Asien auf dem Grunde meines Cocktails

Während ich so im Flieger der Singapore Airlines sitze und meinen Cocktail trinke (Singapore Sling, was sonst, die bessere Variante von Sex on the Beach), kommen mir Gedanken zu einem Artikel in der FAZ, der die aktuelle Situation von Asien, Europa und Amerika beleuchtet. Die FAZ ist alles andere als handlich und im Flieger eigentlich nur dann lesbar, wenn man das Glück hatte, keinen Sitznachbar zu haben. Die Frankfurter Rundschau ist da in ihrem halben Format schon praktischer, aber leider inhaltlich keine wirkliche Alternative. Außerdem lohnt es sich nicht, auf ein sterbendes Pferd zu setzen.

In diesem Artikel der FAZ von einem Herrn Frankenberger ging es um die Beziehung der Regionen untereinander, und das ist eher selten. Normalerweise werden entweder die aufstrebenden Tigerstaaten (schon länger her) oder China, Indonesien etc. separat beleuchtet. In diesem Fall hat der Autor aber einige Punkte aufgeführt, die alle Regionen betreffen und die ich direkt mal unterstreichen könnte. Als Angestellter einer deutschen Firma mit indischem Chef, indischer Muttergesellschaft und Kunden in Indonesien kamen mir beim Lesen ähnliche Gedanken wie dem Autor.

Auch ich denke, dass sämtliche asiatischen Staaten mit Handkuss die Vorteile der freien Marktwirtschaft genießen. Was täten wir ohne thailändischer T-Shirts, indischen Jeans, chinesischen iPads und indonesischen Möbeln? Allein um einen kontinuierlichen Absatz dieser Waren zu sichern, sind diese Länder an einem stabilen Europa ohne Finanzkrise interessiert. Und wir Europäer fragen ja auch nicht, woher unser Konsumzeug kommt. Ab und zu wird vielleicht ein Containerschiff von halb verhungerten Afrikanern geklaut. Aber das tangiert uns lediglich peripher und ist in den Preis des iPhones längst einkalkuliert.

Auf der anderen Seite sind diese asiatischen Länder im Inneren lange nicht so vorwärtsgewandt, wie man vielleicht meinen möchte. Das Wirtschaftswachstum steht im krassen Gegensatz zum moralischen Wachstum. Entweder ist die Korruption irrsinnig hoch (Indonesien, siehe meine Erlebnisse mit der Polisi). Oder die Regierung regelt solange nichts, bis eigene politische Interessen betroffen sind (China). Oder man ist willen- und machtlos gegenüber Terrorgruppierungen, welche die Regierung erpressen (eigentlich alle). Zwar redet die Welt über China und seine kriminellen Unterdrückermethoden. Dass aber auch die indonesische Regierung ihr Volk ausbeutet und dass Singapur lediglich an der Oberfläche demokratisch ist, das juckt eigentlich niemanden.

Solange der Rubel rollt, brauchen wir uns also wirklich keine Sorgen zu machen. Was passiert, wenn er nicht mehr rollt, steht auf der anderen Seite des Curryblatts.

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