Segeln auf der Adria 20: Navigare necesse est

Das lateinische Zitat „Navigare necesse est“ muss in jedem Blog zum Thema Segeln und erst recht in einem später darüber verfassten Buch erwähnt werden. Das wäre hiermit geschehen (Buch folgt später). Der Satz bedeutet so viel wie „Seefahrt ist notwendig“. Der zweite Teil des Zitats wird dabei gern verschwiegen: „Vivere non est necesse“ also „Leben ist dagegen nicht notwendig“. Das ist aber unromantisch und passt den meisten Freizeitseglern nicht, so auch mir nicht und deswegen wird dieser Teil einfach ignoriert. Eigentlich kam ich nur darauf, weil es in diesem Beitrag um die Navigation gehen sollte und da purzelte mir dieser Spruch förmlich entgegen.

seekarte_kroatien

Im Prinzip braucht man hier in der kroatischen Adria das selbe Werkzeug zum Navigieren wie in anderen Revieren auch. Also natürlich den Kompass und ordentliche Seekarten, die auf dem aktuellen Stand sind. Der Brite sagt zwar „Rocks don’t move“, aber Seezeichen verändern eben doch manchmal ihre Kennung und hin und wieder werden auch Brücken gebaut…
Bei den Seekarten fangen die Probleme dann schon an: welche soll man kaufen? Ich habe mich nicht für den Kartensatz vom Delius Klasing Verlag entschieden, sondern für die offiziellen Sportbootkarten der Kroaten. Ich dachte mir, wenn es die schon gibt, sollte man besser den Einheimischen vertrauen. „Wenn in Rom, mache es wie die Römer“ fällt mir da spontan wieder ein Spruch ein. Also mache ich es wie die Kroaten. Nach zwei Monaten Verwendung dieser Karten hat sich allerdings Ernüchterung breit gemacht. Sie bilden zwar das ganze Revier von Umag bis nach Dubrovnik ab, aber die beiden Kartensätze haben folgende Mängel:

  • Es ist keine Übersichtskarte dabei, auf der man schnell und übersichtlich den gesamten Törn planen könnte. Ständig ist man mit mindestens 4 Karten am Jonglieren.
  • Die Tiefenangaben stammen scheinbar aus dem vorletzten Jahrhundert. Kurz gesagt, sie stimmen eigentlich nie. Statt 15 m ist die Bucht in Wirklichkeit 8 m tief. Das sind für Sportboote die Stellen, wo es drauf ankommt, wenn man eine Bucht zum Ankern sucht. Dass es auch weiter draußen himmelweite Unterschiede zwischen Realität und Karte gibt, ist mir zwar relativ wurst, aber es trägt auch nicht gerade dazu bei, das Vertrauen in diese Angaben zu stärken. Dass hier niemand jährlich herumfährt und die Buchten auslotet, ist mir schon klar. Aber alle 10 Jahre wäre das vielleicht mal angeraten. Wozu gibt es eigentlich Studenten der Geologie oder Meeresbiologie…?
  • Die Karten verwenden nicht das heute gängige Koordinatensystem WGS-84 sondern irgendwas eigenes. Das bedeutet, möchte man eine Position vom GPS in die Karte übertragen, muss man in der Regel 0.01 Minuten nach Süden und 0.29 Minuten nach Osten rücken. Rein praktisch ist das kaum möglich, denn die Karten bieten gar kein Raster in dieser Auflösung und teilen die Minute nur in Fünftelschritte auf. Wer es also wirklich genau machen will, sollte einfach seine Bleistiftspitze um einen knappen Zentimeter nach rechts und um einen Mückenschiss nach unten bewegen.
  • Es liegen keine Detailkarten für enge, unübersichtliche Küstenabschnitte bei. Diese Gebiete sind zwar markiert. Aber anstatt den vergrößerten Plan einfach auf die freie Rückseite zu drucken, müsste man sich ein extra Heftchen kaufen. Da lobe ich mir doch die Ostseekarten vom NV Verlag, da ist alles mit drin inklusive Hafenansteuerung.
  • Die Leuchtfeuerkennzeichnung entspricht nicht internationalen Standards. Für mich als Tagfahrer nicht so wichtig, es wäre aber doch schön, wenn es einheitlich wäre.
  • Eines ist sogar positiv zu vermerken, muss aber auch so sein: alle Karten sind mit feinem Stift auf dem letzten Stand gehalten.

Was man sich unbedingt anschaffen sollte, das ist das Handbuch „888 Häfen & Buchten“ von Karl-Heinz Beständig. Seit langer Zeit gilt es als die „Kroatien Bibel“ für den Skipper und das zu Recht. Das Heftchen ist vollgestopft mit nützlichen Informationen zu Ankerplätzen, Bojenfeldern, Häfen, Restaurants etc. Auch die Tiefenangaben sind hier wesentlich genauer.

Natürlich bin auch ich nicht von gestern und besitze einen digitalen Kartenplotter. Aber einen für die Hosentasche. Das Teil ist von Garmin, nennt sich GPSmap78 und möchte natürlich mit einer sauteuren Seekarte gefüttert werden. Das Gerät funktioniert wie ein Autonavi und ist alles in allem ein Traum: Einschalten, kurz auf die Position warten und schon sieht man auf der Karte, wo man ist. Dass es einem eine höhere Genauigkeit vorgaukelt, als es bieten kann, habe ich erst vor kurzem gemerkt. Ich fragte mich, warum manche Tiefenlinien abrupt aufhören und 50 Meter weiter etwas versetzt wieder anfangen. Ganz klar ein Kartenfehler. Schlimmer noch ist aber die Konsequenz daraus, dass natürlich nicht nur diese eine Tiefenlinie verschoben ist, sondern eigentlich der ganze daran anschließende Kartenabschnitt. Und so kam es, dass es mir laut Karte in der Bucht Luka Tiha im Norden der Insel Hvar (bin öfter hier, wie aufmerksame Leser vielleicht gemerkt haben…) erstaunlicherweise gelang, auf dem Festland zu ankern. Tatsächlich lag ich jedoch an der Südseite der im Bild sichtbaren Bucht, in etwa dort wo der Cursor ist.

gps_track

Leider fängt das Gerät jetzt in seinem zweitem Jahr, wo die Garantie sich ihrem Ende nähert, an zu spinnen. Nur jedes fünfte Mal startet es noch korrekt. Alle anderen Male bleibt es beim Laden der (ich erwähne es gern nochmal: sauteuren) Seekarte hängen. Hier hilft nur noch ein Hardreset, was ich dank meines noch funktionierenden Handys im Internet herausgefunden habe. Man muss dafür die Tasten Page und Enter beim Starten gleichzeitig drücken. Warum denke ich dabei nur an die Special Moves aus Streetfighter 2? Ganz einfach, die haben bei mir auch nie funktioniert… und so kommt es, dass ich mittlerweile fast jedes Mal erst den Hardreset ausführen muss, bevor das Mistding die Karte anzeigt. Wäre dieses Gezicke nicht, ich würde das Gerät bedenkenlos weiterempfehlen.

Insgesamt halte ich die Navigation hier in der kroatischen Adria an vielen Stellen für einfacher als an der Ostsee. Es gibt fast keine betonnten Fahrwasser, ganz wenig Berufsverkehr, nur ein Verkehrstrennungsgebiet und fast immer viel Platz zum Ausweichen. Die wenigen wirklich relevanten Untiefen sind markiert, ansonsten fällt die Küste meistens recht steil ab, so dass es hier kaum zu unerwünschten Begegnungen mit dem Festland kommen kann. Außer vielleicht virtuell auf dem Kartenplotter.

3 Gedanken zu „Segeln auf der Adria 20: Navigare necesse est“

  1. Wie die Zeit fliegt.. heute habe ich die App vom Nv Verlag auf dem Handy für 30 Kröten. Gps ist eh drin. Mann, es lebe der Fortschritt. Hab das andere Ding verhökert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

96 − = 93