Segeln auf der Adria 15: Delfine für den Samariter

Zwischen Hvar und Brac lag ich wie so oft vormittags auf dem Kajütdach und döste die windlose Zeit zwischen 11 und 14 Uhr hinweg. Da schnaufte es auf einmal neben mir. Ein Schnorchler, kein Problem. Moment mal, bißchen tief hier zum Schnorcheln! Siehe da: ein Delfin leistet mir Gesellschaft. Er taucht noch einmal ab und kommt dann unter Wasser längsseits. Er dreht sich etwas um die eigene Längsachse, so dass er mir besser in die Augen sehen kann. Dann schlägt er kurz mit der Schwanzflosse und weg ist er wieder. Gemeinsam mit seinem Partner verschwindet er am Horizont. Waren das die selben Kollegen, wie schon vor ein paar Wochen in der Gegend von Sibenik? Egal. Irgendwie schon sehr beeindruckend, diese großen Tiere. 2 Meter war der Kollege bestimmt lang. Wäre ich just in diesem Moment ins Wasser gefallen… sie hätten mich bestimmt Huckepack genommen und im nächsten Hafen abgesetzt. Oder totgestupst und aufgefressen.

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Es gibt in Kroatien an so ziemlich jedem Strand oder Hafen die Möglichkeit, kleine Boote mit Außenbordmotor zu mieten. Diese Rent-a-Boat Boote fahren dann tagsüber durch die Gegend und man sollte sich in eigenem Interesse von ihnen fernhalten. Denn die Menschen darin haben normalerweise wenig Ahnung von Vorfahrtsregeln und anderem Kleinkram. Zwischen Brac und dem Festland traf ich wenig später auf ein solches Exemplar. Ich stelle mir immer die Frage, ob es besser ist, davor oder hinter so einem Boot zu passieren. Wird geangelt, sollte man davor passieren. Sind sie in Fahrt, lieber dahinter. Diese hier lagen still. Da ich ja ein diskreter Mensch bin und es respektiere, wenn zwei andere Menschen auf dem offenen Meer ein wenig Zweisamkeit genießen möchten, wollte ich gerade zu einem großen Bogen ansetzen. Da registrierte ich ein Winken, dass zu intensiv ausfiel, als einfach nur nett gemeint zu sein. Also flott den Piloten ausgehängt und mal rangefahren. Wie sich herausstellte, ging der Motor nicht mehr. Na gut, rechtschaffender Samariter, der man ist, schleppt man solche Leute natürlich ab. Kurz erkundigt, woher sie eigentlich kommen (so genau wussten sie es nicht, aber wir konnten uns auf das Kaff Brela an der Festlandseite einigen) und auf ging es. Während der Fahrt kam dem Kollegen wohl die Idee, mal die Rent-a-Boat Firma anzurufen. Nach einer halben Stunde näherte sich dann ein Mitarbeiter mit einem Ersatzmotor im Schlepp. Damit war das Abschleppabenteuer für mich auch erstmal erledigt. Eigentlich schade, denn während ich noch überlegte, wie ich wohl meinen Abschlepplohn in Form von gutem Wein, Bargeld, Ländereien und sexy Konkubinen abfeiern soll, löste sich diese Fantasie auch schon wieder in Luft auf. Aber was zählt ist ja der gute Wille – dieses Sankt Martin’eske Gefühl sollte mich noch den ganzen Tag verfolgen.

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