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Frankfurter Mispelchen, das Kultgetränk

Als „Mispelchen“ wird ein Getränk aus Calvados, garniert mit einer eingelegten Mispel aus der Dose bezeichnet. Aber was zum Geier ist eigentlich eine Mispel?!

Als jemand, der in und um Frankfurt lebt und aufgewachsen ist, glaubt man ja, eigentlich schon alles über die hiesigen Kultgetränke zu wissen. Als ich aber neulich mit Freunden in einer sachsenhausener Apfelweinwirtschaft saß, musste ich mich von Eingeplackten mit Hemd und Kravatte belehren lassen, was ein „Mispelchen“ ist. Normalerweise kümmert mich das Kluggescheiße von irgendwelchen Bankern und selbsternannten Gordon Gecko’s herzlich wenig. Aber diesmal hatten sie Recht: es gibt seit geschätzten 15 Jahren eine frankfurter Spezialität, die an mir vorbeigegangen ist. Vielleicht stand sie auch schon immer auf der Getränkekarte und wurde von mir bloß als Modegetränk abgetan. Aber das würde dem Mispelchen Unrecht tun. Denn es hat eine Eigenschaft, die sie für immer im frankfurter Kosmos verankern wird: Äpfel!

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Ok, nur die eine Hälfte ist aus Apfel, nämlich der Calvados. Und der stammt aus Frankreich. Ist aber auch kein Problem, denn schließlich sind vor langer Zeit genügend Hugenotten hier eingewandert und es waren sicherlich sie, die den Calvados im Ledersäckel hatten und hier einführten. Dazu kommt die andere Hälfte des Getränks, nämlich die Mispel. Wieder so ein urtümliches Gewächs, das vor langer Zeit einmal einen festen Platz in Europa hatte aber mittlerweile größtenteils verschwunden ist. An manchen Plätzen wächst der Baum aber noch, man muss nur aufmerksam hinschauen. Im Saarland nennen sie die aprikosenartige Frucht übrigens „Hundsärsch“, da sie vom Pol aus betrachtet ein wenig an die Poperze eines Köters erinnert. Sie machen Schnaps daraus, was sonst.

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Der Mispelbaum fällt nicht besonders auf mit seinem strauchartigen, leicht krüppelig wirkenden Geäst. Das Obst, also die Mispel, wird erst im Spätherbst reif und hängt von nun an im dürren Gezweig des Bäumchens und warten auf jemanden, der sie erntet. Frost tut der Frucht gut, denn ansonsten ist sie steinhart und ähnlich ungenießbar wie die Quitte. Lässt man die Mispel also ein paar Wochen im Obstkorb vor sich hin reifen, dann kann man es schon wagen, einmal hinein zu beißen. Genug der Theorie, wo findet man schon Mispelbäume (z.B. am kelkheimer Rettershof…)? Es ist doch wesentlich einfacher, sich eine Dose mit der eingelegten Frucht zu kaufen.

Aber woher nehmen, wenn man sie nicht selbst eingedost hat? Im Supermarkt findet man in der Büchsenabteilung zwar eine Menge Obst von der Williams Christ Birne über die Hotelfrühstückobstgarnitur bis hin zur Lychee. Aber die Mispel gibt es nur in sehr wenigen Märkten. Gute Chancen hat man außerhalb des frankfurter Raums, denn die „Mispelchen“-Grenze verläuft recht genau am Rande des franfurter Postleitzahlenbereichs entlang. Und innerhalb dieses Bereichs sind die seltenen Lieferungen schnell ausverkauft. Wer aber einen Asia-Supermarkt um die Ecke hat oder einen dieser arabischen Läden mit einem Sortiment zwischen Souk und Toom-Baumarkt, der kann es auch hier versuchen. Unter der Bezeichnung „Loquat“ wird man manchmal fündig. Ob das jetzt ganz exakt die gleiche Sorte ist, das kann sicher der Botaniker klären (oder man liest die drei Zeilen in Wikipedia). Schmecken tut sie jedenfalls ziemlich ähnlich und auch preislich ist diese Variante sehr attraktiv.

A propos Preis. Man kann ohne weiteres 14 Euro pro Dose mit vielleicht 10 Früchten ausgeben (Amazon). Es geht aber auch billiger, z.B. beim Gourmet Versand für unter 5 Euro oder bei der Metro für 3 Euro. Die frische Mispel dagegen kostet das Kilo etwa 5 Euro, manchmal auch weniger.

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Wie man das Mispelchen jetzt zubereitet, ist schnell erklärt: Calvados ins Cognac-Gläschen geben, eine Mispel dazu und „Kopp in‘ Nacken“, wie der Norddeutsche zu sagen pflegt. Ob man jetzt noch einen Schuss Dosensirup zum Calva gibt oder nicht, die Mispel auf einen Zahnstocher spießt oder nicht, das ist wirklich Geschmacksache. Auch erhitzt und genossen wie ein warmer Sliwowitz macht sich das Mispelchen gut.

Ob sie eines Tages der gleiche kulturelle Ausverkauf wie Pfläumchen, Willi & Co. ereilt, die auf Österreichs Party-Skipisten rund um das Epizentrum von Ischgl und St. Anton gereicht werden, weiss ich nicht.
Aber verkehrt wär’s sischer aach net.

Ein Tag auf der Galopprennbahn in Frankfurt

Die frankfurter Galopprennbahn gibt es seit 1864. Jetzt hat die Stadt sie an den Deutschen Fußball Bund verhökert und ihr letztes Stündlein hat geschlagen. Wir waren dabei, als das (wahrscheinlich) letzte Rennen lief.

Obwohl vertraglich zwischen der Stadt Frankfurt und dem DFB soweit alles unter Dach und Fach war, wurden auf der Rennbahn weiterhin fleißig Rennen veranstaltet, so als ob nichts wäre. Und auch so, als ob es keine festgelegten Termine für die Räumung des Geländes gäbe. Dem Schicksal ins Gesicht spuckend, pochte der Frankfurter Rennclub auf bestehende Verträge und veranstaltete einfach weiter ein Rennen nach dem anderen. Das letzte war am 15. November und man kann es nicht anders beschreiben als einen prallen Event für die ganze Familie, das Unmengen von Zuschauern anzog.

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Im Gegensatz zu gängigen Vorurteilen ist das Reiten selbst zwar ein teurer Sport. Das Zugucken an der Rennbahn ist dagegen billiger als ein Kinobesuch und man kann den halben Tag dort verbringen. Die Imbiss-Stände verkaufen ihre Bratwurst, den Espresso, die Crêpes und den Piccolo zu anständigen Preisen. Es ist billiger als auf jedem Bauernmarkt. Das Publikum ist bunt gemischt und es werden vereinzelt sogar ein paar elegante Hutträgerinnen gesichtet. Hier und dort ein Dandy mit Tweedjacke und Knickerbockern… da kommt Flair auf! Die meisten laufen allerdings rum wie immer und schenken dem eigentlichen Rennen auch nicht mehr Beachtung als es verdient hat.

Wie läuft das ab, so ein Galopprennen? Zunächst mal das Wichtigste: man ist ständig auf Achse. Als erstes deckt man sich mit Wett-Zetteln ein. Hier drauf werden die Tipps notiert. Bevor man aber auf ein Pferd setzt, sollte man es sich zunächst einmal im Führring anschauen. Wirkt es unruhig und tänzelt auf und ab? Könnte heißen, dass es kaum zu bändigen ist und eine Spitzenzeit hinlegt! Könnte aber auch heißen, dass ihm die Nerven durchgehen und es keinen einzigen Platz gutmacht.

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Jetzt wirft man einen Blick auf die große LED-Leinwand. Hier werden kontinuierlich die Quoten für jedes teilnehmende Pferd angezeigt. Je höher, desto schlechter das Pferd. Je niedriger, desto bessere Chancen werden dem Gaul eingeräumt. Die Quoten sind ständig in Bewegung, je nachdem wie viele Leute noch am Tipp-Abgeben sind.

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Jetzt wird der Wett-Zettel ausgefüllt. Zuerst die Nummer des Rennens. Das können locker acht Stück sein. Dann den Einsatz: 50 Cent, 1 Euro, 2 Euro, etc. Dann die Art der Wette: auf Sieg (Gaul ist erster), auf Platz (Gaul kommt unter die ersten drei Plätze) oder auf Einlauf (mehrere Gäule laufen in bestimmter Reihenfolge ins Ziel ein). Und schließlich die Nummer des Pferdes. Mit dem Zettel läuft man nun zum Wettschalter, bezahlt und gibt ihn ab.

Jetzt läuft man rüber zur Tribüne oder einfach an den Rand der Rennbahn und wartet auf den Start. Nach ein paar Minuten ist das Rennen vorbei und man ist entweder reich geworden oder hat, was wahrscheinlicher ist, „äusserst knapp“ sein Haus und Hof verzockt.

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Hilft aber alles nichts… schnell einen leeren Wettschein gezückt, rüber zum Führring gegangen und auf das nächste Rennen gesetzt. Die ganze Prozedur beschreibt auch der Frankfurter Rennclub sehr schön auf seiner Webseite: Das erste Mal auf der Rennbahn.

Es ist übrigens keine Schande, auch mal ein Rennen auszulassen und bei Bier und Bratwurst dem Getümmel zuzuschauen. So hat man auch die Muße, der Siegerehrung beizuwohnen, die reichlich unemotional geschätzte 90 Sekunden dauert. Oder im Programmheft zu blättern und nach der Verwandschaft der rennenden Gäule zu schauen. Vielleicht ist ja ein berühmter Papa oder eine schnelle Mama dabei und diese Information sollte natürlich ausgewertet werden und in das nächste Rennen mit einfließen…

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Eine Stadtführung durchs Frankfurter Gallus

Die Firma Frankfurter Stadtevents bietet rein gefühlsmäßig tausend-und-eine Stadtführung zu so ziemlich jedem Thema an. Eines davon ist die Führung durch das Frankfurter Gallusviertel, wo früher die „arme Leut“ erst am Galgen gehenkt und dann verscharrt wurden. Die Stammesältesten kennen es noch unter dem inoffiziellen Namen „Kamerun“, mittlerweile heißt es schlicht und einfach „Gallus“. Auch das neue und gerade sehr gehypte Europaviertel ist übrigens noch ein Teil des Gallus. Soll das später dann auch einfach nur „Europa“ heißen…?

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Unser Führer des Abends heißt jedenfalls eindeutig Sascha Ruehlow und ist eigentlich nicht zu übersehen, wenn man ihn kennt. Da ich ihn jedoch nicht kannte und der Treffpunkt am Hauptbahnhof nicht unbedingt menschenleer war, musste ich eine Weile Kreise ziehen. Ein Schild oder so eine dämliche rote Fahne wären nicht ganz schlecht gewesen.

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Hier am Bahnhof ging es dann auch gleich los, denn das Gallus beginnt genau hier. Das Bahnhofsviertel mit Nidda-, Taunus- und Weserstraße beginnt nördlicher, dort wo man über die mehrspurige Straße geht. Unser Guide kennt zig Geschichten zu jeder Straße und jedem Wohnblock. Die alle nachzuerzählen spare ich mir, lieber sollten Interessenten einfach diese preiswerte Tour buchen. Mit 10 Euro für 2 Stunden ist der Preis mehr als fair. Zumal man mit Sascha Ruehlow einen Guide hat, der – einmal angestochen – nicht mehr aufhört, interessante Stories zu erzählen. Er führt noch andere Touren, wobei mich die „Trinkhallentour“ vorbei an den Frankfurter Wasserhäuschen besonders reizt. Hatte eh schonmal die Idee, mit einem Kumpel eine solche spät abendliche Tour zu unternehmen. Am besten im Bademantel, ganz Dittschemäßig.

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Apropos Trinkhalle, schließlich standen wir vor der Galluswarte (mit ihren beiden verfeindeten Kiosken) und die Tour näherte sich leider schon ihrem Ende. Da alle Teilnehmer, inklusive dem Guide, hier im Umkreis von wenigen Minuten wohnten, ging nun jeder seines Weges. Irgendwie sind wir ja doch alle Nachbarn, hier im Kamerun.

Skyline Plaza in Frankfurt. Sie nannten es Food Court.

Reist man ein wenig in der aktuellen Weltgeschichte herum, so dienen einem die Shopping Center in den Großstädten in erster Linie zur Abkühlung, da sie klimatisiert sind. Und zum anderen gibt es dort eine unheimliche Auswahl an Fressständen. Sie nennen es „Food Court“, meistens ist es die mittlere Etage des Gebäudes. Um den Begriff zu erklären, könnte man auch sagen: viele Imbissbuden scharen sich um einen zentralen Bereich mit Tischen und Stühlen. Weiß das der Deutsche? Mir ist der Begriff „Food Court“ hierzulande jedenfalls noch nicht untergekommen, aber er wird sich schon noch einbürgern. Wozu werden Marketing Fachleute bezahlt?

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Die Imbissmöglichkeiten sind schnell aufgezählt, es gibt asiatisch, indisch, orientalisch und deutsches zu kaufen. Klingt erstmal toll, leider erschöpfen sich die Angebote im üblichen Einheitsbrei aus beliebigen Nudel- und Reispfannen sowie Burger & Co. Das ist traurig, aber der Deutsche will es scheinbar so. Vereinzelt kann man „Kreatives“ sichten, wie z.B. gefüllte Aubergine oder Sushivariationen. Auch der Inder ist nicht schlecht. Alles in allem wird die Hauptkundschaft wohl aus Anzugträgern aus den benachbarten Bürotürmen bestehen. Die sind nicht wählerisch, dafür umso liquider. Zu dieser Klientel passt dann auch das Preisniveau: kaum eine Speise ist unter 7 Euro zu haben. Mit etwas Glück findet man eine halbe Portion zu 4 Euro aus der Pappschachtel. Ordentliches Besteck wird einem in diesem Fall verweigert. Auch die Tiefgaragen kosten mit 32 € Tagessatz ab der sechsten Stunde soviel, dass man dort unten sicherlich bald Champignons züchten kann – kein vernünftiger Mensch wird dort zweimal parken.

Wer glaubt, in einer modernen Shopping Mall mit ausladender Restaurantmeile muss es doch auch ansprechende Toiletten geben, der irrt. Nachdem man durch das halbe Treppenhaus gestolpert ist, das Stockwerk gewechselt und schließlich den richtigen Gang mit der richtigen Tür gefunden hat, steht man schließlich vor den bundesweit verhassten Sanifair-Schranken. Die Center Manager hatten doch tatsächlich die Dreistheit, die Sanitäranlagen zu verpachten. Dort muss man wie gehabt seine 50 Cent Eintritt zahlen und bekommt dafür einen Gutschein. Dieser ist nicht etwa automatisch in allen Restaurants einzulösen, sondern nur in einigen wenigen. Der Kunde wird also konsequent weitergeschröpft, auch nachdem er sein Geld in teuren Boutiquen und teuren Imbisslokalen gelassen hat. Das kann man nur noch unverschämt nennen. Wäre ich gehbehindert, würde ich den Betreibern ernsthaften Ärger machen, denn die Behinderten-WCs sind geschlossen. Ob die beworbenen Wickelräume geöffnet sind, wage ich ebenfalls zu bezweifeln. Ist aber auch egal, da man die nach oben führenden Rolltreppen mit Kinderwagen eh nicht benutzen kann. In dieser Hinsicht ist jede asiatische Drecks-Mall diesem jämmerlichen deutschen Abklatsch überlegen: es gibt dort frei zugängliche, geleckte WCs an jeder Ecke und das in ausreichender Anzahl. Das ist ein Service, der von den Controllern der Betreiberfirma „ECE Projektmanagement“ augenscheinlich dem Rotstift geopfert wurde. Kein Problem hatten diese Controller dann aber mit der Planung eines Dachgartens mit Himalaya-Birken, Bowlingbahn und Weinberg(!). Überflüssiger Luxus statt Befriedigung der grundlegendsten Bedürfnisse. Das ist die richtige mittelalterliche Einstellung: sollen die Kunden in ihrer glitzernden Burg doch in die Ecken pinkeln. Man möchte weinen.

Abschließend eine Foto-Lovestory zum Auffinden des WCs:

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Und hier noch ein herrlich unkritischer Artikel der FR mit dafür umso gesalzeneren Kommentaren. Man sieht, dieses Einkaufszentrum ist so kurz nach der Eröffnung schon in den Herzen der Bevölkerung angekommen…

Frankfurt kulinarisch: Mit Laura Di Salvo durchs Nordend

Das Konzept der Tour
Die Firma Eat-The-World bietet für 30 Euro pro Person geführte Touren in mehreren Deutschen Großstädten an, seit Neuestem auch in Frankfurt. Innerhalb von 3 Stunden klappert man dabei 7 Stationen ab, wo einem kleine Köstlichkeiten gereicht werden. Nebenbei erfährt man noch etwas über das jeweilige Stadtviertel, wobei der Schwerpunkt nicht auf Geschichte oder Architektur liegt sondern eher auf „Stadt und Leute“. Schließlich werden die Touren nicht von studierten Historikern geleitet, sondern von engagierten Menschen, die die Gegend kennen und eine Faible für das Speisen haben.

Die angebotenen Touren richten sich an wirklich jeden, vom Einheimischen bis zum Eingeplackten. Ich selber liege irgendwo dazwischen, da ich mich selbst nicht ernsthaft als einen „Frankfurter“ bezeichnen würde. Wie heißt es doch so schön: entweder, man ist hier geboren und mindestens ein Elternteil ist „echter“ Frankfurter. Oder man wohnt hier schon seit mindestens 25 Jahren. Beides trifft nicht vollständig zu. Als Taunus-Boy bin ich erst nach dem Studium hierher gezogen. Kann allerdings nicht ohne Stolz behaupten, in einem Haus zu wohnen, das schon seit bald 100 Jahren im Besitz der Familie ist.

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Interessanterweise wird der Frankfurt-Ableger von Laura Di Salvo geleitet, die man als echter Hesse natürlich vom Hessischen Rundfunk kennt, wo sie als Wetterfee zu sehen ist. Dort wirkt sie vor der Wetterkarte allergoldigst – alleine wegen ihr schalte ich die Glotze immer schon 2 Minuten vor der Tagesschau an. Trifft man sie dann „in echt“, so ist sie einfach eine charmante und lebhafte Frau, der man es nicht anmerkt, dass die heutige Tour ihre allererste ist.

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Am Friedberger Platz war der Treffpunkt für die 16 Teilnehmer. Von der Leiterin Di Salvo war dank der vielen aufgespannten Regenschirme nicht mehr viel zu sehen, denn Petrus hatte unserer Wetterfee zum Einstieg leider keinen Sonnenschein geschickt, sondern fiesen Dauerregen. So stiefelten wir dann durch das nasse Frankfurt, schnabulierten hier und dort einen Snack und lauschten den Ausführungen unserer Fee. Hier die Stationen im Einzelnen.

Die Stationen
Bäckerei „Kronberger“ mit einem Zitronenkuchen. Der Kuchen war lecker, leider hat sich niemand blicken lassen, um uns den Rest des Sortiments schmackhaft zu machen. Angeblich gäbe es hier die besten Baguettes östlich von Paris. Netter Artikel in der FR.

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Café „Familienbetrieb“ mit einer Knusperrolle, gefüllt mit Frischkäse und Schinken. Auch hier hat sich die Ladenbesitzerin nicht gezeigt. Dabei gibt es eine an das Café angeschlossene Boutique. Über diese ungewöhnliche Kombination hätte sie uns gerne etwas erzählen können.

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Feinkostladen „Die Olive“ mit Wurst und Käse aus Italien. Sehr sympathische Besitzerin, die uns über ihre Philosophie aufklärte und das Sortiment kurz vorstellte. Habe ihr gleich ein Stück Salsiccia abgekauft.

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Restaurant „Wiesenlust“ mit… Pommes! Sollten eigentlich aus Süßkartoffeln sein, aber die waren schon aus. Also gab es selbstgemachte Kartoffelpommes stattdessen. Eigentlich steht der Laden für Hamburger. Merkwürdig.

Michis Schokoatelier“ mit Pralinen und anderen Schokoladereien. Leider war auch der „Michi“ schwer beschäftigt, und so musste ich mir selbst die Frage stellen, wie man eigentlich so schöne Pralinen wie auf dem Foto unten herstellen kann oder was man in seinen Kursen so alles lernt.

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Imbiss „Suppengrün“ mit einer Kürbissuppe. Verfeinert mit Ingwer und anderen Gewürzen, sehr lecker. Die Dame des Hauses hat es sich nicht nehmen lassen, uns über die Herstellung zu informieren und gab uns noch diverse Tipps zum Suppekochen mit auf den Weg. So hatte ich mir das vorgestellt. Warum dieser Laden floriert, aber die früher ebenfalls Suppen und Eintöpfe anbietende „Chilli Queen“ dicht gemacht hat, ist mir ein Rätsel.

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Café und Lounge „Dolce & Gusto“ mit einem gefüllten Gebäck aus Italien. Was es genau war, konnte uns der junge Chef leider nicht sagen.

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Fazit
Die Tour war unterhaltsam und bot einige wirklich gute Leckereien. Andererseits aber auch reinen Durchschnitt, wie z.B. die „Pommes“, den Sandkuchen und das etwas dröge Gebäck aus Italien. Nur wenige Ladenbesitzer haben sich Zeit für unsere Gruppe genommen. Die meisten glänzten durch Abwesenheit, und dass obwohl noch nicht einmal immer viel Betrieb herrschte. Dieser Punkt ist wirklich tragisch, denn scheinbar haben sie nicht begriffen, dass hier ein paar nette Worte und einige Hintergrundinformationen auf ein dankbares Publikum treffen würden. Zumindest eine Vorstellung des eigenen Sortiments müsste wohl drin sein. Natürlich soll diese Tour nicht zu einer Teppich-Verkaufsveranstaltung mutieren, aber wenn es einem schmeckt und der Laden einen guten Eindruck macht… wer lässt da nicht noch freiwillig ein paar Euros zusätzlich? Vielleicht dauert es noch eine Weile, bis das Konzept auch bei den Ladenbesitzern angekommen ist. Momentan hat man eher noch nicht das Gefühl, überall willkommen zu sein. Man wird wortwörtlich draußen im Regen stehen gelassen.

Laura Di Salvo hat diese Tour erstmalig auf die Beine gestellt und dafür, dass es das erste Mal war, ist es wirklich gut gelaufen. Ich würde mir wünschen, dass zukünftig noch andere Stationen hinzukommen und vielleicht kann sie die Ladenbesitzer ja auch davon überzeugen, in ihrem eigenen Interesse mehr auf die Kulinariker-Gruppe einzugehen. Denn immerhin sind fast jeden Freitag und Samstag Touren geplant. Wer als Ladenbesitzer keine Lust hat, auf diese Zielgruppe einzugehen, soll eben nicht mitmachen.

Es gibt in Frankfurt noch andere Anbieter von kulinarischen Touren, aber alles in allem könnte hier ruhig noch mehr passieren, denn Frankfurt hat viel zu bieten. Also: hingehen, denn trotz meinem Gemecker sind es drei schöne Stunden!

Musikmesse Frankfurt: der Wert der Dinge

„Beute, Beute, sagt der Dieb zu seiner Frau
und erhebt den Becher zum Sieg“
– Molli

Heute war Musikmesse angesagt. Länger nicht mehr da gewesen und gleich ein Online Ticket gekauft. Man ist ja nicht blöd und kauft für 30 Euro an der Kasse, sondern lieber für 20 Euro im Vorverkauf. Was man ebenfalls gleich online abgibt, ist das Recht auf Selbstbestimmung. Selbstbewusst wie die Messegesellschaft ist, zwingt sie einen gleich, sämtliche Persönlichkeitsrechte direkt am Eingang abzugeben. Sprich, wer nicht damit einverstanden ist, dass die eigenen Kontaktdaten an sämtliche Firmen, mit denen die Messegesellschaft zu tun hat, weitergegeben wird, kann seine Karte gefälligst vor Ort kaufen. Für 50% Aufschlag versteht sich. Man kann den Erpressern natürlich ein Schnippchen schlagen und eine Phantasieadresse angeben, das tut nicht weh.

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Wenn man schon ein paar mal auf der Musikmesse war, hält sich der Drang, neue Dinge zu entdecken doch schwer in Grenzen. Die Branche ist Erzkonservativ, hier tut sich seit Jahren nichts mehr, man kann also ebensogut den Typ vom Kiosk unterstützen und ihm das eine oder andere Beck’s-Bier abkaufen. In diesem Stil arbeitet man sich voran, um von einer Autogrammstunde zur nächsten zu fallen. Dieses Jahr waren Kuddel (bei Gibson) und Vom (bei Paiste) von den Toten Hosen vor Ort. Mangels zu unterschreibender Schallplatten oder anderer Fanartikel habe ich den beiden einfach mal meinen nackten Bauch hingehalten. Bis der Edding abgeht, bin ich nominell doch ziemlich wertvoll, aber zu Geld machen lässt sich der vollgekritzelte Wanst natürlich nicht. Und seit der alte Herr Marshall (Autokennzeichen: JCM-800) nicht mehr unter uns weilt, hat meine Motivation, irgendwelche Autogramme abzugreifen, doch sehr nachgelassen. Es ist einfach keiner der alten bedeutenden Recken mehr am Leben. Also können sie mir ruhig auf den Speck krakeln.

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Was doch ziemlich erschreckend ist, das sind die vielen asiatischen Firmen mit ihren Kopien von etablierten westlichen Marken. Im Kopieren sind das Reich der Sonne und das der Großen Mauer immer noch ungeschlagen. Und da sich die Technik der Gitarrenbranche irgendwo zwischen Steinzeit und Dampfmaschine befindet, bereitet es den Chinesen auch kein wirkliches Problem, so etwas Simples wie eine E-Gitarre oder einen Röhrenverstärker eins zu eins abzukupfern und nebenbei noch zu verbessern. Das führt uns Wessis vor Augen, was für vorsintflutliche Technik wir uns eigentlich für ein Heidengeld aufschwatzen lassen.

Jedenfalls, der Tag neigt sich dem Ende zu, und da kann es schon einmal passieren, dass dem einen oder anderen Besucher ein Effektpedal oder zwei unbeabsichtigt in den Rucksack fallen. Gerade dann, wenn man sich mit dem Standpersonal gut versteht und das eine oder andere Freibier oder -kaffee fließt, ergeben sich unvorhergesehene Geschäfte (Peavey T-Shirt: 10 Euro). Spätestens, wenn die Teppiche um 18 Uhr eingerollt werden (und das werden sie wortwörtlich), locken einen die Koreaner und Chinesen mit schier unwiderstehlichen Argumenten an ihre Stände. Ein Effektgerät für 20 Euro? Kein Thema. Man deutet auf ein Audio-Interface, einen Mini-Amp, ein Multieffektgerät…  je 10 Euro. Dürfen es noch 5 Doppelklinkenstecker sein? Alles für nen 10er, dem symbolischen Preis um diese Zeit. Kein Aussteller möchte am letzten Messetag noch palettenweise Material wieder mit nach Hause schleppen. Und so wird rausgehauen, was geht.

Der Speichel im Mundwinkel hat kaum Zeit, um zäh zu werden, schon lockt das nächste Angebot: eine Akustik-Gitarre. Schnell angespielt am Stand der Great-Wall-Music: so schlecht ist die Klampfe gar nicht. Die Saitenlage etwas hoch, aber korrigierbar. Ansonsten sauber verarbeitet, einige Teile nur geleimt und nicht massiv, aber das ist Branchenstandard. Der Chinese fragt freundlich, ob denn Interesse besteht. Na ja, theoretisch schon, eine Zweitgitarre für auf’s Boot wäre eine Maßnahme. Was sie denn kosten solle?
50.
Für eine fabrikneue Westernklampfe 50 Ocken? Das ist doch mal ne Hausnummer.
Sekunde, der Chef ist noch nicht fertig.
50 Euro für beide Western Gitarren zusammen, die hier rumstehen. Die eine in schwarz, die andere im Tortoise-Style.
Ok. Das sitzt. Spätestens jetzt flackern die Augen wirklich hektisch und der Mundwinkel kann den Sabber nicht mehr halten. Hier kann man leicht in Versuchung geraten.

Die Umhängetaschen der Besucher sind zwar schon zum bersten voll mit Werbematerial, aber die Sirenenstimmen des nächsten Standes nehmen einen gefangen, ich belausche ein Gespräch: ob es noch ein Stimmgerät sein darf? Zum an die Gitarre klemmen, heute für nur 3 Euro?
Na klar darf es eins sein, denkt sich so mancher. Oder doch lieber gleich vier Stück? Kleingeld hat hier keine Bedeutung mehr, es zählen nur noch die 10er-Scheine. Wie beim Hütchenspiel werden im allgemeinen Chaos noch schnell weitere Päckchen in Sicherheit gebracht. Am ehrlichen Lotterie-Drehrad von Musik Meinl hatte ich selbst zuvor schon versagt und leider keinen Preis gewonnen, aber was man hier für niedrigstes Geld kaufen könnte, schlägt jede Lotterie um Längen.

Was hat das jetzt mit Werten zu tun? Ganz einfach, ohne dem planetenumfassenden Transportnetz wäre ein solches Erlebnis wie heute nicht möglich gewesen. Betrachtet man die Textilbranche, läuft es dort genauso extrem: die Kleiderkette Primark verkauft ebenfalls Waren aus Fernost zu lächerlich niedrigen Preisen. Auch hier reden wir von einstelligen Eurobeträgen für ein T-Shirt oder eine Bluse. Hin und wieder krepieren ein paar indische Näherinnen in einer brennenden Fabrik, auf deren Rücken diese Preise zustanden kommen. Aber von solchen Schlagzeilen lassen wir uns nicht davon abbringen, kräftig zuzulangen, wenn der Preis einen dazu verführt.

Davon abgesehen, dass in diesem Fall – also auf der Messe – eigentlich gar nichts hätte verkauft werden dürfen, dürfte es solche Preisgefälle insgesamt eigentlich gar nicht geben. Haben denn manche Gegenstände nicht wenigstens einen minimalen Wert, unter dem sie nicht zu erschaffen sind? Scheinbar nicht, es geht immer noch ein wenig billiger. Die Gitarre, welche ich über 20 Jahre spielte, die durch die Hände mehrerer Familienmitglieder ging, und die aufgrund ihrer Qualität einen Wert verkörpert – wie ist das mit einer gleichwertigen Gitarre aus Fernost zu vereinbaren, die heute nur noch einen winzigen Bruchteil dieses Preises kostet? Die ich, wenn sie kaputt geht, eher wegwerfe anstatt sie reparieren zu lassen, weil das wirtschaftlicher Unsinn ist? Die Arbeitsstunde eines Europäers und die eines Asiaten liegt so unsagbar weit auseinander, dass hier Welten aufeinander prallen. Ob irgend etwas passieren würde, wenn die Jungs in Asien unseren Lebensstandard geniessen würden? Wären dann unsere iPhones und Gitarren um ein vielfaches teurer? Wahrscheinlich. Müssten wir uns mehr anstrengen, um im Wettbewerb zu bestehen? Sicher.
Hätten wir keine bessere Ausbildung und würde nicht unsere Fähigkeit zur Innovation gefördert, könnten wir gleich zumachen. Denn ist ein Ding erstmal erfunden, können es die Chinesen besser.

Kaffee vom Café Wacker in Frankfurt

Neulich hat der Hessische Rundfunk im Abendprogramm doch tatsächlich mal keine Volksmusiksendung gebracht, sondern eine Reportage über Frankfurter Familienbetriebe. Unter anderem ging es um das Café Wacker, wo seit 1914 Kaffee geröstet, gemahlen und verkauft wird. Natürlich wurde der Kaffee in dem Bericht hoch gelobt und ob seiner Einzigartigkeit förmlich auf ein Podest gehoben. So ist das immer, wenn über einen lokalen Betrieb berichtet wird, ist doch klar. Diesen Superkaffee musste ich also am nächsten Samstag gleich ausprobieren gehen.

Das Café Wacker befindet sich gleich gegenüber vom Parkhaus an der Hauptwache, nämlich am Kornmarkt. Von außen betrachtet ist es reichlich unspektakulär. Das einzige, was auffällt, ist die lange Schlange von Menschen, die hier für ihren Kaffee ansteht. Und da sind wir auch schon gleich beim Knackpunkt: die Bedienung hinter der riesigen Espressomaschine arbeitet zwar schnell und effektiv, was ihr hoch anzurechnen ist. Mehr als einen normalen Standard-Espresso erzeugt sie aber leider nicht. Eigentlich hatte ich die Hoffnung, hier einen dieser seltenen Orte zu finden, wo Cafè so wie Italien, also mit einer nussigen Note, extrahiert wird. Tja, leider nicht. Es liegt bestimmt nicht am Kaffee oder an der Maschine. Ich denke einfach, dass hierzulande die Bedienung der Geräte nicht richtig beherrscht wird. Es sind viele Faktoren, die einen guten Kaffee bestimmen und die man als Barista den äußeren Gegebenheiten wie z.B. der Luftfeuchtigkeit angleichen muss. Das weiß ein Bäcker, der Mehl verarbeitet und genauso weiß das ein Barista, der mit Kaffeepulver hantiert. Nur ein normaler Thekenmitarbeiter, den man vor eine solche chromblitzende Espressomaschine stellt, der weiß das nicht.

Wirklich außergewöhnlich ist die Tatsache, dass man hier frisch gemahlenes Kaffeepulver auch in kleinen Portionen à 125 Gramm verkauft. So kann man mehrere Sorten probieren und muss nicht ein halbes Jahr lang von der 500 Gramm Packung zehren, die man sonst üblicherweise aufgeschwatzt bekommt. Ich habe mich für die Sorten „Espresso II“ und „Costa Rica“ entschieden, beides als relativ grob gemahlener Kaffee für den Einsatz in der Mokka-Kanne. Nachdem ich beide Sorten in der Bialetti ausprobiert habe, kann ich hier nur ein Lob loswerden: die beiden Kaffees sind wirklich um Längen besser als der sonst von mir bevorzugte Espresso von Lavazza. Möglicherweise liegt es am Mahlgrad, vielleicht auch an der Frische. Es ist jedenfalls eine Freude, dem sprudelnden Mokka beim Brühen zuzuschauen. Er bildet sogar in der Kanne eine schöne Crema… was will man mehr.

Trüffel mit Ralf Bos in der Frankfurter Genussakademie

Es war ein verregneter, winterlicher Abend vor einigen Jahren in Frankfurt auf der Fressgass. Trüffelzeit bedeutet ja meistens „schlechtes Wetter“, da die Hochsaison genau in die Matschsaison von Herbst und Winter fällt. Jedenfalls wurde bei der Frankfurter Genussakademie zu dieser Zeit ein Kurs zum Thema Trüffel angeboten.

Die Trüffel und ich, wir haben uns erst recht spät kennengelernt. Nämlich in einem wunderbaren italienischen Restaurant namens „La Strada“ in Kelkheim. Es wird klein und familiär geführt: der Mann steht in der Küche, die Frau bedient. Mein Lieblingsgericht dort heißt ganz simpel „Tagliatelle mit Trüffeln“. Es handelt sich hierbei um eine Sauce, die eine perfekte Mischung aus Butter, Sahne, Knoblauch und Trüffeln ist und einem förmlich im Mund explodiert. Wahrscheinlich enthält sie auch Trüffel-Öl und andere Dinge, die ich nicht herausschmecken kann. Ein Nachkochen war jedoch sinnlos und auch auf Nachfrage wollte mir Roberto sein Geheimnis nicht verraten. Recht hat er.

Jedenfalls, die Leidenschaft war geweckt. Nachdem mich ein italienischer Händler in der teuren Kleinmarkthalle einmal so richtig übers Ohr gehauen hatte, indem er mir geschmacksneutralen China-Trüffel für teuer Geld verkaufte, schwor ich mir, zukünftig besser Bescheid zu wissen. Da kam der Trüffelkurs in der Genussakademie gerade recht. Ralf Bos ist Besitzer eines Geschäfts für luxuriöse Nahrungsmittel und außerdem Autor eines Buches über Trüffel und gilt somit als Experte. Das merkte man auch, er hat uns Teilnehmern auf sehr unterhaltsame Weise den Trüffel näher gebracht. Auch einige Knollen brachte er mit – es ist schon ein tolles Gefühl, diesen super teuren weißen Trüffel einmal selbst in der Hand zu halten. Und daran zu riechen! Alleine schon zum Kennenlernen der gigantischen Unterschiede im Aroma zwischen den Trüffelsorten war diese Veranstaltung ein Volltreffer. Seitdem schaue ich genauer auf die Inhaltsangaben an diesen kleinen Gläschen mit eingelegtem Trüffel: meistens handelt es sich um den billigen und schwach riechenden Sommertrüffel oder über minderwertige chinesische Trüffelsorten, die sich zwar prächtig und massenweise züchten lassen. Ihr Geschmack ist jedoch unterirdisch und durch den langen Transport von der Ernte bis nach Deutschland verfliegt dann schließlich auch das letzte Aroma. Man kann es sich leicht auf folgende Weise merken: nur schwarzer oder weißer Wintertrüffel lohnt das Geld. Und man braucht natürlich einen Dealer seines Vertrauens. Und das sollte nicht der Obst- und Gemüsehändler ums Eck sein, auch nicht, wenn er in der edlen Kleinmarkthalle residiert.

Was in diesem Kochkurs allerdings nicht passierte, das war aktives Kochen. Wirklich gekocht hat nur der „Resident“-Koch der Akademie, wahrscheinlich hat man uns Laien den Umgang mit dem teuren Trüffel nicht zugetraut. Einerseits schade, andererseits konnte uns Herr Bos auf diese Weise sein Wissen mitteilen, während im anderen Bereich der Küche fleißig ein Gang nach dem anderen zubereitet wurde. Das Essen war wirklich hervorragend und jeder Gang zeigte eine spannende Alternative, wie Trüffel zubereitet werden kann. Herr Bos hat sich nach jedem Gang an einen anderen Tisch gesetzt und so konnten wir ihn ausfragen, beziehungsweise einfach erzählen lassen, denn der Mann ist nicht zu bremsen.

Lediglich seine Einstellung bezüglich Online-Shopping fand ich doch etwas arg misstrauisch: beim Bestellvorgang werden unnötige Daten wie zum Beispiel das Geburtsdatum des Kunden abgefragt. Wer diese Felder nicht ausfüllt, landet intern sogleich in der Kategorie „uffgebasst, Kunde macht evtl. Probleme, vorzugsweise per Vorkasse zahlen lassen“. Dass ich das als Kunde schlecht finde, wollte er leider nicht einsehen. Aber mal ehrlich, was geht einen Ladenbesitzer mein Alter an?! Ich kann mich nicht erinnern, wann mich der Tankwart das letzte Mal danach gefragt hat. Und dort lasse ich regelmäßig weit mehr Kohle als in jedem Online-Shop.

Später habe ich trotzdem bei ihm bestellt. Natürlich ohne Altersangabe. Fazit dieses Kurses: sehr lohnenswert, viel Know-How, leckeres Essen. Ein Muss für jeden Gourmet.

Kleine Anmerkung noch zu dem einzigen verwendeten Foto in diesem Artikel: normalerweise stammen hier alle Bilder aus meiner eigenen Kamera, allein schon aus lizenzrechtlichen Gründen. Dieses Bild stammt jedoch von der Webseite der Frankfurter Kleinmarkthalle, wo man mich ja wie weiter oben beschrieben, so gründlich über den Tisch gezogen hat. Deswegen fallen hier auch alle Hemmungen, ausnahmsweise mal ein Bild von einer fremden Quelle zu Klauen. Hihi.

Maritimes Frankfurt

Auswärtige denken bei Frankfurt immer nur an Banken, Bonzen und Banditen. Aber nicht ohne Grund heißt es Frankfurt „am Main“, da fließt also auch ein mittelgroßes Bächlein hindurch, welches das Thema des heutigen Eintrages ist.

Der Main hat allein schon deswegen eine Existenzberechtigung, um „Hibbdebach“ von „Dribbdebach“ zu trennen. Also Frankfurt von Sachsenhausen. Dribbdebach liegt ausserdem noch Offenbach, und alleine schon deswegen ist diese Trennlinie von Bedeutung.

Seit das Mainufer vor einigen Jahren recht schön hergerichtet wurde, gibt es dort sogar Grasflächen und wenn man relaxt in der Sonne badet und dabei die Augen schließt, kann man sich fast wie an einem Mittelmeerstrand fühlen.

Das kommt zum einen daher, dass die Binnenschiffer eine ordentliche Welle verursachen, die idyllisch gegen die Uferbefestigung klatscht. Und zum anderen verströmt Meral’s Imbiss Boot mediterranes Flair. Er bedient übrigens sowohl die Festlandseite als auch die Fluss-Seite, falls man mit dem eigenen Boot längsseits kommt. Mittlerweile hat er ein neues Döner-Boot, die Geschäfte scheinen also zu laufen. Er ist auch der einzige Türke, der das in Istanbul so beliebte Fladenbrot mit gebratenen Sardellen anbietet. Meinetwegen könnte die Stadt Frankfurt noch viel mehr solcher Boote erlauben. In Bremen an der Schlachte funktioniert das schließlich auch.

Im Sommer sollte man es sich nicht entgehen lassen, einmal entspannt mit dem Fahrrad zur Griesheimer Schleuse im Westen oder zur Staustufe Ost zu radeln. Unterwegs überholt man die Ausflugsdampfer (die drehen hier um) und Binnenschiffer (fahren zurück nach Holland).

Für die Jungs von den Frankfurter Rudervereinen stellen diese Schleusen zunächst einmal das Ende der befahrbaren Welt dar.

Apropos Rudern. Auf dem Main macht das richtig Spass, denn der Fluß strömt weitaus langsamer als der Rhein und es kann sich auch keine besonders große Welle aufbauen, mangels Breite der Wasserfläche. Der Nachteil ist leider, dass die großen Pötte ziemlich nah am Boot vorbeifahren und es wird einem doch etwas anders, wenn man in so einem schaukeligen 8er sitzt und sich nebenan eine schwarze Wand vorbei schiebt…

Wer sich fürs Rudern interessiert, dem kann ich den Verein Rheno Franconia wärmstens empfehlen. Nette Leute, die sich über jedes neue Gesicht freuen. Und obwohl sie eigentlich eine Verbindung sind, ist das ein normaler Verein, der mit den deutschtümelnden Studententraditionen anderer Verbindungen nichts zu tun hat.

Auch in einem Boot und ebenfalls mit Rudern bewaffnet sind die Jungs mit den Drachenbooten. Ok, dafür würden mich die Ruderer jetzt steinigen: sie benutzen natürlich „Riemen“ oder „Skulls„, während die Drachenbootruderer „Paddel“ verwenden. Soviel Ordnung muss sein. Einmal im Jahr treten verschiedene Drachenboot-Teams gegeneinander an und fahren um die Wette. Wer zuerst die Glocke unter der Brücke zum Leuten bringt, hat gewonnen.

Schaut man einmal in die andere Richtung, nämlich flussaufwärts, so landet man am  Osthafen an der zweiten Schleuse, der Staustufe Ost, die Frankfurt vom Rest des Mains abgrenzt. Man könnte sich zum Beispiel an die Gerbermühle setzen und den Schippern beim Schippern zusehen. Dumm nur, dass der Wind die meiste Zeit dem Flussverlauf durch die Stadt folgt und somit entweder von hinten oder von vorne kommt. Da hilft nur: Rauftuckern und dann mit dem Wind wieder genüssliche abwärts schaukeln.

Warum sich der Osthafen noch eine eigene Wasserfeuerwehr leistet, weiss ich nicht. Aber sie ist nett anzuschauen.

Der Panamakanal hatte aufgrund seiner Abmessungen zur Folge, dass Schiffe weltweit nur noch so breit gebaut wurden, dass sie dort hindurch passten. Das fiel mir ein, als vor einer Weile eines dieser Schweizer Hotelschiffe mitten auf dem Fluss drehte. Wie man sieht, passt das exakt.

Hin und wieder probt das THW die Benutzung seiner kuriosen Boote. Pardon, „Mehrzweckponton“ heissen die, sagt Google. Da es sich im Prinzip um zwei eigenständige Boote handelt, die verbunden sind, müssen sie irgendwie koordiniert werden. Genau dafür steht in der Mitte ein Mensch und gibt mit den Armen Signale. Jeder Arm ist einem Boot zugeordnet. So kann er beide gleichzeitig lenken und Kurven koordinieren etc.

Im Rahmen dieser Übung mussten einige Ausflugsdampfer von ihren angestammten Liegeplätzen am Eisernen Steg weichen. Einer war nicht ganz manövrierfähig, und so kam ich in den Genuss, am kleinen Main sogar einmal einen Schlepper im Einsatz zu sehen. Vor langer Zeit musste ich im Rahmen des Sportboot Führerschein Binnen die Lichter und Tagzeichen dieser mysteriösen geschleppten Zugverbände und noch viele andere absonderliche Dinge lernen. Jetzt steht fest: es gibt sie also wirklich.

Fast hätte ich es vergessen, aber Frankfurt hat sogar eine Segelschule und einen Segel-Shop. Nämlich am Westhafen, gleich neben dem idyllischen Kohlekraftwerk. Durch das warme Kühlwasser friert man beim Reinfallen nicht so, das ist ein echter Vorteil. Aber Spass beiseite: das ehemalige Hafenbecken langt allemal, um die praktische Prüfung für den SBF-See und -Binnen abzulegen.

Heute hat dieser Hafen keine Funktion mehr, sämtliche Liegestellen für Boote gehören zu den extremst teuren Neubau-Penthäusern und nahezu alle liegen brach. Wer nämlich das nötige Kleingeld für solch eine Luxuswohnung aufbringt, der arbeitet in der Regel von morgens bis abends und hat definitiv nichts mehr für ein Boot übrig. Leben am Wasser, ja bitte. Aber für die nötige Atmosphäre mögen dann andere sorgen. Einfach nur eine Schande.

Jedenfalls, sämtliche Theoriekurse werden im Segel-Center durchgeführt und dafür braucht man wirklich kein Gezeitengewässer. Der Besitzer des Ladens ist nett, die Leiterin meines letzten Kurses zum Thema Funken war es auch und ausserdem noch sehr erfahren und kompetent, was will man mehr.

Also, ich muss sagen: Frankfurt ist schon ganz schön maritim.

Frankfurter Tatort im Gallus – Episode 2

Heute ging der Tatort weiter. Bin abends auf der Parkplatzsuche wieder fast in Herrn Król gefahren, als er sich aus seinem warmen Wohnwagen ans Set begeben hat. Die beiden Hauptdarsteller haben eigens eine Dienerin, welche ihnen den Mantel bzw. die blaue Fleecejacke reicht, sobald es frisch wird. Soll ja keiner behaupten, der HR hätte kein Geld.

So ein Filmset besteht aus vielen rätselhaften Dingen, die dem Amateur komisch vorkommen. Ich wüsste z.B. gern, warum sie mit einem Scheinwerfer auf einem Kran in die Wohnung des Nachbarhauses gestrahlt haben.

Oder warum sie meinen Hinterhof mit Flutlicht erhellen… ist vielleicht eine Tagszene, die abends gedreht wird. Bis 2 Uhr nachts durfte ich im Licht der Suchscheinwerfer schlafen – so muss sich ein Bomberpilot beim Anflug auf Frankfurt gefühlt haben. Merkwürdig nur, warum die Szene mit dem ankommenden Auto dann im Dunklen spielt. Während der 45 Minuten, die ich mich zum Gucken dazugestellt hatte, haben sie immerhin einen Probedurchgang und 6 Klappen (Wiederholungen) der Ankomm-Szene gedreht.

Frau Kunzendorf fährt schon einen scharfen Zahn, davon können die Felgen und der Bordsteinrand ein Lied singen. Der Regisseur war trotzdem nie zufrieden, immer kommt ihm was dazwischen: Fußgänger tauchen auf („…Alder, is wohl Kino, hä?!“), Autos wollen durch, Herr Król läuft zu schnell, Herr Król läuft zu langsam, der Ton läuft nicht… Schließlich ist die Szene dann im Kasten.

Wenn man das so betrachtet, dann sind Schauspieler wirklich nicht zu beneiden. Die meiste Zeit müssen sie auf irgendwas oder irgendjemanden warten. Dann ein paar Sekunden Einsatz, zwei bis drei Sätze aufsagen und schon ist wieder Kaffeepause. Die gesamte Szene dauerte vielleicht 30 Sekunden: Auto parken, aussteigen, an Tür klingeln, aufsagen „Hier ist nochmal die Kripo wir hätten da noch ein paar Fragen dürfen wir reinkommen“. Feddich.

Zwei Tage später, am Samstag, ist mir Herr Król dann schon wieder begegnet und beinahe ins Fahrrad gelaufen. Da war er aber privat und undercover unterwegs beim Shopping auf der Zeil. Mit grauem Stoppelbart und langem Mantel, hab ihn aber trotzdem erkannt. Zwischen uns muss ein unsichtbares Band bestehen, soviel ist sicher. Herr Król, fühlen Sie das auch?

Also dann: Klappe, und… BITTE!

Frankfurter Tatort im Gallus – Episode 1

Seit ein paar Tagen werden vor meiner Haustür die meisten Parkplätze durch Parkverbot-Schilder gesperrt. Bei den genannten abstrusen Zeiten (5:30 bis 19:00 Uhr) hatte ich schon überlegt, wozu das gut sein soll. Gestern morgen aber standen sie dann alle da: die blauen Einsatzwagen der Flotte vom Hessischen Rundfunk. Als verlässliche Informationsquelle darüber was denn hier so abgeht, diente mir die Inhaberin des 24/7 Kiosks an der Ecke Hellerhofstrasse/Kölner Strasse: „Ei, Dadort! Des geht de ganze Dach.“.

Schon letztes Jahr wurde hier (also: wirklich exakt hier) irgendein Studentenfilm gedreht. Mit Action-Szenen, von Treppen runter rollen und so weiter. Jetzt also ein Tatort mit den beiden neuen Kommissaren Joachim Król und Nina Kunzendorf. Scheinbar sind diese flachen Werkstattdächer in meinem Hinterhof prima dazu geeignet, Verfolgungsjagden zu drehen. Ein afrikanischer Autoschieberhandel ist dort auch ansässig, vielleicht spielt die Handlung ja in diesem Milliö. Jetzt ist der Tatort jedenfalls schon wieder hier und sorgt dafür, dass die Hälfte sämtlicher Anwohnerparkplätze belegt ist. Schließlich braucht ja jedes Popelsternchen seinen eigenen Wohnwagen, um in den Drehpausen zu relaxen. Obwohl ich selbst auf dem Rückweg vom Kiosk (wo ich regelmäßig DHL-Lieferungen abhole) mit stolz geschwellter Brust an den abends noch anwesenden Fernsehleuten vorbei ging, wurde ich nicht für eine Nebenrolle gecastet.

15 Minuten Ruhm hatte ich zum Glück schon damals in der Sendung Late Lounge mit Roberto Cappelluti gehabt, als der HR noch die Eier hatte, eine gute Nachtsendung zu produzieren. Gemeinsam mit einer Kommilitonin gehörte ich zum „internationalen Spitzenpublikum“ von 15 Personen und durfte sogar gegen Tarek Al-Wazir (Grünen Politiker) mit verbundenen Augen Bälle werfen. Glorioser Auftritt also. Die Sendung „Late Lounge“ („preisgünstigste Sendung im Deutschen Fernsehen“) wurde dann aus kostengründen(!) vom HR eingestampft. Was Dauergast Michi Herl dazu sagt („so ein Schnarchsender“), steht hier. Er hat vollkommen Recht, denn den HR kann man heutzutage nur noch als Freund der Volksmusik genießen, es ist eine Schande. Herl wurde dann auch gleich dafür vom Hässlichen Rundfunk gefeuert. Irgendwann ist er mal in der frankfurter Innenstadt auf dem Fahrrad an mir vorbei geeiert, hat mich aber komischerweise nicht mehr erkannt.

Zurück an den Tatort. Infos zur Sendung gibt’s in diesem Blog. Wer allerdings die „echten“ frankfurter Tatorte der Vergangenheit besichtigen will, kann hier eine Führung mitmachen.

In diesem Sinne mache ich jetzt Schluss… war spät gestern.

Die „Gute Stute“ im Gallus

Jetzt wohne ich doch schon seit ein paar Jährchen hier im frankfurter Gallusviertel, war aber noch nie in der „Guten Stute“ gewesen. Die Stute ist ein klassisches Bierlokal, Raucherkneipe, Pils-Stube oder wie man das eben nennt, wenn es nichts anderes als Bier gibt (stimmt nicht ganz, aber Cocktails schlürfen sollte man woanders). Eine Karte gibt’s deswegen auch gleich keine. Nachdem man sich ein Plätzchen im überschaubaren Inneren des Ladens gesucht hat, bietet einem der Ivo gleich seine hausmacher Spezialität an: frisch gezapftes Bier mit optimaler Schaumkrone! Dazu Erdnuss-Flipps für umsonst und schon kann der Abend gemütlich werden.

Hin und wieder gibt es laut Programm auch Musik von einem DJ. Wo der dann stehen soll ist mir zwar rätselhaft, aber es wird sich schon irgendwo eine Ecke für ihn finden. Ungefähr ein Drittel des knappen Raums wird übrigens von einem lebensgroßen ausgestopften Pferd belegt, das einen wiehernd begrüßt sobald man zur Tür herein kommt.
In klassischer Balkantradition gibt es nach dem Zahlen noch ein Slivovitz auf’s Haus und schon kann man die 100 Meter nach Hause wie auf Wolken zurücklegen.

In diesem Sinne: „Habt ihr kein Zu Hause?!“

Gute Stute
Kölner Str. 42
60327 Frankfurt am Main
http://www.gute-stute.com

Maggi Kochstudio und Shop in Frankfurt

Wenn es einen Tempel für die Anbeter von Tütensuppe gibt, dann liegt dieser in Frankfurt, gleich neben der Zeil. Tatsächlich scheint es Jünger zu geben, die so dermaßen unwissend und mit geschlossenen Augen durch die Welt rennen, dass sie auf dem Weg zum Maggi Kochstudio sämtliche Leckereien links liegen lassen. Als da wären: die Kleinmarkthalle (gleich gegenüber), den Metzger Heininger mit der besten Bratwurst der Stadt (5 Meter links), Brezel Benno (nochmal 50 Meter links) und selbst Burger King (alle 100 Meter überall).

Prinzipiell kann man es als den Gipfel der Frechheit ansehen, aber Maggi verfährt genau so: im Shop kann man sich das Tütengericht seiner Wahl aussuchen und hat wenige Sekunden später – solange wie der Wasserkocher eben braucht – eine schmackhafte Mahlzeit auf dem Teller. Die Menschen an den Tischen wirken gar nicht mal so unzufrieden, in den Gesichtern kann man erkennen, dass ihnen ein heißer Aufguss aus Salz und Geschmacksverstärker als Mittagessen vollkommen ausreicht. Statt 0,49 Euro pro Tüte legen sie dann auch gut und gerne das Zehnfache auf den Tisch, denn mal ehrlich: wer hat schon Zeit und Lust, sich zu Hause eine aufwändige Tütenmahlzeit zuzubereiten? Natürlich niemand, und daher empfinden es diese Menschen auch als legitim, wenn ihnen für ein paar Löffel heißem Hefeextrakt der Preis für zwei Currywürste abgeknöpft wird.

Doch was ist das?! Bevor mich der Brechreiz übermannte und ich den Laden überstürzt verlassen musste, fiel mir noch ein marketingtechnisch vor dem Ausgang äußerst geschickt platziertes Fläschchen mit einem zauberhaften Extrakt ins Auge: Maggi Sauce… aber mit Chilli. Es führte kein Weg vorbei, auch ich musste meinem inneren Schweinehund die Flosse reichen und mir eingestehen, dass sich dieser schwarze Zaubertrunk hervorragend auf hart gekochten Eiern machen würde. Und da gekochte Eier meine Leib und Magen Speise sind und ich sie für gewöhnlich mit diversen scharfen Saucen als Mitternachtssnack verspeise, traf dieses Produkt genau meinen Nerv.

Der Geschmackstest in aller Kürze: salzig, umami, leicht scharf. Etwas weniger scharf als Tabasco. Von mir aus dürfte es noch schärfer sein, denn um die gewünschte Schärfe mit dieser Sauce zu spüren, müsste man zunächst mal den Salz-Schock überleben. Von daher ist Überschärfen ausgeschlossen.

Ach ja: passt auch gut auf Spiegelei. Und Omelette.

Im Test: Rindswurst von Gref-Völsing

Als Frankfurter stolpert man früher oder später über die legendären Rindswürste von Gref-Völsing. Selbst der schmuddeligste Bild-Zeitung-Kiosk rühmt sich noch mit ihrem Namen auf einem vergilbten Schild. Fakt ist: die Worscht ist hier in der Gegend ein Klassiker.

Nachdem ich neulich mal wieder über die hübsch-hässliche Hanauer Landsstraße gelaufen bin, kam ich am Stammgeschäft der Metzgerei Gref-Völsing vorbei und habe mir dort gleich mal eine Rindswurst genehmigt. Das Ergebnis will ich jetzt noch nicht vorwegnehmen. Einige Wochen später lief ich dann in der Feinkostabteilung vom Rewe an der Hauptwache an einer Pyramide mit eingedosten Würsten dieser Marke vorbei. 4 Stück sind drin, ca. 6,50 Euro kostet der Spaß, also 1,65 Euro pro Wurst. Ein ziemlich selbstbewusster Preis für ne Dosenwurst.
Also wie auch immer, die Dose gleich mitgenommen und am nächsten Tag den Kollegen auf der Arbeit vorgesetzt.

Nachdem mir die Vegetarier-Fraktion und auch die Joghurt-zu-Mittag-Esser verständlicherweise die Teilnahme verweigerten, blieben noch drei Kandidaten übrig: ein Rheinländer, ein Gießener und ich. Der Testaufbau bestand im Wesentlichen aus der korrekt im Wasserbad aufgewärmten Wurst, ein paar Semmeln und Senf.

Hier nun die Urteile, alles natürlich gemittelte Werte.

  • Haut: zu dick und zu zäh, aber knackig
  • Konsistenz: homogen und fein, einfach standard
  • Geschmack: dünn, etwas fad, kaum salzig

Tja, Gesamtnote: nur eine 2- (eigentlich eine 3, aber als Lokalpatriot hat meine Stimme einfach mehr Gewicht…).
Das Schlimme ist, dass diese Dosenwürste immer noch besser waren als das, was ich in der Ur-Metzgerei vorgesetzt bekommen habe. Dort war die Haut geradezu lederig und die Wurst nur lauwarm. Schon traurig, wenn es Gref-Völsing nicht einmal in der eigenen Imbiss-Stube hinbekommt, seine Rindswürste aufzuwärmen. Wie dem auch sei – das größte Manko ist ganz klar der Geschmack. Wie sich diese Wurst ihren Ruf erarbeiten konnte, bleibt wohl ein Rätsel. Sie ist nicht wirklich schlecht… nur eben bei weitem nicht so gut, wie ihr Ruf. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Nachtrag im Oktober 2013
War jetzt doch nochmal dort Essen gewesen, direkt an der Hanauer Landstraße. Jeder verdient eine zweite Chance. Diesmal war alles so, wie es sein soll: die Worscht war heiß und der Kerl hinter der Theke hatte die Pelle schon abgezuppelt, noch bevor ich „bitte denken Sie an die Pe…“ sagen konnte. Es war Mittags und damit Stoßzeit, dann stehen fast mehr Leute hinter der Theke als Kunden davor. Somit kommt man schnell dran, was für mich ein wichtiges Argument ist. Denn z.B. beim Vapiano stelle ich mich nicht mehr an, es dauert zu lange. Ansonsten das übliche Frankfurter Bild zur Mittagszeit: Banker wo man hinschaut. Wenn die neue Burg der EZB demnächst fertig ist, wird das wohl noch schlimmer werden. Die Anzugträger erwidern auch kein „Mahlzeit!“, aber dafür kann Gref Völsing ja nix. Jetzt zum Geschmack. Hm. Ich finde sie immer noch zu lasch. Eine Rindswurst sollte kräftiger schmecken, finde ich. Aber über Geschmack brauche mer net streite.
Vorläufiges Fazit: Entwarnung.
Zum Metzger Dürr in Bad Vilbel fahre ich demnächst auch noch, versprochen.

gref_völsing_rindswurst

O2 – billige Preise und schlechter Service

Schon mal einen Vertrag mit O2 eingegangen? Dabei kann einem Abstruses widerfahren. Es beginnt schon online im ersten Schritt mit der Auswahl einer vierstelligen Kundenkennzahl. Hätten sie es ganz einfach „Passwort“ genannt, dann hätte ich mir die Nummer aufgeschrieben. So ging ich davon aus, dass mir diese Nummer gemeinsam mit allen anderen Daten am Ende des Bestellvorgangs nocheinmal angezeigt wird. Dem war nicht so.

Zwei Tage später steckte die neue SIM-Karte im Handy und nach nur wenigen Anrufen bei der Hotline wurde das Gerät auch schon aktiviert. Angeblich geht das automatisch, aber wer will denn schon meckern. Bei der Gelegenheit fragte ich die Dame am anderen Ende, ob sie mir auch gleich meine Kennzahl mitteilen könne.
Leider ginge das nicht, aus Geheimhaltungsgründen. Man müsse schon in den nächsten O2-Shop gehen und sich dort ausweisen.

Nächster Tag, ab in die Stadt und auf die Zeil in den O2-Shop. Zwei griesgrämige orientalisch-türkische Männer – eigentlich eher noch Jungs – von vielleicht Anfang Zwanzig hatten zunächst wenig Interesse mir zu helfen. Einer hat sich dann doch dazu herabgelassen und missmutig meinen Personalausweis entgegengenommen. Ich erklärte ihm meine Lage, dass ich eine neue Kundenkennzahl benötige. Er stiert auf den Bildschirm, tippt parallel eine SMS auf seinem iPhone und – fragt mich als erstes nach meiner Kundenkennzahl…!

Irgendwann hatte er es dann kapiert und ich durfte gnädigerweise ein Formular zum Beantragen einer neuen Nummer ausfüllen. Während ich noch meine Adresse aufschrieb, verschwanden beide Araber durch eine Tür in ein Hinterzimmer. Da mein Ansprechpartner nicht mehr zurückkam, drückte ich dem anderen eben das Formular in die Hand.
„Was er denn nun damit machen solle“, fragte er mich. Daraufhin klärte ich ihn auf und empfahl ihm, doch am besten seinen Kollegen wieder reinzuholen, der wüsste ja worum es geht. Von diesem Augenblick an legte sich scheinbar ein Schalter im Kopf des Jungen um und er blaffte mich an, was mir denn einfiele, ihm Anweisungen zu geben?! Und überhaupt handele er aus Kulanz – wenn überhaupt – denn er müsse mir eigentlich kein bisschen helfen.

Demonstrativ zerknüllte er dann das ausgefüllte Formular und warf es vor meinen Augen in den Mülleimer. Der andere Kollege, mittlerweile wieder hereingekommen, machte das gleiche mit der Kopie meines Personalausweises.
„Ich könne jetzt gehen, denn mit unfreundlichen Kunden gebe man sich nicht ab.“

Wow. Da ist man erstmal platt.
Aber trotz erhöhtem Puls konnte ich den Jungs einfach nicht böse sein. Es sind Migrantenkinder, die kaum Deutsch sprechen können. Sie sind mit der Situation überfordert gewesen und ihr üblicher Wortschatz im Stil von „Ey Alder, kuckst du machst du“ ist auch einfach nicht ausreichend, um großartige Debatten zu führen. Was man sich allerdings bei O2 (bzw. Telefónica Germany) dabei denkt, asoziale und nicht ausgebildete junge Menschen einzustellen, bleibt mir ein Rätsel. Konsequenterweise müsste ich kündigen oder zumindest einen netten Brief nach München schicken. Aber ändert das etwas? Man kauft billig und bekommt billigen Service, that’s it. Die Begleitumstände sind eine Krankheit unserer Gesellschaft und wohl kaum O2 anzulasten, die diese Umstände lediglich hemmungslos ausnutzen, aber nicht verursachen. Die miesen Jobs kriegen halt die miesen Typen. Das war schon immer so, und heute arbeiten diese Typen eben im O2-Shop anstatt als Handlanger auf dem Bau.

Ach ja, keine 50 Meter weiter auf der Zeil befindet sich ein anderer O2-Shop (gleich neben Esprit). Reingegangen, dem sehr netten Orientalen mein Problem geschildert, er schreibt mir das alte Passwort auf einen Zettel und die Sache ist gegessen. Was habe ich eben noch gleich gesagt…