Segeln auf der Adria 31: Die perfekte Flaschenpost

Schonmal davon geträumt, eine Flaschenpost zu finden? Man schlappt so nichts ahnend durch den Sand und plötzlich: eine beklebte Flasche!
Oder wie wäre es damit: man träumt sogar davon, eine eigene Flaschenpost zu erhalten? Wie man eine solche Flasche versendet, das erklärt dieser Artikel.

Zunächst mal zurück auf den Boden der Tatsachen: der Finder einer Flaschenpost ist niemals der Empfänger. Ok, unter Fischern wäre das vielleicht eine Art von Running-Gag, sich gegenseitig eine Flaschenpost zu schicken: „Jorge, deine Netze stinken, Alter! Gruß, Jose“ oder: „Zlatko fängt nur kleine Fische und hat auch einen kleinen Pulpo! Do viđenja. Ante“.

In Wahrheit sieht es wohl eher mal so aus, dass die Flasche nach tage- oder wochenlangem Treiben im Meer irgendwann an irgendeiner Küste an irgendeiner Kante hängenbleibt und auf ihr Schicksal wartet. Reißt die nächste Windböe sie wieder frei? Kommt die nächste Flut und schwemmt sie wieder in den Kreislauf der Dinge? Kommt vielleicht ein volltrunkener Pauschaltourist daher, macht sich einen Spaß daraus und pfeffert erstmal einen Stein auf die Flasche? Oder wird sie von Herr Abramovic seiner Mega-Yacht in Stücke geshreddert, ohne dass er es überhaupt merkt? Ma waases net. Aber eins ist sicher: irgendwo findet auch die abwegigste Strömung des Mittelmeers ein Ende und die Flasche kommt wahrscheinlich zur Ruhe. Und ab hier ist sie auf Gedeih und Verderb dem Wohlwollen des Finders ausgeliefert.

adria zelda 2014 (112) flaschenpost brief

Der Inhalt einer erfolgreichen Flaschenpost muss folglich immer aus zwei Teilen bestehen, nämlich dem schleimigen Anschreiben an den Finder und der eigentlichen Botschaft. Beide sollte man mit wasserfesten Stiften schreiben, also mit Bleistift oder Buntstift. Texte, die mit Kugelschreiber oder Filzstift geschrieben werden, zerfransen schnell auf feuchtem Papier. Was man in beiden Briefen sinnvollerweise erwähnen sollte:

  • Den Absender, also Bootsname und eigener Name
  • Datum des Abwurfs
  • Position des Abwurfs mit GPS Koordinaten

Der Finder liest natürlich zuerst den Brief an sich selbst, den man sinnigerweise außen um den eigentlichen Brief an den Adressaten herumwickelt. Darin schreibt man, dass man sich unbändig freut, dass diese Flaschenpost ans Ziel gekommen ist und dass der eigentliche Adressat sich noch viel unbändiger freuen würde, wenn der ehrliche Finder diese Flaschenpost mit der regulären (und dummerweise auch kostenpflichtigen) Post weitersenden würde. Ewiger Dank und Jungfrauen im Paradies sind ihm sicher, nur im Diesseits habe er leider keine weitere Belohnung zu erwarten.

Lustigerweise sind Flaschenpostfinder normalerweise nicht in der Position, dass sie jedes Jahr eine Flaschenpost beim Strandspaziergang aufgabeln. Und so finden sie die Sache noch sehr spannend und leiten den Brief aus der Flasche gerne weiter. Außer, man gerät an Jorge, Zlatko oder Ante. Dann fliegt die Flasche wahrscheinlich noch auf hoher See wieder zurück ins Wasser. Was aber auch Ok ist, dann hat die Message in der Bottle noch eine Chance, mehr Strecke zu machen.

Und das bringt uns genau zu dem wichtigsten Punkt: Strecke machen! Eine Flaschenpost ist ja äußerst nachhaltig unterwegs, sprich, sie verbraucht keine Energie und reitet mit der Natur. Wirft man sie ins Wasser an einer Stelle, die laut Windvorhersage optimal ist, so kann es sein, dass sie aus Strömungssicht ganz und gar nicht optimal ist. So passierte mir das zwischen den Inseln Hvar und Brac in Kroatien. Es herrschte Südwind und die Flasche hätte eigentlich schön in Richtung Norden nach Istrien oder meinetwegen auch nach Venedig treiben sollen. Tatsächlich aber habe ich die Strömung vernachlässigt. Die scherte sich nicht besonders um den kurzzeitig wehenden Südwind und verfrachtete die Flasche auf dem kürzesten Wege in die nahe südliche Bucht von Hvar, wo sie wenige Tage später von einem aufmerksamen Menschen gefunden und zurückgesendet wurde. Soweit die hochtrabenden Pläne für diese Flasche.

adria zelda 2014 (110) flaschenpost

Die zweite Flasche aber ist zu diesem Zeitpunkt noch unterwegs, obwohl sie nur einen Tag später „abgesendet“ wurde. Hoffentlich denkt der Finder an seine eigenen Absendedaten, so dass ich weiß, wo und wann er sie gefunden hat! Aber jetzt mal zur Hardware.

Flasche ist nicht gleich Flasche. Stellt man ein Lastenheft für eine Flaschenpost auf, so fallen die folgenden Begriffe:

  • Langlebigkeit
  • Dicht muss sie sein
  • Stabilität
  • Raum für einen Brief

Damit scheiden schonmal kleine und/oder dünnwandige Flaschen oder solche mit mangelhafter Verschließbarkeit aus. Weinflaschen zum Beispiel. Viel zu dünnwandig. Optimal sind Likör- oder Schnapsflaschen. Sie haben die erforderliche Größe, sie sind aus stabilem Glas und haben meist einen korkenartigen Verschluss. So können sie ruhig einmal gegen die nächste Klippe dotzen und treiben dennoch ihres Weges ohne Leck zu schlagen. Abdichten lassen sie sich auch prima.

Normalerweise haben Schnappsflaschen entweder einen Plastikkorken oder einen Drehverschluss. Nachdem man die Briefe an den Finder und den Empfänger zusammengerollt und hineingesteckt hat, wird die Flasche also erstmal abgedichtet. Dafür eignet sich sehr gut Marine-Fett oder einfach Wachs. Oder am besten beides. Etwas Fett auf das Flaschengewinde schmieren, dann den Deckel aufschrauben. Hinterher alles zusammen mit flüssigem Wachs abdichten, Kalfatern sozusagen. Wer paranoid ist, wickelt jetzt noch Ducktape drumherum, aber das löst sich in der Sonne nach ein paar Wochen sowieso auf. Kann man sich also sparen und den natürlichen Zutaten vertrauen. Nach dem Abwurf wird man beobachten können, dass die Flasche wegen dem schweren Glas doch reichlich Tiefgang hat. Das erklärt auch die Tatsache, dass weniger der Wind als die Strömung die Oberhand über die Zugrichtung der Flasche behält.

Nicht zu vergessen ist das fachmännische Bekleben der Flasche. Niemand stoppt sein Boot wegen einer herumtreibenden Buddel. Wenn aber schon von weitem erkennbar ist, dass mit der Flasche „was nicht stimmt“, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der fachkundige Skipper die Chance zur Übung des „Flasche über Bord“ Manövers wahrnimmt. Ich habe für meine Flaschenposten (bis jetzt zu 77,7% erfolgreich) einfach weißes Papier bemalt und mit durchsichtigem Klebeband außen an der Flasche befestigt.

Die erste Post in 2013 brauchte noch knapp vier Monate. Die zweite in 2014 schaffte es in drei Wochen zum Empfänger. Wenn das bei der dritten in dem Stil so weitergeht, werde ich von jetzt an jeden Brief einfach in das nächste Gewässer werfen. Ist doch erheblich billiger und dauert kaum länger als mit der herkömmlichen gelben Post.

4 Gedanken zu „Segeln auf der Adria 31: Die perfekte Flaschenpost“

    1. Diese dicken Schnapps-Buddeln sind ein wenig kürzer als eine gefaltete DIN A Seite lang ist. Und so steckt die Rolle ziemlich fest im Hals drin. Aber ein Faden für’s Zusammenbinden wäre natürlich auch sehr stilecht :-)
      Und mit rotem Siegelwachs verschlossen, so wie du es auf deiner Seite beschreibst, wäre die Flasche sicherlich auch weit vorne dabei :-)
      Gruß an die Küste,
      Mo

      P.S.: die zweite Post ist immer noch unterwegs, irgendwo da draußen… man darf gespannt bleiben.

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