Segeln auf der Adria 17: Der Cobb Grill im Einsatz

Es gibt ja Menschen, die alles Neue zunächst einmal niedermachen, bevor sie den Nutzen erkennen. Das ist so bei jeder neuen Generation von Ankern (Stockanker zu CQR, CQR zu Bügel, Bügel zu Rocna/Spade, usw.) und sogar bei einem simplen Grill verhält es sich so. Der mittlerweile in Seglerkreisen recht bekannte Hamburger Stephan mit seinem Boot „Digger“ ist so ein Mensch, der in dieses Schema passt. Neulich hat er einen sehr amüsant zu lesenden, aber doch etwas cobblosen Beitrag darüber geschrieben, wie unsinnig der vor einer Weile auf den Markt gekommene Grill der Firma Cobb ist. Da ich selber einen habe, muss ich hier mal eine inoffizielle Gegendarstellung schreiben, für die ich leider nicht bezahlt werde.

cobb_grill_schale

Kurz zum Grill: es handelt sich im Prinzip um ein Schale-in-Schale System. Nur die innere Schale mit dem Brikett und dem Grillgut wird heiß. Außenrum wird es höchstens handwarm, da hier ein Drahtgeflecht und genügend Abstand zur Grillkammer keine hohen Temperaturen aufkommen lässt. Auch untenrum wird nichts warm, man kann den Grill also herumtragen, während er noch glüht. Lediglich nach oben weg wird es heiß, logisch. Auch an der Abdeckglocke kann man sich verbrennen. Aber das soll ja so sein, kalt grillen geht halt nicht. Für mich war vor allem ein Argument ausschlaggebend: ich will auf dem Boot grillen können! Und dafür brauche ich einen sicheren Grill, von dem keine Gefahr für mein Plastikbootchen ausgeht. Zugegeben, ein Cobb Grill ist schweineteuer. Aber wer das einmal mit den Preisen für einen Weber Grill vergleicht, die in meinen Augen viel einfacher gestrickt ist, wird sehen, dass der auch nicht billiger ist. Natürlich möchte die Firma Cobb noch diverses mehr oder weniger sinnvolle Zubehör an den Mann bringen. Aber das sei ihnen gegönnt, muss man ja nicht kaufen. Der Standardgrill tut es absolut.

cobb_grill_huhn

Man kann den Grill mit ganz normaler Holzkohle befeuern, die allerdings wenig Platz im Brennraum findet. Daher wird empfohlen, entweder standard Pressbriketts zu verwenden oder gleich das hauseigene Brikett mit integriertem Anzünder zu nehmen. Die Cobb-Bricketts sind – natürlich – sauteuer aber ungemein praktisch. Man zündet den Klumpen an einer Stelle mit dem Feuerzeug an oder legt bei viel Wind einen Grillanzünder darunter. Daraufhin startet im Brikett eine sonnenfusionsähnliche Kettenreaktion und nach viel Gespratzel, Rauch und Feuerwerk glüht der kleine Reaktor für die nächsten 2 Stunden rauchlos vor sich hin. Der Vergleich mit der Atomkraft kommt nicht von ungefähr… ich wüsste ehrlich gesagt nicht, wie man dieses Teil vorzeitig auskriegen soll. Zum Auseinanderziehen ist da nichts. Meine Lösung lautet: Rohrzange ausgepackt und den Kohlekorb über Bord gekippt, feddich! Das spratzelt dann nochmal so richtig schön im Wasser, aber dann ist wirklich Ende Gelände.

Mit einer Sache war ich nicht zufrieden, und das bemängelt der Stephan zu Recht: das Grillgut wird nur sehr schwer geröstet, also braun, dunkel, meinetwegen auch verbrannt, gegrillt eben. Die mit Teflon beschichtete Edelstahlplatte ist in meinen Augen zu dick und frisst zu viel von der kostbaren Hitze. Zwar ist sie mit vielen kleinen Löchern perforiert, aber das hilft recht wenig, da diese nur am äußersten Rand vorhanden sind. Also habe ich für dieses Jahr einige größere Löcher in die Mitte gebohrt und siehe da: es grillt doch! Jetzt habe ich eine Grillplatte mit zwei Temperaturzonen. In der Mitte böllert die Hitze das Grillgut im Nu kross und an den Rändern kann ich es sanft weiter erhitzen oder warm halten. Direkt um die Kohleschale herum ist eine größere Rinne, in die man Wasser mit Gewürzen, Bier oder sonstwas kippen kann. Da drauf lege ich ein paar halbierte Kartoffeln, Zwiebeln und anderes Gemüse. Das kann schon mal in aller Ruhe garen, während ich mich um die obere Etage mit dem Fleisch kümmere.

Als Fazit kann ich dem Grill persönlich fast nur Bestnoten geben. Aber würde ich ihn nicht auf dem Boot gebrauchen… ich würde mir wohl etwas Billigeres anschaffen. Mer habbet jo nix zu verschenke.

cobb_grill_brickett

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