Kunst mit Kanone in Aarhus

Nachdem ich Aarhus im Oktober letzten Jahres mit dem ersten Schneesturm der Saison verließ, kam ich jetzt im April gleich wieder in den Genuss eines zünftigen Schneegestöbers. Diesmal hoffentlich das letzte Mal in der Saison. Da die Sonne schon wesentlich höher stand als im Herbst, nutzte ich die Gunst der Stunde, um den kunterbunten Dachaufbau des Aarhusener Kunstmuseums „ARoS“ zu besichtigen.

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Wer möchte, kann der vorgegebenen Thematik des Kurators folgen. Welche da wäre, im Keller (der Hölle) anzufangen und im Dachgeschoss (dem Himmel) zu Enden. Sehr originell, aber aus diversen Gründen nicht machbar. Zunächst einmal besitzen die Etagen des Museums unsichtbare, Star-Trek ähnlich getarnte automatische Schiebetüren. Das führte zu der Situation, dass ich Dummbeutel die ersten Stockwerke unbesichtigt hinter mir ließ, da meiner Meinung nach kein Eingang vorhanden war. Irgendwann lief ich vor lauter Verzweiflung auf die stumme weisse Wand zu und Sesam siehe da: sie öffnete sich. Allerdings ohne das erwartete futuristische Zischgeräusch. Spätestens jetzt hatte ich dieses Kunstmuseum gefressen. Ganz oben auf dem Dach befand sich jedenfalls das eingangs erwähnte Glasrondell mit den buntigen Farben, wegen dem ich eigentlich hergekommen bin. Gemessen am Eintrittspreis war das Erlebnis dann doch etwas dürftig, aber Aarhus durch die rosarote Brille betrachtet hat durchaus Qualitäten.

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Zurück in der Hölle musste ich feststellen, dass das gesamt Untergeschoss von sage und schreibe drei Künstlern mit jeweils maximal drei Kunstwerken belegt war. Eines langweiliger als das andere. Weisse Kugeln, weisse Zylinder, es hatte etwas meditatives. Aber ein Künstler (Anish Kapoor) hatte sich dem roten Wachs verschrieben und veranstaltete damit diverse Sauereien. Nachdem ich ungläubig an einigen Wachs-schälenden Monsterskulpturen vorbeiging, bemerkte ich schon das unauffällig auffällig guckende Museumspersonal. Außer mir war niemand da, also musste ich wohl als zu bewachendes Subjekt herhalten. Im letzten Raum ging mir dann schließlich auf, was die Bewachung bedeutete: ich kam als einziger Besucher des Museums in den Genuss, der einzigartigen Kunstkanonen-Performance beizuwohnen. Denn was ich nicht wusste, war die Tatsache, dass „speziell geschultes“ Museumspersonal einmal die Stunde dazu befugt war, die sagenumwobene Wachskanone abzufeuern. Und da sie das wohl auch lieber in Gesellschaft als alleine taten, wurde ich „unauffällig“ dazu auserkoren, diesem einzigartigen Happening beizuwohnen. Ein bisschen mehr LSD im Kaffee hätte wohl geholfen, die Angelegenheit für gut zu befinden. So musste ich ein wenig ratlos zusehen, wie ein schweigsamer Angestellter die Kanone mit einer Wachspatrone lud und 5 lange Minuten die Druckluft hinein pumpte.

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Nach einem kurzen aber lauten „Plopp“ landete die Matsche schließlich an der Wand und vorbei war dieser große Augenblick zeitgenössischer Kunst. Ich verließ den Raum fluchtartig, um Platz zu machen für die vom Knall wie Schmeißfliegen herangelockten Kunstkoryphäen, die aber leider zu spät kamen. Such is Life.

Wer sich das – inklusive Wartezeit für die Druckluft – einmal in Echtzeit ansehen möchte, kann das hier tun:

2 Gedanken zu „Kunst mit Kanone in Aarhus“

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