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OMKAFE vom Gardasee

Wenn ich an den Gardasee zum Wandern fahre und dort in einer meist ziemlich preiswerten Unterkunft wohne, dann gehört es einfach dazu, beim Frühstück diesen leicht verbrannten, nussig schmeckenden Filterkaffee zu trinken. Deutscher Kannen-Kaffee kann dagegen nur abstinken, denn der hat einfach keinen Charakter. Über Filterkaffee wollte ich jetzt gar nicht schreiben, sondern eigentlich über die am Gardasee – genauer gesagt in Arco (ehemals Riva) – ansässige Bohnenrösterei namens OMKAFE.

Im großen und modernen Röst-, Büro- und Verkaufsgebäude von OMKAFE kann man zum einen so einiges Besichtigen. Und zum anderen kann man dort leckere Spezialitäten kaufen. Von dort habe ich mir zwei Päckchen Kaffee (scusate, wolle schreibe „cafè“) mitgebracht: einen für Mokka Kannen und einen für Siebträger Espresso Maschinen. Welche Bohnensorte genau enthalten ist, erfährt man schändlicherweise nicht. Es ist eben ein „blend“, also kann es alles Mögliche sein.

Ich muss sagen – so richtig begeistert hat mich der Mokka jetzt nicht. Er ist etwas dünn im Geschmack, doch gleichzeitig besitzt er eine den Mund zusammenziehende Bitternis. Ob man wohl mehr Pulver als üblich nehmen sollte für mehr Geschmack? Oder weniger, für weniger Bitter? Werde das demnächst ausprobieren, habe aber keine große Hoffnung. Ob es die andere Sorte, die Espresso Mischung wieder herausreißen kann? Auch das wird sich demnächst zeigen. Oder sollte es schlicht und einfach daran liegen, dass italienischer Cafè nach Italien gehört, und nicht ins verregnete Deutschland?

Die weltberühmten schnellen „Riva“-Motorboote, in welchen Gunter Sachs und Brigitte Bardot in den wilden 50er herumgeknutscht haben, kommen übrigens nicht aus Riva, sondern vom nahe gelegenen Lago d’Iseo. Nur mal so zum Klugscheißen.

Und eben finde ich noch einen netten Bericht zu einem Besuch vor Ort bei OMKAFE. Hm. Als ich selbst dort war, mussten die beiden Verkäuferinnen zwar erst mit Gewalt dazu aufgefordert werden, mich bezahlen zu lassen, aber das kann ja auch tagesformabhängig gewesen sein…

Nachtrag:
Der Espresso hat es leider auch nicht rausgerissen. Ist genauso bitter, nur kräftiger im Geschmack. Das restliche Mokkapulver hat sich schließlich in der Mülltonne prächtig als Geruchsabsorber für Küchenabfälle bewährt.

Torbole am Gardasee

Der Gardasee (auf Karte gucken) in Norditalien ist Treffpunkt für Sportler und Rentner aus Deutschland und drumherum. Was man hier tun kann (die Rentner und alle anderen) ist eine kleine Top-5 Liste wert:

  1. Wandern
  2. Segeln, Surfen, Kiten
  3. Fahrrad fahren (MTB)
  4. Klettern
  5. Relaxen und Leute gucken, dabei Espresso trinken

Zum Wandern ist die Gegend hervorragend geeignet, da rund um den See steile Berge aufragen, die ein spektakuläres Panorama versprechen, wenn man ersteinmal den Aufstieg geschafft hat. Keiner muss hier allerdings bei null beginnen: wer mit dem Auto bis auf 1700 m hinauffährt, hat immer noch genug zu tun, um ganz oben einen Gipfel nach dem anderen zu erklimmen. Die Wege sind meist gut ausgeschildert und soweit präpariert, dass man in der Regel ohne größere Kletterpartien auskommt. Wer aber gerade auf das Klettern scharf ist, kann sich zwischen Kletterwänden und Klettersteigen entscheiden. Das bringt Abwechslung beim Wandern, fordert aber auch ein wenig Selbstverachtung, gerade an den Stellen mit senkrechtem Blick aufs Wasser.

Was den Wassersport mit Windkraft betrifft (alles andere ist hier eh nicht erlaubt), gibt es zwei vorherrschende Winde, welche vormittags bzw. nachmittags blasen: Ora und Tramontana. Am nördlichen Gardasee zwischen Riva und Torbole pfeift es also zuverlässig und in vorhersagbarer Stärke. Anfänger und Cracks freuen sich gleichermaßen.

Beide Gruppen sind also eher selten gleichzeitig im Strandcafé von Torbole anzutreffen. Hier gibt es Cafè & Co. in allen Varianten. Per Selbstbedienung holt man sich die Ration Koffein an seinen Sitzplatz, welcher praktischerweise hinter Plexiglasscheiben freie Sicht auf den See bietet.  Wie gesagt, es ist windig hier und im Frühjahr oder Herbst nicht mehr wirklich warm. Zumindest wenn die Sonne weg ist.

Was die Mountain-Biker betrifft, denen begegnet man als Wanderer meistens zweimal: zuerst morgens mit dem Auto auf dem Weg zur Wanderroute auf steilen Bergstraßen. Hier quälen sich die Biker gern in besoffen wirkenden Schlangenlinien die Serpentinen hinauf. Und das zweite Mal nachmittags im Strandcafé, wo sie sich verschwitzt und noch im Lars-Ulrich-Leibchen ihr Hefeweizen bestellen. Zwischendrin sieht man sie eigentlich nie, keine Ahnung, was die den ganzen Tag so treiben.

Als Unterkunft kann man zwischen Hotels aller Kategorien wählen. Ein großes Schild am Ortseingang listet dort alles auf, was Rang und Namen hat. Besonders leicht zu finden sind die Unterkünfte ohne großen Namen bzw. Stern. Die stehen nämlich ganz unten und sind aus dem fahrenden Auto gerade noch zu erkennen. Früher war ich gerne Gast in der „Villa Emma„, gleich in der ersten Straße rechts, wenn man den Hang von Nago aus herunter kommt. Sie wurde bis vor Kurzem noch von Claudio betrieben und war ein idealer Stützpunkt für Sportler. Sehr einfach, aber dafür unschlagbar günstig. Das Restaurant war ebenfalls zu empfehlen, da es hervorragende Pizzas und monströse Portionen gab. Wer sich hier einen kleinen Tomatensalat bestellte, konnte sich schon mal Gedanken machen, wohin er das halbe Kilo Tomaten-Zwiebeln verdrücken soll.

In letzter Zeit bin ich mit dem „Hotel Miorelli“ sehr zufrieden. Es liegt in zweiter Reihe am See und ist immer noch super günstig, obwohl es hier ein üppiges Frühstücksbuffet und diversen netten Schnickschnack gibt.