Segeln auf der Adria 7: Ankern, Boje oder Hafen?

In Kroatien hat es sich durchgesetzt, dass immer mehr schöne, von allen Seiten geschützte Buchten mit Bojenfeldern vollgepflastert werden. Das ist einerseits nicht schlecht, da so mehr Boote hineinpassen und diese auch meist an gut befestigen Bojen liegen. Preislich reden wir hier von 10-20 Kuna pro Meter Bootlänge, das sind umgerechnet 1,30-2,60 Euro. Das ist zu verkraften, denn im Hafen kostet es 3 Mal so viel. Dort bekommt man allerdings auch Wasser, Strom, Toiletten und Duschen.

Dennoch wurmt es einen, dass die besten Buchten nicht mehr zum Ankern zur Verfügung stehen. Man kann in der Nähe von Bojenfelder schon noch ankern – aber man wird dennoch abkassiert, so als ob man an einer Boje hinge. Hier greift die neuerdings verabschiedete Regelung, dass im Umkreis von 300 Metern um ein Bojenfeld nicht mehr kostenlos geankert werden darf (wer dagegen ist, kann sich hier eintragen). Der kroatische Staat ist zur Zeit sehr kreativ im Erfinden von Gebühren. Man weiß ja nie, welche Gebühren noch übrigbleiben, wenn Brüssel nach dem EU Beitritt von Kroatien zum 01. Juli erstmal ausgemistet hat. Da schadet es nicht, die eine oder andere Sicherheitsgebühr, Steuer, Taxe oder Umweltbeitrag in der Hinterhand zu haben.

bojenfeld_sonnenuntergang

Sieht man es realistisch, so werden sich die meisten Crews auf Charterbooten sogar über das große Angebot von Bojenfeldern freuen. Was gibt es besseres, als sich nicht mehr um haltende Anker und das ganze Geraffel kümmern zu müssen! Nur, alle Langzeitsegler, die hauptsächlich ankern, weil sie a) eine gutes Ankergeschirr und b) eine tendenziell knappe Bordkasse haben, ärgern sich über diese Praxis.

Was zum Ankern übrig bleibt, sind meistens nur noch die suboptimalen Buchten, die 2. Klasse, eben überall dort, wo es einen aus mehr als einer Richtung durchschaukeln kann. Natürlich kann man sich auch hier nach Rückversicherung bei der kroatischen Wettervorhersage die Zuckerbucht für die angesagte Windrichtung heraussuchen – aber die Auswahl an freien Buchten schrumpft beträchtlich.

Meine persönliche Reihenfolge bei der Auswahl eines Liegeplatzes liest sich so:

  1. Top Wetter, wenig Wind, Sonne pur: dort ankern, wo es einem gefällt. Der Wind schläft abends eh ein, da macht es keinen Unterschied, ob die Bucht gut geschützt ist oder nicht.
  2. Es besteht die Chance auf schlechtes Wetter, also durchgehend blasender Wind, auch nachts. Oder man möchte einfach sorgenfrei pennen, weil man mal wieder den Wetterbericht verpasst hat. Dann ab an die Boje.
  3. Es ist schlechtes Wetter angesagt oder ein kleines Blitzsymbol auf der Wetterkarte sorgt für gerunzelte Augenbrauen: ab in den nächsten Hafen.
  4. Die natürlichen Ressourcen an Wasser, Strom und Lebensmitteln werden knapp: dann auch ab in den Hafen.

Zum Schluss noch der Link zur ultimativen Seite für Bojenfelder, sie nennt sich „Wosamma“ (eigentlich der Name des Bootes, aber auch so passend) und stammt vom Österreicher Wolfgang Götzinger, der sich die Mühe gemacht hat, das amtliche Verzeichnis der Bojenfelder in eine schöne Google Maps Karte zu implementieren. Der kroatische Staat vergibt die Konzessionen für Bojenfelder auf einer Versteigerung regelmäßig neu, und so können manche Felder verschwinden und neue irgendwo auftauchen. Wie gesagt, hier wird gut Reibach gemacht.

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