Segeln auf der Adria 6: Ein Lichtlein brennt, rabimmel rabammel rabumm

Boote, die nachts vor Anker liegen, müssen ein Licht zeigen, das Ankerlicht. Die meisten modernen Boote haben es auf dem Mast montiert, manchmal ist es sogar schon eine energiesparende LED Lampe. Ich finde es zwar eher irritierend, dass die Lichter so hoch angebracht sind, da man sie leicht mit wesentlich weiter entfernten Lichtern an Land verwechseln kann. Aber sinnvoll sind sie schon, besonders bei wenig Mond oder bei Bewölkung: man ist ohne Licht ein schwarzes Loch unter schwarzen Löchern. Wie wichtig ein Ankerlicht wirklich ist, wurde mir erst neulich bewusst, als ich in der Mitte einer recht engen, langgezogenen Bucht ankerte. Das Essen war gekocht und längst verspeist, das Anlege- sowie das abschließende Verdauungsbier gezischt und eigentlich sprach alles dafür, so langsam auf den Matratzenball zu gehen. Da merke ich, wie sich ein entferntes Motorboot mit ziemlicher Bugwelle langsam aber mächtig auf mich zu schob. Die Besatzung ahnte wohl schon, dass hier Yachties ohne Licht liegen könnten und suchten ihren Fahrweg mit einem starken Scheinwerfer ab. Mir schoss jedenfalls gleich der Satz meines Ausbilders durch den Kopf: „siehst du grün, weiß, rot, Skipper bist in Not“ oder so ähnlich. Für Nichtsegler: die Farben entsprechen den Positionslampen, welche man links, rechts und in der Mitte führen muss. Sieht man alle drei bei einem anderen Boot, so ist es auf Kollisionskurs mit einem selbst.

ankerlaterne_sturmlaterne

Der Zeitpunkt für die Öllaterne schien gekommen. Eine robuste Konstruktion, jeder kennt sowas vom Camping. Aber erst recht auf einem Boot ist so eine Sturmlaterne einfach genial und macht ihrem Namen alle Ehre. Man kann sie am Mast hochziehen und seitlich verzurren, damit sie nicht durch die Gegend baumelt. Dort hängt sie stabil und kann mit einer Ölfüllung locker 2-3 Nächte (20 Stunden) durchleuchten. Die Leuchtstärke ist selbst auf kleinster Stufe, bzw. Dochtlänge noch viel heller als jegliche für mein Bootchen in Frage kommende elektrische Ankerleuchte. Dazu kommt, dass sie auch einen Teil des Decks anstrahlt, wenn man sie nicht ganz nach oben zieht. So bekommen andere Skipper einen viel besseren Eindruck, was sie da für ein Kahn unterhalb des Lichts erwartet. Wer sagt denn, dass ich kein fetter Katamaran bin? Alleine am Ankerlicht ist das nicht zu erkennen. Und der Knüller zum Schluss: die Sturmlaterne frisst keinen kostbaren Strom! Auf dem Bild zu erkennen ist noch das rote aufgeschnittene PVC-Rohr, in das die Laterne zum Verstauen hinein geschoben werden kann. Der Vorbesitzer hat das konstruiert, damit die Laterne in der Backskiste nicht beschädigt wird. Super praktische Sache, es passt genau.

Wie sich herausstellte, schob sich da ein ca. 20 Meter langes Motorboot-Monster an mir vorbei, mehr schon ein Trawler als eine Yacht, und warf wenige Meter hinter mir seinen Anker. Die schmale Bucht hatte vielleicht 60 Meter Breite, also eigentlich viel zu wenig Platz zum sicheren Ankern für so ein Vieh. Aber wer sagt denn, dass MoBo-Fahrer (Kapitäne, müsste man bei diesem Kaliber schon fast sagen) cleverer als Yachties sind.

motorboot_dunkel

Manche Skipper stellen oder montieren sich neuerdings diese Solarlichter aus dem Baumarkt ins Cockpit. Voller Stolz erzählen sie einem, dass das Ding die ganze Nacht durchhält. Ich unterstelle den Kollegen einfach mal, dass sie diese Lampen für das gemütliche Ambiente beim abendlichen Rotwein verwenden und nicht als ernsthaftes Ankerlicht. Wie gesagt, reine Unterstellung…

Ein Gedanke zu „Segeln auf der Adria 6: Ein Lichtlein brennt, rabimmel rabammel rabumm“

  1. Und was sage ich 5 Jahre später zu Solarlichtern? – Yea sag ich, meistens reichen die Dinger völlig aus. Und gegen eine Öllaterne habe ich einfach, dass es sich um brennendes Öl handelt. Feuer ist der größte Feind der Yacht, daher hab ich das Ding schon längst verbannt. Was mittleweile auch super funktioniert sind Akkubetriebene sehe sparsame Campingleuchten. Die halten ein paar Nächte aus und können dann an 12V geladen werden. Zeit steht halt net still un Lebbe geht weider.

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