Segeln auf der Adria 32: Gut Essen in Biograd

Biograd an der dalmatinischen Küste von Kroatien ist eine typische Touristenstadt. Die zwei großen Marinas „Kornati“ und „Sangulin“ bestimmen das Bild, dazu kommen ein großer Campingplatz, viele Hotels und unzählige privat vermietet Zimmer und Appartements. Hier ein Erfahrungsbericht zu Restaurants in Biograd.

Wer nach Biograd mit dem Auto fährt, wird als erstes vom „Zimmer-Strich“ begrüßt: alte Frauen sitzen am Straßenrand und halten Schilder mit der Aufschrift „Zimmer frei“ hoch. Fährt man die Hauptstraße ein wenig weiter den Ort hinunter, kommt man automatisch zu den Marinas und zur Restaurant-Meile. Seit drei Jahren liegt mein Segelboot nun in der Marina Kornati und seitdem teste ich mich durch die Restaurants, Grills und Imbisse von Biograd. Die meisten Restaurants nennen sich hier im Küstenbereich „Konoba“, was in etwa „Kneipe“ bedeutet. Das Ambiente muss urig sein, die Auswahl an Speisen ist dabei fast immer gleich. Hier meine Erfahrungen mit Gaststätten in Biograd.

Carpymore

Dieses Restaurant ist eines der wenigen, wo die Tische ordentlich mit Tischdecken bestückt sind. Man sitzt im Kern der Altstadt und kann den vorbeiflanierenden Touristen zusehen. Ein zweiter ebenfalls bewirteter Bereich liegt „auf der Gasse“ und besteht aus langen Holzbänken und Holztischen, die einen sehr rustikalen Eindruck hinterlassen. Fast so wie in einer frankfurter Apfelweinwirtschaft. In einer Straßenecke vor dem Lokal spielen häufig Musiker. Das Essen ist leicht gehoben und so sind auch die Preise. Dafür bekommt man gute Qualität. Die Fleischplatte besteht aus verschiedenen Sorten zartem und auf den Punkt gebratenem Fleisch. Sie enthält keine Cevapcici, Würstchen und ähnliches, kostet dafür aber auch mehr. Die Fischplatte besteht leider aus den immer eine Spur zu kleinen Fischen, das lässt sich nur ändern, wenn man höherpreisigen Fisch direkt ordert. Die Pizza ist vorzüglich, wie fast überall in Kroatien. Man wird prompt und höflich bedient.

Kroatien 2015 (83) restaurant carpymore biograd

Grill Corto

Auf der Hauptstraße (die mit dem Zimmer-Strich), die aus Biograd hinausführt, befindet sich ein kleiner Waschsalon. Schräg gegenüber kann man sich die Wartezeit mit einem kühlen Karlovacko oder einem Cappuccino totschlagen. Ansonsten gibt es dort Hamburger, Cevapcici, Pljeskavica oder Pommes. Fast food eben, schnell, unkompliziert und vor allem preiswert. 60 Kuna (ca. 8 Euro) für ein großes Bier und ein Hacksteak mit Pommes, das sind in etwa die Koordinaten. Man sitzt direkt an der Straße, dafür aber auf einer Holzterrasse unter Olivenbäumen. Mücken gibt es abends gratis dazu, wie überall hier während der Sommerzeit. Tipp: die Beine mit Autan einreiben, den Rest hat man unter Kontrolle…

Kroatien 2015 (81) grill corto biograd

Konoba Barba

Folgt man der Uferpromenade von der Marina in Richtung Innenstadt, so führen immer wieder kleine Gässchen hinauf in die Altstadt in Richtung Kirche. Hier findet man die Konoba Barba. Sie hat eine hübsche Holzveranda und rühmt sich für den frischen Fisch. Irgendwie ist man mit dem Fischkutter „Hobo“ verbandelt (den ich noch nie hier liegen gesehen habe, er scheint immer draußen am Fischen zu sein…), und daher wäre die Fischqualität hier eben besonders gut. Ganz nachvollziehen kann ich das nicht, es schmeckt wie bei den meisten anderen Konobas auch. Trotzdem ist es mein Lieblingsrestaurant. Die hübsche Bedienung mit dem kantigen Gesicht ist schnell und freundlich, die Portionen lassen einen nicht hungrig zurück und das Ambiente ist einfach nett. Fleischplatte, Fisch und Salate sind allesamt lecker. Ich habe sehr oft hier gegessen und wurde (fast) nie enttäuscht.

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Guste

Der Guste liegt direkt neben dem Westteil der Marina Kornati, also vor meiner Haustür. Hinten raus hat es einen hübschen Innenhof, ansonsten muss man unter einer stickigen, eingemauerten Veranda sitzen. Ein Fernseher mit Bundesliga läuft. Ich war nur einmal dort und leider etwas enttäuscht: die Spaghetti mit Meeresfrüchten waren eine rote Pampe mit kleingeschnittenen, unidentifizierbaren Meeresbewohnern. Dazu gab es frisches und luftiges Brot, das sehr gut schmeckte. Andere Gerichte auf den Nachbartischen sahen aber solide aus.

Konoba Bazilika

Hat man den „Kirchberg“ erklommen, so stößt man hier auf ein Schild, das zur Konoba Bazilika führt. Sie liegt in einer verwinkelten Seitengasse gleich neben den antiken Überresten der besagten Basilika. Man kann an zwei Tischen gleich vorne an der Gasse sitzen und befindet sich damit in etwa auf Augenhöhe der lokalen Anwohner, die hier auch gerne ihre Stühle vor die Tür stellen. Ansonsten sitzt man hinten raus auf einer Veranda mit Weinreben mit Blick in den Gemüsegarten. Der Service und die Küche sind manchmal etwas lahm, aber die Qualität stimmt. Der Oktopus Salat war gut, genauso wie das gegrillte Lamm oder andere Standards. Hier findet man aufgrund der abgeschiedenen Lage meistens noch ein Plätzchen. Es ist überhaupt sinnvoll, während der Sommermonate hier einmal vorbeizuschauen. Denn gleich neben der antiken Basilika befindet sich ein offener Platz, der für Konzerte verschiedenster Art genutzt wird. Zuschauen und –hören kostet nichts, also einfach mal dem Gesang folgen.

Kroatien 2015 (86) konoba bazilika biograd

Restaurant in der Marina Kornati

Was man nicht tun sollte: Samstag abends Essen gehen, schon gar nicht im Restaurant einer Marina. An diesem Tag kommen die neuen Crews der Charteryachten und lassen es gerne gleich einmal krachen. Dazu kommen Siegerehrungen der vergangenen Woche und es ist generell viel Trubel, da auch sämtliche anderen Feriengäste an diesem Tag ankommen und etwas essen wollen. Wir waren trotzdem samstags hier essen, denn das Lokal machte tagsüber einen großzügigen und geräumigen Eindruck mit vielen Tischen und wurde andernorts schon hoch gelobt. Hier habe ich bisher am schlechtesten gegessen. Die Fischplatte war mit wenigen winzigen Fischlein bestückt, das Risotto kalt und das Bier warm, um die Highlights zu nennen. Unser ehrliches Feedback an die Bedienung wurde mit Schweigen quittiert. Man kann es auf die hohe Auslastung an diesem Tag schieben. Ich vermute bei dieser Küche aber eher grundsätzliche Schwächen. Jedenfalls kein Vergleich zum Restaurant in der Marina Supetarska Draga auf der Insel Rab. Hier speist man vorzüglich, es gibt sogar ohne Vorbestellung geschmortes Lamm aus der „Peka“.

Kroatien 2015 (80) restaurant marina kornati biograd

Restaurant Arkada

Erst ziemlich spät, nämlich dieses Jahr, habe ich das Restaurant Arkada entdeckt. Es befindet sich am Ende der Uferpromenade, dort wo man an der kleinen Hotel-Marina der Illyria Ressorts vorbeikommt. Die Bedienung besteht aus jungen Kellnern sowie einer wirklich alten Frau, die aber so flott und eifrig ist, dass sie meinen persönlich Kellner-Oskar von Biograd bekommt! Unglaublich, was für einen Überblick die Dame hat und wie wieselflink sie Bestellungen entgegennimmt und die Gäste bedient. Das ist schonmal ein Drittel der Miete. Hinzu kommt die gute Küche, die auch noch schnell liefert. Hier habe ich mittlerweile sehr oft gegessen und mich sehr wohl gefühlt. Die Preise sind ein kleines bißchen gehoben, dafür muss man aber auch keine Überraschungen auf der Rechnung fürchten, wie das extra berechnete Brot in so manchen Gaststätten. Man kann während der kurzen Wartezeit sogar schonmal Törnplanung betreiben: die Tischdecken zeigen Seekarten aus dem Raum Rund um Biograd.

Kroatien 2015 (107) restaurant arkada biograd

Konoba Cotonum

Die Konoba „Cotonum“ zeichnet sich dadurch aus, dass sie neben dalmatinischer Küche auch „antike“ Gerichte auf der Speisekarte hat. Diese lesen sich zwar auch wie die bekannte mediterrane Küche, aber es ist eine willkommene Variation im Einheitsbrei der biograder Konobas. Die Karte ist übersichtlich und passt auf eine Doppelseite, dazu kommen noch ein paar Tagesgerichte. Das finde ich immer sehr sympathisch. Denn diese Riesenauswahl an Gerichten, wie sie auf anderen Speisekarten zu finden ist, führt wahrscheinlich eher dazu, dass mehr Fertigprodukte verwendet werden. Diese haut man nochmal schnell in die Friteuse und schon hat man die üblichen Standards „Cevapcici-Calamari-Sardellen“ abgefrühstückt. Zurück zur Konoba Cotonum. Im Innenhof und auf der „Empore“ haben nur so viele Gäste Platz, dass sie von den beiden Kellnern flott bedient werden können. Das ist sehr angenehm, man muss hier nicht um die Rechnung betteln.

Kroatien 2015 (160) konoba cotonum biograd

Restaurant Stari Grad

Der Laden liegt auf dem Kirchberg, nicht weit weg von ebender Kirche. Ich war dort zweimal Essen und jedesmal hat es ein „Geschmäckle“ hinterlassen, leider kein Positives. Das erste Mal waren wir zu dritt und hatten am Vortag eine Lamm-Peka bestellt. Dabei wird Fleisch zusammen mit Kartoffeln und Gemüse in einem großen Topf geschmort. Geschmacklich war das gut, nur bestand der Topf zum allergrößten Teil aus Kartoffeln. Verständlich, aus Sicht des Wirts. Aber ärgerlich aus Sicht des Gastes. Danach war ich ein Jahr später nochmal hier für eine Fleischplatte. Sie hatte ihren Namen nicht verdient, da sie nur aus Schwein bestand und zwar in den verschiedensten Aggregatformen. Kein Huhn, kein Rind, vor allem jede Menge Hackfleisch. Hinzu kommt, dass man einen Gruß aus der Küche aufgedrängt bekommt (in Knoblauch ertränktes Weißbrot) mit dem Hinweis, der wäre kostenlos. Na Danke. Woanders is besser.

Kroatien 2015 (85) grill stari grad biograd

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es in Biograd wahrscheinlich nur wenige Totalausfälle gibt. Dafür ist nach oben noch reichlich Luft. Fragt sich nur, ob ein teureres Lokal auch geschätzt werden würde. Ich behaupte, das Niveau liegt stabil irgendwo in der Mitte, es spielt kaum eine Rolle, wo man sich hinsetzt. Meine Favoriten sind die Konoba Barba, das Carpymore und das Arkada.

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