Segeln auf der Ostsee 15: Halbrund um Fünen (Nyborg bis Middelfart)

„Heute sind wir in Middelfart, das liegt am westlichsten Zipfel von Fünen.
Da das Wetter die ersten vier Wochen sehr durchwachsen war, scheint es jetzt so, als ob es zum Ausgleich nur noch Sonne gibt! Seit dem Ulli/Sandro Wechsel letzten Samstag ist das Wetter brutal gut. Fast nur Sonne und „netter“ Wind von 2-4, manchmal 5. Gut, einen Tag Regen hatten wir auch, das haben wir dann auf der Insel Lyö an uns vorbeiziehen lassen. Ich habe gelesen, im Rest von Deutschland steigt das Thermometer gerade auf über 30 Grad… das bedeutet auch für uns: tagsüber wird endlich die 20 Grad Marke geknackt, yes!

Es ist unglaublich, die Ostseeküste scheint vom Wetter weiter unten bei euch vollkommen entkoppelt zu sein. Wie dem auch sei, wir lassen es relaxt angehen. Sandro versucht seit Tagen, mit seiner Angel einen Fisch zu fangen. Wenn es der Haken durch die riesigen Quallenwolken bis auf den Grund schafft, dann zieht er leider nur Seegras wieder hoch. Manchmal liegen wir auch einfach ohne Segel im Wind und lassen uns beim Angeln herum treiben. „Beiliegen“, also das Vorsegel back gestellt und dann das Ruder in den Wind, das klappt nicht so gut. Hatten auch schon Jürgen und ich früher festgestellt. Das Boot ist dann immer noch recht flott. Aber einfach ohne Segel liegt es auch sehr stabil. A propos Segel: wir haben den Blister mal ausprobiert. Das ist dieses bunte, bauchige Segel aus leichtem Stoff, das man bei Wind von hinten gut verwenden kann. Es lief auch ganz gut, bis zur dritten Halse. Dann hatte sich das Segel irgendwie verwurstet und wir haben es wieder reingezogen…

Ich rassel jetzt mal die letzten Orte herunter, wo wir Halt gemacht haben: Lundeborg, Svendborg, Aerösköbing, Lyö, Assens und heute Middelfart. Von hier geht es dann wieder zurück in Richtung Damp. Bisher kam der Wind von Hinten (Osten), das passte optimal. Ab morgen soll er dann auf Nord oder West drehen, das passt für den Rückweg auch wieder gut.

Aber jetzt zu etwas komplett anderem. Ich hatte es ja schon meinen Mitseglern erzählt: ich werde die Zelda wieder verkaufen. Das Boot ist gut, daran liegt es nicht. Es gibt aber leider mehr Gründe, sie nicht zu behalten, als sie zu behalten. Mein Plan war ja ursprünglich, sie nächstes Jahr ins Mittelmeer zu bringen. An der Ostsee weiter zu Segeln, kommt nicht in Frage. Dafür ist das Wetter zu unstabil oder simpel gesagt, zu schlecht. Für einen überzeugten Ostsee-Segler ist ein Tag schon zu warm, wenn er seine Jacke ausziehen muss, das spricht für sich. Dazu kommt, dass ich mit der Dänischen Kultur nicht viel anfangen kann. Die Häfen gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Es gibt keinen oder nur wenig Fisch. Keine Restaurants, nur Imbiss-Stände und „Frokost“. Die „Städte“ sind winzig und bieten keine echte Abwechslung. Wenn ich das mal mit der mediterranen Kultur vergleiche, dann wird klar was ich will: Mittelmeer! Ansonsten könnte ich natürlich auch wieder mal versuchen, weiter nach Schweden zu segeln. Das ist bestimmt sehr schön. Aber eben auch langwierig zu erreichen.

Also bliebe nur, das Boot ins Mittelmeer zu überführen. Das würde bedeuten, wieder 6 Wochen Urlaub zu investieren (vielleicht auch wieder unbezahlten, wenn das nicht mein einziger Jahresurlaub sein soll), um es über Kanäle z.B. nach Südfrankreich zu fahren. Dann liegt das Boot noch weiter weg als jetzt schon und ich bin natürlich daran gebunden, dort segeln zu gehen. Eigentlich schon eine Alternative, aber ich habe mich dagegen entschieden.
Jetzt werden sich natürlich einige an den Kopf greifen und sagen: hätte er dann nicht erst mal ein Boot chartern können? So einfach ist das aber nicht. Ein Boot hätte ich ohne zusätzlichen Segelschein (SKS) nicht chartern dürfen. Ausserdem hat alleine die Vorbereitung und die Organisation der Reise mit dem eigenen Boot schon richtig Spass gemacht. Es ist einfach etwas anderes, eine Sache „richtig“ zu machen als erstmal nur reinzuschnuppern. Das Boot ist in einem hervorragenden Zustand und daher wird der Verkauf sicherlich nicht lange dauern.

Für die Zukunft stelle ich mir – ausser dem Segeln in warmen Revieren – auch noch andere Sachen vor: einmal mit einem größeren Segelboot über den Atlantik zum Beispiel (als Mitsegler). Oder vielleicht mit einem kleinen Fischer-Motorboot über die Flüsse ins Schwarze Meer… nur so angedacht. Wer mich kennt weiss ja, dass mir die Ideen nicht ausgehen :-)
Soweit die News, wir nähern uns also wieder dem Ausgangsort.“

-o-

Brachialer Sonnenschein, fast lückenlos zwei Wochen lang, das war eine tolle Zeit! Unberechenbar blieb es trotzdem auch weiterhin. Die Wettervorhersage hat eigentlich nie gestimmt. Wobei der Dänische Wetterdienst noch wesentlich genauer als der Deutsche ist. Dieses gute Wetter habe ich einfach mal als Entschädigung für die weniger gute Zeit davor angenommen. Aber es ist schon so: Nord- und Ostsee haben seit einigen Jahren mit wirklich schlechten Sommern zu kämpfen. Ob es jetzt die Sonnenflecken, der Golfstrom, Klimaerwärmung oder sonstwas ist, das sei mal dahingestellt. Meine Schlussfolgerung ist ganz klar: im Urlaub muss es warm sein, basta. Danke für den Fisch, aber ich bevorzuge das mediterrane Klima.

Jetzt gerade bin ich schwer am Schwanken, ob ich meine schöne Zelda wirklich verkaufen soll. Inseriert ist sie. Aber besichtigen will sie niemand. Alle denken, sie könnten anhand von Bildern den Zustand des Boots beurteilen. Leute, das geht nicht! Ich bin selber in diese Falle gelaufen, seht einfach weiter vorne in diesem Blog nach. Die Qualität eines Bootes offenbart sich erst bei der Besichtigung.
Eigentlich will ich gar nicht verkaufen. Es wäre zwar der logische Weg, aber nicht der gefühlsmäßig richtige. Mal so ins Blaue gedacht – der Transport der Yacht in die Adria ließe sich organisieren. Dort wird gesegelt und die Dame irgendwo Wintergelagert. Muss doch machbar sein. Ein bisschen mehr Urlaub als normal wird sich auch wieder herausdiskutieren lassen. Vielleicht diesmal 6 Wochen im Frühsommer und weitere 4 im Spätsommer. Wenn die Schwemme der Italiener und Ösis vorbei ist, solle man es in kroatischen Gewässern gut aushalten können.

Ausserdem… mir fiele schon ein Zacken aus der Krone, wenn ich jetzt nach nur einer Saison meine Lady schon wieder verkaufen würde.

2 Gedanken zu „Segeln auf der Ostsee 15: Halbrund um Fünen (Nyborg bis Middelfart)“

  1. Oh……wenn ich das lese …dann fehlt mir die Ernsthaftigkeit. Welch ein Quatsch diese Aussagen über Dänemark und die Ostsee.Und natürlich über die Segler die dies Revier nutzen.Aber es ist dann auch besser du segelst im Mittelmeer.
    Aber anlegen mußt du dann auch können….es sei denn du segelst wieder mit Skipper .))

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