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Die große, steile und chinesische Mauer in Mutianyu

Die Chinesische Mauer ist vom Weltraum aus nicht zu sehen. Tut mir leid. Das ist tatsächlich ein Mythos, den auch der erste Chinese im All schließlich kleinlaut dementieren musste. Trotzdem, die Mauer ist immer noch gigantisch. Rauf geht es mit dem Sessellift, runter mit dem Sommer-Bob. Dazwischen ist Raum für Muskelkater, Sonnenbrand und Propagandageflüster.

Vor sehr vielen Jahren besuchten wir unsere Verwandschaft in Süddeutschland und kamen so in den Genuss, auf einer Sommer-Bob-Bahn zu rodeln. In einer schlangenförmigen Halbröhre aus Edelstahl saust man mit seinem Bob den Berg hinab und hat einen Heidenspaß. Kaum 25 Jahre später sollte ich diese Konstruktion wiedertreffen. Allerdings am anderen Ende der Welt. Denn China baut nicht nur abgewrackte Eisenhütten im Ruhrgebiet ab und verschifft sie nach Hause, sondern nimmt auf dem Weg dorthin auch noch allerhand anderen Krimskrams mit.

2015 peking (117) große mauer rodelbahn

Und so kommt es, dass man die Chinesische Mauer bei Mutianyu am einfachsten mit einem klassischen Sessellift erklimmt und mit einem süddeutschen Sommerbob wieder verlässt. Es gibt natürlich noch andere Orte, an denen die Chinesische Mauer touristenreif restauriert wurde. Aber Mutianyu ist besonders deshalb empfehlenswert, weil es dort noch ein wenig ruhiger zugeht als an den anderen Abschnitten. Es hat Wald und Natur, das ist nicht die schlechteste Atmosphäre, um dieses Kulturerbe zu besichtigen.

2015 peking (120) große mauer sessellift

Von Normen à la DIN, ISO und anderen hat man im alten China komischerweise noch nichts gehört. Deshalb sind die Treppenstufen auch abenteuerlich konstruiert. Mal erklimmt man sie mit einer Höhe von 40 cm, mal ist die Stufe nur ein kleiner Absatz, über den man nichtsahnend stolpert. Die Mauer selbst folgt immer dem Kamm der Hügelkette. Sie geht also mal steil nach unten und mal senkrecht nach oben. Analog dazu wächst oder schrumpft die Stufenhöhe. Diese Bauweise ist zwar aus touristischer und wirtschaftlicher Sichtweise idiotisch. Aus militärischer Sicht allerdings die einzig wahre Lösung. So haben die Verteidiger immer die optimale Position, um angreifenden Hunnen in den Feuertopf spucken zu können.

2015 peking (140) große mauer mutyangu

Zwei Dinge sollte man als verweichlichte Weißnase nicht vergessen: Sonnencreme gegen Sonnenbrand und Magnesium gegen den Muskelkater. Und Ohropax gegen die chinesische Propaganda aus den überall verteilten Lautsprechern („The eagle flies over this beatiful country, blah, würg…“).

2015 peking (147) große mauer hohe stufen

Wie kommt man von Peking zur Großen Mauer? In meinem Fall ganz einfach per Chauffeur. Am besten mal im Hotel nachfragen. Hier wird man gern mit dem ortsansässigen Monopolisten „Mr. Yang“ verbunden. Bei diesem „Mann“ handelt es sich um eine Firma, die hinter den Besucherparkplätzen an der Mauer im Inneren des Areals ansässig ist und so eine Art rundum sorglos Paket schnürt. Man zahlt für den Transfer vom Hotel zur Mauer und zurück. Dazu kommt die Fahrt mit Lift und Bob sowie Mittagessen nach Wunsch. Mr. Yang sammelt die Kohle ein und schleust einen überall durch. Wer denkt, damit übervorteilt zu werden, irrt. Es werden die regulär ausgeschriebenen Preise berechnet. Ein Tagesausflug für unter einhundert Euro alles inklusive, das ist nicht schlecht. Mit mehr als nur einer Person wird es natürlich erst wirklich attraktiv und entsprechend billiger pro Kopf.

2015 peking (165) große mauer steil

Hat man Aufstieg, Wanderung und Abfahrt gemeistert, kann man schließlich noch einen Kaffee im Starbucks am Fuße der Mauer zu sich nehmen. Und dazu einen Sandwich von Subway essen. Da sag ich nur:

Tod dem Kapitalismus!
* schlürf *
Es lebe die Revolution!
*knurps*
Auf zum großen Sprung! Vorwärts, Genossen!
*burps*

Das war sie wieder, die chinesische Ambivalenz.

2015 peking (144) mutyangu steil mauer

Mit dem Fahrrad durch Peking

Es gibt eine Millionen Fahrräder in Beijing, sang Katie Melua vor ein paar Jahren im Radio. Damit hat sie wohl Recht. Hinzu kommen neuerdings aber nocheinmal so viele Autos und Scooter. Und so ist das Radfahren in Peking ein kleines Abenteuer.

Aber wirklich nur ein kleines. Denn hat man erstmal den komplett durchgeknallten Straßenverkehr in Ländern wie Indien und Indonesien erlebt, kann einen nichts mehr schocken. Dort würde ich nie im Leben aufs Fahrrad steigen. Aber in China ist das anders. „Organisiertes Chaos“ mit immerhin noch zu erahnenden Regeln, könnte man wohl sagen.

Schaut man sich die offiziellen Einwohnerzahlen von internationalen Mega-Städten an, kann einem schwummerig werden: Paris 2 Millionen. New York 8 Millionen. Jakarta 9 Millionen. Mumbay 12 Millionen. Nicht verwechseln darf man diese Zahlen der Stadtbereiche mit denen der jeweiligen Einzugsgebiete, die noch um einiges höher ausfallen. Und so kommt es, dass für Peking ca. 20 Millionen Einwohner gelistet sind, wo die eigentliche Stadt doch „nur“ 12 Millionen hat. Ein Klacks. Schaut man sich jetzt nur noch den wirklich zusammenhängend bebauten Stadtkern an, bleiben bloß noch lächerliche 8 Millionen Einwohner übrig! Die verteilen sich bestimmt großzügig irgendwo… Mit diesem Wissen gerüstet, warf ich mich in den Pekinger Stadtverkehr. Mein Hotel war nämlich so nett, mir ein Fahrrad gratis zur Verfügung zu stellen und somit war ich das einemillionenunderste Fahrrad auf Pekings Straßen.

2015 peking (31) verkehr gewitter smog dämmerung

Im Geschäftsleben gibt es ja das westliche „yes“ zur konkreten Bestätigung einer Anfrage. Und es gibt das sogenannte „chinese yes“. Dahinter kann sich alles verbergen, von „hab ich verstanden“ bis zu „ich hab kein Ahnung, was du Weißnase von mir willst“. So ähnlich ist das auch mit den Ampelfarben. Ich würde es mal das „chinese red“ nennen. Man ist zwar für den größten Teil der eigenen Grünphase in Sicherheit. Völlig ausgeschlossen ist es aber nicht, dass ein wild gewordenes Monster-SUV mit Vollgas in die belebte Kreuzung hinein brettert. Immer noch besser als in Indien, wo Ampelfarben gänzlich unbekannt sind. Aber eben auch noch nicht auf europäischem Niveau. Das sollte man wissen, bevor man bei Grün die Kreuzung betritt.

Die Rangfolge im chinesischen Straßenverkehr ist ansonsten streng hierarchisch gegliedert: LKW und Bus schlägt Monster-SUV. SUV schlägt normales Auto. Auto schlägt Mopped. Mopped schägt Fahrrad. Fahrrad schlägt Fußgänger. So einfach ist das. Manchmal versucht auch das Monster-SUV den Bus zu schlagen. Wie das aussieht, zeigte eindrucksvoll ein Haufen Blech hinter einem kaum lädierten Reisebus.

2015 peking (80) fahrrad parkplatz

In der Praxis muss man daher als Fußgänger und natürlich auch als Radfahrer seine Augen überall haben. Das liegt auch an den überall herumwuselnden lautlosen Elektrorollern. Man hört sie nicht und plötzlich zieht neben einem so ein Ding vorbei. Dabei sehen diese klapprigen Roller aus, als stammten sie noch aus Maos Zeiten. Dafür müsste es doch in Deutschland auch einen Markt geben, denn teuer können die ja nicht sein. Jedenfalls, wenn für mich gebremst wurde, dann nur, weil ich kein Chinese war. Wer Ausländer schädigt, kann in den Knast wandern. Das scheint sich tief im Hirn der Chinesen verankert zu haben. Ansonsten ist es sehr hilfreich, wenn man zu Beginn seines Asienaufenthaltes immer hinter den Einheimischen herläuft oder –fährt. Das Tempo ist eher gemütlich, so kann man sich in das fremde System langsam einfinden. Sehr gut ist, dass Fahrradfahrer eine eigene Fahrbahn haben. Sie ist auch physikalisch vom Rest der Straße getrennt, es ist dort also relativ sicher.

2015 peking (190) fahrradspur

Die Straßen sind meistens verstopft, so kommt man mit dem Fahrrad allemal zügiger voran als mit dem Taxi. Falls einen das Taxi überhaupt mitnimmt. Denn sobald man auf das Taxameter besteht, fordert der Fahrer lieber einen wesentlich höheren Festpreis. Das macht Taxifahren zu einem unangenehmen Unterfangen. Mit dem Rad hat man dieses Problem nicht, man stellt es einfach dort ab, wo man anhalten möchte und kann sich auch in aller Ruhe die Hutongs, die kleinen Gassen in der Altstadt von Peking anschauen. Alternativ könnte man dort auch per Rikscha, geführter Fahrradtour oder sogar im Beiwagen eines Motorrads durchfahren. Ist aber alles recht teuer und im Prinzip unnötig. Hat das Hotel kein Fahrrad, so findet man an den öffentlichen Ausleihstationen immer welche oder man kauft sich eben eines bei einem der kleinen Reparatur-Shops in den Hutongs.

2015 peking (75) fahrrad strassenverkehr

Als andere Verkehrsmittel wären da noch die Busse und U-Bahnen zu erwähnen. Die Busse scheiden für mich völlig aus, da die aushängenden Pläne nur auf Chinesisch waren. Die U-Bahn ist eine Empfehlung wert. Größtenteils neu und gut beschildert. Hierfür gibt es eine kleine aber nützliche App, die nichts weiter kann, als den U-Bahnplan von Peking anzuzeigen. Die Bahn verläuft ringförmig um die Innenstadt, das hilft einem in vielen Fällen also auch nicht weiter, wenn man von Nord nach Süd möchte. Die Preise für Bus und U-Bahn sind wirklich lächerlich niedrig. Man sollte also allein schon deswegen chinesisch lernen…

Mein Fazit für Fahrradfahren in Peking lautet definitiv: machen! Man erlebt die Stadt sehr direkt, kann überall anhalten, ist flott unterwegs und braucht sich nicht mehr um andere Verkehrsmittel zu kümmern.

2015 peking (189) fahrrad sonnenuntergang

Das Ji House Courtyard Hotel in Peking

Drei Tage Zeit in Peking. Stellt sich wie immer die Frage: wo wohnen? Mein Fazit: ich würde wieder in das Ji House Courtyard Hotel gehen, das idyllisch in einem Hutong der pekinger Altstadt liegt.

Es gibt ja mehrere Möglichkeiten, sich in einer fremden Stadt nach einer Unterkunft umzusehen. Erstmal natürlich die Hotel-Portale wie HRS, Booking.com und andere. Hier bekommt man schon mal einen realistischen Überblick, was ein Zimmer ungefähr kosten wird. So richtig „einzigartige“ Unterkünfte sind das natürlich nicht. Falls man es irgendwann satt hat, in den immer gleichen Hotelketten unterzukommen, so gibt es noch andere Wege, um charmante Hotels zu finden. Sehr zu empfehlen ist dafür Tripadvisor. Dieses Portal hat sich international zum Standard für Reisende gemausert. Mittlerweile kann man auch indirekt dort buchen. Hier findet man jedenfalls eine weitaus größere Vielfalt an Hotels, Gasthäusern, Hostels, etc. Und hier findet man sehr viele Bewertungen, die man sich sogar übersetzen lassen kann. Die Qualität der Übersetzungen ist leider mies, besonders von Chinesisch nach Englisch. Aber immer noch ausreichend, um anhand von Schlagworten den Inhalt zu begreifen. Wie das so ist mit Bewertungen, so wird auch hier viel Unsinn geschrieben. Wenn sich aber über Monate hinweg die Beschwerden häufen, dann sollte man von der entsprechenden Unterkunft besser fern bleiben.

2015 peking (112) ji house courtyard hotel

Und dann gibt es seit Neuestem noch Air BnB. Viel gehyped, man liest ständig darüber und vor allem die klassische Hotelbranche würde diesen Anbieter von privat vermieteten Zimmern am liebsten verbieten lassen. Die Auswahl an Zimmern ist groß, allerdings war im Fall von Peking nicht immer klar, ob man jetzt ein eigenes Zimmer für sich alleine hat oder ob man unfreiwillig zum Mitglied der Familie wird… Preiswert war auch nur ein kleiner Teil der angebotenen Zimmer, die meisten fand ich ziemlich teuer.

A propos teuer. Peking ist eine Großstadt wie jede andere auch und da muss man es sich leider abschminken, billig wohnen zu können. Es ist zwar nicht so schlimm wie in Moskau, Hong Kong oder Singapur. Aber die Preise liegen auf internationalem Niveau, was bedeutet, für unter einhundert Euro bekommt man kaum etwas Anständiges.

2015 peking (184) ji house zimmer

Wie kriege ich jetzt die Kurve zum Ji House… ich glaube bei HRS wurde ich fündig. Für ungefähr hundert Euro die Nacht bekommt man hier ein gut ausgestattetes Zimmer mit Doppelbett und großem Bad. Dass der Abfluss etwas müffelt, haben die Bewertungen schon nahegelegt. Chinesischer Pragmatismus ist, einfach rund um die Uhr den Lüfter laufen zu lassen. So tragisch war es nicht und da ich im Frühjahr zu Besuch war, konnte man auch die Fenster immer leicht geöffnet lassen.

2015 peking (183) ji house badezimmer

Das „Hotel“ besteht aus mehreren kleinen Häuschen von denen jedes ein eigenes Gästezimmer darstellt. Mehr als 5 oder 6 sind es nicht und sie umgeben gemeinsam den zentralen kleinen Innenhof. Damit wäre das „Courtyard“ im Namen auch geklärt. „Ji“ heißt wohl Schilf, wovon es hier aber keines mehr gibt. Das Hotel liegt im Bereich der Altstadt von Peking, vielleicht drei Kilometer vom Platz des Himmlischen Friedens entfernt in nördlicher Richtung. In dieser Gegend nennt man die kleinen Gassen „Hutong“. Und so liegt mein Hotel im Shaluo Hutong. Die Sträßchen sind so eng, dass man dort kaum mit dem Auto durchkommt und am besten Fahrrad fährt (siehe mein Artikel) oder einfach läuft. Eigentlich ist es wie in Deutschen Altstädten auch: eng und gemütlich und hier findet man die interessantesten Läden. Es ist eine kleine Welt für sich, abseits der großen verstopften Straßen. Hier gibt es Imbissbuden, Wäschereien, Fahrradreparateure, Restaurants… kurz, es gibt hier alles, was es im glänzenden Großstadt-Peking auch gibt. Nur eben eine Nummer kleiner.

2015 peking (185) shaluo hutong ji house

Das Frühstück bei den Li’s ist einfach, aber gut. Da ich in fremden Ländern immer die lokale Küche bevorzuge, habe ich mich auch hier für das chinesische Frühstück entschieden. Man kann wohl auch ein Europäisches haben, ist dann aber selbst schuld, wenn es nicht schmeckt (schon mal in einem deutschen Gasthof ein chinesisches Frühstück bekommen?!). Immer dabei ist das heilige Triumvirat aus warmer Suppe, Dumplings und Eierspeise. Im Detail kann es dann eine Art Müslisuppe mit Früchten und weichen Nüssen sein (Laba Reisbrei). Oder eine Congee-ähnliche Reissuppe mit Mais. Und immer ist eine Tasse Sojamilch mit dabei. Die Dumplings sind helle, weiche, gedämpfte Klößchen mit Fleischfüllung. Und Ei-mäßig gibt es fast immer ein luftiges Omelette und ein gekochtes oder gebackenes Ei. Nicht zu vergessen die salzig deftigen Mixed Pickles, die man sich ins Brötchen oder die Suppe streuen kann. Hinterher ist man echt fit für eine lange Tour durch die Stadt!

2015 peking (111) ji house frühstück

Betrieben wird das Gästehaus wie schon erwähnt von Herr Li und seiner Frau. Sein Neffe Tony („speak english driver“) hatte mich vom Flughafen abgeholt und dabei non-stop von Germany geschwärmt. Ein angestelltes Mädel spricht sehr gut Englisch und ist auch die meiste Zeit anwesend. Alles Wichtige sollte man mit ihr besprechen, da die Li’s leider kein Englisch können. Ich halte das Ji House Guesthouse für eine ideale Unterkunft, um Peking zu erkunden. Von hier ist es nicht weit bis zum Drum Tower, dem Lama Tempel oder dem Tempel von Konfuzius. Selbst wenn man abends völlig erschlagen zurückkommt, findet man nicht weit an der nächsten größeren Straße eine große Auswahl an Restaurants. Ein Fahrrad bekommt man gratis geliehen, damit lässt sich hervorragend die Stadt erkunden. Ebenso organisieren sie den Flughafentransfer oder einen Ausflug zu Großen Mauer (siehe mein Artikel).