Segeln auf der Adria 10: Von Nieren, Doppelherzen und Überbrückungskabeln

Letztens wieder in einer Bucht geankert. Gleich nebendran hatten sich zwei Motorboote aus Österreich geschwisterlich verbunden. Das große hatte den Anker draußen, während das kleine parasitär nebendran hing. Abends kam es, wie es kommen musste: Volksmusik & Co. beschallten das Wasser. Nicht so tragisch, schließlich kann ich mit Gitarre live gut dagegenhalten. Am nächsten Tag beschloss ich, noch zu bleiben. Habe ja Zeit und außerdem war die Bucht wirklich sehr idyllisch (im „Beständig“, dem ultimativen Buchtenführer, wird sie abfällig als „die Bucht, in der das Ankergeschirr dreckig werden kann“, geführt – um so besser für mich, denn es war ziemlich leer).

ankerbucht_kroatien

Am übernächsten Morgen also wollte Big Daddy den Anker lichten und vorher noch seine x-tausend PS starten. Ging nicht. Aber das Dinghy hatte ja einen funktionierenden Außenborder und so klapperte er alle anderen Ankerlieger in der Bucht ab. Irgendwann kam er auch zu mir und fragte, ob ich denn vielleicht ein Überbrückungskabel hätte, seine Batterie sei leer. Hmm. Vorgestern noch hatte er meinen Gruß, als ich in die Bucht einlief, geflissentlich ignoriert. Was leider viele machen – man bleibt scheinbar lieber unter sich. Aber man ist ja kein Unmensch und ich meinte sogar, so ein Kabel besitzen zu müssen. Schließlich habe ich einen Vater, der mir die Essenz von nützlichen Dingen aus 20 Jahren Campingurlaub mitgegeben hat. Also mal eben das halbe Boot auf den Kopf gestellt, die dollsten Sachen wiedergefunden, aber leider kein Überbrückungskabel dabei.

Als er von dannen, bzw. zum nächsten Ankerlieger fuhr, überlegte ich mir so im Stillen, dass er ja theoretisch meine zweite Batterie, die randvolle Starterbatterie, hätte haben können. Ich benutze sie nie, es wäre also kein Verlust gewesen, da meine Verbraucherbatterie sehr groß ist. Er wäre damit in den nächsten Hafen gekommen und dort hätten wir uns wieder treffen können. Aber irgendetwas sagte mir, dass das wirklich die allerletzte Maßnahme gewesen wäre. Um zum Punkt dieses Beitrags zu kommen: wer rückt schon gern seine zweite Niere oder einen Lungenflügel raus? Für einen Fremden? Für einen Motorbootfahrer und Österreicher? Das war jetzt nicht so gemeint, liebe Motorboot fahrende Österreicher, es gibt halt nur so viele von euch und ihr nehmt auf dem Wasser leider wenig Rücksicht auf mein kleines Boot.

motorboote

Die Angelegenheit war also eher eine ethische als eine technische Bredouille, denn wirklich in Bedrängnis war er ja nicht. Während ich noch sinnierte, selbst den Anker zu lichten oder noch ein wenig zu warten, kam ein kleines Segelboot längsseits zum Mobofahrer und man schien sich wohl einig zu werden. So konnte ich dann beruhigt wegtuckern und dem Österreicher im Stillen viel Glück bei der Wiederbelebung seines Motorblocks wünschen.

Ein Gedanke zu „Segeln auf der Adria 10: Von Nieren, Doppelherzen und Überbrückungskabeln“

  1. Ich hätte wohl das gleiche gemacht ;-) Da ist er doch selber schuld!
    Unhöflichkeit muss immer bestraft werden, da muss man auch kein schlechtes Gewissen haben! immerhin ist eine lustige Urlaubsgeschichte draus geworden ;-)

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