Segeln auf der Adria 30: Ankern unter Segeln

Nördlich von Split auf der Festlandseite gibt es eine großzügige Ankerbucht, an der das Dorf Vinisce liegt. In den letzten Jahren kam es hier immer wieder zu „Unregelmäßigkeiten“, wie es im Küstenhandbuch für Segler so schön heißt. Mit anderen Worten: hier wurde spontan und illegal eine kleine Marina eröffnet, die kurze Zeit später von der Polizei wieder geschlossen wurde. Dann gibt es dort noch das immer wiederkehrende Unwesen von Freibeutern, die abends ihre Runde in der Ankerbucht drehen und frech eine Phantasiegebühr von den dort liegenden Jachten verlangen. Für diese Bucht ist jedoch nie eine Konzession vom Staat vergeben worden und somit liegen hier keine Bojen aus, noch hat jemand das Recht, einfach Geld einzusammeln. Eine alte, zeternde Frau macht das trotzdem und daher hat man (abgesehen vom Bezahlen) zwei Möglichkeiten, die Angelegenheit zu klären: Ausdiskutieren oder einfach vom Boot an Land flüchten. Da ich der Dame schon am Vortag klar gemacht habe, dass ich nicht zu zahlen gedenke, bin ich heute Abend an Land gerudert. Erstens ist das besser für den Stresspegel und zweitens überfiel mich wieder einmal die Lust auf eine Fleischplatte, die es in einem der Restaurants mit Sicherheit geben wird. Aber ich schweife ab.

20140808_195657_ankern vinisce

Die Bucht. Sie ist groß und überwiegend flach, so dass sie ein beliebtes Ziel für Jachten ist, die ankern wollen. Nach einem langen Segeltag komme ich also mit ordentlich Rückenwind an den Eingang der Bucht und denke mir, wofür eigentlich jetzt den Motor anmachen? Der Wind bläst mich doch schon seit über einer Stunde bis auf wenige Grad genau in die Bucht hinein. Also bleibt das große Vorsegel oben. Und wieder eine Viertelstunde später denke ich mir, du wolltest doch schon immer mal ausprobieren, wie es ist, nur unter Segeln zu ankern. Gedacht, getan. Das Großsegel ist eh schon seit heute Mittag eingeholt, denn bei Wind von hinten trägt es nicht viel zur Geschwindigkeit bei. Also steht nur noch die Genua, welche ich nun schrittweise einrolle, um nicht zu schnell zu sein. Man braucht erstaunlich wenig Segelfläche, da einen der Wind sowieso anschiebt. Das Einrollen des Vorsegels geht auf Vorwindkurs sehr gut und so gleite ich lautlos mit 2 bis 3 Knoten Fahrt in die Bucht und erfreue mich an den Kommentaren der am Ufer badenden Urlaubsgäste. Ob sein Motor wohl kaputt ist?

Schon von weitem sehe ich geradeaus ein schöne Lücke zwischen den vor Anker liegenden Jachten. Da will ich rein. Ich fahre so platt vor dem Wind wie möglich, um im Notfall noch anluven und ausweichen zu können. Der Motor ist natürlich startbereit – aber diesmal soll er ja ausbleiben. Da ich am Bug keine Ankerwinsch habe, hole ich den Anker aus der Backskiste, schaue ob die Leine klar ist und warte auf den richtigen Augenblick. Die Genua ist bis auf einen Fetzen eingerollt und ich habe immer noch 2 Knoten Fahrt drauf. Mehr soll es nicht sein, denn wenn mein Anker greift (und das tut er immer), soll es mir die Heckklampe nicht ausreißen.

adria_zelda_2013_ (529) ankern unter segeln

Der Anker fällt, ich gebe Leine, belege an der Heckklampe und harre der Dinge… Nur, es passiert nichts, außer dass ich stehen bleibe. Das Boot ruckt leicht ein, das ist schon alles. Das Segel ist natürlich noch gebläht und ich rolle es nun komplett aus, um mehr Druck auf die Ankerleine zu geben. Ende des Manövers. Ein lustiger Anblick, so mitten im Feld der Ankerlieger mit geblähten Segeln auf der Stelle zu stehen. Später tauche ich noch den Anker ab, nur um festzustellen, dass er sich vorbildlich eingebuddelt hat.

adria_zelda_2013_ (254) vinisce bucht

Vor lauter Stolz und Selbstzufriedenheit über diese gelungene Aktion hatte ich eigentlich fest damit gerechnet, dass mir die Crews auf den anderen Booten Beifall klatschen, mich auf ein Bier einladen und mir dann ihre Töchter schenken. Aber leider blieb es wie üblich bei meinem eigenen Ankerbier. Das war dann aber doppelt so lecker!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

6 + 4 =