Segeln auf der Ostsee 1: Warum DAS denn jetzt?

Eines Tages, irgendwann im letzten Jahr, beschloss ich zur See zu fahren.

So ganz aus heiterem Himmel kam dieser Gedanke nicht. Irgendwie bin ich schon seit  Jahren immer tiefer in das Thema hineingerutscht. Wie ich damals als Student auf die Idee kam, den Schein für das Binnensegeln zu machen, weiss ich heute nicht mehr. Jedenfalls ist dadurch eine Freundschaft mit einem anderen Kursteilnehmer entstanden, die aus dieser Zeit stammt. Wir sind später in wechselnder Begleitung durch das Mittelmeer getingelt, natürlich mit einer Charter-Yacht und immer nur für eine Woche. Mein Kumpel hat weiter fleißig Scheine gesammelt und konnte somit eine Yacht mieten. Mit einer jungen und tatkräftigen Crew war es auch für uns als Anfänger kein Problem, ein solches Dickschiff zu bedienen. Diese Urlaube waren unglaublich spannend und entspannend zugleich. Die mediterrane Kultur, das warme Wasser und das Gefühl, mit dem eigenen Boot hinfahren zu können, wo man will… davon wollte ich mehr. Zwar würde ich nicht im Mittelmeer anfangen, sondern auf der Ostsee. Aber schließlich sollte ja auch das selbständige Segeln gelernt werden. Um dafür eignet sich dieses Revier vor der Haustür, so ganz ohne Tiden, ganz hervorragend. Ausserdem bin ich zwar schon recht weit in der Welt herumgereist, aber unsere Nachbarn Dänemark und Schweden waren mir immer noch unbekannt.

Das ist der „technische“ Hintergrund, die Fakten. Es gibt aber auch noch andere Beweggründe, ausgerechnet jetzt das zu tun, was mir am Wichtigsten ist. Da gibt es zum Beispiel seit einiger Zeit immer häufiger diese schlechten Nachrichten von Menschen, die man recht gut oder manchmal auch etwas weniger gut kannte. Sie starben an den abscheulichsten Krankheiten oder fielen einfach sofort tot um, weil irgendjemand da oben beschlossen hatte, dass jetzt Schluss sei. Ich bin gerade Anfang 30 und dennoch häufen sich seit ein paar Jahren diese Geschichten. Eine zweite Welle wird später, in vielleicht 20 Jahren wiederum ein paar mehr Bekannte und Freunde dahinraffen. Wer kennt das nicht aus seiner Elterngeneration – links und rechts beginnen die Schicksalsschläge häufiger zu werden. Selbst wenn es einen nicht gleich erwischt, es kann ja auch schleichend gehen. Soll ich vielleicht bis 65 warten, wenn die Gesundheit schwächelt aber dafür das Bankkonto voll ist? Nein, es muss jetzt los gehen.

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