Korrigieren und Reparieren

Wenn Laien Instrumente bauen, geht eine Menge schief. Wir Teilnehmer kennen zwar in der Regel das fertige Instrument, wissen aber nicht, wie das Resultat jedes einzelnen Arbeitsschritts aussehen soll. Daher werden wir am Anfang schnell dazu verleitet, beherzt ins Holz zu hacken und Fehler zu begehen. In diesem Artikel schildere ich einige aufgetretene Fehler und wie man sie wieder beheben kann.

Kleben

Ein Stück Holz ist ausgerissen. Regel Nummer eins: immer sofort nach dem fehlenden Stück suchen, und sei es noch so klein. Oft kann man es wieder einkleben. Hier kommt es drauf an, ob es groß oder klein war. Ist es nur ein 3 mm kleines Stückchen, kann es mit Sekundenkleber wieder an die alte Stelle gebracht werden. Hierfür platziert man das Teilchen an der richtigen Stelle. Danach klebt man ein Stück Tape darüber und hebt das Tape mit dem Teilchen zur Hälfte wieder ab, es klebt nun am Tape. Danach kommt ein Tropfen Sekundenkleber in den Riss und danach klappt man das Tape wieder drüber. Zieht man es nach kurzer Trockenzeit wieder ab, bleibt das Stück Holz an der richtigen Stelle eingeklebt. Danach fein abschmirgeln.

Handelt es sich um ein sehr großes Stück, muss man es mit Holzleim (z.B. Titebond) und Klemmzwingen wieder anbringen. Das kommt eher selten vor, sollte es zumindest. Bei Brunos Bass und meiner Les Paul hat das Wenge-Holz wegen seiner groben Struktur einige doppelte Klebeaktionen nötig gemacht.

Ist es ein mittelgroßes Stück, so kommt Epoxi-Kleber zum Einsatz. Dieser wird in zwei Flaschen aufgehoben und ist erst einsatzbereit, wenn er 1:1 durchgemischt wurde. Dazu macht man zwei gleichlange Würste aus beiden Flaschen in ein Plastik- oder Gummischälchen. Die entstandene Masse kann bei Bedarf mit Holzstaub aus dem beschädigten Bereich vermischt werden. So erhält man eine lückenfüllende Masse in der korrekten Farbe. Das Auftragen kann mit einem kleinen Zahnstocher oder diversem anderen Zahnarztbesteck erfolgen, je nachdem was die Werkstatt hergibt. Geht man dann noch mit dem Fön, bzw. der Heizpistole vorher über das Holz und auch nach dem Auftragen, so sickert die Masse schön in die Ritzen.

Wärme sorgt auch für eine kürzere Trockenzeit, je nach Kleber kann das eine enorme Beschleunigung sein. Da man meistens auch noch ein gutes Stück um die gewünschte Stelle herum Klebstoff hat, sollte man den vor dem Trocknen wieder mit dem Spachtel entfernen. Nach dem Trocknen zieht man die Stelle mit einem dünnen Blech o.ä. ab und schmirgelt den Rest.

 

Delle entfernen

Schnell ist es passiert, dass im unbehandelten Holz des Korpus eine Delle, eine falsche Körnung oder ein Kratzer ist. Ist der Schaden nicht zu tief, kann man sie mittels heißem Dampf wieder herausbekommen. Die Durchführung ist simpel, man benötigt nur einen Lötkolben oder ein Bügeleisen, ein Tuch und etwas Wasser. Zunächst gibt man mit dem tropfnassen Tuch etwas Wasser auf die gewünschte Stelle und lässt das Holz kurz quellen. Danach legt man das nasse Tuch auf die Stelle und drückt den heißen Lötkolben oder das Bügeleisen kurz darauf.

Nachsehen, ob sich was getan hat und gegebenenfalls wiederholen. Klappt ganz hervorragend, zumindest bei Ahorn und Mahagoni.

 

Loch falsch gebohrt

Tja, ein Loch ist ein Loch, und bleibt so wie es ist. Und vor allem wo es ist. Aber: man kann schon etwas tricksen. Oft bohrt man ja zunächst mit einem kleineren Bohrer vor. Beim Aufweiten auf die finale Größe kann man nun den größeren Bohrer langsam dazu bringen, bevorzugt eine Seite des kleinen Lochs zu „fressen“. Damit lässt sich das Große um einige Millimeter versetzen. Wunder sind hier natürlich nicht zu erwarten. Handelt es sich um ein Loch für die Mechaniken der Kopfplatte darf man nicht vergessen, dass oben noch eine Mutter draufkommt. Diese deckt ja auch wieder etwas mehr vom Holz und darunter liegenden „Halblöchern“ ab.
Mein Tipp bezüglich dem Bohren von Löchern lautet: zunächst mal an einem anderen Stück Holz als an der wertvollen Klampfe üben. Das sollte man bei allen heiklen Aktionen tun, egal wie viel Zeitdruck auch sein mag. Es gibt in der Regel genug Holzabfall von der eigenen Gitarre, so dass man sogar unter identischen Bedingungen üben kann.

 

Loch versetzen

Falls man keine andere Wahl hat, als ein Loch komplett zu versetzen, kann man folgendermaßen vorgehen:

  1. Zunächst das falsch gebohrte Loch aufbohren. Man nimmt einen größeren Bohrer, der auch noch den Bereich des neuen Lochs abdecken sollte.
  2. In das neue Loch muss nun ein Holzstift mit gleichem Durchmesser gesteckt werden. Diesem Stift sollte man mindestens eine längs verlaufende Rille verpassen (feine Säge) und ihn unten etwas abrunden.
  3. Danach Holzkleber drauf verteilen und den Stift ins Holz kloppen. Den überstehenden Teil hinterher vorsichtig abzwicken, feilen und schmirgeln.
  4. Jetzt kann das ursprünglich geplante Loch wieder gebohrt werden, diesmal hoffentlich richtig. Ich musste es gleich zweimal machen…

Auf dem Bild sieht man das Ergebnis. Ursprünglich war das kleine Loch im Zentrum der Ausbesserung gewesen, jetzt etwas weiter unten.

 

Loch reißt unten aus

Sollte einem beim Bohren von Löchern der untere Rand des Bohrlochs ausreißen, einfach ein weiteres Stück Holz drunter legen und dort reinbohren. Ist der Ausriss übel, kann man auch überlegen, den Rand etwas abzusenken. Falls der Einsatzzweck des Lochs das erlaubt.

Ein Gedanke zu „Korrigieren und Reparieren“

  1. Wenn Du wieder zurück bist, Du kannst bei mir anfangen.
    Sehr talentiert der junge Mann !!!
    Ich zahle zwar schlecht, es gibt aber immer ein Feierabend – Bier!
    Oder Äppler :-D

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