Segeln auf der Adria 33: Delfine!!!

Jeder Segeltourist will im Urlaub Delfine sehen, das ist doch klar. Aber den wenigsten gelingt es. Mit Geduld oder etwas Insider-Wissen hat man aber doch eine Chance auf Sichtung der grauen Kerle.

Während den sechs bis acht Wochen, die ich im Schnitt auf dem Wasser bin, habe ich vielleicht zwei intensive Begegnungen mit Delfinen. Nicht mitgezählt sind dabei Sichtungen in der Ferne. Die Erwartungen einer Charter-Crew, während genau ihrer einen Urlaubswoche Delfine zu sehen, ist daher wohl etwas überzogen. Warum man sie nicht antrifft, dafür gibt es mehrere Gründe:

Man folgt den ausgetretenen Routen anderer Segeltouristen, mit der Folge, dass auf diesen Meeresautobahnen sicherlich keine Delfine mehr freiwillig herumschwimmen. Lösung: mal die eingetretenen Pfade verlassen und entlegene Winkel erkunden. Mal andersherum um die Insel fahren, wo weniger los ist.

Oder man fährt unter Motor anstatt zu Segeln. Motoren sind laut und Delfine mögen keine lauten Boote. Dazu kommt, dass man selber von dem Getöse eingelullt wird und seine Aufmerksamkeit dem nächsten Reiseziel widmet, anstatt einmal das Meer zu beobachten. Lösung: mal die zu hause gemachte Törnplanung in der Schublade lassen und Segeln! Hey, dafür sind diese weißen Lappen gedacht, die manche Skipper mit ihren 17-Meter-Plastikeimern durch die Gegend schippern. Und auch wenn man damit keine Geschwindigkeitsrekorde aufstellt, so kommt man doch vom Fleck und mit etwas Glück findet einen die nächste Delfin Familie so attraktiv, dass sie spontan mitschwimmt.

Kroatien 2015 (95) delfine herde sichtung

Sind die grauen Kollegen dann einmal in der Nähe, so lässt man sie am besten selbst entscheiden, was sie tun wollen. Es ist nicht sehr sinnvoll, sich den Delfinen krampfhaft zu nähern. Sie sind schneller weg als der Skipper „Klar zur Wende“ rufen kann. Daher sollte man sich vornehm zurückhalten, den eventuell laufenden Motor ausschalten und abwarten, was passiert. Manchmal schwimmen sie einfach ihres Weges, tauchen hin und wieder prustend auf und sonst passiert nichts. Dann wieder kommen sie unter Wasser näher, tauchen unter dem Boot hindurch und checken, um was für einen Gesellen es sich hier handelt. Ist man unter Segeln und gut in Fahrt und macht ein paar Knoten Geschwindigkeit, so freut es die Delfine manchmal, ein wenig vor dem Bug herumzuschwimmen und zu tauchen. Das ist der schönste Moment, wenn man sich mit diesen großen Tieren in trauter Eintracht durchs Wasser bewegt! Manchmal sind sie auch verspielt und springen aus dem Wasser, machen ulkige Bewegungen und ignorieren einen ansonsten. Was auch immer sie tun, man möchte immer mehr davon sehen.

Richtig große Delfine können einen auch ein wenig erschrecken. Letztes Jahr erlebte ich während langsamer Motorfahrt, wie sich eine große Finne und ein riesiger grauer Rücken vor dem Bug meines Bootchens aufbaute und mir entgegen schwamm. Im ersten Moment dachte ich an einen kleinen Wal. Doch dann tauchte der graue Rücken vor mir ab und verschwand in den Tiefen der Adria, anstatt mich zu versenken. Das muss einer der wenigen richtig alten Tümmler gewesen sein. So einen großen habe ich danach nie wieder gesehen.

Vor zwei Jahren hatte ich übrigens auch einen größeren Delfin getroffen, oder er hat wohl eher mich getroffen. Darüber hatte ich bereits in diesem Artikel berichtet. Kurz darauf musste ich noch die Welt retten, aber dafür konnte der Tümmler ja nichts.

Kroatien 2015 (94) delfin neben boot

Beim abendlichen Spaziergang an der Uferpromenade von Biograd entlang hatte ich neulich ein interessantes Gespräch mit einer Touristenfängerin. Dort am Ufer an der Kaimauer wartet eine ganze Armada von Ausflugsbooten darauf, mit neuem Touristenfleisch eine Runde durch die Inselwelt zu drehen. Und viele kokettieren damit, dass Delfinsichtungen garantiert sind. Ich meinte daraufhin zu dem Mädel, dass ich selbst bisher nicht feststellen konnte, dass sich die Delfine an einen bestimmten Ort und an eine bestimmte Uhrzeit halten. Tja, sagte sie, man müsse nur wissen wo: vor den Fischfarmen etwas weiter draußen hätte man gute Chancen, Delfine zu sichten. Früh morgens werden die Fische nämlich gefüttert und das wüßten die Delfine inzwischen.

Wo die Fischfarmen sind, das steht sehr deutlich in meinem Revierführer und an den meisten bin ich schon vorbeigekommen. Aber mal im Ernst: will ich mich dort morgens auf die Lauer legen? Das wäre ja so, als ob ich an einem Trüffelbaum darauf warte, dass dort in der Erde ein Trüffel wächst. Dann fahre ich lieber die kreuz und die quer durch die adriatische Küstenwelt und freue mich über jede wirklich zufällige Definbegegnung.

Wer übrigens tatsächlich einen oder mehrere Delfine gesichtet hat, der kann dies auf einer Webseite melden. Ich habe sie aber leider nicht ergooglen können und stattdessen nur mehr oder weniger seriöse Webseiten von Ferienwohnungen gefunden… Da müssen die Delfinschützer wohl noch mal ran, wenn man ihnen wirklich helfen soll.

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