Segeln auf der Adria 27: Biograd und die Marina Kornati

Weiter vorne im Blog hatte ich noch überschwänglich verkündet, dass 3.000 Euro für einen Jahresliegeplatz in Kroatien doch viel zu viel Geld wären. Tja. Viele Anfragen später kehrt Ernüchterung ein: es ist selbst für ein Boot meiner (kleinen) Größe kaum möglich, unter 4.000 Euro zu kommen. Jetzt liege ich in Biograd in der sehr großen Marina Kornati und löhne erstmal knapp 2 Riesen für das erste Winterhalbjahr, so sieht’s aus.

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Es gäbe schon noch Alternativen, und womöglich werde ich sie auch in Zukunft nutzen, aber für jetzt liegt meine Zelda eben in einem „normalen“ und somit teuren Hafen. Es wäre theoretisch noch möglich, die Yacht im Trockenlager auf dem Festland unterzubringen. Hierfür bräuchte ich aber wieder einen eigenen Trailer und den habe ich nicht. Auch die Möglichkeit, in kleineren Häfen zu liegen, kommt in Betracht. Außerdem gibt es natürlich noch die Marinas auf den äußeren Inseln, wie z.B. auf Veli Rat, wo der Liegeplatz nur halb so teuer wäre. Nur mit dem Hinkommen ist es so eine Sache. Da ich mir die Option des Verkaufs meiner Zelda offen halten möchte, kommt keine entlegene Region in Frage. Es muss schon in Reichweite eines Flughafens liegen. Und der von Zadar ist vielleicht 30 Minuten entfernt, das ist ein Argument.

Am Steg
Hier in der Marina, genaugenommen im Eignerbereich der „Marina South“, ist alles fest in Österreichisch/Deutscher Hand. Ein paar verstreute Kroaten und Italiener tummeln sich noch, die Stegsprache ist aber Deutsch. Kaum dass ich angelegt habe, wurden mir schon die dramatischsten Geschichten und Gerüchte über andere Boote und deren Eigner zugetragen. Bin da immer etwas unangenehm berührt von, denn wenn ich eins nicht mag, dann dieses Steg-Geklüngel, kleingartenvereinsmäßige Bräuche oder wie ein Kommentator es hier ausdrückte: „alles Schreberwassler!“. Apropos Steg: er ist aus Beton und wird von Stahlgerüsten unter Wasser sehr, äh, fachmännisch, über Wasser gehalten. An anderer Stelle ist der Beton schon zusammengestürzt. Na ja, mer wolle es net so genau wisse, das Boot ist jedenfalls versichert. Gut ist, dass die Stege der Charterboote in einer separaten Ecke der Marina untergebracht sind. So hört man am Wochenende wenigstens nur noch die lautesten Russen und Polen, aber nicht mehr jeden Freudenschrei. Mit einigen Freunden hatten wir dort vor ein paar Jahren auch einmal gechartert. Das einzige, was ich noch weiß ist, dass es sich auf jeden Fall lohnt, selbst am späten Abend noch auszulaufen… Was ich auch noch weiß aber erfolgreich verdrängt habe, ist der Gedanke an das Dingi, welches wir in diesem Urlaub vor der Insel Vis mitsamt dem Außenborder verloren haben. Das Seil zum Festmachen war wohl etwas dünn für die Klampe und mein Knoten vielleicht nicht ganz so fachmännisch. Naja. Bis heute werde alle belegten Klampen dafür dreimal kontrolliert!

Sanitäres
Für den stolzen Preis, den man hier verlangt, sehen die Sanitäranlagen eher unterirdisch aus. Sie bestehen für Männlein und Weiblein aus je einem umgerüsteten Container. Kein Vergleich zu anderen Marinas, wo einem Bach und Mozart auf der geräumigen Toilette um die Ohren wehen. Sauber ist hier ja alles, aber irgendwie wollen die Container einfach nicht zum Preis passen.

Personal
Sehr gut sind die Marinerojungs. Ich habe ja eine leichte Abneigung gegen das Funken (man sollte sich über Kanal 17 eigentlich anmelden) und fahre immer nach Lust und Laune in die Marina zurück. Die Marineros haben aber zum Glück ein Vorwarnsystem in Form eines kleinen Stegs, von dem aus einer Wache hält und die Kollegen im entsprechenden Marina Abschnitt, wo ein dann Boot hinsteuert, vorwarnt. So kommt netterweise immer einer angesprintet, wenn ich anlegen will, was die Sache doch vereinfacht. Auch an der Rezeption ist man nett und spricht Deutsch. Es geht gemächlich zu, aber das ist hier normal.

Service Dienstleister
Auf dem Gelände der Marina befinden sich diverse Dienstleister für alles mögliche. Die sollte man auch nutzen, denn Dank des von mir unterschriebenen Knebelvertrags gilt hier (und auch in den meisten anderen Marinas), dass man für jeden Handwerker von ausserhalb einen exorbitant hohen Schutzzoll zahlen muss. Den Motorservice konnte ich zum Glück sehr spontan und auch preiswert bekommen, da ich alle notwendigen Ersatzteile wie Filter und Impeller schon vorrätig hatte und nur noch Montage und Ölwechsel brauchte. Wie das mit dem Raus- und Reinkranen hier abläuft und ob es ein ähnliches Chaos wie in Portoroz wird, das werde ich wohl im nächsten Frühsommer merken.

Das Restaurant
Es gibt auch ein Restaurant, das häufig lobend erwähnt wird, ganz besonders seine Fischspeisen. Es ist jedoch unterirdisch schlecht und sollte weiträumig umsegelt werden. Vielleicht sollte man auch nicht an einem Freitagabend dort hingehen, aber genau dann wird Leistung gefordert, da viele Crews hier ihren Abschlussabend verbringen. Erst wenn die Küche unter Last ist, merkt man, ob sie was taugt oder nicht. Folgendes haben sie bei uns vermasselt: trockenen gemischten Salat hingestellt ohne Essig/Öl/Salz/Pfeffer zu bringen. Lauwarmen Weißwein serviert. Körniges, flüssiges Risotto gebracht. Eine Fischplatte für zwei Personen serviert, von der nicht einmal eine satt geworden wäre, da sich nur zwei kleine Makrelen und ein paar verstreute Beilagen auf dem Teller befanden. Dazu ein lange Wartezeit und schließlich ein geschockter Kellner, als ich ihm genau diese Mängel genannt habe. Schlechter als hier habe ich während meiner ganzen Zeit in Kroatien nicht gegessen. Es kam zwar schon vor, dass irgendetwas nicht stimmte und an den warmen Wein kann man sich auf die Dauer auch gewöhnen. Aber da hier alles zusammen in geballter Masse auftritt, bleibt mir nur das Fazit, dass man in diesem Laden wohl auf Gäste setzt, die sich hier einmal und nie wieder blicken lassen. Und das sind nunmal die armen Chartercrews.

In die Altstadt von Biograd
Wenige Minuten von der Marina entfernt liegt die Altstadt von Biograd. Wie fast alle Altstädte hier in Küstennähe besteht sie zu 70% aus Restaurants und zu 30% aus Eisdielen. Aber das macht nichts, ich bin ja kein Prüfer der UNESCO sondern bloß ein genußsüchtiger Tourist und freue mich über eine üppige Auswahl an Restaurants und Konobas! Die Basiskarte ist eh überall gleich und die Qualität solide. Wo wir es lecker fanden: Konoba Barba (top fitte Bedienung, gemütliches Ambiente, gut gefüllte Fischplatte siehe Bild) und Restaurant Stari Grad (gleich neben der Kirche, gutes Fleisch in der Peka). Ob die beiden Läden nächstes Jahr auch noch zu empfehlen sind, steht in den Sternen. Ich vermute mal, dass sich das hier schneller ändert, als die Kroaten neue Gebühren für Segeltouristen erfinden.

fischplatte_barba

Sehr lustig war der Rekordversuch am 21.09., wo der mit 1.200 Metern längste Kirschenstrudel der Welt gebacken werden sollte. Ab sie es geschafft haben, weiß ich nicht. Um 19 Uhr wurde der Riesenstrudel aufgebaut. Als wir um 21 Uhr aus der Konoba wieder herauskamen, war schon alles verputzt und aufgegessen! Dabei hatte ich doch auf eine süße Nachspeise spekuliert.

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Camping
Gleich neben dem Hotelhafen beginnt die Amüsiermeile von Biograd mit Kiesstränden, Pommes- und Palačinkabuden, Fahrgeschäften etc. Und hier liegt auch der Campingplatz Soline, wo meine Eltern für einige Tage mit dem Wohnwagen standen. Alles in allem kein wirklich schöner Platz, aber mit allem Komfort, den man so braucht. Und vor allem schön nahe an der Marina gelegen, das ist das Hauptargument. Der Campingplatz, die Marina, einige Hotels und der Hotelhafen gehören alle dem gleichen Besitzer, nämlich der Ilirija Gruppe. Daher bekommt man auch ein paar Prozent Rabatt, wenn man hier sowohl den Campingplatz als auch die Marina benutzt. Die Hotelrestaurants sahen nicht schlecht aus, müsste man einmal ausprobieren. In anderen Ländern habe ich die Erfahrung gemacht, dass man von Hotelrestaurants selten enttäuscht wird. Wer gerne Camping an der Adria betreibt, kann sich seinen Stellplatz über diverse Anbieter direkt online buchen. Auch diese feststehenden Mobilhomes, sprich Wohnwägen, lassen sich hier reservieren. Gute Erfahrungen haben wir damit auf der Insel Krk machen können.

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