Segeln auf der Adria 9: Von Vögeln und Netzen

Neulich wieder per Autopilot durch die Galaxie geflogen. Da fiel mir eine Horde Vögel auf, die auf meiner Route durch den Hyperraum saßen und um’s Verrecken nicht wegfliegen wollten. Normalerweise flüchten Möwen und Co. immer sofort, wenn man sich ihnen nähert. Aber diese Kollegen waren stur. Na gut, dachte ich mir, bist du halt mal Tierfreund. Einmal mit dem Finger auf die „+10“ Taste am Piloten gedrückt und schon sind die Vögel gerettet. Aber was sehe ich da, als der Schwarm auffliegt? Diese Mistviecher sitzen teilweise so geschickt auf Plastikkanistern, die zu Fischernetzen gehören, dass diese einfach nicht zu sehen sind! Da wäre ich doch beinahe ohne zu zögern über so eine Fischerboje drübergebügelt mit Gott-weiß-was für Netzen und Leinen darunter. Abgesehen vom Ärger mit dem Fischer, der meistens nicht weit weg patrouilliert, habe ich dann den Stress mit einer möglicherweise blockierten Schraube. Den Spaß hatte ich schon letzten „Sommer“ in der Ostsee bei 15 Grad Wassertemperatur. Habe eine Viertelstunde an dem Nylonfaden herumgeschnitten, bis er von der Schraube runter war. Nur für diesen Zweck fahre ich seitdem einen kleinen Neopren Shorty spazieren.

tunfisch_farm

Diese scheinbar herrenlosen Plastikkanister sind eine Wissenschaft für sich, jedenfalls für mich als ahnungslosen Nichtfischer. Nach welchen Mustern verbinden sie Netze? Wenn die Kanister ein Dreieck oder Viereck bilden, hängt da wirklich ein Netz in der Mitte? Und wenn ja, wie tief hängt es, kann man notfalls drüberfahren, falls man es zu spät bemerkt? Oder handelt es sich um Reusen? Viele Fragen, aber für mich gibt es nur eine Antwort: sobald ein Kanister gesichtet ist, kucke ich nach weiteren Kanistern. Und die werden in weitem Bogen umfahren, fertig. Manchmal trifft man auf regelrechte Sperrgebiete auf dem Wasser, mit seefahrtsrechtlich korrekt angebrachten Gefahrentonnen. Dabei handelt es sich dann um die runden Konstruktionen, die man schon über Wasser von Weitem gut erkennt und die unter Wasser ganze Fischfarmen enthalten. Da muss man schon gut hingucken, denn die Position auf der Karte stimmte vielleicht vor ein paar Jahren noch, aber jetzt sind die Farmen eben ein paar Meilen weiter draußen aufgestellt.

Auch mies sind diese kleinen Motorboote mit Schleppangeln. Man denkt, sie stehen still, aber in Wahrheit fahren in sehr langsamer Fahrt voraus. Manchmal fahren sie auch gerne unvorhersehbare Muster. Ein andermal geben sie Vollgas, man weiß eigentlich nie, was sie als nächstes tun. Nur eines ist sicher: hinter ihnen her schwimmt die Nylonschnur, die ich um keinen Preis in die Schraube kriegen möchte.

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