Segeln auf der Adria 18: Ins Manöver ziehen

Was gibt es eigentlich zu tun auf so nem kleinen Segelboot? Welche Manöver werden Tag für Tag gefahren und überhaupt – wie funktioniert das alles? Hier die Antworten.

Segeln

Meine Zelda ist eine Slup. Das heißt, sie hat ein Vorsegel und ein Großsegel. Das Vorsegel ist eine Genua, so nennt man die groß geschnittenen Vorsegel. Sie reicht sogar bis hinter das Großsegel, sie überlappt also und bietet damit eine sehr große Segelfläche. Man kann sie über eine Rollvorichtung ausrollen und auch nach Belieben wieder verkleinern, falls zu viel Wind ist. Dieses Segel leistet locker 70% der Arbeit auf dem Boot. Das Großsegel brauche ich vor allem zum Aufkreuzen, also zum hart am Wind fahren. Zusammen mit der Genua kann ich gut hoch am Wind segeln, jedenfalls wenn beide Segel ordentlich dicht geknallt sind. Ansonsten tut es meistens, also bis halber Wind, auch die Genua alleine. Die paar Knotenbruchteile sind mir das Gerödel vorne am Mast nicht wert, was gleich zum nächsten Punkt führt, nämlich dem Setzen des Großsegels. Zum Setzen des Vorsegels kann ich im Cockpit bleiben. Einfach hart an den Wind steuern und das Segel komplett ausrollen, fertig. Beim Großsegel dagegen ist es leider nicht so einfach, denn alles muss vorne am Mast erledigt werden: Lösen der Strapse vom Segel, Anschäkeln des Großfalls am Top des Großsegels, Hochziehen und stramm setzen per Winsch.

segel_setzen

Dazu lasse ich das Boot unter Vorsegel und Autopilot hoch am Wind laufen. Den Baum lasse ich über die komplett offene Großschot im Wind pendeln. Erst dann kann das Großsegel hochgezogen werden. Viele Segler fahren grundsätzlich per Motor gegen den Wind und führen dieses Manöver aus. Ich halte es aber für wesentlich ruhiger, wenn man es unter Vorsegel und hart am Wind macht. Das geht erstens ohne Motor und zweitens ist es viel stabiler bei Wind und Welle. So lässt es sich dann auch sehr gut Reffen. Dazu wieder hart an den Wind gehen, Großschot im Cockpit öffnen, dann wieder vorne an den Mast spurten und das Segel verkleinern.

segel_gehisst

Generell ist es natürlich von Nachteil, vorne am Mast herumzuhüpfen, während das Boot durch die Wellen steigt. Aber man gewöhnt sich dran. Und außerdem ist eh immer wieder eine Hand nötig, um irgendwas Verklemmtes zu lösen. Dazu kommt, dass die Leinen nicht ins Cockpit umgeleitet sind und daher weniger Reibungswiderstand haben. Wann die Segelfläche verkleinert werden sollte, sagt einem die Pinne in der Hand. Wenn sie so dermaßen gegen die Handfläche drückt, dass man schon seine Hüfte zum Kurshalten benötigt, dann sollte gerefft werden. Statt Reffen geht auch Öffnen der Großschot, so dass der Wind mehr am Segel vorbei als hinein bläst. Das ist zwar unseglerisch, wenig effektiv und so weiter aber es wirkt sofort und spart einem den Gang aufs Vordeck. Den Traveller nach Lee schieben machen ich dagegen nicht mehr. Es zeigt kaum Auswirkung.

Ankern

Grundsätzliches zum Ankern habe ich ja schon in einem früheren Artikel beschrieben. Wie das Manöver selbst abläuft, auf einem kleinen Boot und einhand aus dem Cockpit heraus, das erklären die folgenden Punkte:

Zunächst fahre ich langsam (2-3 Knoten) in die Ankerbucht hinein. Wichtig sind die Ufer, an die man als Ankerlieger stoßen könnte. Ist schon wichtig zu wissen, ob der Grund steil abfällt oder eher seicht verläuft. Hier in Kroatien fällt das Ufer meistens steil ab, man ist also auch 5 Meter entfernt davon noch sicher. Danach erwarten einen allerdings schon direkt scharfkantige Steine.

Jetzt werden die anderen Ankerlieger und die Windrichtung gecheckt. Wo liegen die Anker und wie groß sind die Schwoikreise der Boote? Hat jemand eine Ankerboje ausgebracht? Werden irgendwo Landleinen verwendet? Haben die Leute Ankerkette (fast immer) oder Seil (fast nie) im Einsatz? Das sind wichtige Informationen, damit ich einschätzen kann, wie sich das Ankerfeld bei einer Winddrehung verhält.

anker_manöver

Habe ich mein Plätzchen gefunden, fahre ich mit dem Wind von hinten langsam in Position. Der Anker wird am Heck über die Reling gehievt und ich lasse erst die Kette, dann das Seil durch meine behandschuhten(!) Hände rattern. Das geht flott und ich kann den Anker punktgenau absetzen. Nach 10 m Kette und 20 m Seil belege ich die Ankerleine auf der Heckklampe und fahre mit eingekuppeltem Motor langsam vorwärts. Es muss während dem gesamten Manöver ein wenig Fahrt im Boot sein, sonst liegt die Kette/Leine eventuell nicht richtig auf dem Grund. Spannt sich jetzt das Seil und es tut sich nichts mehr, gehe ich auf Halbgas. Nach Peilung Richtung Festland und anderer Ankerlieger gehe ich vom Gas und schalte den Motor aus, fertig ist das Ankermanöver. Oft sieht man auch direkt den Meeresgrund und kann daran erkennen, ob man schon fest steht oder ob der Anker noch über den Grund zieht. Jetzt kann ich noch die Ankerleine nach vorne auf die Bugklampe führen, um so wie alle Boot im Wind zu hängen. Da ich immer genügend Leine übrig habe, kann ich dazu das lose Ende direkt am Bug befestigen und danach die Leine am Heck lösen, das Boot dreht sich automatisch mit dem Wind herum. Je nach Windrichtung und Sonnenstand lasse ich aber auch gern mal lieber frische Luft ins Cockpit, was ich dann habe, wenn die Heckklampe belegt bleibt.

rocna_anker_backskiste

So, nächster Morgen, der Anker soll wieder rauf. Eine elektrische Winsch habe ich nicht, also muss der Anker per Hand raufgezogen werden. Die ersten 20 m sind einfach, denn erst wenn die Kette bei 10-15 m vom Grund angehoben wird, fängt es an schwierig zu werden. Falls sich jetzt weder ein dicker Brocken Dreck, noch ein Fischernetz verhakt hat, lässt sich der 15 Kg Rocna Anker gut bergen. Hängt aber was dran, wird es haarig. Einmal hatte ich die Kette kurzstag hängen (senkrecht runter ins Wasser, so dass sich der Anker eigentlich lösen müsste) aber nichts ging mehr. Da half nur wieder Auslassen von 20 m Leine, dann Festsetzen der Leine an der Heckklampe und mit Fahrt voraus über den Anker fahren. Zum Glück hat das geklappt. Hatte mir schon am Vorabend den lokalen Bojenwärter warmgehalten für eine kleine Tauchtour runter zum Anker, hatte da so eine Vorahnung. Er meinte, er wäre nicht mehr im Training… aber 10 Meter gehen immer. Das hat meine eigenen Tauchleistungen (5,50 m) doch ein wenig zusammengestaucht. Aber hey, er lebt am Wasser, die Jungs können das. Ich lebe in der Großstadt und verstehe dafür frankfurter U-Bahnpläne, so hat jeder seins…
Das ganze Ankergeschirr landet übrigens direkt in der Backskiste. Dort liegt alles lose aufgehäuft drin und rollt sich auch ohne zu verheddern wieder ab, das ist die beste Lösung.
Wer das Ankermanöver so richtig 1000%ig auch in fremden Buchten und ohne Detailkarte hinkriegen will, sollte es so machen wie die beiden von der Morgan’s Cloud, sie nennen es „Precision Anchoring„.

Landleine ausbringen

Seit ich es mir zutraue, auch alleine eine Landleine vom Boot zum Ufer auszubringen, erschließen sich mir all die kleinen Buchten, in denen man nicht genug Raum zum frei vor Anker liegen hat. Hätte ich ein modernes Boot, so würde ich vorwärts ankern und dann rückwärts in Richtung Land fahren. Problem ist, dass sich mein Boot rückwärts kaum steuern lässt. Und geankert wird vom Cockpit. Also muss ich es so machen, wie oben schon beschrieben. Wichtig ist nur die Windrichtung, ich muss mir die Seite der Bucht aussuchen, auf welche der Wind bläst, muss also bewusst auf „Legerwall“, wie es der Segler nennt, ankern, was man sonst eher vermeiden sollte. So kann ich, nachdem der Anker gegriffen hat, langsam wieder mehr Ankerleine ausgeben und mich bis auf etwa eine Bootslänge dem Ufer nähern. Dann wird es etwas hektisch: ich klettere ins Wasser, schwimme vor zum Bug und schnappe mir dort die sauber vorbereitete Leine. Es hängen noch 3 m Kette dran, die werfe ich mir als Schlaufe sehr baywatchmäßig über die Schulter und schwimme damit zum Ufer. Wenn sich jetzt der Wind dreht, das Boot wegtreibt oder sich die Leine an Deck irgendwo verhakt während ich schwimme, kann ich alles von vorne machen. Aber sobald ich festen Boden unter den Füßen habe, lässt sich das Boot gut halten und ziehen. Ich suche mir einen geeigneten Felsbrocken, lege die Kette mit der angeschäkelten Leine drüber und gut ist. Zurück am Boot kann ich jetzt durch Nachgeben oder Einholen der beiden Leinen bestimmen, wie weit weg ich vom Ufer liegen möchte. Zugegeben, in eine enge Lücke zwischen zwei Booten komme ich so nicht rein. Aber für die meisten Fälle reicht es. Denn wer will beim Ankern schon dicht an dicht neben anderen schwitzenden Leuten liegen?

landleine_landfeste

Anlegen im Hafen

Das Anlegen in der Marina halte ich für das schwierigste Manöver, denn es droht immer eine große Unbekannte: ist die Kaimauer bzw. der Steg aus Holz (gut, weil weich) oder aus Stein (schlecht, weil härter als Gfk)? Der Knackpunkt ist nämlich, beim Näherkommen die richtige Geschwindigkeit zu finden. Bin ich zu schnell, z.B. wegen Rückenwind oder nervöser Hand am Gashebel, so küsst der Bug die Kaimauer. Bin ich zu langsam, schaffe ich nicht den Sprung an Land und das Boot vertreibt unkontrollierbar. Sobald die Fahrt aus dem Boot raus ist, kann ich kaum noch eingreifen, da meine Schraube das Ruder nicht anströmt. Ein wenig Radeffekt geht noch, das war’s aber dann. Ich habe also exakt einen Versuch und der muss sitzen. Wichtig ist also zunächst mal, eine Festmacherleine an Land zu bringen, der Rest wird sich schon finden. Man kann sich einen Platz direkt neben einem dicken Pott raussuchen, an dem lässt es sich gut nach vorne hangeln. Hat man erstmal die Muring in der Hand, folgt nur noch die Kür, nämlich wieder das Austarieren der Entfernung zum Steg. Meistens wird einem von Marineros geholfen, sie nehmen die Landleine entgegen und reichen die Muringleine fürs Heck. Außer, man fährt in die ultrateure ACI-Marina in Korcula. Dort schauen die Marineros bewußt weg und kümmern sich lieber um die fetten Luxusyachten, vielleicht in der Hoffnung auf ein Trinkgeld, was es bei mir natürlich nicht zu holen gibt.

hafen_waschtag

Das Ablegen geht dann wesentlich einfacher von statten. Ich löse immer (egal ob Wind von vorne oder hinten) zunächst die beiden vorderen Landleinen. Danach die hintere Muring, habe meist nur eine belegt. An der ziehe ich mich noch ein wenig raus in die Boxengasse, während die Pinne hoffentlich richtig herum liegt und mich somit in Rückwärtsfahrt in die richtige Richtung dreht. Bei viel Wind ist das alles graue Theorie, denn hier gewinnt immer einer: der Wind. Damit muss man sich halt arrangieren. Das Boot ist aber leicht irgendwo abzustoßen und somit per Hand auszurichten. Man muss also kein Könner am Gashebel sein, um den Weg aus der Marina zu finden. Ein Händchen und ein Köpfchen sind ausreichend.

2 Gedanken zu „Segeln auf der Adria 18: Ins Manöver ziehen“

  1. Oh man, bei den Bildern wird man ja richtig neidisch. Segeln ist schon ein tolles Hobby, leider fehlt mir momentan die Zeit für einen solchen Ausflug. Würde aber gerne mal so ne Tour mitmachen. Weiß einer, wie teuer es ist, sich ein Segelboot mal für ne Woche zu mieten? Beste Grüße Werner

    1. Hi Werner,
      kleine Bootchen wie meins könnte man bei kleineren Vercharterern bekommen. Ansonsten landest du meistens gleich bei einer Bavaria 32/34/36, kleineres haben die normalen Charterfirmen nicht mehr im Angebot. Zu zweit oder dritt nicht teurer als ne Ferienwohnung. Aber die Aussicht ist besser und der Infinity-Pool ist wirklich unendlich :-)
      Ciao,
      Mo

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