Segeln auf der Adria 16: Ick hör da was!

An sehr windstillen Tagen (oder fast immer vormittags…) sitze ich ja bekanntlich gern vorne auf dem Sonnendeck. Da hört man den Motor nicht so sehr und außerdem spendet das zusammengeknäulte Segel etwas Schatten. Da sitzt man also so herum und dann plötzlich: was ist das?! Klingelt hier nicht mein Handy im Innenraum? Schnell hin, doch Fehlalarm. Das nächste Mal ist mir, als ob hinten am Heck jemand flüstert. Oder vorne am Bug. Es ist das hochfrequente Zischeln des Wassers, das diese Illusion auslöst. Das arbeitslose Hirn des Seglers fängt dann von ganz alleine an, daraus irgend etwas sinnvolles zu machen. In den Berichten von Leuten, die über den Atlantik gesegelt sind ist hiervon immer viel zu lesen. Besonders während der Nachtwache, wenn man so richtig schön müde und das Hirn im Leerlauf ist, scheint dieses Phänomen aufzutreten.

kielwasser

Und dann gibt es da noch diese riesige Vielfalt anderer Geräusche, die ein Boot so von sich geben kann. Tagsüber fallen sie kaum auf. Aber wehe, nachtsüber fängt der Wind an zu Pfeifen! Dann erst registriert man jedes Klappern, jedes Schlagen von Leinen am Mast, das Knirschen der Festmacher oder das Quietschen der Fender an der Bordwand. Irgendwann hat man es dann gelernt, die nervigsten Geräusche durch den geschickten Einsatz von Bändseln zu bändigen. Den Rest muss man eben hinnehmen. Solange man in etwa weiß, was das Geräusch verursacht, ist es nur noch halb so schlimm. Weiß man es nicht, sollte man zumindest einmal Nachsehen gehen. Vielleicht scheuert sich ja gerade in aller Seelenruhe die Ankerleine durch.

Was einen so richtig auf die Palme bringen kann, sind unbekannte Geräusche, die sich mit jeder Wellenbewegung wiederholen. Toc, toc, toc… dann steht man auf und findet mit etwas Glück die Flasche im hintersten Winkel des Schranks, die ihre 5 Zentimeter Bewegungsspielraum genüsslich ausnutzt, um durch Hin- und Herrollen dieses penetrante Geräusch zu produzieren.

boje

Ein ganz anderes, noch viel lauteres Geräusch produzieren arbeitslose Festmachebojen morgens um 3 Uhr bei Windstille. Sie klopfen mit einem herzerweichenden, ohrenbetäubenden TOC, TOC, TOC an die Bordwand und wollen reingelassen werden. Für dieses Problem, das große Schiffe kaum kennen, da sie sogar die größeren Bojen an ihrer Bordwand fixieren können, habe ich noch keine wirkliche Lösung gefunden. Abfendern und Festzurren führt ein paar Stunden später bloß zu einem Gordischen Knoten und der Bojenhaken findet trotzdem seinen Weg an die Bordwand.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.