Segeln auf der Adria 26: Marina Kastela bei Split

Wie kommt man am besten von Deutschland runter nach Kroatien? Da bleibt nur selber Fahren, was lange dauert und in einem Rutsch nur was für schlaflose Masochisten ist, oder eben Fliegen. Wird geflogen, bleiben nur die Flughäfen Zadar oder Split. Zadar ist nicht schlecht, man ist in wenigen Taximinuten in Biograd oder in ein paar mehr Minuten auf der Insel Murter mit seinen drei großen Marinas. Ich habe meinen Freunden empfohlen, nach Split zu fliegen. Hier kann ich direkt in die Marina Kastela zwischen Trogir, wo der Flughafen liegt, und Split fahren. Man landet quasi genau in der goldenen Mitte zwischen Trogir und Split und braucht bloß vor dem Flughafengebäude in den Bus „Trogir-Airport-Split“ einsteigen, einfacher geht’s nicht. Zwischendrin signalisiert man dem Fahrer, dass man an der Marina Kastela aussteigen möchte, fertig. Die Bushaltestelle liegt gerade 2 Minuten oberhalb des Hafens und ehe man es sich versieht, sitzt man schon beim Sundowner auf dem Boot und kann den Flugzeugmief bei einem Gin-Tonic abschütteln.
Was gibt’s hier noch so?

Marina Kastela

Zunächst mal zur Marina selbst. Sie liegt in der zumeist geschützten Bucht zwischen Trogir und Split, ziemlich genau in der Mitte. Sobald man am kroatischen ozeanographischen Institut in die Bucht eingebogen ist, sieht man schon die Masten der Marina und kann direkt darauf zu halten. Unter der Woche werden Transityachten direkt an die Stege B und C gleich an der Rezeption gelotst, da ja die Charterflotten alle unterwegs sind. Die Marina ist dann gähnend leer und man kann sich in aller Ruhe um alles nötige kümmern, ohne von hektischen, käseweißen Deutschen und Österreichern über den Haufen gerannt zu werden.

marina_kastela

Die Marineros sind hier ausnahmslos hllfsbereit, es kommt nicht vor, dass sie einen ignorieren, wie es mir in Korcula passiert ist. Dafür sind die Murings von der versifftesten Sorte, aber das Boot wird ja eh saubergespritzt. Leider gibt es hier nur Jahresliegeplätze für Boote ab 10 m Länge, so dass es für meine Zelda hier zu teuer war, einen Dauerliegeplatz zu ergattern. Es klingt schon sehr nach bürokratischer Willkür, denn den Muringleinen ist es natürlich vollkommen egal, ob ein 8 oder ein 10 Meter Boot dranhängt. In anderen Marinas wird ehrlicherweise erwähnt, dass die Mindestkosten für einen Liegeplatz immer X Euro sind, was dann in der Regel einem 10 m Boot entspricht. Möglicherweise kommt es hier in der Marina auch bei anderen Gelegenheiten zu „Unregelmäßigkeiten“, wie es so schön heißt. Aber dazu kann ich mangels eigener Erfahrung nichts sagen.

Jedenfalls, Toiletten etc. alles Tiptop, auch einen Geldautomaten hat es hier. An zwei Nächten lief irgendwo Diesel aus einem der Boote, was zu einem Ölteppich im Hafen führte, der enorm gestunken hat. Sowas juckt hier keinen. Während in einer deutschen Marina die Feuerwehr mitsamt schwerem Gerät ausrücken würde (so gesehen in Kiel Schilksee), fahren hier am nächsten Morgen lediglich zwei Marineros mit dem Schlauchboot durch die Gegend und versprühen Spüli aus der Pump-Flasche…
Die Tankstelle befindet sich gleich neben der angrenzenden Vereinsmarina in einem schwimmenden Ponton und ist unter der Woche absolut frei. Hier macht es Spaß zu tanken. Man sollte nicht verschweigen, dass die Marina exakt unterhalb des steil aufragenden Bergrückens liegt, von dem hin und wieder die Bora herunter kachelt. Es gibt einem schon zu denken, dass manche Eignerboote hier mit vier Murings am Bug fixiert sind. Wie es aussieht, wenn die Bora in den Hafen fegt, aufgebockte Boote umwirft und das Wasser aufpeitscht, sieht man in diesem Video.

marina_kastela_sundown

Essen

Das Restaurant „Bibijana“ ist leider das einzige, aber auch zum Glück sehr gute Restaurant im Ort und liegt keine 50 Meter von der Marina entfernt. Zwar denkt man, hier würden nur großformatige Hochzeiten gefeiert, da vor dem Laden ein riesiger Pavillon mit 100 Stühlen steht. Aber ein wenig dahinter beginnt der eigentliche Sitzbereich unter Bäumen, wo man sich wieder wie in einem ganz normalen Restaurant wähnt. Man sollte hier unbedingt den Grillteller probieren oder sonst irgendetwas Gegrilltes. Ich weiß nicht, wie sie es machen, aber ein solch intensives Grillaroma habe ich noch nirgendwo geschmeckt, einfach allererste Klasse. Die Bedienung ist mehrsprachig unterwegs und je nach Kundschaft klebrig freundlich (britische Senioren-Stammcrew mit Schampus im Cooler), neutral (braungebrannter Dauerurlauber) oder grenzfreundlich (käseweiße Chartercrew). Wie gesagt: Gegrilltes essen, der Rest spielt keine Rolle.

fleischplatte

Einkaufen

Gleich an der Bushaltestelle empfängt einen schon das Lidl-Schild. Die ersten Male bin ich dort einkaufen gewesen, da ich dachte, der „Getro“ Großmarkt wäre wie in Deutschland nur den Großeinkäufern aus der Gastronomie vorbehalten. Ist aber nicht so, der Laden ist riesig und was man hier nicht findet, gibt es nicht. Ansonsten eben zu Lidl. Mit der Ikea-Tasche über der Schulter lassen sich hier die Einkäufe für eine Woche prima zu zweit transportieren. Die 15 Minuten vom Laden zum Boot muss man halt mal beißen. Schwere Sachen, wie einige Sixpacks Wasser und Bier können im Mini-Markt „Barba“ gleich gegenüber der Marina eingekauft werden. Hier gibt es auch allgemeines Bootszubehör, Campingaz, Tauwerk, Angelzeug, etc. Relativ gut sortiert für so einen Winzladen. Ach ja, an der Bushaltestelle ist ein Kiosk, wo sich das Prepaid Handy mit VIP-Karte wieder aufladen lässt. Es ist also für alles gesorgt, was Skipper und Boot glücklich macht.

shopping_barba

In die Stadt und zum Flughafen

Von der Bushaltestelle an der Marina fährt alle 20 Minuten ein Bus in Richtung Trogir oder Split. Es dauert beide Male etwa eine halbe Stunde und kostet unter 20 Kuna. Der Bus fährt bis Mitternacht, man kann also ohne Bedenken zum Abendessen nach Trogir oder Split fahren und kommt auch wieder zurück. Wie oben schon geschrieben, fährt der Bus der Linie 37 immer zwischen Trogir, Flughafen und Split hin und her, das ist wirklich idiotensicher.

split_flugzeug

2 Gedanken zu „Segeln auf der Adria 26: Marina Kastela bei Split“

  1. Bin ich der Einzige, der im Urlaub nur an kulinarische Köstlichkeiten denkt? Bei der Grillplatte musste ich ja schon schlucken :D Wart ihr nur zu Zweit am essen? Sieht ja auch super lecker aus das ganze…

  2. Neuigkeiten haben sich ereignet… die Marina hat heftig investiert und ausgebaut. Eine neuer Bereich mit fine dining und Pizzeria ist hinzugekommen. Braucht kein Mensch. Dafür hat leider Gottes „Bibijana“ dicht gemacht. Welch ein Verlust! Beste Grillplatte von Welt! Es gibt nichts Adäquates mehr.
    Der kleine Shop „Barba“ hat ebenfalls geschlossen (Angel- und Yachtiezubehör) und sich in eine Standard-Konoba gewandelt. Hat gefühlt jeden zweiten Tag geschlossen, so dass nur noch Einheimische ihr Bier trinken aber es gibt keine reguläre Küche mehr. Dafür an der Hauptstrasse eine neue Lokalität entdeckt: Angolo.

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