Im Test: Handkäs mit Musik

Die Musik (also die Zwiebel-Öl Marinade) ist natürlich nicht im Test, wohl aber die 3 Sorten Handkäse von folgenden Herstellern, alle erhältlich bei REWE:

  • HB (H. Birkenstock) – Original hausmacher Handkäse
  • Käserei Wilh. Mack – Der echte Bauernhandkäse
  • Ja! – Harzer Käse

Der Käse und die Musik
Zur Vorbereitung dieses Geschmackstests habe ich eine schöne Marinade aus Öl, Essig, Salz, Pfeffer, reichlich Zwiebeln und etwas Kümmel hergestellt. Dort hinein kamen alle Kandidaten, gleich nachdem sie gekauft wurden. So konnten sie über Nacht durchziehen und am nächsten Mittag verspeist werden. Wichtig ist, den Handkäs nicht im Kühlschrank aufzuheben, denn dort reift er langsamer. Eigentlich reift er ja am besten an der frischen Luft, anstatt in der Marinade. Der hier verwendete Käse ist jedenfalls schon vorgereift und selbst im Innern nicht mehr hell und körnig, er kann also gleich verarbeitet werden. Was man ansonsten tun muss, um aus Milch Handkäse zu erhalten, kann Wikipedia besser erklären als ich (allerdings verzichten sie auf das nette Detail, dass der Käse früher in der Küche gleich neben dem Ofen vor sich hin gegammelt, äh, gereift ist…). Auch die Herkunft der Bezeichnung „… mit Musik“ wird dort versucht zu erklären, ebenso wie die Tradition, dass Handkäs nur mit dem Messer gegessen werden soll.

Ich halte diese merkwürdigen Bräuche für Bullshit und serviere daher selbstverständlich Messer und Gabel dazu. Eigentlich bräuchte man auch noch einen Löffel, damit man die Musik besser auf den Käs und schließlich in den Mund bekommt. Es ist einfach sinnlos, etwas Flüssiges mit dem Messer aufnehmen zu wollen. Selbst die Chinesen essen ihren Reis nicht wirklich mit den Stäbchen, sondern sie schaufeln und schlürfen alles munter direkt in sich hinein, wobei die Schüssel ganz nah an den Mund gehalten wird. Soviel also zu Traditionen. Ach ja, wenn ich schon beim Thema bin: auch eine andere „Tradition“, nämlich die der unfreundlichen Frankfurter Kellner in den Äppelwoi Kneipen, finde ich echt zum Kotzen. Wirklich garnichts rechtfertigt eine unfreundliche Bedienung, schon gar nicht dieser Pseudokult um Frankfurter Schnodderschnauzen. Als Tourist findet man das vielleicht noch ganz unterhaltsam. Als Einheimischer verspürt man dagegen das schwer zu unterdrückende Verlangen, diesen Typen mal kräftig unter ihre Schürzen zwischen die Beine zu treten.

Genug der Gewaltphantasien, zurück zum Käse und seinen Inhaltsstoffen. Handkäse ist Sportlernahrung, wer hätte das gedacht! Der Grund ist, weil so ein Käs kaum Kohlenhydrate, dafür mehr als 25% Eiweiss und nur ca. 0,5% Fett enthält. Soviel Steak oder Hühnerbrust kann man gar nicht essen, um den selben Anreiz fürs Muskelwachstum zu erhalten. Dazu kommt noch das Öl in der Musik mit seinen mehrfach ungesättigten Fettsäuren, was die Speise fast schon mediterran macht. Serviert man noch einen sauer gespritzten Apfelwein dazu (weniger Kalorien als Bier), so erhält man eine sehr gesunde und erfrischende, original hessische Fitness-Bombe.

Der Test
Die Tester stammten auch diesmal wieder aus dem Kollegenkreis: eine Dame aus Nordhessen, ein Inder aus Pune, ein Kollege tamilischer Herkunft und ich, der frankfurter Taunusboy. Bis auf meine Wenigkeit hat noch keiner der Teilnehmer jemals in seinem oder ihrem Leben einen Handkäse gegessen. So war ich froh, dass zunächst mal überhaupt jemand den Käse aufgegessen hat, erst danach ging es um die Bewertung. So dachte ich jedenfalls. Schlussendlich habe ich selbst das Ergebnis festgelegt, denn mehr als ein „Hm, joa, schmeckt, ähm…“ konnte ich den Kandidaten nicht entlocken. Letztlich schmecken sie auch trotz ihres unterschiedlichen Äußeren nahezu gleich. Sie unterscheiden sich ein wenig im Reifegrad, was wohl der wichtigste Faktor ist. Und der variiert eben je nach Alter der Charge. Somit gibt es diesmal kein eindeutiges Urteil. Lediglich eine Tendenz ist zu erkennen: der kleine, recht feste Ja! Harzer Käse war uns doch etwas zu fest. Der tellerrunde Käse von Wilh. Mack war nicht schlecht, wurde im Geschmack aber doch schließlich vom HB geschlagen. Vielleicht lag es auch an der natürlichen Form des HB, dass er am besten überzeugen konnte. Und vielleicht würde eine andere Charge mit unterschiedlichem Alter ein ganz anderes Ergebnis bringen.

Wie dem auch sei, lecker waren sie alle und der kulinarische Horizont meiner indischen Kollegen hat sich jetzt wieder ein Stückchen weiter verschoben. Ob nach oben oder unten, das sei jetzt mal dahingestellt. Sie brauchen als Vegetarier jedenfalls nicht mehr ausschließlich von Pommes bei Mc Donalds zu leben – ab jetzt können sie jeden Tag Handkäs mit Musik essen und bauen nebenbei noch mächtig Muskeln auf.

3 Gedanken zu „Im Test: Handkäs mit Musik“

  1. Lecker die Bilder. Zum Glück habe ich noch zwei Packungen Handkäse im Kühlschrank, die mache ich mir jetzt. Der echte Bauernhandkäse von der Käserei Wilh. Mack hat ja eine interessante Form. *Kühlschranktür aufmach*

  2. Als gebürtigen Siegerländer hat man mich natürlich ab frühster Kindheit vor den Hessen und deren Gepflogenheiten gewarnt. Dieser Bericht animiert mich trotzdem Grenzbereiche auszutesten; ich werde es einfach mal riskieren lukullisches Neuland zu betreten. Allerdings werde ich beim Erstversuch doch erst einmal ein Pils dazu wählen.

  3. Ich bin Schlesin im Exil und lebe sehr gerne seit fast 5 Jahren in Frankfurt. Am Handkäs mit Musik habe ich mich aber erst in den letzten Tagen versucht ich esse ihn zwar am liebsten mit Kartoffelecken aus dem Backofen aber bei 35 C° im Schatten ist der kalte Käse einfach himmlisch. Und es stimmt der kleine Käse von JA! oder anderen Discount Marken ist einfach zu fest, nicht unlecker aber nicht so zart im Schmelz wie die teurern Kollegen.
    Und ich kann nur sagen auch wer sonst kein Harzer mag Zwiebeln, Kümmel, Essig und Öl können ´ne Menge rausholen aus dem kleinem Stinker. Probieren geht über studieren :)

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