Segeln auf der Adria 37: Hal-oluja

Komische Überschrift, ich weiß… reim dich oder ich fress dich! In diesem Fall sollte das kroatische Wort „oluja“ für Sturm und Gewitter eingebunden werden. Und darum soll es nun auch hier gehen.

Der kroatische Sommer zeichnet sich üblicherweise durch bombiges Wetter aus. Hin und wieder Bora-Lage, welche aber meist frühzeitig bekanntgegeben wird und sie fällt auch lange nicht so stark aus wie im Winter. Kein Grund jedenfalls, sich stressen zu lassen. Respekt sollte man lieber vor etwas anderem haben, nämlich den ordinären Gewittern. Sie werden nur vage vorhergesagt, da es unmöglich ist, genau zu wissen, wo sie sich bilden und wie stark sie werden. Gewitter sind relativ häufig. Mit einem pro Woche muss man rechnen. Und alle paar Wochen fällt es ungewöhnlich stark aus, verbunden mit Sturm und Starkregen. Besonders, wenn es der Vorbote einer sich ändernden Wetterlage ist.

Als wir dieses Jahr Mitte Juli auf Murter ankamen, hatte es schon einen deftigen Weltuntergang gegeben. Vom Balkon unserer Ferienwohnung auf dem Hügel von Murter aus hatten wir das Spektakel bestens im Blick. Es kam gut Bewegung ins Feld der Ankerlieger in der Bucht vor der Marina Hramina. Wenn es dort in der Hauptsaison voll ist, bleibt nicht viel Platz für Manöver jeglicher Art. Schon gar nicht im Dunkel.

Und auch einen Monat später, also Mitte August, als ich leider alleine an Bord war, sollte es wieder zu einem prächtigen Gewittersturm kommen. Da mein Heimathafen die Marina Betina ist, nächtige ich gern am letzten Abend in der Kosirine Bucht, die vielleicht 1,5 h von Betina entfernt ist. Wie aus dem Nichts heraus entstand nun nachts eine deftige Gewitterlage. Die folgenden Bilder beschreiben das anschaulich (Quellen: Kachelmann GmbH und sat24.com).

Im Morgengrauen sehe ich schon das Wetterleuchten und beschließe, Anker auf zu gehen. Aber was muss ich ein ums andere Mal lernen: „einem Gewitter entkommste einfach nich‘ wa?“ So war es dann auch, also statt Kurs auf den Heimathafen, Kurs auf mittenrein ins Gewitter genommen. Ich wollte Abstand zur Küste gewinnen. Eine eindrucksvolle Gewitterwalze kam auf mich zu. Mit einer Wirbelwolke, die wie ein Auge rotierte… dass sich solche Wolkenmassen so schnell bewegen können! Gruselig und gleichzeitig faszinierend. Aber vor Stress und Anspannung war für Angst keine Zeit.

Das Dingi überschlug sich schon gleich nach der ersten heftigen Böe und ich musste es losmachen… adieu mein Freund, an dich hatte ich in der Eile nicht gedacht. Aber du warst eh fast durch. Ich fuhr im Winkel von ca. 30 Grad zu Wind und Wellen. Dadurch bot meine Vega nicht so viel Windwiderstand und ich konnte sie immer wieder gut auf Kurs bringen. Danach kam der Regen von allen Seiten, dazu Gischt von vorne, die über die Sprayhood flog wie im Windkanal. Komisch, zu hause schleppe ich einen Regenschirm mit mir durch die Stadt, um bloß keinen Regentropfen abzukriegen. Und hier auf dem Wasser nützt einem die beste Kleidung nichts und man ist binnen weniger Minuten nass bis auf die Haut… Sehen konnte man eh nichts mehr, also hielt ich Kurs durch Starren auf den Kompass. Hin und wieder ein Blick auf die Logge und das GPS, was der Speed über Grund so macht: fahre ich überhaupt noch vorwärts oder sind das „Rückwärtsknoten“? Bei einer Motorisierung von 11 PS kann man schon skeptisch sein, ob das eigene Bootchen es schaffen wird. Das Wasser war vor dem Unwetter noch spiegelglatt, das kam mir jetzt zu Gute. Die Wellen waren zwar hoch, aber nur durch den lokalen Wind aufgewühlt und ohne langen Fetch.

In Gischt, Regen, Blitz und Donner verschwand die Welt um mich herum… leider auch das schöne Leuchtfeuer auf Prisnjak, an dem ich mich orientieren wollte. Durch diese Wasserwand konnte man es nicht sehen. Zwischendurch kam in einiger Entfernung eine Motoryacht vorbeigeschaukelt, kuckt sich meinen Kampf an und entschied nach einer Weile, weiter zu fahren. Danke an den Unbekannten an dieser Stelle. Er hätte zwar nichts tun können, aber mental hilft es schon zu wissen, dass man nicht ganz alleine ist. Winken wollte ich nicht, damit es zu keinen Mißverständnissen kommt.

Danach verhielt sich das Unwetter wie aus dem Lehrbuch, es zog also über mich hinweg, der Wind drehte mit und schließlich war es durch. Alles in allem hat es vielleicht 45 Minuten gekachelt zwischen 8 und 9 Uhr morgens, danach nur noch leichter Regen.
Glück gehabt, dass alles so gut geklappt hat. Noch einmal brauche ich das allerdings nicht. Das Risiko auf dem Wasser in Küstennähe ist nicht zu unterschätzen.

Welche Lektionen hat mich das gelehrt:

  • Dem eigenen überdimensionierten Anker vertrauen. Notfalls mit  etwas Motorkraft gegen den Winddruck entlasten.
  • Das Boot besser wetterfest machen: Rollgenua mit Bändsel vorne sichern, sie wird sich sonst ein Stück ausrollen. Dingi an Bord holen und Luft rauslassen.
  • Bilge vorsorglich leeren… Regen und Gischt werden sie auffüllen.
  • Navi/Handy mit Seekarte bereitlegen. Genau zu wissen, wo man ist, beruhigt in Küstennähe ungemein.
  • Den Motor bei ruhigem Wetter mal eine Weile bei Vollgas fahren: riecht der dann auch so verbrannt…?

Ach ja, wie stark war der Wind denn nun, mit welchem Seglerlatein kann ich beim nächsten Steg-Schnack prahlen? Tja – keine Ahnung. Leider habe ich keinen Windmesser und kann daher nur schätzen. Die meiste Zeit vermutlich irgendwas um Windstärke 7 herum. Am Höhepunkt vermutlich mehr. So war es bei einem ähnlichen Unwetter, dass ich auf einer großen Charteryacht in den Kornaten erleben durfte. Auf einem kleinen Bootchen wie meinem brauche ich nicht mehr als Windstärke 5. Alles andere erlebe ich zukünftig lieber vor Anker oder in der Marina.

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