Segeln auf der Adria 8: Wilson…!

Tagsüber lasse ich mich gerne und so oft wie möglich vom Autopiloten herumkutschieren, besonders unter Motor. Genaugenommen ist er mein engster Verbündeter auf dieser Reise, jedenfalls immer dann, wenn ich einhand unterwegs bin. Da ich eine Pinne zum Steuern habe und kein Rad, nennt man ihn auch „Pinnenpilot“. Er wird in einen Flansch an der Wand des Cockpits gesteckt und am anderen Ende auf einen Dorn an der Holzpinne gelegt. Er hält die Richtung wirklich sehr genau, vor allem, wenn wenig Seegang herrscht. Wie er es genau macht, weiß wohl nur der Hersteller. Es gibt wohl ein paar Algorithmen, nach denen er anhand der Reaktion der Pinne auf den Wellengang oder die generelle Tendenz des Bootes schließen kann, eine bestimmte Richtung zu bevorzugen. Grundsätzlich verfügt er über einen eingebauten Kompass, und den verwendet er zum Kurshalten. Nicht etwa die Windrichtung, man muss ihn also unter Segeln ab und zu anpassen, damit das Boot keinen Unsinn fährt. Strom braucht er natürlich auch, daher lasse ich ihn nur stundenweise ran oder unter Motor auch gerne mal länger. Beim Segelsetzen ist er auch Gold wert, aber darüber schreibe ich ein andermal.

pinnenpilot

Das war die Vorgeschichte, nur zum Verständnis. Während also der Pinnenpilot pilotiert, sitze ich auf einem Kissen (des Skippers knochiger Hintern wird mit den Wochen immer empfindlicher vom vielen Rumsitzen) vorne an Deck und lasse mir wahlweise die Sonne auf den Bauch scheinen oder genieße den Schatten des Segels. Beim Einlaufen in eine Bucht verziehe ich mich dann wieder ins Cockpit und fange mit dem Rundendrehen zum Suchen eines Ankerplatzes an oder hänge Fender raus, sortiere Leinen oder was weiß ich eben alles. An diesem Tag war es recht windig, so 5 Beaufort mit stärkeren Böen dazwischen. Nach einer Weile liegt meine Zelda gut vor Anker und ich trage unten in der Kabine die üblichen mickrigen zurückgelegten Seemeilen (meist so um die 20) ins Logbuch ein. Da höre ich noch eine Böe und das Schleifen eines Gegenstandes über Deck… schnell rausgerannt und wie vermutet trieb das schöne blaue Kissen schon mit dem Wind über das Meer in Richtung Bari davon.

Aber das Leben besteht aus Herausforderungen, und natürlich musste auch diese angenommen werden. Also Brille schnell runter und Kopfsprung hinterher. Das Kissen war schnell eingeholt, doch dann fiel mir etwas ein, was ich vor dem Kopfsprung wohl nicht bedacht hatte. Nämlich, wie kommt man eigentlich an Bord zurück, wenn man die Badeleiter noch nicht heruntergelassen hat? Das 1-Euro Schrottkissen von AWN ist gerettet, aber ich soll jetzt die Nacht unter der Bordwand hängend verbringen? Der Schreck währte nur kurz, denn mein Bootchen hat wirklich keine sehr hohe Bordwand und ich hatte ich mich zu Übungszwecken auch schon einmal daran hochgezogen. Ist zwar anstrengend, es geht aber gut. Zumindest wenn man nicht zu viele Kilos mit sich herumschleppt. Jedenfalls, was hatte ich noch vor kurzem über diesen selten dämlichen Film „Open Water“ gelacht, wo eine Gruppe Heinis allesamt ins Wasser springen und nicht mehr zurück an Bord kommen wegen besagter vergessener Leiter! Aber jetzt muss ich zugeben, dass es durchaus Gründe für solch ein, ähem, „Missgeschick“ geben kann.

Übrigens klappt es auch auf größeren Booten, wieder an Deck zu kommen. Mit Teamwork geht fast alles! Man muss sich gegenseitig stützen und der Kräftigste wird schon die Kante der Bordwand zu fassen kriegen und kann sich dann mit den Beinen zuerst hinaufwinden. Aber einfach ist es nicht und nach einigen Versuchen muss das auch hinhauen, sonst war’s das nämlich mit der Kraft in den Fingern.

open_water

Das Kissen lag noch eine Weile zum Trocknen in der Sonne, und wenn mich nicht alles täuschte, zeigte es einen etwas hämischen Gesichtsausdruck und zwinkerte mit einem Auge. Mein Wilson!

wilson_kissen

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