr („In der Türkei ist der Verkehr noch viel schlimmer“ – später dachte ich noch öfter an diesen Ausspruch) durch Le Marin und organisierten unsere Einkäufe. Hans besaß ein Gulet (großes Holzboot) in der Türkei und machte den Job des Karibikskippers im Winter, weil in dieser Zeit niemand mit ihm im Mittelmeer herumfährt.

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Unsere Crew bestand aus einer Gruppe aus Franken, einer Krankenschwester, einer Schweizerin und mir. Im Nachhinein kann ich sagen, dass diese Konstellation kaum zu toppen war. Aber zu Beginn hatte ich doch so meine Zweifel. Wir kauften die üblichen irrsinnigen Vorräte an Alkohol und beluden das Boot damit. Nur – das Wetter meinte es nicht gut mit uns. Stürmische Winde sorgten für eine ordentliche Welle aus dem Osten und verzögerten unseren Aufbruch. Tja, was macht man bei 30° Celsius im Salon eines Boots, wenn die Alkoholvorräte aufgefüllt sind?
Man verbraucht sie! Und so klimperte ich auf meiner schönen Slide-Gitarre vor mich hin, während die Gruppe einen Gin/Vodka/Rum/Tonic nach dem anderen abschüttete. Ich malte mir Schreckliches aus, wie sollten die nächsten Tage werden? Hätte ich gewusst, dass mich Sandra, die Schweizerin, vier Jahre später auf dem eigenen Boot begleiten sollte, wäre ich wohl optimistischer gestimmt gewesen.

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Schließlich legten wir ab. Hans wußte, dass es immer noch sehr kabbelig war. Resultat war dann, dass die großen Wellen zwischen den Inseln unseren Katamaran in regelmäßigen Abständen anhoben und damit für ein ziemlich flaues Gefühl in der Magengrube sorgten. Ich will nicht lange drumherumreden, es soll zwar Dinge geben wie Vitamin C, gesunde Ernährung, wenig Alkohol und eine disziplinierte Betrachtung des Horizonts. Aber daran hat sich natürlich niemand gehalten und schließlich haben die meisten Mitsegler leeseitig die Fische gefüttert. Auch mir lief schon vor Vorfreude das Wasser im Munde zusammen, doch zum Glück erreichten wir rechtzeitig die Lee-Seite der nächsten Insel: St. Lucia.

Eine Freundin verbrachte dort vor einiger Zeit zusammen mit Bekannten den Karneval und konnte berichten, dass Karneval in der Karibik eine nette Umschreibung für Sex in der Öffentlichkeit ist.
Sobald man die Gewässer der Insel befährt, scharen sich schnell einige Motorboote um die eigene Yacht und belatschern den Skipper, doch bitte an der eigenen Boje anzulegen. Man nennt sie die „Boat Boys“.

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Sie verbreiten ein weltmännisches Flair, da sie angeblich schon die eine oder andere Engländerin beglückt haben, die es dann leider doch aus unpässlichen Gründen versäumt hat, sie mit nach Hause zu nehmen. Als Reisender aus einem reichen Land darf man hier nie eine simple Wahrheit vergessen: alle, die einen ansprechen, sind arme Schlucker und wollen etwas von einem. Das ist absolut legitim, nur sollte man es korrekt einzuordnen wissen. Wir legen an der Boje des Boat-Boys  an und wenig später spratzelt schon der Grill. Irgendeine Pfeife lässt den Grill-Rost ins Wasser fallen… auch emsiges Tauchen bringt ihn nicht wieder ans Tageslicht. Aber unser Boat-Boy leistet uns dafür noch ein wenig Gesellschaft.

Wir sind unschuldige Touristen, kredenzen Cocktails mit Kokosmilch und Rum und da soll unser Boy ruhig auch was von abbekommen. Er erzählt uns von seinem Leben, das im Wesentlichen aus Doperauchen und Ziegenhüten besteht. Und er wird es nicht müde zu erwähnen, dass er als Lover von so einigen Engländerinnen wirklich hoch im Kurs stehe. Wie soll man sich verhalten, als unendlich reicher Europäer, wenn einem so ein Kerl davon erzählt, wie er den Zipfel des Reichtums zu fassen bekommt und es doch niemals schaffen wird, davon wirklich etwas zu greifen? Da hilft auch Reggae Musik von Bob Marley nicht weiter. Für mich war es aber die Nacht, in der Bob Marley Gesicht und Gefühl bekam. Heute sitze ich in meiner frankfurter Wohnung und schaue mit einem merkwürdigen Gefühl zurück auf diese Szene, in der sich die reiche und die arme Welt auf dem Kunststoffdeck eines Boots begegneten. Auch später in anderen Teilen dieser Welt sollte es mir so gehen… dieser Gegensatz ist nicht aufzulösen, damit muss man leben. Oder nicht in diese Länder reisen. Seitdem ist meine Einstellung zu allen „Extragebühren“, abzockerischen Obstverkäufern und Gaunern am Straßenrand die folgende: gib ihnen was ab von deinem Reichtum. Es ist letztendlich Entwicklungshilfe, nur sehr direkt an den Mann gebracht. Ohne eine deutsche Hilfsorganisation dazwischen, die etwa die Hälfte der Spendengelder für organisatorische Zwecke abzweigt.

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Am nächsten Morgen war Sightseeing angesagt. Dampfende Vulkankrater und Fledermaushöhlen wollten besichtigt werden. Ein einheimischer Führer lotste uns (so wie hunderte andere Touristengruppen vorher) durch das Unterholz zu einer heißen Quelle mit Wasserfall. Auch eine Kakaofrucht direkt vom Baum holte er uns herunter. Das weiße Fruchtfleisch um die Kakaobohnen herum schmeckte süß und aromatisch lecker. Ein netter Ausflug und außerdem so ziemlich das einzige, womit wir Touristen die Inselwirtschaft rund um das Städtchen Soufriere ankurbeln konnten. Wir blieben noch auf ein „Piton“-Bier in einer der Kaschemmen in Ufernähe. Die kaputten Holzhäuser mit der abblätternden Farbe wirkten auf uns doch sehr romantisch. In Wahrheit aber war der Verfall der Ortschaft und auch der Menschen hier unübersehbar.

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In dieser Nacht sollte mein Kojennachbar aufstehen und im Suff den Motor des Boots starten. Während wir noch fest an der Boje lagen. Er wollte weg, fühlte sich von den Klippen in der Nähe bedroht. Skipper Hans hat es zum Glück bemerkt und verbrachte den Rest der Nacht mit Erklärungen und Beschwichtigungen. Bei anderen Skippern hätte mein Kojennachbar wohl im nächsten Hafen von Bord gemusst. Bei Skipper Hans nicht, und das ist ihm hoch anzurechnen. Er konnte Konflikte auf eine nette Art lösen, das ist sehr selten unter diesen Touristen-Kommandanten. Besonders, da ich mittlerweile die leidvolle Erfahrung mit anderen Skipper-Admirälen machen durfte (siehe Ein SKS-Törn auf den Kanaren bleibt scheinlos).

Leider ist Hans mittlerweile tot. Er verunglückte wenige Jahre später auf dem Weg zu einem Boot in der Türkei. Abgerutscht mit dem Auto oder dem Mopped, ich weiß es nicht genau. Ich weiß nur, dass seine ultra-obszessive türkische Freundin ihn auf Schritt-und-Tritt überwacht hat, soweit es die damalige Handy-Technologie eben zuließ. Jetzt überwacht er uns von oben und freut sich bestimmt, dass sein damaliger Mitsegler mittlerweile selbst zum Skipper geworden ist.

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Wir lösten uns von der Boje. Wir wollten weiter in Richtung Süden. Normalerweise lautet der Plan auf einem solchen Segeltörn, schnell in Richtung Süden zu fahren, um dann gemächlich wieder in den Norden zu kommen. So ist man flexibel, was Wind und Wetter angeht und so hielten wir es auch. Saint Vincent war unser nächstes Ziel. Dank konstantem Passatwind besteht das Segeln im Wesentlichen aus dem Setzen der Segel. Danach wird solange man möchte auf halbem Wind gesegelt und irgendwann holt man die Segelgarnitur wieder ein, um sich ein ruhiges Plätzchen in Lee der Inseln zum Übernachten zu suchen. Wenden oder Kreuzen braucht man nicht. Halsen auch nicht. Solange man stabiles Wetter hat, fährt man einfach seinen Kurs und folgt den reihenweise auftauchenden Inseln.

In welcher Bucht wir genau übernachtet haben weiß ich nicht mehr. Nur, dass nachts plötzlich Taschenlampen im Dickicht zu leuchten begannen. Als verweichlichter Europäer malt man sich in so einem Fall die grausigsten Gründe dafür aus. Von karibischen Kannibalen, die es auf weißes Frischfleisch abgesehen haben bis zu korrupten Polizisten, die einem ans Leder wollen… Am nächsten Morgen stellte sich heraus, dass wir vor einem aufgegebenen Hotelkomplex geankert hatten. Die kleinen Gästehütten lagen verstreut am Hang und wie es aussah, gab es noch eine Handvoll Wachmänner, die das Gebiet kontrolliert haben. Tja, es sah ganz so aus, als ob wir selber die Eindringlinge gewesen sind.

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Und weiter ging es mit dem Wind! Der nächste Halt war die kleine Insel Bequia mit seiner „Hauptstadt“ Port Elisabeth. Eine große Bucht mit türkisfarbenem Wasser empfing uns. Die verrücktesten Bootskonstruktionen näherten sich uns Neuankömmlingen und boten ihre Dienste an: Verkauf von Frischwasser, Absaugung von Abwasser, Diesel, Wäscheservice und natürlich die allgegenwärtigen Obst- und Gemüseverkäufer. Wir verbrachten den Abend an Land im ziemlich edlen „Devil’s Table – Food and Barrels of Rum“ und anschließend in einer klapprigen Bar mit einem unglaublich zugedröhnten DJ – es war wunderbar.

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Der Wind blies uns weiter, und zwar nach Mustique. Die Insel der Reichen und der Adligen, der Stars aus Rock und Pop! Und weil man in diesen Kreisen gerne unter sich bleibt, kostet das Ankern vor Mustique auch eine unverschämt hohe Gebühr, die nur von solch großen Touristengruppen wie uns überhaupt noch berappt wird. Ganz ähnlich wie im kroatischen Briuni Nationalpark vor Istrien. Andererseits – in „Basil’s Bar“, so sagt man, kommt hin und wieder Keith Richards vorbei, trinkt seine vier Finger hoch Rum und spielt ein Liedchen auf seiner Klampfe. Und genau das hatte ich ebenfalls vor! Was ich wieder mal verdrängt hatte: keiner der Superstars ist länger als ein paar Wochen pro Jahr in seinem Feriendomizil auf Mustique anzutreffen. Die Chance also, hier auf Bryan Adams, Mick Jagger, Paul McCartney oder Johnny Depp zu treffen ist mehr als bescheiden. Die einzigen Menschen, die hier wirklich leben, das sind die guten Geister in Form von Gärtnern, Hausmädchen und anderen Angestellten, die die Insel am Laufen halten. Und die sie in einen riesigen sterilen Golfplatz verwandelt haben. Sie malen sogar die Kokosnüsse an den Palmen zu Weihnachten silbern an. Nichts wie weg hier.

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Bevor wir ablegten, besorgten wir uns noch etwas Fisch bei den herumsitzenden Fischern der Insel. Sie spielen den ganzen Tag Domino. So sieht es jedenfalls aus. Was den Chinesen ihr Mahjong, ist den Kariben ihr Domino. Die Fische waren jedenfalls rot und ziemlich grätig. Auch wenn hier Berge von Gehäusen von Conch-Schnecken herumlagen und wir uns gerne ein schönes Exemplar für zu Hause mitgenommen hätten: lieber nicht, sowas wird vom Zoll einkassiert und man darf dazu noch ordentlich Strafe zahlen.

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Wir segelten weiter. Union Island war das nächste Ziel und diese Insel ist eigentlich einen eigenen Artikel wert. Korallen als Wellenbrecher, Lambi’s Bar mit Steel Drum Band und Conch-Schnecken-Ragout. Die Künstler Kolonie. Soggy Dollar „Happy“-Bar (nicht die auf den British Virgin Islands). Beinah abgebrochener Außenborder dank Korallen im Dunkeln. Party mit Carib-Beer. Party mit minderjährigen Nutten, die nach Eheringen suchen. Krankenschwestern, die einen retten. Skipper, die nachts mit Klamotten auf dem Kopf zurück zum Boot schwimmen. Kanonen, die auf Kreuzfahrtschiffe zeigen. Auf dieser Insel gibt es alles. Die Karibik im Kleinen.

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Mit nur unwesentlichem Kater im Kopp ging es am nächsten Tag weiter in die Tobago Cays hinein. Das sind schon wieder kleine Inseln, nur diesmal geschützt von einem vorgelagerten Korallenriff. Draußen blasen 5-6 Beaufort Wind und schleudern eine ordentliche Welle an das Riff. Drinnen ist es spiegelglatt und nur der Wind heult – surreal. Hier darf man keinen Pups lassen, keine Fische angeln und auch nicht Ankern, ohne dass gleich ein Parkwächter ankommt und einem nen fetten Strafzettel verpasst. Außer man ist Einheimischer. Dann wartet man ab, bis der Touri an der Boje liegt und verkauft ihm dann den eben frisch harpunierten Fisch. Ich glaube, man nennt es Ambivalenz.

Wer es wollte, konnte hier am Riff und auch dahinter Schnorcheln gehen. Für mich als Brillenträger relativ uninteressant, da ich nichts sehe. Dazu kommt die recht heftige Strömung, die einen in null komma nix weggetrieben hat. Nichts für Landratten. Aber wir konnten mit Wasserschildkröten um die Wette schwimmen. Es wimmelte hier nur so von denen und kam man ihnen zu nahe, schnappten sie nach einem. Habe ich mir später von Dritten erzählen lassen…

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Und dann waren wir auch schon wieder auf dem Rückweg, in Richtung Norden, nach Martinique. Eine Nacht sind wir durchgefahren, unter Motor gegen die Wellen. Es war ein denkwürdiges Gefühl, in der eigenen Koje wie in einem Trampolin zu liegen. Jede Welle führte zu einem kurzen Moment der Schwerelosigkeit. Wenn ich heute daran zurück denke, wie komfortabel es doch alles in allem auf diesem Katamaran war, dann will ich mir wirklich nicht vorstellen, wie sich diese Reise mit meinem kleinen 27 Fuß Bootchen angefühlt hätte. Man kann das aber nachlesen, denn Thomas Langer hatte vor ein paar Jahren mit seiner Albin Vega „Frigga“ diese Route genommen. Und hat dann mitten auf dem Atlantik festgestellt, dass ihn das ewige Geschaukel um den Verstand bringt. Auch ein Argument für mich, erst mal im Küstenbereich des Mittelmeers zu bleiben.

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Irgendwie habe ich die Insel Mayreau vergessen. Hier haben wir auch gestoppt, irgendwo zwischen Union Island und den Tobago Cays. Ich muss kurz über Kreuzfahrtschiffe sprechen. Die haben ja eigentlich alles an Bord, was man jemals brauchen könnte. Nur eines haben sie (noch) nicht: einen eigenen Sandstrand! Und weil es uncool ist, ein Barbecue woanders als an einem karibischen Sandstrand zu halten, mietet man eben mal schnell eine halbe Insel und baut ein Grillbuffet für 3000 Passagiere auf. Das sah dann für uns so aus, dass wir am Vorabend noch mutterseelenallein in einer schönen Bucht vor Mayreau lagen. Während am frühen Morgen ein Kreuzfahrtriese draußen seinen Anker warf und die Beiboote im Morgengrauen damit begannen, den Strand vorzubereiten. Liegen, Tische, Grills und eine zünftige Cocktailbar müssen schon stehen, wenn um 9 Uhr die ersten Gäste eintrudeln. Und ehe wir es uns versahen, lagen wir „im Weg“. Schon merkwürdig, wenn einen nach dem Aufstehen ein paar hundert Touristen-Augen anstarren…

Hey, das war mal unser Strand! Wir sind hier gestern Abend im Schweiße unseres Angesichts die steile Dorfstraße aufgestiegen. Wir waren das, die gestern in Robert’s Bar eingekehrt sind und dort die letzten Biervorräte geleert haben! Wir waren das, die zu Reggae aus einem Subwoofer aus Kanalröhren getanzt haben! Ihr habt währenddessen in eurer Kajüte gelegen und euch zur nächsten nichtssagenden Insel fahren lassen, für die ihr widerwillig die klimatisierte Kabine verlassen müsst, wenn ihr sie besichtigen wollt!

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Der alte Robert war korrekt. Mit seinem Joint in der Rechten und der Mundharmonika in der Linken hat er den Laden im Griff gehabt. Nachdem ich mit seinen Jungs ein wenig getrommelt habe und er irgendwann kein Bier mehr hatte, ist er zusammen mit uns in seine Lieblingskneipe gezogen und hat uns dort einen ausgegeben. Das war ein kalt gekachelter Laden, in dem sich die Einheimischen vergnügt haben. Irgendwie hatten sie alle was mit den Touristen zu tun: die Boat Boys, die Barbesitzer, die Charter Skipper wie unser Hans, die örtlichen Nutten (die waren wirklich überall)… es war ein Spaß! Und ich glaube, hier muss ich mich berichtigen: es war hier, wo unser Skipper kein Ende fand und sich erst am frühen Morgen mit den Klamotten auf dem Kopf schwimmend auf den Weg zu unserem Kat machte.

Eigentlich war es das. Wir waren noch in den Restekulissen von „Piraten der Karibik“ und haben uns verkleidet und mit Säbeln attackiert. Was anderes blieb uns auch nicht übrig, um die Zeit herumzukriegen: Hans hatte uns schon ausklariert für den Grenzübertritt und wir lagen trotzdem noch in der Bucht dieser Insel. Das ist eigentlich kein Weltuntergang – außer, draußen patrouilliert seit Stunden die Küstenwache. Und da dachten wir uns so, vielleicht sollten wir lieber noch ein wenig klatschnass hier in der Bar sitzen bleiben, bis die Polente wieder weg ist. Alle haben es überlebt. Hinterher gab es gebratene Chillis und spätestens dann war es wieder allen warm!

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Was soll ich sagen. Dieser Urlaub war genial und es kamen viele glückliche Umstände zusammen. Und er ist sicherlich so nicht wiederholbar. Aber wer Interesse an solch einem Segeltörn hat, dem würde ich jederzeit empfehlen: mach es! Man sollte sich nicht von alten Karibikhasen beeindrucken lassen, die behaupten, früher wäre dort alles besser gewesen. Fahrt hin und schaut euch die Gegend an. Obwohl tausendfach stärker besucht als früher, ist es dort immer noch ursprünglicher als in den meisten Touristengebieten Europas.

Zum Ausklang noch ein paar Bilder, die ich kommentarlos loswerden möchte…

Karibik 502 palme klettern

karibik boot verkäufer

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