Segeln auf der Adria 35: Bootspflege

Pflege trifft es vielleicht nicht ganz richtig, eigentlich mehr „Erhaltung“. Es ist unglaublich, wie sehr Sonne, Meer und Wetter einem Boot im Mittelmeer zusetzen können!

Grünen Bewuchs an Deck, wie es die Nordeuropäer plagt, hat man zwar nicht. Dafür brät einem die Sonne aber alles andere weg. Dabei besteht meine Zelda zu 99% aus GFK, viel zum Verrotten ist eigentlich nicht vorhanden. Dummerweise gibt es doch noch ein paar Holzteile und diese 1% verursachen so einiges an Aufwand. Viel ist es also nicht, was aus Holz besteht, aber da es sich an kritischen Stellen befindet (Cockpit, Pinne, Tritte), kann man es auch nicht einfach ignorieren. Aber jetzt mal von vorne. Seit Sommer 2013, also seit zwei Jahren liegt mein Boot nun in der Adria. Es wurde also Zeit für einen Krantermin und damit für einen neuen Unterwasseranstrich und andere Arbeiten.

Antifouling

Da der Voreigner schon „International VC17m Extra“ drauf gemacht hat, hatte ich keine Wahl als ebenfalls dieses Zeugs draufzupinseln. Es handelt sich bei diesem Antifouling um eine Sorte, die Teflon enthält. Deswegen kann man es mit keinem anderen Antifouling überstreichen, es würde nicht halten. Ein Ärgernis, zumal es sauteuer (echter Champagner ist billiger) und im Mittelmeer nicht wirklich verbreitet ist. Die Wirksamkeit ist gut, da gibt es nichts zu meckern. Es hätte noch ein drittes Jahr gehalten, wenn es nicht weitere Gründe für das Kranen gegeben hätte. Erstaunlich war, dass die selbe Menge Antifouling Farbe hier in Kroatien bei 35° C im Schatten nur für etwas mehr als die Hälfte der Fläche gereicht hat. Vor zwei Jahren bei 15° C im frühlingshaften Norddeutschland konnte ich damit noch das komplette Unterwasserschiff gut zwei Mal streichen. Eine kleine Dose von dem Zeug konnte ich in Zadar noch auftreiben, ansonsten musste reichlich Verdünner herhalten, um die Menge zu strecken. Den Verdünner sollte man hier lieber generell vor dem Streichen dazumischen, sonst trocknen die Anstriche einfach zu schnell.

Kroatien 2015 (12) zelda sundown

Die Schraube hatte ich dummerweise vor zwei Jahren vergessen mit Antifouling zu streichen und auch die Welle nicht. Daher konnten sich dort die Seepocken breit machen. Mit einem Schraubenzieher und einem Drahtbürstenaufsatz für die Akkubohrmaschine bekam ich das schnell in den Griff (auch wenn die Behandlung mit der Drahtbürste der Schraube nicht wirklich gut tat).

Kroatien 2015 (10) drahtbürste schraube kalk

Ich hatte mir extra superteures Sprühantifouling für die Schraube gekauft. Erst die Grundierung, den Primer draufgesprüht, danach viele Schichten Antifouling. Das Ergebnis war nicht sehr überzeugend: schon nach der ersten Ausfahrt löste sich ein Streifen komplett von der Schraube. Und die Kalkgehäuse dieser Ringelwürmer haben jetzt schon wieder Fuß auf der Welle gefasst, trotz Antifouling. Nachtrag Herbst 2016: Schraube und Welle sind komplett zugewachsen… was für ein Reinfall.

Kroatien 2015 (13) propeller schraube antifouling

Opferanode

Unterwasser herrscht die Elektrolyse. Es fließt Strom und dieser zersetzt vorzugsweise Metallteile wie Propellerwellen und Schrauben. Damit das nicht passiert, installiert man sogenannte „Opferanoden“ aus einfachem Zink in der Nähe dieser Teile. So wird die Anode statt dem zu schützenden Bauteil aufgelöst. Bei mir sitzt diese Zinkanode am Ende der Welle, gleich hinter der Schraube. Jetzt wo ich weiß wie man sie austauscht, könnte ich das auch unter Wasser durchführen. Die Schraube wird blockiert, ein Schraubenzieher und ein saftiger Schlag, schon fällt einem die verbrauchte Anode entgegen. Aber auch hier muss ich sagen, dass dieser Zinkrest möglicherweise noch eine Saison gehalten hätte.  Kroatien 2015 (9) opferanode schraube

GFK ausbessern

Glasfaser verstärkter Kunststoff (GFK) lässt sich im Prinzip leicht reparieren. Dafür benötigt man Glasfasermatten und Epoxidharz. Für kleinere Dellen und Kratzer tut es auch reines Epoxy ohne Glasfasern oder „Gelcoat“, wie diese Mischung bei Booten heißt. Man mischt das Harz mit dem Härter und hat dann wenige Minuten Zeit, um alle Stellen mit dem Kleister zu bestreichen. Er härtet recht schnell aus und lässt sich später glattschleifen. Hilfreich ist es, etwas Klarsichtfolie auf die ausgebesserte Stelle zu kleben. Sie lässt sich später leicht abziehen und man hat eine schön glatte Fläche, die kaum noch geschliffen zu werden braucht. Zugegeben, bei mir sieht das Resultat ziemlich rustikal aus, aber Hauptsache das Boot ist dicht. A propos „dicht“.

Boot abdichten

Über die Jahre ist mir aufgefallen, dass das Boot nicht ganz wasserdicht ist. Ein Schwachpunkt sind oft die Fenster. Und so habe ich mir schon zu Hause Gedanken darüber gemacht, wie man die Fenstergummis abdichten könnte. Nach etwas Recherche habe ich ein Mittel namens „Capt’n Tolleys Creeping Crack Cure“ gefunden. Bei dem Zeug handelt es sich um eine dünnflüssige, milchige Lösung, die durch den Kapillareffekt in jede noch so kleine Ritze kriecht und dann darin aushärtet. Ich habe es auf allen Fensterdichtungen, Schrauben und Haarrissen angewendet, die ich finden konnte. Bis jetzt sieht es gut aus: dort wo ich es aufgetragen habe, kommt kein Wasser mehr rein. Bei Fensterdichtungen am besten von außen und innen auftragen. Außerdem eignen sich noch Beschläge und Verschraubungen für das Zeug. Einfach überall draufgeben, wo es potentiell nach innen geht. Alternativ kann man natürlich auch die Gummikeule schwingen und alles mit elastischer Dichtmasse beschmieren (z.B. von Sika). Das sieht halt leider entsprechend verbastelt aus und ist auch keine Garantie für ein dichtes Boot. Denn Wasser findet seinen Weg. Immer.

Trotzdem habe ich mit der Kautschuk-Spritze einmal rund ums Boot die Verbindung von Oberdeck zu Rumpf abgedichtet. Kann ja nicht schaden. Und in weiß sieht das sogar richtig gut aus. Man kann das Zeug mit dem Finger glattstreichen und erhält eine Dichtfläche, so glatt wie ein Babypopo.

Holzteile lackieren

Da ist so eine Sache, um die ich gehofft hatte, irgendwie drumherum zu kommen: nämlich Holz zu lackieren. Was für ein sinnloses Unterfangen! Hätte Gott gewollt, dass Bäume glänzen, hätte er sie Lack statt Rinde produzieren lassen…

Kroatien 2015 (163) holz schleifen

An Bord gibt es jedenfalls mal mindestens zwei Sorten Holz: Teak und alles andere, meistens Mahagoni. Falls es sich bei dem Teil, dessen Lack blättert, um Teak handelt ist alles bestens: einfach blättern lassen! Teak ist das pflegeleichteste Holz der Welt. Durch seinen hohen Ölgehalt ist es haltbar ohne Ende und versilbert schön authentisch. Da rottet nichts, Teak braucht weder Lack noch spezielles Öl oder andere Chemikalien wie Borax, die einen Bewuchs verhindern sollen. Handläufe auf Decksaufbauten sind beispielsweise meistens aus Teak und brauchen nicht weiter behandelt zu werden. Meine sind es leider nicht, sondern sehen unter dem Lack etwas rötlich aus, daher tippe ich auf Mahagoni.

Falls es sich bei dem zu renovierenden Teil jedoch nicht um Teak, sondern um beispielsweise Mahagoni handelt, ist Lackieren angesagt. Man kann auch hier ölen oder hat alternativ die Auswahl zwischen einkomponentigem Lack (der ist eher weich) und zweikomponentigem Lack (mit Härter, wird so hart wie GFK). Beim Anfassen merkt man es schon: wenn der Fingernagel eine kleine Delle eindrücken kann und es sich eher gummistumpf anfühlt, dann hat man wohl einkomponentigen Lack drauf. Und so kam ich zu meiner ersten Dose „Hempel Dura-Gloss Varnish“, einem rotdurchsichtigen Lack. Gemeinsam mit dem dazu passenden Verdünner verbrachten wir die schönsten Nachmittagsstunden gemeinsam an Deck damit, die verschiedensten Holzteile abzuschleifen und wieder einzupinseln. Dort, wo der Lack schon am Abplatzen war, musste die ganze Stelle mit einem scharfen Messer gesäubert und der Bootslack schön verdünnt in einer ersten Schicht aufgetragen werden. Er sieht aus wie roter Himbeersirup, man muss sich schon zusammenreißen, nicht mal eben dran zu naschen. Sechs Schichten verlangt das Faltblatt. Mehr als eine pro Tag geht nicht, man ist also den ganzen Urlaub damit beschäftigt, diesen Sirup zu verstreichen. Zwischendurch lehnt man sich noch mehrmals versehentlich an die gerade gestrichene Stelle. Oder man tritt drauf. Kurz und gut: so schön wie die Werft das damals hinbekommen hat wurde es bei mir nicht. Aber auch hier zählt, dass jede zusätzliche Schicht das Wasser und die Sonne abhält. Also immer dick drauf damit.

Kroatien 2015 (103) holz lackieren

Je mehr Sonne und Wetter das Holz abbekommt, umso schneller altert also der Lack. Dieses Jahr hatte ich die Cockpit-Persenning nicht aufgespannt und das Ergebnis war fatal. Mittlerweile bin ich soweit zu sagen, dass ich mir lieber alle fünf Jahre eine neue Persenning schneidern lasse, als nochmal diese Lackorgie durchzuziehen. Die Persenning kommt drauf für die zehn Monate im Jahr, an denen ich nicht da bin und die Holzteile sehen dafür aus wie neu!
Und wie pflegt man jetzt die Persenning, die aus Stoff, Reißverschlüssen, etwas Kunstleder und den durchsichtigen Plastikfenstern besteht…? Ich fürchte, darum werde ich mich ein andermal kümmern.

Plexiglas/Acrylglas polieren

Kunstglas hat die Angewohnheit, irgendwann kleine Risse zu bekommen und auch noch blind zu werden. Es legt sich ein milchiger Schleier durch’s Plastik und man kann kaum noch etwas erkennen. Im Netz kursieren verschiedene Tipps, wie man Plexiglas wieder auffrischen kann, als da wären:

  • Zahnpasta + Öl = Polierpaste
  • Autopolitur
  • Spezielle Reiniger, Plexiglaspolierpaste, Acrylglasreiniger, Xerapol

Ich habe es zunächst einmal mit kroatischer Zahnpasta pur versucht. Leider mit kaum zu erkennendem Resultat. Dafür riecht die Scheibe jetzt schön frisch und nach Kräutern… wahrscheinlich muss hier was härteres ran. Nur, ob damit die Milchschleier verschwinden, bezweifele ich doch arg.
Nachtrag Herbst 2016: die Lösung heißt „Yachticon Acrylglas Kratzer Entferner„. Unglaubliches Ergebnis… die Scheibe sieht wieder aus wie neu. Gerne würde ich für dieses Statement von der Firma Yachticon einen Sack voll Geld entgegen nehmen… sie mögen sich einfach per Email bei mir melden.

Kroatien 2015 (165) acrylglas plexiglas zahnpasta

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