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Von Pune nach Lonavla: die Bhaja Caves

Zwischen Pune und Mumbai liegt das Städtchen Lonavla (hier gibt es übrigens das berühmte „Chikki„). Da es ziemlich genau auf halbem Weg liegt, ist hier sogar ein größerer Bahnhof eingerichtet. Menschen aus Mumbai flüchten gern hierher, weil Lonavla schon im Hochland, der Deccan Ebene, liegt und somit kühler ist. Aus Pune kommt man dagegen auch gerne her, einfach zur Abwechslung. Es gibt auch einige Seen und vor allem Höhlen. Ich habe mir die Höhlen von Bhaja angesehen. Das habe ich auch erst nachträglich herausgefunden, eigentlich wollte ich zu den Höhlen von Karla. Aber egal, die sind sowieso recht ähnlich.

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Diese Höhlen sind nicht einfach nur Löcher im Stein, sondern eher Tempel. Sie wurden in eine senkrechte Wand aus dem Felsen gehauen und dienten den Mönchen der Vergangenheit als Tempel und als Schlaflager. Dafür hatte jeder Mönch seine eigene Schlafhöhle, mit einem Podest drin und das war’s. Schon recht eindrucksvoll, besonders die Haupthöhle, die wie das Mittelschiff einer Kathedrale wirkt. Alles fein säuberlich rausgemeißelt, man sieht die Spuren noch. Mittendrin im Mittelschiff das indische Phallussymbol oder sowas in der Art. Es scheint wohl Glück zu bringen, oben hinein Geldmünzen zu werfen, das war jedenfalls die Hauptbeschäftigung der anwesenden Kinder.

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Noch besser als die Karla und Bhaja Caves sollen wohl die Tempelanlagen von Ellora sein. Dort hat man die Idee konsequent zu Ende gedacht, einfach alles an Stein wegzukloppen, was nicht Tempel ist. Und so ist eine Anlage entstanden, bei der jedes Gebäude und jede Götterfigur aus dem selben Stück Stein entstanden ist.

Oh Sweet India!

Zum Nachtisch im Thali-Restaurant gab es einen extrem süßen Mango-Shake-Pudding. Der Löffel blieb senkrecht drin stecken. Reihenfolge der Zutaten:

  1. Zucker
  2. Mehl/Stärke
  3. Mango
  4. Farbstoff

Es ist einfach unglaublich süß gewesen. Als Vergleich zu deutschen Süßspeisen fällt mir höchstens das Mousse-au-Chocolat meiner Mutter ein. Hier aber noch extra Süßstoff hinzudenken. Ähnliches passiert mit Cola & Co., denn diese werden für den indischen Markt ebenfalls aufgezuckert. Wer also den Zuckerflash sucht, befindet sich hier im 7ten Himmel.

Auch anderes Naschzeug ist sehr süß. In der Regel bestehen die Sweets lediglich aus Zucker bzw. Sirup, Butter oder Ghee und irgendetwas, damit die Butter-Zucker-Masse gebunden wird. Das ist wahlweise Milchpulver, Kokosnussfleisch, etwas Mehl oder ähnliches. Die Konsistenz ist dann genau richtig, wenn sich nach dem Aufnehmen mit der Hand ganz langsam ein Siruptropfen am unteren Rand der Köstlichkeit zu formen beginnt. Außen herum bildet der Zucker eine leichte Kruste, die erst dann ihr klebriges Inneres preisgibt, wenn man reinbeißt. Phänomenal, Molekularküche made in India.

Ein Klassiker dieser Bauart ist so ein wurmartiges, in sich verschlungenes Spritzgebäck („Jalebi“), welches man nach dem Frittieren in grellfarbenen Sirup ertränkt. Es hat vermutlich ähnliche Eigenschaften wie Plutonium. Denn außer, dass es nachts leuchtet, frisst es sich mit Sicherheit auch durch jeden Zahnschmelz hindurch.

Hier schreibt einer unter anderem auch über Indian Sweets.

Thali, all you can eat

Zum Lunch gab es heute „Thali“, und das geht so:

  1. Hinsetzen
  2. Thali serviert bekommen
  3. Essen
  4. Nachfüllen lassen
  5. Essen, etc.
  6. Zahlen, und schließlich den eigenen Dickwanst aus dem Restaurant schieben

Bei einem Thali handelt es sich um eine Platte mit gemischten Speisen. In der Mitte stapelt sich das Fladenbrot, der Reis, Gurkensalat und die unvermeidlichen Zwiebel- und Limettenstücke. Drumherum reihen sich in kleine Blechschüsseln gefüllte Köstlichkeiten auf. Meistens ist der Inhalt vegetarisch, es gibt also Dal (Linsensuppe), verschiedene Currys in scharf, in süß und in scharf-süß und noch Curd (Joghurt). Als Inder würde man jetzt alles mit dem Reis zermanschen und es sich mit der Hand hineinschaufeln. Als unzivilisierter Deutscher greift man doch lieber zum Löffel und nutzt die Hand nur zum Stippen von Brot in Curry. „Brot mit Tunke“, wieder eine Gemeinsamkeit zwischen deutscher und indischer Küche.

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Sobald sich der Pegel der Schälchen senkt, kommt einer vom Restaurant herbeigeeilt und füllt sie wieder aus seinem 4-fach-Curry-Vorratsbehälter auf. Das funktioniert relativ unemotional, so wie man es sich in einem Gefängnis vorstellt: Kelle rein und einen ordentlichen Platscher auf die Thali-Platte gemacht.

Wer hauptsächlich Chapatis isst, so wie ich, der ist übrigens offiziell nur halb satt. Denn ohne Reis ist für einen Inder der Magen nur halb gefüllt. Klingt irgendwie nach der weltweit üblichen Erziehungsmethode der Eltern: wer die meisten Klöße/Kartoffeln/Brot isst… na und so weiter.

Paan

Der volljährige Inder holt sich die Portion Paan abends nach dem Essen beim Wasserhäuschen seines Vertrauens.

Es handelt sich um in ein Betel Blatt gewickelte Gewürze, welche für frischen Atem und eine geregelte Verdauung sorgen sollen. Natürlich gibt es in Pune recht wenige Wasserhäuschen, die Funktion dieser kleinen Kioske ist aber die selbe. Es hängt dort auch der selbe Menschenschlag herum. Man bekommt das Zeug aber ausschließlich dort, also hält man eben schnell am Straßnerand und holt sich seine glitschige Portion Paan für 7 Rupees. Ich wurde leider von meinem übervorsichtigen Kollegen bevormundet und übergangen und muss mich demnächst also selbst um diesen Stoff kümmern.

Hier kann man sehen, wie Paan hergestellt wird.
In Bombay konnte ich es später selbst probieren.

Das Abendessen bestand aus einem Hühnerkabab, der förmlich im Munde zerschmolzen ist! Drumherum eine leckere Hülle aus irgendwas und dann das ganze noch gebarbecued. Ein Gedicht. Hauptspeise war ebenfalls Huhn, nur diesmal in extrem scharfer Currysauce. Ich hatte ausdrücklich „spicy“ geordered, mein Kollege hat es dann aber heimlicherweise und auf Hindi in „medium spicy“ umgewandelt. Hat aber immer noch gebrannt wie Sau. In etwa vergleichbar mit Stufe C+ bei Best Worscht in Town.

Dazu Fladenbrot und Reis, was ich sehr gerne als Entschärfung gekaut habe. Eine Anmerkung ist noch das Kingfisher Beer in Stufe „strong“ wert. Es hat lockere 8 Volumenprozent Alkohol und die Flasche enthält 650 ml davon. Mehr braucht es nicht. Namaste.

 

In Bollywood wird nicht geknutscht

Neben dem Hotel befindet sich ein Kino Multiplex namens INOX. Hier werden alle möglichen Sorten indischer Filme gezeigt. Wie ich von meinem indischen Kollegen gelernt habe, gibt es allerdings sehr verschiedene Stilrichtungen. Die sind in etwa so unterschiedlich wie das Essen zwischen Ost- und Westküste, das heißt der Unterschied ist für Europäer nicht feststellbar.

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Unser Film hieß „The Game“ und er enthielt keine einzige Szene, welche in Indien gedreht wurde. Ein auf modern getrimmter Agatha Christie Verschnitt. Es hat ordentlich geknallt und gerummst, jeder Held durfte ausgiebig und sehr cool posieren und die Schicksen haben die Hüften wackeln lassen, dass es eine Freude ist. Nur eines kam trotz heißester Tanzszenen nicht vor: ein Kuss. Nicht mal ein kleiner. Andernfalls wäre der Film nicht mehr in der Familienkategorie eingeordnet und wäre damit automatisch ein Flop.

Nach einer Stunde war schon Pause. Man zeigt Werbung, blendet offiziell aussehende eingescannte Dokumente ein, welche bezeugen, dass der Werbespot genehmigt ist. Man vertritt sich die Beine und dann geht es wieder weiter. Seltsam. Jeder Europäer sollte sich mal in eine Hindi-Vorstellung setzen. Man versteht die „Handlung“ auch so hervorragend, da ein Kauderwelsch aus Indisch (Hindi, Marathi, etc.) und Englisch gesprochen wird. Fazit: Style gewinnt.

Smoke on the Water

So nennt sich das Restaurant auf dem Dach des Nachbarhotels (Central Park Hotel). Heute Abend hatte es mal geöffnet, also nix wie hin. Leider war es eine Enttäuschung. Zwar ist der Ausblick klasse, man sitzt im Freien und kann seinen Blick über den Pool in Richtung Stadt schweifen lassen, aber das Ambiente rechtfertigt die hohen Preise nicht. Auch die zehn Personen nicht, die für mich als einzigen Gast zuständig waren. Rund dreimal soviel wie in meinem eigenen Hotel lassen sich die Jungs hier das Essen bezahlen. Dazu war es nicht besonders gut und der Cocktail ausgesprochen schlecht. Es sollte ein Singapore Sling sein, war aber nur ein bitterer Gin-Wasser-Aufguss. Die Fajitas durfte ich mir selbst rollen und sie hatten selbstverständlich ein indisches Innenleben statt eines mexikanischen. Letztendlich ein Curry im Teigmantel. Darum merke man sich folgendes: in Indien immer indisch essen. Keine Experimente. Inder können und wollen nur indisch essen und kochen. Feierabend.

Alles, was gut schmeckt…

…muss mindestens mit einer fingerdicken Schicht Öl bedeckt sein. Sagte einmal eine indische Mama. So ganz Unrecht hat sie ja nicht. Mit ordentlich viel Öl schmeckt das Essen einfach besser. Nur muss man sich der Konsequenzen bewusst sein. Dass ihre eigene Bevölkerung beginnt zu verfetten, ist den Indern kein Geheimnis.

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Nur ist es schwer, den Menschen eines Schwellenlandes klarzumachen, dass viel Fett nur so lange in Ordnung geht, wie man auch viel Reis isst. Ganz nach dem deutschen Nachkriegs-Spruch: wer die meisten Klöße ist, bekommt auch das meiste Fleisch! Ähnlich sieht in Indonesien aus. Was sich dort an menschlichen Bruttoregistertonnen durch die glitzernden Shopping-Malls wälzt, ist kaum noch zu messen.

Food is different

… und zwar in ganz Indien, wie mir einige der jungen Kollegen ernsthaft versicherten. Genauer nachgefragt, was denn so different sei zwischen dem Food aus Maharashtra und dem aus Bengalen, kam als Antwort: das Öl. Hier in Maharashtra verwendet man „normales“ Erdnussöl, dort drüben am anderen Ende des Kontinents aber ist es Sonnenblumenöl. Soviel zur kulinarischen Toleranz und dem fundierten Halbwissen der Inder. Um sie wirklich glücklich zu machen, müsste man kochen wie ihre Mütter. Das ist auch der Grund, warum sie sich in Deutschland lieber wochenlang bei McDonald’s mit Pommes eindecken als einmal ne Pilzpfanne zu probieren. Selbst Grüne Sauce mit Eiern und Salzkartoffeln konnte ich ihnen nicht schmackhaft machen. Ganz zu schweigen von Handkäs mit Musik. Ist ja nicht so, dass bei uns für Veggies nichts geboten wird. Man muss sich nur darauf einlassen.

Stille Nacht im Rückwärtsgang

Der Knaller kommt, wenn Inder rückwärts fahren. Viele Autobesitzer lassen sich eine Melodie einbauen, welche ertönt, sobald der Rückwärtsgang eingelegt ist. Es handelt sich vorzugsweise um westliche Weihnachtslieder wie „Jingle Bells“ oder „Stille Nacht“. Die Idee dahinter ist allerdings wieder einmal eine Praktische: so erkennt jeder dusselige Fußgänger gleich, dass er in Null Komma Nichts flüchten sollte, wenn er am Leben bleiben will!

Nicht zu verwechseln hingegen sind diese Melodien mit denen, welche indonesische Getränkeverkäufer ihren Wägelchen entlocken. Diese klingen nur im ersten Moment traditionell, sind aber nicht viel länger als 4 Sekunden und nur belangloses Gedudel. Dafür laufen sie auf Heavy Rotation und sollen einen zum Kaufen von Coca Cola animieren. Ehrlich gesagt ist auch „Stille Nacht“ nur noch belangloses Gedudel, wenn es als Rückwärtsgang verwendet wird…

Vielleicht sollte ich mir die Nationalhymne einbauen lassen.
Na, wenn dieser Wurstblinker mal durch den TÜV kommt, ich weiß ja nich.

Die rechte und die linke Hand des Teufels

Die Tischmanieren sind in der Tat eine Sache für sich. Wichtigste Regel ist die Vermeidung der linken Hand. Diese zählt in einem Grossteil dieser Welt als schmutzig. Zu Recht, denn wer kein Klopapier verwendet, nimmt das zur Hand, was eben da ist und ansonsten wenig benutzt wird: die Finger der linken Hand. Eine Anleitung hierfür gibt es im Netz. War nicht leicht zu finden, denn das Thema gehört doch ein klein wenig in den Tabubereich…

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Was ich nach eigenen Versuchen noch nicht herausfinden konnte ist, wie man sich hinterher wieder trocken bekommt. Hat jeder sein eigenes Poppeshandtuch oder wie ist das? Habe auch auf indischen Familientoiletten nichts dergleichen finden können. Aber allen Bedenkenträgern zum Trotz ist die reinigende Wirkung einer Hochdruckbrause enorm! Die Finger kommen nur ins Spiel, wenn das gröbste Erledigt ist. Schwieriger hat man es, wenn einem nur ein kleiner Becher angeboten wird. Und sonst nichts. Somit lautet die Schlussfolgerung an alle Weißnasen, die im Urlaub auf der Toilette einen Becher finden:

  1. nicht draus trinken
  2. Naggisch machen und dann erst den Becher benutzen, alles andere endet sonst peinlich

Zurück zu den Tischmanieren. Es macht einfach Spaß, Indern und Südostasiaten dabei zuzusehen, wie sie es auf Gedeih und Verderb zu vermeiden versuchen, die linke Hand zu verwenden! Man kann das selbst mal üben: man nehme ein Stück Brot und versuche es ohne Besteck und nur mit den Fingern einer Hand in Stücke zu zerteilen. Da kommt Laune auf, auch bei manchem hungrigen Inder. Daher gehört zumindest ein Löffel zum Standard-Gedeck.
Anschließend vermischt man mit den Fingern den Reis gemeinsam mit einigen anderen Zutaten (Sauce, Gemüse) und führt ihn sich Portionsweise zum Mund. Deswegen gibt es wohl auch so wenige trocken zubereitete Gerichte. Alles muss ja irgendwie am Reis kleben bleiben.

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Die Haltung am Tisch ist dabei zweitrangig. Dass überhaupt an Tischen gegessen wird ist ja noch nicht so lange Brauch. Die Haltung ähnelt also eher der meinigen beim Essen am Couchtisch vor dem Fernseher. Was praktisch ist, ist gut. Der Couchtisch wird ganz sicher niemals aussterben, lang lebe der Couchtisch!

Holy Cow

Anzahl heiliger Kühe, die mir bis jetzt begegnet sind: eine. Und die war auf dem Bürgersteig vor einem Geschäft in der Haupteinkaufsstraße von Pune festgebunden. Falls Ochsen auch heilig sind, addiere ich noch 15 dazu. Die kamen mir auf der Straße entgegen, mitsamt Hirte. Wohin die wollten, ist mir noch etwas unklar. Hier ist wirklich weit und breit nichts zu fressen zu finden. Jetzt aber von der Kuh zum Thema „Essen“.

Heute Abend habe ich im Hotel doch entgegen meiner Befürchtung sehr gut gegessen. Da zwischen 19 und 21 Uhr auch noch Happy Hour ist, gab es sogar einen Cocktail gratis. Dazu zwei Starter: einmal so eine Art frittierte Kraut/Kartoffel Fladen, ähnlich einem Kartoffelpuffer. Sehr klasse zum Drink! Und dann noch einen marinierten Hühnerfleischspieß. Was ich sehr gut finde ist, dass hier nicht nur langweiliges Brustfleisch serviert wird sondern man ist sich auch nicht zu schade, das Fleisch der Schenkel auszulösen und zu verwenden. Das lässt so einen Spieß herrlich saftig bleiben. Dazu zum Dippen eine giftgrüne Sauce aus püriertem Koriander.

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Die Hauptspeise war ein Lamm-Curry, das einen hervorragenden Geschmack hatte. Ganz wie aus Omas Küche, lang geschmort und so. Nur eben mit anderen Gewürzen. Überhaupt sind die Unterschiede der deutschen und indischen Küche gar nicht so groß. Gut, es werden anderen Gewürze verwendet. Aber viele Zubereitungsarten sind sich sehr ähnlich. Besonders Currys werden ja gern lange gekocht. Dazu gibt es Brot (Naan, Roti oder Chapati), Kartoffeln, Reis und Gemüse. Als Nachspeise muss etwas Süßes gereicht werden. Nur dass fast alle Speisen gleichzeitig serviert werden, ist nicht so deutsch. Aber mal ehrlich – auch bei uns kommt doch das meiste zum Hauptgang auf den Tisch.

Oh Calcutta!

Möchte man nicht jeden Abend im eigenen Hotel essen, muss man nach Alternativen Ausschau halten. Nach ausgiebiger Recherche im weiten Netz standen mir folgende Restaurants in Pune zur Auswahl:

  • Smoke on the Water
  • Barbecue Nation
  • Charcoal Pit
  • Oh Calcutta!

Die Aufnahmekriterien für diese Liste waren:

  • der Name sollte originell sein
  • möglichst kein Hotelrestaurant
  • Kebab oder ähnliches auf der Karte

Am naheliegendsten war das „Smoke on the Water“. Wie sich herausstellte liegt es im Hotel gleich nebenan, und zwar auf dem Dach. Kaum war ich dort, hatte es schon geschlossen, wie immer montags.

Ins „Charcoal Pit“ wäre ich nachmittags schon fast reingestolpert. Es befindet sich auch in einem Hotel auf der M.G. Road. Allerdings in einem dermaßen schmierigen Gebäude, dass ich mir das echt nicht antun wollte.

„Barbecue Nation“ war mir zu weit weg und somit bin ich im schönen „Oh Calcutta!“ gelandet (liegt noch im 50 Rupees Radius)!

Das Essen war hervorragend. Und sehr teuer, man kann 400 Rupien pro Gericht rechnen. Bei drei bis vier Gerichten plus Getränke ist man bei flotten 2000 Rupien, also über 30 Euro. Aber was soll’s, dann verfresse ich eben meinen Tagessatz für Auslandsverpflegung in einem üppigen Dinner, das ist es wert. Was mir in Erinnerung geblieben ist, das ist das Senföl, was einige Speisen enthalten. Am Anfang denkt man, nanu, was schmeckt denn hier nach Motoröl… Beim zweiten Hinschmecken erkennt man aber ganz klar das Senfaroma. Ziemlich stechend, aber sehr senfig. Auch als kleiner Appetizer wurde Senf gereicht. Er sah aus wie bayrischer süßer Senf, nur ohne Zucker. Dafür aber mit Schmackes, also schön scharf. Da hätte jetzt auch eine Weißwurst dazu gepasst! Südlich des Weißwurst-Äquators liegen Pune und Kalkutta allemal.

Ohne Meter, ohne Stress

Auf Kurzstrecken kriegt man keinen Rikschafahrer dazu, den Taxameter anzuschalten. Jedenfalls nicht, wenn man kein Inder ist. Und da sich viele Fahrten im Bereich von 2 Kilometern um das Hotel herum abspielen, gilt hier also der Fixpreis. Das sind in Pune 50 Rupees, also knapp ein Euro. Natürlich könnte man auch diesen Preis noch verhandeln. Wenn man aber nur mal eben in ein Restaurant gefahren werden will, hat man einfach keinen Bock, wegen 10 Cent noch groß Palaver zu veranstalten. Nur mehr als das sollte man nicht zahlen. Man hat ja auch seinen Stolz.

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Sehr spaßig ist immer der erste Kontakt mir dem Rikschafahrer. Wird er wohl gleich kapieren, was ich von ihm will bzw. wohin ich will? Es ist ja nicht so wie bei deutschen Taxifahrern, die ziemlich genau wissen sollten, wo welche Straße zu finden ist. Anhand der offiziellen indischen Adresse ahnt man schon, womit dieser Berufsstand zu kämpfen hat und dass es mit der Präzision nicht so weit her sein kann. Ein Beispiel.

Hotel XY
„Sassoon Road 11, Pride-Galaxy-of-India Building, gleich gegenüber von XY-Gebäude, in der Nähe vom Multiplex Kino“

Und mit diesen Infos fragt sich der Fahrer dann halt durch, wenn er nicht weiter weiß. Je näher er dem Ziel kommt, desto besser können ihm die Kollegen am Straßenrand weiterhelfen. Ein effektives System.

Ebenfalls spaßig ist die Situation, erst von einem Bengalen zum Frankfurter Flughafen gefahren zu werden, um dann in Indien von einem Landsmann ins Hotel gebracht zu werden. Das nur am Rande. Der Deutsch-Inder trug aber Turban, bei Rikschafahrern hab ich das noch nicht gesehen.

Mit Meter oder ohne?

Als Nicht-Inder hat man zwei Möglichkeiten, in Städten herumzukommen: Taxi oder Rikscha. Zu Fuß gehen kann man außerhalb der Shopping-Meilen abhaken. Es gibt kaum nennenswerte Bürgersteige (siehe dagegen Mumbai) und spätestens die nächste größere Straßenkreuzung ist ein unüberwindbares Hindernis. Also lautet die Frage: vier Räder oder drei, Taxi oder Rikscha?

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Für blutige Einsteiger sollte man sich zunächst mit dem Taxi anfreunden. Am besten den Taxi-Service vom Hotel bemühen, hier wird man fair und ordentlich bedient. Wenn man dann in etwa weiß wie die Kuh läuft, kann man auf die „freien“ Taxen umsteigen. Den groben Preis sollte man schon im Kopf haben, da man bei Rupien schnell mal eine Null hintendran übersieht. Die Taxis haben AC, sind also schweinekalt, filtern dafür aber einigermaßen gut den schwarzen Straßenschmodder aus der Luft. Es wird häufig empfohlen, bestimmte Sicherheitsrichtlinien zu beachten, wie z.B. dass man hinten links sitzen sollte um einen besseren Überblick zu haben. Aber letztendlich, wenn man einmal eingestiegen ist, dann ist man drin, komme was wolle. Was aber immer gilt, ist, dass das Taxameter an sein muss („meter“). Das verhindert zwar nicht, dass der Fahrer Umwege nach Belieben fahren kann. Er kann bei der Preisgestaltung aber nur begrenzt Phantasie walten lassen, da es eine feste Tabelle zur Umrechnung des Meterstandes in Rupees gibt.

Da es weniger Taxis als Rikschas gibt (kommt immer auf den Stadtteil an, das kann auch andersherum sein), wird man früher oder später auch dieses Transportmittel wählen. Ich finde, es gehört auch einfach dazu. Und schließlich kann man zuhause dann stolz authentische Bilder aus dem Herzen des indischen Straßenverkehrs zeigen. Nur die Duftnote kommt so nicht rüber – zur Not einfach einen alten Autoreifen im Wohnzimmer direkt neben einem Räucherstäbchen anzünden, das kommt der Sache schon recht nahe.

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Es gibt natürlich auch noch öffentliche Transportmittel. Wessen Hindi nicht so gut ist, wird sich damit wohl etwas schwer tun. Es sei denn, man kennt in etwa die Routen der Busse und kann entsprechend aufspringen und absteigen. Und für die ganz faulen Touristen ist es keine schlechte Idee, sich einen Wagen mit Fahrer für den ganzen Tag zu organisieren. Das kostet zwar mehr als „normales“ Taxifahren. Aber man weiß genau, was es kostet und man kennt den Fahrer. So kann man sich sehr relaxt durch die Stadt kutschieren lassen.

Kreuz und quer durch Pune

Pune gilt als „die“ Technologiestadt Indiens, zusammen mit Bangalore. Wenn man aus Richtung Europa hergeflogen kommt, hat man während ca. 6 von 8 Flugstunden vor allem weite Einöde unter sich. Das Bild erhellt sich schleichend durch mehr und mehr Lichthaufen, welche die Dunkelheit durchbrechen, bis man dann schon plötzlich im Landeanflug ist.

Was mir auffällt ist, dass ich hier als europäische Weißnase kaum für Aufsehen sorge. Anders als in Medan (Indonesien) kann ich hier durch einen quirligen Basar laufen, ohne ständig von freudigen „Hello, Mister“ Rufen begleitet zu werden. Vielleicht ist der Vergleich nicht ganz fair – Medan liegt auf Sumatra, wohin sich selten eine Bleichhaut verirrt und Pune bietet einen Linienflug nach Frankfurt… Es ist auf jeden Fall entspannender auf diese Weise.

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Falls man den Direktflug Frankfurt-Pune nimmt, kommt man zu unchristlichen Zeiten an. Fliegt man am Samstag, ist die Ankunft Sonntagnacht. Somit hat man noch einen halben Tag totzuschlagen, wenn man nicht scharf darauf ist, diesen im Hotelzimmer zu verbringen. Mein persönlicher Langeweiletotschläger war diesmal das „Raja Dinkar Kelkar“ Museum. Jede Menge alte gesammelte Dinge aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen der Inder. Anschließend habe ich mich noch auf die Suche nach der Laxmi Road gemacht. Die sollte nördlich des Museums zu finden sein und indisch-authentischen Krimskrams bieten. Bin mir nicht ganz sicher, ob sie das nun war oder nicht. Die Schilder sind alle auf Hindi oder Mahrati und Krimskramsläden finden sich hier überall…

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Aber dank meines Mini-Kompasses würde ich sagen: jupp, das war sie, die Himmelsrichtung war korrekt. Ein tolles Helferlein, so ein kleiner Kompass. Mit einem groben Stadtplan im Hinterkopf rennt man damit zumindest einmal grob in die richtige Richtung. Hat mir auch in Frankfurt schon geholfen! Auf die Gefahr hin, mich als Volltrottel zu outen: wer hat beim Aussteigen aus der U-Bahn noch nicht den falschen Ausgang genommen? Ein kurzer Blick auf die Windrose und voilà, schon steht die Peilung.