Segeln auf der Adria 29: Städtetouren in Trogir, Split und Dubrovnik

Trogir
Zwischen Trogir und Split liegt die Marina Kastela, wo ich recht oft diesen Sommer Station gemacht habe, um neue Mitsegler vom Flughafen abzuholen. Trogir selbst ist – genau wie Split – mit dem Bummelbus in einer knappen halben Stunde von der Marina aus zu erreichen. Auch von den anderen Marinas in der Nähe, also Agana und Rogoznica/Frapa müsste es gute Verbindungen geben, denn so weit ist es nicht. Die beiden Marinas in und neben Trogir habe ich nicht besucht, da sie räuberische Preise haben.

trogir kroatien

Die Stadt Trogir, beziehungsweise genaugenommen die Altstadt, denn der Rest interessiert weniger, sieht aus wie Split nur kleiner. Außerdem riecht es in den Gassen penetrant nach Pommes, was wohl nicht langt, um der Stadt den Status eines UNESCO Weltkulturerbes zu entziehen. Trotzdem ein schönes Städtchen, nur extra hinfahren würde ich nicht, zumindest wenn man schon in Split war. Es reicht auch, sich einfach den Wikipedia Artikel zu Trogir reinzuziehen.

Split
Split ist da schon eine andere Hausnummer und definitiv einen Besuch wert. Das Highlight ist sicherlich die Innen-Innenstadt, also der ummauerte Bereich des ehemaligen Diokletian Palastes. Die Gassen sind hier unglaublich eng und kuschelig. Es fällt kaum noch Licht von oben hinein, weswegen es früher (also ziemlich früh, vor etwa 1500 Jahren) nicht erlaubt war, Balkone anzubauen. Wenn man sich überlegt, dass der Teutonen-Touri hier auf Marmorböden aus der Römerzeit herumlatscht, dann ist das irgendwie… beeindruckend! Heute befinden sich in den Gässchen kleine „Concept-Stores“ oder auf Altdeutsch „Lädchen“, die allen möglichen Krimskrams verscherbeln. Natürlich gibt es auch hier jede Menge Restaurants, aber es hat einfach mehr Stil als in Trogir. Ok, ich muss jetzt nicht jedes Mal in einem Lokal von einem in Toga gehüllten Ober bedient werden, aber die Fischplatte war wider Erwarten gut!

split kroatien 2

Was die Splitter, die Splitsker, na die Einwohner von Split halt, nicht gut finden, das ist die neu gestaltete Flaniermeile „Riva“ zwischen Meer und Palast. Statt Beton für den Boden hätte man hier doch wohl bitte ebenfalls Marmor verwenden können, meinten wohl einige. Gut, die Kroaten bekommen ja nun seit dem EU-Beitritt sicher jede Menge Subventionen (vorausgesetzt, sie liefern den einen oder anderen „Kriegshelden“ aus), da wird bestimmt demnächst noch ein Groschen zum Anlegen einer stilvollen Marmorpiazza abfallen. Alternativ könnte man dafür auch eine ordentliche Kläranlage bauen und das fette Abwasserrohr stilllegen, das seine stinkende Brühe direkt in das Hafenbecken ergießt. Aber was sind schon ein paar Klopapierreste im Wasser und ein leichter Kläranlagengestank gegen eine blank polierte Flaniermeile? Da muss man schon Prioritäten setzen.

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Dubrovnik
Nach Dubrovnik muss man erstmal kommen. Leider hört die Autobahn einige Kilometer vorher auf und man möchte dem Navi nicht so recht glauben, wenn es von einer ewig erscheinenden Restfahrzeit schwafelt. Aber leider ist das korrekt. Denn man fährt nicht nur über Stock und Stein, diverse Obstanbaugebiete und ein Flußdelta sondern auch noch über zwei Staatsgrenzen. Ausreise aus Kroatien, Einreise nach Bosnien, Ausreise Bosnien, Einreise Kroatien. Da glüht der Personalausweis. Schließlich nähert man sich über eine wunderschöne Küstenstraße der Stadt, schaut die Steilküste herab und hat freien Blick auf die Adria, welche nur durch grüne bewaldete Inselchen und hier und da ein weißes Segelboot aufgebrochen wird.

Empfehlenswert ist der Campingplatz „Solitudo„, er liegt nur 10 Minuten mit dem Bus von der Altstadt entfernt. Der Platz ist nicht schön, aber praktisch und für Stadtbesichtiger wie uns genau richtig. Betritt man die Altstadt, so unterschreitet man als erstes die Stadtmauer und kommt auf der anderen Seite wieder heraus. Jetzt kann man sich entscheiden, ob man zunächst durch die Gassen irren will oder sich die Geschichte lieber mal vorher von oben anschaut. Genau das haben wir gemacht (und gefühlte 2 Millionen andere Touristen auch) und sind auf der Mauer einmal im Uhrzeigersinn komplett um die Altstadt herum spaziert. Das dauert seine 1-2 Stunden, je nach Häufigkeit der Fotostopps, aber es lohnt sich. Man hat einfach einen geilen Ausblick, anders lässt es sich schlecht beschreiben. Lasst Bilder sprechen:

adria_zelda_2013_ (684) dubrovnikWie schon erwähnt ist man in Dubrovnik selten alleine, eher schon könnte man klaustrophobische Anfälle bekommen. Die Stadt hat fleißig in eine riesige Pier als Anlegestelle für Kreuzfahrtschiffe investiert. Und wenn dort ein paar Kreuzfahrtriesen liegen, dazu die Bustouristen kommen, die kontinuierlich angekarrt werden und natürlich die „normalen“ Touristen wie unsereiner, dann platzt die Stadt buchstäblich aus ihren Nähten, siehe diesen Zeitungsartikel. Ich weiß gar nicht was die eigentlich wollen, so ein schwimmender Palast fügt sich doch ganz harmonisch ins Stadtbild ein:

dubrovnik kroatien 2

Angeblich hätten diesen Sommer im August einmal sechs Kreuzfahrtschiffe angelegt und 15.000 Touristen ausgespuckt. Damit war Dubrovnik dann erstmal lahmgelegt, so dass auch die Polizei schließlich aufgeben musste. So kann man sich den eigenen Ruf natürlich auch ruinieren, aus reiner Geldgier.

dubrovnik kroatien 1Alte Mauern und alte Kirchen machen hungrig. Besonders, wenn man in luftiger Höhe an all den lecker riechenden Konobas vorbeiläuft, aber weit und breit keine Möglichkeit zum Abstieg vorhanden ist. Schließlich haben wir, mehr oder weniger durch Zufall, das Restaurant „Domino“ gefunden, welches im Reiseführer wärmstens empfohlen wurde. Das Essen war abwechslungsreich, nicht der übliche Mangold-und-Hackfleisch-Einheitsbrei, sondern schmackhafte Eingeborenenküche. So mag ich das. Was ich nicht mag und was mir auch vollkommen unverständlich war, ist die Tatsache, dass man uns in der bestellten Mineralwasserflasche leicht nach Chlor schmeckendes Leitungswasser angedreht hat. Das hat der Laden nicht verdient, sehr rätselhaft. Außerdem hat es mich als Asien-Reisenden geärgert, dass ich dem Kellner beim Öffnen der Flasche nicht genauer auf die Finger geschaut habe. Hier erwarte ich sowas aber auch nicht. Schwamm drüber, Essen war gut.

adria_zelda_2013_ (686) dominoAußer bloß durch die Stadt zu latschen, kann man noch Ausflüge mit den Glasbodenbooten unternehmen. Durch ein Fenster im Boden lässt sich das Wasser aus der Nähe betrachten. Ich will jetzt nicht behaupten, dass die Adria tot ist, aber nun ja… spannend ist was anderes. Oder um es mit den Worten Ephraim Kishons zu sagen:

„Noch nie im Leben habe ich einen so fehlerlosen, so ideal gleichmäßigen, so sanften, so von jeder Unregelmäßigkeit freien Exklusivsand gesehen!“

dubrovnik kroatien 3Wie auch immer, aus dem Boot heraus sieht man das schöne Dubrovnik auf diese Weise auch mal von außen, was ja auch ganz reizend sein kann.

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