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Kunst mit Kanone in Aarhus

Nachdem ich Aarhus im Oktober letzten Jahres mit dem ersten Schneesturm der Saison verließ, kam ich jetzt im April gleich wieder in den Genuss eines zünftigen Schneegestöbers. Diesmal hoffentlich das letzte Mal in der Saison. Da die Sonne schon wesentlich höher stand als im Herbst, nutzte ich die Gunst der Stunde, um den kunterbunten Dachaufbau des Aarhusener Kunstmuseums „ARoS“ zu besichtigen.

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Wer möchte, kann der vorgegebenen Thematik des Kurators folgen. Welche da wäre, im Keller (der Hölle) anzufangen und im Dachgeschoss (dem Himmel) zu Enden. Sehr originell, aber aus diversen Gründen nicht machbar. Zunächst einmal besitzen die Etagen des Museums unsichtbare, Star-Trek ähnlich getarnte automatische Schiebetüren. Das führte zu der Situation, dass ich Dummbeutel die ersten Stockwerke unbesichtigt hinter mir ließ, da meiner Meinung nach kein Eingang vorhanden war. Irgendwann lief ich vor lauter Verzweiflung auf die stumme weisse Wand zu und Sesam siehe da: sie öffnete sich. Allerdings ohne das erwartete futuristische Zischgeräusch. Spätestens jetzt hatte ich dieses Kunstmuseum gefressen. Ganz oben auf dem Dach befand sich jedenfalls das eingangs erwähnte Glasrondell mit den buntigen Farben, wegen dem ich eigentlich hergekommen bin. Gemessen am Eintrittspreis war das Erlebnis dann doch etwas dürftig, aber Aarhus durch die rosarote Brille betrachtet hat durchaus Qualitäten.

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Zurück in der Hölle musste ich feststellen, dass das gesamt Untergeschoss von sage und schreibe drei Künstlern mit jeweils maximal drei Kunstwerken belegt war. Eines langweiliger als das andere. Weisse Kugeln, weisse Zylinder, es hatte etwas meditatives. Aber ein Künstler (Anish Kapoor) hatte sich dem roten Wachs verschrieben und veranstaltete damit diverse Sauereien. Nachdem ich ungläubig an einigen Wachs-schälenden Monsterskulpturen vorbeiging, bemerkte ich schon das unauffällig auffällig guckende Museumspersonal. Außer mir war niemand da, also musste ich wohl als zu bewachendes Subjekt herhalten. Im letzten Raum ging mir dann schließlich auf, was die Bewachung bedeutete: ich kam als einziger Besucher des Museums in den Genuss, der einzigartigen Kunstkanonen-Performance beizuwohnen. Denn was ich nicht wusste, war die Tatsache, dass „speziell geschultes“ Museumspersonal einmal die Stunde dazu befugt war, die sagenumwobene Wachskanone abzufeuern. Und da sie das wohl auch lieber in Gesellschaft als alleine taten, wurde ich „unauffällig“ dazu auserkoren, diesem einzigartigen Happening beizuwohnen. Ein bisschen mehr LSD im Kaffee hätte wohl geholfen, die Angelegenheit für gut zu befinden. So musste ich ein wenig ratlos zusehen, wie ein schweigsamer Angestellter die Kanone mit einer Wachspatrone lud und 5 lange Minuten die Druckluft hinein pumpte.

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Nach einem kurzen aber lauten „Plopp“ landete die Matsche schließlich an der Wand und vorbei war dieser große Augenblick zeitgenössischer Kunst. Ich verließ den Raum fluchtartig, um Platz zu machen für die vom Knall wie Schmeißfliegen herangelockten Kunstkoryphäen, die aber leider zu spät kamen. Such is Life.

Wer sich das – inklusive Wartezeit für die Druckluft – einmal in Echtzeit ansehen möchte, kann das hier tun:

Segeln auf der Ostsee 15: Halbrund um Fünen (Nyborg bis Middelfart)

„Heute sind wir in Middelfart, das liegt am westlichsten Zipfel von Fünen.
Da das Wetter die ersten vier Wochen sehr durchwachsen war, scheint es jetzt so, als ob es zum Ausgleich nur noch Sonne gibt! Seit dem Ulli/Sandro Wechsel letzten Samstag ist das Wetter brutal gut. Fast nur Sonne und „netter“ Wind von 2-4, manchmal 5. Gut, einen Tag Regen hatten wir auch, das haben wir dann auf der Insel Lyö an uns vorbeiziehen lassen. Ich habe gelesen, im Rest von Deutschland steigt das Thermometer gerade auf über 30 Grad… das bedeutet auch für uns: tagsüber wird endlich die 20 Grad Marke geknackt, yes!

Es ist unglaublich, die Ostseeküste scheint vom Wetter weiter unten bei euch vollkommen entkoppelt zu sein. Wie dem auch sei, wir lassen es relaxt angehen. Sandro versucht seit Tagen, mit seiner Angel einen Fisch zu fangen. Wenn es der Haken durch die riesigen Quallenwolken bis auf den Grund schafft, dann zieht er leider nur Seegras wieder hoch. Manchmal liegen wir auch einfach ohne Segel im Wind und lassen uns beim Angeln herum treiben. „Beiliegen“, also das Vorsegel back gestellt und dann das Ruder in den Wind, das klappt nicht so gut. Hatten auch schon Jürgen und ich früher festgestellt. Das Boot ist dann immer noch recht flott. Aber einfach ohne Segel liegt es auch sehr stabil. A propos Segel: wir haben den Blister mal ausprobiert. Das ist dieses bunte, bauchige Segel aus leichtem Stoff, das man bei Wind von hinten gut verwenden kann. Es lief auch ganz gut, bis zur dritten Halse. Dann hatte sich das Segel irgendwie verwurstet und wir haben es wieder reingezogen…

Ich rassel jetzt mal die letzten Orte herunter, wo wir Halt gemacht haben: Lundeborg, Svendborg, Aerösköbing, Lyö, Assens und heute Middelfart. Von hier geht es dann wieder zurück in Richtung Damp. Bisher kam der Wind von Hinten (Osten), das passte optimal. Ab morgen soll er dann auf Nord oder West drehen, das passt für den Rückweg auch wieder gut.

Aber jetzt zu etwas komplett anderem. Ich hatte es ja schon meinen Mitseglern erzählt: ich werde die Zelda wieder verkaufen. Das Boot ist gut, daran liegt es nicht. Es gibt aber leider mehr Gründe, sie nicht zu behalten, als sie zu behalten. Mein Plan war ja ursprünglich, sie nächstes Jahr ins Mittelmeer zu bringen. An der Ostsee weiter zu Segeln, kommt nicht in Frage. Dafür ist das Wetter zu unstabil oder simpel gesagt, zu schlecht. Für einen überzeugten Ostsee-Segler ist ein Tag schon zu warm, wenn er seine Jacke ausziehen muss, das spricht für sich. Dazu kommt, dass ich mit der Dänischen Kultur nicht viel anfangen kann. Die Häfen gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Es gibt keinen oder nur wenig Fisch. Keine Restaurants, nur Imbiss-Stände und „Frokost“. Die „Städte“ sind winzig und bieten keine echte Abwechslung. Wenn ich das mal mit der mediterranen Kultur vergleiche, dann wird klar was ich will: Mittelmeer! Ansonsten könnte ich natürlich auch wieder mal versuchen, weiter nach Schweden zu segeln. Das ist bestimmt sehr schön. Aber eben auch langwierig zu erreichen.

Also bliebe nur, das Boot ins Mittelmeer zu überführen. Das würde bedeuten, wieder 6 Wochen Urlaub zu investieren (vielleicht auch wieder unbezahlten, wenn das nicht mein einziger Jahresurlaub sein soll), um es über Kanäle z.B. nach Südfrankreich zu fahren. Dann liegt das Boot noch weiter weg als jetzt schon und ich bin natürlich daran gebunden, dort segeln zu gehen. Eigentlich schon eine Alternative, aber ich habe mich dagegen entschieden.
Jetzt werden sich natürlich einige an den Kopf greifen und sagen: hätte er dann nicht erst mal ein Boot chartern können? So einfach ist das aber nicht. Ein Boot hätte ich ohne zusätzlichen Segelschein (SKS) nicht chartern dürfen. Ausserdem hat alleine die Vorbereitung und die Organisation der Reise mit dem eigenen Boot schon richtig Spass gemacht. Es ist einfach etwas anderes, eine Sache „richtig“ zu machen als erstmal nur reinzuschnuppern. Das Boot ist in einem hervorragenden Zustand und daher wird der Verkauf sicherlich nicht lange dauern.

Für die Zukunft stelle ich mir – ausser dem Segeln in warmen Revieren – auch noch andere Sachen vor: einmal mit einem größeren Segelboot über den Atlantik zum Beispiel (als Mitsegler). Oder vielleicht mit einem kleinen Fischer-Motorboot über die Flüsse ins Schwarze Meer… nur so angedacht. Wer mich kennt weiss ja, dass mir die Ideen nicht ausgehen :-)
Soweit die News, wir nähern uns also wieder dem Ausgangsort.“

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Brachialer Sonnenschein, fast lückenlos zwei Wochen lang, das war eine tolle Zeit! Unberechenbar blieb es trotzdem auch weiterhin. Die Wettervorhersage hat eigentlich nie gestimmt. Wobei der Dänische Wetterdienst noch wesentlich genauer als der Deutsche ist. Dieses gute Wetter habe ich einfach mal als Entschädigung für die weniger gute Zeit davor angenommen. Aber es ist schon so: Nord- und Ostsee haben seit einigen Jahren mit wirklich schlechten Sommern zu kämpfen. Ob es jetzt die Sonnenflecken, der Golfstrom, Klimaerwärmung oder sonstwas ist, das sei mal dahingestellt. Meine Schlussfolgerung ist ganz klar: im Urlaub muss es warm sein, basta. Danke für den Fisch, aber ich bevorzuge das mediterrane Klima.

Jetzt gerade bin ich schwer am Schwanken, ob ich meine schöne Zelda wirklich verkaufen soll. Inseriert ist sie. Aber besichtigen will sie niemand. Alle denken, sie könnten anhand von Bildern den Zustand des Boots beurteilen. Leute, das geht nicht! Ich bin selber in diese Falle gelaufen, seht einfach weiter vorne in diesem Blog nach. Die Qualität eines Bootes offenbart sich erst bei der Besichtigung.
Eigentlich will ich gar nicht verkaufen. Es wäre zwar der logische Weg, aber nicht der gefühlsmäßig richtige. Mal so ins Blaue gedacht – der Transport der Yacht in die Adria ließe sich organisieren. Dort wird gesegelt und die Dame irgendwo Wintergelagert. Muss doch machbar sein. Ein bisschen mehr Urlaub als normal wird sich auch wieder herausdiskutieren lassen. Vielleicht diesmal 6 Wochen im Frühsommer und weitere 4 im Spätsommer. Wenn die Schwemme der Italiener und Ösis vorbei ist, solle man es in kroatischen Gewässern gut aushalten können.

Ausserdem… mir fiele schon ein Zacken aus der Krone, wenn ich jetzt nach nur einer Saison meine Lady schon wieder verkaufen würde.

Segeln auf der Ostsee 14: Guldborg, Danish Dynamite & Smålandsfahrwasser

„Hier wieder der aktuelle News-Ticker der ZELDA!
Gestern sind Ulli und ich von Vordingborg nach Guldborg gefahren. Viel mit Segeln war nicht, da auch hier wieder ziemlich untiefes Wasser und betonnte Fahrrinnen vorherrschten. Vor dem Guldborger Hafen steht eine Klappbrücke. Und da das meine erste Klappbrücke war, war ich doch sehr gespannt, ob der Mensch darin sie auch gleich für mich öffnen würde. Hat er gemacht. Ich bin aber trotzdem nicht durchgefahren, da das doppelt rote Licht noch geleuchtet hat. Als er sie schon wieder zu machen wollte, bin ich mit ordentlich Stoff draufzugefahren und er hat sie netterweise wieder hochgezogen. Hatte ich nicht letzten Winter gelernt, dass alles was rot und noch dazu doppelt dargestellt ist, irgendwie „Stopp“ oder „Verboten“ heisst?! Verkehrte Welt.

Der Hafen liegt also im Guldborg-Sund und das heisst auch, dass das Wasser am Hafen vorbeiströmt und das Boot ziemlich zur Seite versetzt beim Reinfahren. Wie auch immer, das Anlegemanöver war wie aus dem Lehrbuch, Ulli und ich hatten uns das Anlegerbier wirklich verdient.

„I am sexy and I know it!“ grölte dann irgendwann nachts ein mit Badehose bekleideter dänischer Jugendlicher, der kurz darauf von der Klappbrücke ins Wasser sprang. Das sind immerhin an die 8 Meter oder höher, also net schlecht! Ich hastete in die Kabine ans GPS: Das Wasser ist jedenfalls laut Karte tief genug, er ist somit nicht querschnittgelähmt wieder aufgetaucht.

Jetzt gerade sitzen Ulli und ich in Kragenaes bei windigem Sonnenschein im Hafen und haben das Anlegerbier und den Anlegerkaffee auch schon hinter uns gebracht. So ganz klar war das nicht, dass wir heute auslaufen. Es waren Starkwinde von 6 Beaufort und mehr für abends vorhergesagt und am Vormittag war noch alles Regenverhangen. Um 13 Uhr hörte der Regen auf und ich habe dann beschlossen, loszufahren. Der Wind war ablandig aber doch leider schon sehr stark. Es ging nur gegen Wind und Welle unter Motor vorwärts, da musste mein Bootchen richtig arbeiten und wurde immer wieder auf ca. 2 Knoten abgebremst, wenn sie einen Brecher weggedrückt hat. Hat auch gut gespritzt, aber das Boot konnte zeigen, was in ihm steckt! Man fühlt sich auch bei solchem Wetter sicher darauf.

Das Anlegemanöver war diesmal nicht ganz so perfekt wie gestern, aber dass uns der Wind beim Anlegen vertreibt, war eh klar. Mittlerweile ist in den Häfen fast nichts mehr los und man hat die freie Auswahl an Plätzen, somit ist das viel stressfreier als noch am Anfang der Reise. Ausserdem klappt das Manövrieren jetzt recht gut und zur Not ziehen wir den Kahn halt mit der Hand herum und rein in die Box. Trotzdem bin ich immer neidisch auf die anderen Boote, die so leicht ihre engen Kurven drehen können oder sogar Bugstrahlruder haben…

So, wie gesagt ist das Wetter für morgen und übermorgen als stürmisch angesagt und wir werden wohl hier im Hafen bleiben. Danach geht es Richtung Nyborg, wo dann Sandro am Wochenende als Ablöse für Ulli kommt.“

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Das waren echt ein paar Knalltüten da in Guldborg! Erst noch tagsüber mit Uniform in der Caféteria des Hafens gejobbt und kaum geht die Sonne unter, stehen sie halbnackt auf der Klappbrücke des Sunds und springen ins Wasser. Echtes Danish Dynamite halt. Da ich die Seekarte noch grob vor Augen hatte (2-3 Meter), dachte ich, die tauchen wirklich nicht mehr lebend auf… aber die Locals kennen sich aus mit der Wassertiefe, alles easy.

Zelda ist jedenfalls bei ordentlich Gegenwind gut ins Schwitzen geraten. Ich bin ja mit dem Gashebel immer etwas sparsam. Aber hier musste ich tatsächlich den Hebel „auf den Tisch legen“, wie das so schön heisst, um noch Fahrt voraus zu machen. Dazu kommt, dass der Wind uns schnell seitlich weggedrückt hat, sobald er Angriffsfläche am Bug hatte. Gegen den Wind fahren ging also, in einem Winkel dazu nur schlecht.

Viel wichtiger war im Nachhinein die Erkenntnis, dass es doch sehr viel stressfreier ist, auf Wegen zu fahren wo man nicht fürchten muss auf Grund zu laufen. Das Bermuda Dreieck zwischen Femø, Askø und Lilleø war so ein Kandidat. Während Ulli sein Mittagsschläfchen hielt, rechnete ich jede Minute damit, dass unser Kiel über Grund schrabbt. Oder eher, dass wir einfach so stehen bleiben würden. Es war schon verdammt flach. Selbst das Echolot zeigte weniger als einen Meter Tiefe unter dem Kiel an, und das ist definitiv zu mutig, selbst mit nur 1,17 m Tiefgang. Weiss doch kein Mensch, wie der Matsch und die Algen hier das Echolot verwirren, vielleicht ist es auch weniger tief gewesen.

Als wir dann der Fähre entgegen liefen, die unbeirrt ihre Runden zwischen den Inseln zog, da wusste ich: wir sind wieder im sicheren Fahrwasser…!

Segeln auf der Ostsee 13: Øresund, Rødvig, Kalvehave, Vordingborg

„Nachdem ich am Mittwoch mit Tristan in Skanör aufgebrochen bin, sind wir wieder über „den Teich“ nach Rödvig gefahren. Diesmal war der Hafen erheblich leerer und die Platzsuche unproblematisch. Letztendlich haben wir uns per Muskelkraft in die Box gezogen, da die Gasse sehr eng war und mein Bootchen bekanntermaßen schlecht zu manövrieren ist. Am nächsten Tag war Hafentag angesagt, da der Wind ziemlich stark war und eine ordentliche Welle in die Faxe-Bucht stand. Andere sind auch nicht ausgelaufen, ich bin also nicht der einzige, der kein heftiges Geschaukel braucht. Gleich morgens habe ich uns zwei Fahrräder organisiert und wir sind für ein paar Stunden durch die Gegend geradelt. Es gibt in der Nähe eine Art Freilichtmuseum mit diversem Kriegsgerät zum Thema „Kalter Krieg“, Panzer, Angriffspläne der Russen gegen den Westen und so.

Dann ging es Freitag weiter nach Kalvehave, das auf der Seite der Insel, wo Kopenhagen drauf liegt, liegt. Man liegt direkt neben der großen Brücke, die auf die Insel Mön führt. Jetzt gerade sind wir in Vordingborg. Sind wie gestern stundenlang durch das betonnte Fahrwasser unter Motor gefahren. Teilweise ist es etwas schwierig zu sehen, wo es langgeht, zumindest wenn die nächste Tonne weit weg ist. Zum Glück habe ich die digitale Seekarte und kann schnell nachsehen, wo wir sind. Heute Nachmittag haben wir für ein Stündchen in einer Bucht geankert. Hat gut geklappt. Das Boot reagiert auch hier wieder vor Anker im Wind und Strom ganz anders als die Boote, welche wir bisher gechartert hatten.

Dann kam heute Abend Ulli aufs Boot. Leider musste er den Flug über Stockholm antreten, den er dank meiner früheren Reiseplanung schon gebucht hatte. Er hat dann Tristans VW-Bus dank unserer bebilderten Anleitung in Skanör auf dem Parkplatz gut gefunden und kam dann mit dem Auto direkt nach Vordingborg. Die nächsten Tage tingeln Ulli und ich also durch die Dänische Südsee.“

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Das Ankerverhalten meiner Albin Vega ist wirklich etwas ungewohnt: sie schwojt nicht wie moderne Yachten mit dem Bug immer in Richtung Anker, sondern sie liegt manchmal im 90° Winkel zu ihm. Wahrscheinlich liegt das am langen Kiel. Das macht das Boot empfänglicher für Strömungen, als das bei Kurzkielern der Fall ist, anders kann ich es mir nicht erklären. Der Anker hielt gut, es war aber auch kaum Wind. So richtig traue ich ihm trotzdem nicht – der Vorbesitzer hat nie wirklich mit der Yacht geankert. Der Anker ist eine Art Danforth Modell, dessen Design Ende des Zweiten Weltkriegs aufkam, als die US Armee in der Normandie landen musste und ein Anker mit guter Haltekraft auf sandigem Boden gefragt war. Heute ist die Entwicklung ein gutes Stück weiter. Zu den sichersten Ankern zählen mittlerweile die Typen Delta, Bügel, Kobra, Mantus und Rocna. Besonders auf letzteren habe ich ein Auge geworfen, da es ein wirklich beeindruckendes Video zu seiner Haltekraft im Vergleich zu anderen Modellen gibt (leider nur vom Hersteller…).

Da ich leider keine Haltevorrichtung direkt am Bug habe, kann ich den Anker nicht einfach ins Wasser plumpsen lassen: da muss man schon ein bisschen kreativer sein! Abgelassen wird er am Heck, und nachdem ein paar Meter Seil gesteckt sind, warte ich, bis er gegriffen hat. Falls kein Wind weht, kommt der Motor mit wenig Gas ins Spiel, bis der Anker hält. Danach belege ich das Seil an der Bugklampe und das Boot richtet sich neu zum Anker aus. Das Aufholen muss auch wieder per Hand erfolgen, da ich keine elektrische Winsch habe. Ist bei wenig Wind unproblematisch. Wie das bei Starkwind läuft, wird sich zeigen.

Aarhus überzeugt

Die zweitgrößte Stadt in Dänemark, die Stadt im Schatten von Kopenhagen, heißt Aarhus. Früher wurde sie Århus geschrieben, aber weil es den Buchstaben „Å“ selbst im dänischen Alphabet erst seit weniger als einhundert Jahren gibt, wurde er zu Beginn des Internetzeitalters schnell wieder fallen gelassen. Ist doch wesentlich leichter, nach „Aarhus“ zu googeln als nach „Århus“.

Nach meiner Kritik an der dänischen Esskultur im Artikel „Kulinarisch armes Dänemark“ muss ich jetzt doch einmal eine Lanze für dieses Land brechen. Natürlich ist die Stadt Aarhus – genau wie Kopenhagen – nicht repräsentativ für Land und Leute. Aber der schlechte Eindruck, den die winzigen Küstenstädte machen, darf das Gesamtbild nicht zu stark einfärben. Denn es gibt auch wirklich schönes zu berichten.

Da ich neulich für eine Woche beruflich hier unterwegs war, hatte ich ein paar Tage Zeit, die Stadt zu erkunden. Was schnell auffällt, sind die vielen kulturellen Möglichkeiten, die geboten werden. Musik und Theater, Museum und Ausstellungen, hier ist tatsächlich was los. Außerdem beherbergt Aarhus eine Universität und das tut jeder Stadt gut! So kommt es, dass die Auswahl an Restaurants und Bars außergewöhnlich hoch ist, auch im gehobenen Bereich. Trotzdem merkt man auch hier, dass es wieder kaum Restaurants gibt, wo richtig dänisch gegessen werden kann. Dafür gibt es eine Menge ausländisch eingefärbtes Essen: auch da, wo „dänisch“ draufsteht, kann ein Nordafrikaner mit entsprechender Geschmacksrichtung dahinter stecken.

Die Sonne ging mir erst mittags auf, in der Kantine des Kunden, den ich besuchte. Zwar wurde auch hier nur mittelmäßige Warmkost angeboten, die nicht weiter erwähnenswert ist. Das Highlight war jedoch das kalte Büffet. Ich glaube, das ist der Schlüssel zur skandinavischen Kultur: der Genuss einer deftigen Brotzeit, einer dänischen Jause!

Es gab drei Tische:

  • Den Salat-Tisch. Eine Variation von angemachten Salaten, gekochtem Gemüse, Rohkost und allem, was man so drüber streuen kann. Allein dieser Tisch wäre für eine Mittagsmahlzeit völlig ausreichend gewesen.
  • Der Fisch-Fleisch-Käse-Tisch. Hier häuften sich die geräucherten Lachsstücke, der Matjes, der Hering, der Wurstsalat, Schinken, diverse Käse und Co. Dazu noch all die leckeren Kleinigkeiten, die man sich als Garnitur auf den Teller häuft, wie z.B. die obligatorischen Röstzwiebeln, Shrimps, etc. Alles selbstverständlich mit der typisch dänischen, leicht sauren Remouladensauce.
  • Der Brot-Tisch. Ich hatte ja im anderen Artikel geschrieben, man äße in diesem Land nur labberiges Weißbrot. Das stimmt nicht, lediglich uns Yachties hat man in den Häfen nichts besseres angeboten. Es gibt sie schon, die krustigen Körnerbrote und die knusprigen Baguette-Stangen. Dazu kommt, dass selbst in dieser nur mittelgroßen Kantine das Brot sogar teilweise selbst gebacken wird. Und mal ehrlich – in welcher deutschen Firma wird zum zweiten Frühstück um 9 Uhr ein ofenwarmes Brötchen mit Butter gereicht? Auf diesem Tisch befinden sich dann ausserdem noch – sozusagen als Magenschließer – kuchenartige, braune, runde Teigklumpen mit Zimtgeschmack.

Zum Runterspülen all dieser Kalorien gibt es in einer modernen Firma natürlich kein Øl, also Bier, sondern Mælk, Milch. Und zwar zum Selberzapfen und gleich ganze vier Sorten mit unterschiedlichem Fettgehalt.

Zum Schluß noch ein Crashkurs zu den drei nahezu identisch gesprochenen Buchstaben O, O und O (Å, Æ und Ø):

Å = wie das kurze O in „Wort“.
Æ = wie das kurze O in „Wort“, aber tiefer als beim Å, eher wie ein Ä.
Ø = leider nicht immer Ersatz für das deutsche Ö, sondern oft wieder eine Art O, aber ich wüsste nicht, wie man seine Aussprache aufschreiben sollte.

Auf dieser Webseite kann man auf die Wörter klicken und bekommt sie vorgelesen, was sehr aufschlussreich ist. Hier noch Infos zu einzelnen Buchstaben, allerdings auch nicht immer richtig, wie ich finde.

Segeln auf der Ostsee 11: Von Rödvig nach Skanör

„Wir sind jetzt seit gestern offiziell in Schweden. Und zwar in Skanör, das ist der kürzeste Weg rüber über den Sund zwischen Dänemark und Schweden. Dummerweise liegt dort auch ein überdimensionales Verkehrstrennungsgebiet. Das ist so eine Art Autobahn für die Berufsschiffahrt und dort hat es sogar einen Kreisverkehr. Dieser Kreisel misst ca. 4 Seemeilen. Bis man dort mit 4,5 Knoten durch ist, das dauert fast eine Stunde. Immer mit dem flauen Gefühl, ob nicht irgendwo noch ein Tanker auftaucht. Denn die Riesendinger fahren so schnell, dass sie schwer einzuschätzen sind. War aber alles gut.

Nur das Wasser ist immer trüber geworden. Erst haben wir es für abgelassene Scheiße gehalten. War aber „bloß“ Algenwuchs. Überall, wie ein Teppich. Und Mücken auf dem Wasser ohne Ende. Zum Glück im Hafen nicht. Heute hatten wir Glück: ein Mann hat im überfüllten Hafenbecken auf eine kleine Lücke ganz am Ende gedeutet und dort haben wir uns in Zeitlupe reingezogen, ohne Motor. Das geht prima. Später haben wir dann zugesehen, wie die Päckchen immer größer wurden. Jetzt liegen uns gegenüber zwei 7er Päckchen. Man muss also im Extremfall über 6 Boote steigen, um an Land zu kommen. Scheint wohl noch Hochsaison zu sein….

Vorgestern war es etwas schwieriger. Auch Rödvig war schon voll und so sind wir wieder längsseits im Päckchen zu einem Norweger gegangen. Später meinte der dann, es wird morgen recht früh werden, sie wollen die Klippen von Mön bei Sonnenaufgang erleben. Also haben wir nachts um 4 Uhr die Boote mit Leinen herumrangiert. Ich hätt kotzen können. Ging aber gut. Die Klippen konnten die gar nicht bei Sonnenaufgang erreichen, denn die Entfernung ist zu weit und die Sonne geht schon vor 5 Uhr auf. Wirklich Deppen.
Heute lagen wir hier in Skanör und sind nicht gesegelt. Mir ist die ganze Hetzerei zu stressig. Immer von Hafen zu Hafen ohne irgendwas zu sehen. So habe ich mir das nicht vorgestellt. Also wird morgen mal Urlaub gemacht. Demnächst werde ich es öfter so machen.“
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Windstille mitten im Öresund. Mücken auf dem Wasser, Mücken in der Luft, Mücken am Segel und sogar Mücken zwischen den Zähnen! Es war grauenvoll und wir hofften, dass es im Hafen besser ist. Zum Glück war es auch so, andernfalls wäre es unerträglich geworden. Warum nur beginnt ab Dänemark der skandinavische Mückenwahnsinn? Was haben die hier, was die Mücken glücklich macht? Wenn die jetzt auch noch auf die Idee kommen würden, zu stechen, dann gute Nacht.

Skanör jedenfalls, da lag ich nun. Falsterbo im Süden der Halbinsel, Malmö im Norden und die Brücke über den Öresund in Blickweite. Der Hafen war wirklich schön. Es gab zwei Fischräuchereien, ein Restaurant und mehrere Imbiss-Stände sowie im Städtchen einen sehr guten Supermarkt. Hier war Leben, ganz anders als in den meisten anderen Häfen, die ich noch anlaufen sollte. Ein riesiger Sandstrand und eine weite Dünenlandschaft gleich nebendran. Skanör machte den Eindruck, das Kronberg oder das Schwabing der Schweden zu sein. Wo sonst fährt der Hafenmeister einen Porsche?

Kulinarisch armes Dänemark

Freunde des hohen Nordens schätzen oft ganz besonders Dänemark. So richtig erklären können sie es nicht, aber sie begründen ihre Einstellung schnell mit der vielgerühmten „hyggeligkeit“ und den überall zu bekommenden Pölsern. Im Prinzip ist hiermit alles Wissenswerte über Dänemark gesagt. Ich vermute mal eher, dass die Freunde des Nordens nicht sehr wählerisch sind und einfach in das nächstbeste skandinavische Land rennen und das ist von Deutschland aus gesehen nun einmal Dänemark.

Es ist tatsächlich so, dass die kleinen Inseln, die kleinen Häuschen, die kleinen Segelboote und das alles sehr hyggelig wirken, also gemütlich und stressfrei. Und ebenfalls stimmt es, dass man an jeder Ecke Pölser kaufen kann, also labberige Hotdogs und Bratwürste. Aber das war es dann auch schon mit den erwähnenswerten Dingen, denn ansonsten ist hier tote Hose. Es gibt keine Restaurants. Es gibt keine Imbiss-Stände, die etwas anderes außer Pölsern, Spaghetti, Hamburgern und Pizza anbieten. Es gibt keinen Fisch, obwohl das ganze Land von Meer umgeben ist. Sie verkaufen ihn lieber gleich nach England, wo er in Panade gehüllt, in Fett frittiert und schließlich in Essig ertränkt wird. Und es gibt noch nicht einmal knusprige, schmackhafte Brötchen zum Frühstück. Es ist traurig. Auch die Selbstversorgung im Supermarkt führt nicht weiter. Das Grillfleisch ist von schlechter Qualität, es ist knorpelig und trocken. Die Wurst, der Käse, das Brot… es schmeckt einfach wie ein schlechter Abklatsch von dem, wie es sein sollte. Und damit meine ich jetzt nicht unbedingt die deutschen Lebensmittel, die ich besser finde. Man schaue sich nur einmal um in der Welt: Die Franzosen können zum Beispiel Käse. Die Polen können Wurst. Die Italiener können Pasta.
Was aber können die Dänen?

An diese persönliche Erfahrung muss ich jedes Mal denken, wenn im Fernsehen wieder eine gastronomische Doku über Kopenhagen läuft, der Stadt mit den meisten Sternerestaurants der Welt. Es mag ja alles stimmen, und das aktuell sehr gehypte „Noma“ mit seinen frischen Kräutern ist sicherlich noch ein bis zwei Jahre einen Bericht Wert (zumindest solange, bis die aktuelle Mode auch von dieser Art der Küche wieder genug hat, siehe das El Bulli mit seinen Molekularschäumen, das interessiert heute niemanden mehr). Aber danach fällt die kulinarische Kurve steil nach unten. Verlasse Kopenhagen und finde dich damit ab, an einer Tankstelle genauso gute Würstchen zu bekommen wie an einer x-beliebigen anderen Frittenbude. Es gibt hier einfach keine Restaurantkultur. Es gibt keine „Gut Bürgerlichen Restaurants“, wo man die 10 nationalen Standardgerichte bekommt. Und selbst die ausländische Küche findet hier nur in Form von Pizza- und Gyrosbuden mit Plastikmobiliar statt. Einen guten Italiener? Einen guten Thai? Leider nein.

Na gut. Zur Ehrenrettung hier nun die drei Speisen, die man in Dänemark probiert haben sollte:

Frokost
Man nehme eine Scheibe Toastbrot, lege sie auf einen Teller und häufe dann alles darauf, was einem einfällt. Frokost-Teller sind die einzige Möglichkeit, an etwas Fischiges zu kommen (zumindest in den Hafenstädtchen). Es gibt sie tatsächlich auch in lecker, und zwar zum Beispiel im „Café Razz“ in Middelfart an der Hafenmole. Dort besteht so ein Teller aus gebratenem und frittiertem Fisch sowie einem halben Kilo Krabben obendrauf, das ganze noch garniert mit Potatoe Wedges und Salat. Allerdings wird auch hier nicht gezaubert: die Krabben sind aus der Dose und der panierte Fisch aus der Tiefkühltruhe, was sich leider im Preis nicht bemerkbar macht. Aber es schmeckt.
Frokost heißt eigentlich „Frühstück“, meint aber eher Mittagessen und daher gibt es das nur vom Vormittag bis zum späten Nachmittag. Kommt man also zu spät, muss man mit dem Rest der Speisekarte vorlieb nehmen (Spaghetti, Burger… siehe weiter oben).

Frühstücksgebäck
Das Beste, was Dänemark kulinarisch zu bieten hat. Butterige, knusprige, blätterige, auch nach 24 Stunden noch wie frisch schmeckende Stückchen! Die Geschmacksrichtung spielt keine Rolle. Ob mit Schoko, Marmelade, Vanille oder Zimt. Das Zeug ist die Wucht. Vollkommen rätselhaft, wie sich hier im Backbereich eine so gute Qualität durchsetzen konnte. Ansonsten essen die Dänen ja auch alles Minderwertige, was man ihnen vorsetzt. Tschuldigung, es isso. Nicht umsonst zählen sie zu den überfetteten Nationen und mussten 2011 eine Fettsteuer einführen. Übrigens: das Gebäck gibt’s auch an jeder Tanke, in gleich hoher Qualität. Und warum schmeckt das so gut? Na, wegen der Butter!

Räucherfisch
Nach sechs Wochen Segeln in dänischen Gewässern gab es tatsächlich nur einen einzigen Hafen, wo ein Fischer seinen frisch gefangenen Fisch selbst geräuchert und zum Kauf angeboten hat. Er schmeckte hervorragend! Selbst nach einigen Tagen in der nicht so doll kühlenden Kühlbox war er noch lecker. Leider hat es sich unter seinen Fischerkollegen noch nicht herumgesprochen, dass man den Fisch auch an Touristen direkt verkaufen kann, anstatt ihn beim nächsten Großeinkäufer für einen Bruchteil des möglichen Erlöses abzuladen. Noch getoppt wurde der dänische Räucherfisch allerdings vom schwedischen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wem das jetzt alles zu miesepetrig beschrieben ist, der lese hier eine positive Beschreibung von echten Dänemark Fans.

P.S.: ich selber habe neulich auch Dänemarks schöne Seite kennen gelernt: Aarhus überzeugt.

Segeln auf der Ostsee 10: Hesnaes und Klintholm

„Wir sind jetzt in Klintholm. Das ist ein gemütlicher Hafen am äusseren Zipfel der Insel Mön. Hier gibt es auch das Kap mit den weißen Kreidefelsen. Mit dem High-Speed Katamaran vom Jelle sind wir 2005 hier schon vorbeigefahren, aber mit 13 Knoten statt mit 4. Eigentlich wollten wir gestern schon herfahren, aber diese ewig lange Bucht zieht sich unheimlich. Und so sind wird dann stattdessen in Hesnaes gelandet. Da war es ziemlich voll, ist gerade Hauptsaison und spitzen Wetter, also sind die regulären Plätze ab 17 Uhr alle schon weg. Ich habe dann eine dicke Bavaria 46 gefragt, ob wir längsseits liegen dürfen und so haben wir es dann gemacht. Das Schiff war von einem Urlaubsveranstalter mit Skipper drauf und die wollten heute schon recht früh los. Also haben wir um 8 Uhr schon den Hafen verlassen. Heute habe ich alles selbst gemacht, so als ob ich allein an Bord wäre. So ein bisschen war ich das auch, da Jürgen die gestrigen Rum-Cola nicht so gut weggesteckt hat, höhö. Bis auf das Anlegemanöver ging das auch gut. Kurs abstecken, Segel setzen, mit Autopiloten hantieren, Navigieren das ging alles prima. Die Karte vom Hand-GPS funktioniert auch seit Gedser, ich brauche also nicht mehr jedesmal in die Kajüte rennen, die GPS Koordinaten auf die Karte übertragen und kucken wo ich bin. Gute Sache, so eine digitale Seekarte.

Vor Klintholm habe ich das Schiff dann klar fürs Anlegen gemacht, also Segel runter, Leinen klar machen und Fender montieren während das Boot selbst weiter im Wind fährt. Heute wollte ich es komplett alleine machen das Anlegen, aber es ging natürlich schief. Egal, jeder Versuch bringt einem wieder mehr Erfahrung. Und das Boot ist ja auch robust, den Steg hat es heute jedenfalls geküsst…! Morgen habe ich vor, das Anlegemanöver wieder mit Jürgen zu fahren, das sollte dann klappen mit zwei Personen. Alleine beide Heckleinen über die Pfosten zu werfen ist schwer und das Schiff ist dann meist schon abgetrieben und liegt quer in der Box – ein Traum.

Momentan ist wie gesagt das Wetter traumhaft, 3 Beaufort Wind und ne Menge Sonne. Hoffentlich bleibt das so. Die erste Woche war schon ganz schön deprimierend mit dem ewigen Regen und Starkwind, draussen auch Sturm (aber ohne uns). Zwischendurch hatten wir ordentlich Welle, und das kickt einen richtig durch die Gegend. Auf der dicken Bavaria 46 habe man nichts davon gemerkt, hieß es… das sind wirklich verschiedene Welten.
Als nächstes steht der „Sprung“ nach Schweden an. Falls wir von hier aus rüber fahren, wären das gute 40 Seemeilen, was bei unserem Bootchen bedeutet, bei passablem Wind mindestens 10 Stunden unterwegs zu sein. Falls wir erst weiter nördlich queren, geht es schneller aber natürlich ist der Weg insgesamt dann länger.
Schönen Gruß in die Runde, und alle, die sich fürs Mitsegeln angekündigt haben bitte ich darum, langsam etwas konkreter zu werden. Sonst muss ich andere Leute auftreiben, denn das Alleinesegeln ist doch wesentlich unlockerer als zu zweit oder zu dritt.“
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Ich hatte mir wirklich den idealen Zeitpunkt für meinen Segeltörn ausgesucht: mitten in der Hauptsaison! Die Häfen sind dann meistens schon am frühen Nachmittag überfüllt und man findet keinen regulären Boxenplatz mehr. Heute würde es mir natürlich viel leichter fallen, irgendwo noch eine Nische zu finden. Aber als wir in Hesnaes einliefen, war die Ratlosigkeit doch erstmal groß. Später habe ich dann mitbekommen, wo man sich als kleines Bootchen noch so überall reindrücken kann. Dazu kommt, dass es an der Ostsee üblich ist, im Päckchen zu liegen. Zur Not auch mal gegen den Willen des anderen. Schließlich braucht jeder einen Platz, und so sollte es selbstverständlich sein, es später kommenden Yachten zu ermöglichen, längsseits zu liegen. Im Mittelmeer ist das dagegen total unüblich, daher waren Jürgen und ich anfangs sehr zögerlich. Später sollten wir noch sehr viel größere Päckchen sehen.

Die maritime Bevölkerung auf der Ostsee hat eine Altersstruktur von 60 Jahren aufwärts. Das führt dazu, dass spätestens morgens um 8 Uhr schon ausgelaufen wird. Wie sonst sollten sich die Senioren auch frühzeitig einen guten Platz im nächsten Hafen sichern? So ganz habe ich es bis heute nicht begriffen, warum man sich ein Boot im Wert eines Einfamilienhauses kaufen soll, nur um damit von Hafen zu Hafen, von Box zu Box zu fahren  und dort mit einer Distanz zum nächsten Nachbarn von weniger als einer Armlänge zu liegen.

Segeln auf der Ostsee 9: Damp, Lippe, Burgtiefe, Gedser

Von Damp nach Lippe
„Gestern sind wir im Auto von Frankfurt nach Damp hochgefahren. Ziemlich regnerisch war es, und hier oben ist es seit gestern gemischt. Mal Regen, mal Sonne. Für morgen ist das auch so vorhergesagt. Der Wind wird wohl gerade noch Ok sein, also mit 5-6 Beaufort Stärke und dann abnehmend auf 4. Dazu kommt er aus der passenden Richtung, also „von Hinten“ bzw. Halbwind, also Süd bis Südwest. Wir wollen dann Richtung Fehmarn aufbrechen. Jedenfalls, solange die Wettervorhersage so bleibt. Eingekauft haben wir auch ne Menge, das Schiff liegt tief! Ansonsten ist es natürlich schön, wieder auf dem Boot zu sein.“
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Wir hatten es nicht in einem Rutsch von Damp bis nach Burgtiefe auf Fehmarn geschafft. Erst blies noch ordentlich Wind, danach war er weg und es regnete stundenlang. Daher beschloss ich, den winzigen Hafen bei Lippe anzulaufen. Durch den Regen und den Dunst waren die kleinen gelben Tonnen vor dem Hafen kaum auszumachen. Mein Hand-GPS mit digitaler Seekarte war in diesem Gebiet noch nicht zu gebrauchen. Die Karte begann erst ab kurz vor Gedser. Und so mussten wir uns langsam vorantasten und ständig die Position vom GPS manuell in die Karte eintragen. Was wir sonst stündlich gemacht haben, wurde jetzt alle 10 Minuten erledigt. Bis wir uns sicher waren, die richtigen Tonnen gefunden zu haben.

Der Hafen war sehr eng und ich hatte es noch nicht im Gefühl, wie das Boot richtig manövriert wird. Aufgrund seiner ungewöhnlichen Konstruktion ist es nur schwer zu lenken, besonders rückwärts. Das liegt daran, dass bei einer Albin Vega die Schraube oberhalb und zudem noch hinter dem Ruder liegt. Das Ruderblatt wird also nicht direkt von der Schraube angeströmt und das Boot reagiert erst auf die Pinnenlenkung, wenn etwas Fahrt anliegt. Daher kommt es, dass die Vega trotz ihrer mickrigen Länge von 8,25 m einen Wendekreis hat, der größer als der von modernen 12 m Yachten ist.

Ausserdem habe ich schlicht und ergreifend die Pinne beim rückwärts Fahren falsch herum eingeschlagen… Man merkt das leider erst nach einer halben Ewigkeit, wenn das Boot endlich reagiert hat. Doch dann ist es zu spät für eine Korrektur. Und so bin ich im Hafen mal vorwärts gefahren, mal rückwärts. Dann wieder volle Kraft voraus. Dann wieder voll Rückwärts. Und so weiter und so fort, bis mir ein netter Bootsbesitzer am Steg bedeutete, ich solle doch einfach in die große Box neben ihn kommen. Und so ging es dann auch. Am nächsten Tag schafften wir es mit mächtig Wind und Welle im Nacken – die Logge zeigte über 8 Knoten, weit über Rumpfgeschwindigkeit – bis nach Burgtiefe auf Fehmarn. Dort blieben wir dann noch zwei Tage und saßen das schlechte und stürmische Wetter aus.

Von Burgtiefe nach Gedser
„Wir sind seit gestern in Gedser. Hier gibt es unglaubliche Mückenschwärme, so dicht, dass es wie Rauchwolken aussieht. Zum Glück stechen sie nicht… Heute fahren wir dann nach Klintholm, das sind auch wieder ca. 30 Seemeilen und es wird wohl so 8 Stunden dauern.“

Ein paar Tage später dann, in Gedser, klappte das Anlegen schon viel besser. Langsam aber sicher kam irgendwann das Verständnis für das Boot. Obwohl ich auch die nächsten zwei Wochen noch ein zuverlässiger Veranstalter von bestem Hafenkino bleiben sollte!

Die in meiner Email erwähnten Mückenschwärme waren wirklich nicht von dieser Welt. Wir dachten zunächst tatsächlich, dass hinter dem Schilfgras ein Boot mit qualmendem Schornstein reinkommt! Es war aber kein Rauch, sondern bloß undurchsichtige, wabernde Wolken aus Mückenmasse. Auch die Toilettenräume waren mit diesen Viechern bedeckt. Sie wurden dann morgens mit einem Industrie-Staubsauger zu Fliegenbutter verarbeitet. Was für ein widerlicher Geruch. Ich musste an diesen Comic Strip von Calvin und Hobbes denken…