Dicker Hals

Heute (und auch die nächsten Tage) ging es um das Thema Halsbau. Auch dieser wird von uns vollständig selbst gefertigt. Die Theorie dazu hielt sich allerdings in Grenzen. Wie man die Abstände der Bünde kalkuliert war nicht Thema, denn dafür gibt es Schablonen. Zumindest, wenn man einen Hals im Stil von Fender, Paul Reed Smith oder Gibson baut. Denn diese haben in der genannten Reihenfolge abnehmende Maße. Hinzu kommt, dass für einen Fender-Hals liegende und für einen Gibson-Hals stehende Jahresringe bevorzugt werden. Je langsamer ein Baum wächst, desto stabiler und dichter ist das Holz. Somit kann es sehr unterschiedlich aufgebaut sein, je nachdem ob es nährstoffarm auf einem Felsen oder in fruchtbarem Boden gewachsen ist.

Der Hals einer Gitarre (natürlich auch beim Bass) besteht aus folgenden Teilen:

  • Der eigentliche Hals, also das tragende Holz (Neck)
  • Halsspannstab (Truss Rod)
  • Griffbrett (Fretboard)
  • Kopfplatte (Headstock)

In dieser Reihenfolge haben wir dann auch gearbeitet. Zunächst stand wieder die Entscheidung nach dem Holz für den Hals an. Das war bei mir Mahagoni, wie bei einer Les Paul üblich. Das Griffbrett ist aus Palisander, welches sehr hart ist und sich wenig abnutzt. Hier gibt es diverse Tönungen, die von tiefschwarz ins helle oder sogar ins violette gehen. Meines ist so eines von der leicht violette Sorte und es hat eine kräftige Maserung. Dafür habe ich sogar ein kleines Astloch in Kauf genommen.

Während der Hals mit einem Kanal für den Spannstab versehen wird (siehe weiter unten), haben wir uns parallel schon einmal um die Fertigung des Metallstabs gekümmert. Es ist so, dass ein Hals, wenn er nur aus Holz bestünde, irgendwann dem Zug der Saiten nachgeben und sich biegen würde. Um das zu verhindern, wird in das Holz ein Metallstab eingelegt.

Die Alternative zu diesem Stab wäre, sehr dickes Holz für den Hals zu verwenden, was natürlich niemand will. Die ersten Gitarren wurden noch so gebaut, auch bei Klassikgitarren braucht man wegen der Natursaiten mit niedrigerer Spannung keinen Stab. Also misst man die Länge des Metallstabs so ab, dass er kurz vor dem ersten Bund beginnt und ca. am zwanzigsten Bund endet.

An beiden Seiten erhält er ein Gewinde, dass wir manuell mit einem Gewindeschneider (M5) fertigen. In diesem Fall ist der Stab 5 mm dick und wird nachher eingefettet gegen Korrosion in den 6 mm breiten Kanal eingelegt. An das eine Ende des Stabs wird ein Metallstück geschraubt und der Stab oben breit geklopft. Das ist das feste Ende. Am anderen Ende zwischen dem 19. und 20. Bund wird auch ein Gewinde benötigt, in das eine Mutter geschraubt wird. Diese Mutter frisst sich in das Gewinde gegen den Widerstand vom Holz und spannt somit den Halsstab. Sie kann in beide Richtungen gedreht werden und wird deshalb weltmännisch „dual action“ genannt.

Bevor der Stab in den Kanal eingelegt werden kann, muss dieser natürlich erst noch gefräst werden. Das findet statt mit einer kleinen Handfräsemaschine.

Der Kanal geht nicht einfach gerade durch die Mitte des Halses, sondern er ist gebogen, wie ein leicht gespannter Jagdbogen. Damit liegt der Stab später schon vorgebogen im Inneren des Halses. Da so eine Wölbung des Kanals freihand wieder einmal nicht zu erzeugen ist, kommt eine gebogene Schiene aus Plexiglas zum Einsatz, auf welcher die Fräse hin und her gleiten kann und entsprechend tief oder flach fräst. Nachdem der Stab im Hals liegt, kann der offene Kanal schließlich mit einem passenden Holzstück und etwas Kleber geschlossen werden.

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