Segeln auf der Ostsee 2: Segeln, aber für wie lange?

Das Gefühl, wenn man im Bugkorb sitzt und nichts anderes als das Rauschen des Wassers hört und den wehenden Wind spürt – das ist einfach unbeschreiblich schön. Das ist eine erste Vorstellung von Freiheit. Klar, wenn ich alle unsere gemeinsamen Segel-Urlaube und auch meine eigenen Unternehmungen zusammen zähle, dann werde ich bis heute auf kaum mehr als zwei bis drei Monate reines Segeln kommen. Aber immerhin, für berufstätige Menschen schon mal nicht schlecht. Nur, wirklich weit kommt man mit dem normalerweise zur Verfügung stehenden Jahresurlaub nicht. Zieht man von den insgesamt 30 Tagen noch ein paar ab für Weihnachten, Herbst und Frühjahr, so bleiben vielleicht 20 übrig. Je nach Revier können diese 20 Tage bei schlechtem Wetter und somit Zwangspause leicht auf 10 bis 15 Tage reines Segeln schrumpfen. Das langt mir nicht.

Zunächst muss also geklärt werden, welche Möglichkeiten es gibt, um Job und Segelwunsch unter einen Hut zu bekommen.

Die große Lösung: gar nicht erst versuchen, Job und Segeln unter einen Hut zu bekommen, sondern direkt kündigen und ab ins Blaue. Klingt prima, ist aber nur möglich, wenn die Finanzen stimmen und man auch die weiteren Konsequenzen zu tragen bereit ist:

  • Wohnung untervermieten oder auflösen
  • Haushalt verkaufen oder einlagern
  • Kein regelmäßiges Einkommen mehr, dafür teure Versicherungen, etc.

Der unbestreitbare Vorteil ist natürlich, dass anschließend zu 100% Segeln angesagt ist, keine halben Sachen.

Die etwas kleinere Version: ein Sabbatical. Also den Job für einen vordefinierten Zeitraum von einem halben bis zu einem ganzen Jahr unterbrechen. Hierbei kann das häusliche Leben weitestgehend stillgelegt werden, man kann aber noch jederzeit zurück ins gemachte Nest. Und vor allem muss man sich keine Sorgen über den Wiedereintritt ins Berufsleben machen.

Bei laufendem Job gibt es die beiden folgenden Möglichkeiten: Teilzeit arbeiten oder unbezahlten Urlaub nehmen.

Teilzeit arbeiten. Das heißt, man arbeitet natürlich Vollzeit, kann sich die angesparte Teilzeit aber anschließend am Stück gönnen. Vorteil ist, dass der Arbeitgeber den Wunsch nach Teilzeit nicht verweigern darf. Bei einer halben Stelle könnte man also ein halbes Jahr Segeln gehen. Nachteil ist, dass kein Arbeitgeber verpflichtet ist, den erfahrenen Matrosen ein Jahr später wieder in Vollzeit statt in Teilzeit einzustellen. Es sei denn, dies wurde vertraglich vereinbart.

Unbezahlten Urlaub nehmen. Um bei den oben genannten Zahlen zu bleiben, würde das bedeuten, 20 Tage bezahlten und 20 Tage unbezahlten Urlaub zu nehmen. Damit wäre man 2 Monate unterwegs, hätte noch ein paar Urlaubstage für andere Zwecke übrig und hätte außerdem kaum Gehaltseinbußen. Nachteil: kein Arbeitgeber der Welt kann gezwungen werden, unbezahlten Urlaub zu genehmigen. Ausserdem verfällt bei unbezahltem Urlaub von mehr als einem Monat die Verpflichtung der Firma, weiterhin Sozialabgaben und Krankenversicherung zu zahlen. Sofern man jedoch einen guten Draht zu seinem Chef hat und die Urlaubszeit nach Absprache in einen günstigen Zeitraum legt, erscheint mir dieser Weg als der beste.

Allerdings haben alle Wege (aber vor allem die beiden Letztgenannten) für Berufstätige einen gemeinsamen, gewaltigen Nachteil: sie können beim Arbeitgeber leicht den Eindruck erwecken, dass einem die persönliche Freizeit und Abenteuerlust wichtiger ist als der Job. Ich würde sogar behaupten, dass es aus Karrieregesichtspunkten in vielen Berufen das Todesurteil ist, Teilzeit zu beantragen. So muss also jeder für sich selbst entscheiden, welche Version für ihn am besten ist.

Ich bin den Weg „unbezahlter Urlaub“ gegangen. In meinem Fall hielten sich sowohl die Karriereaussichten als auch die aktuelle Firmenkonjunktur schwer in Grenzen, daher war mein Chef sogar grundsätzlich angetan von der Idee des unbezahlten Urlaubs. Denn in manchen Branchen schwankt die Auftragslage einer Firma doch sehr stark und da kommt eine vorübergehende Einsparung in Form eines Monatsgehalts doch sehr gelegen.

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