Auf dem Gipfel gibt es Shrimps

Die richtige Restaurantplanung für eine unbekannte Stadt ist schwierig. Selbst wenn man sich vorher schlau gemacht hat, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass genau dann, wenn der kleine Hunger kommt, keine dieser Lokalitäten in Reichweite ist. Wer sich dann noch gern durch die Stadt treiben lässt, und es dem Zufall überlässt, wo er mittags oder abends gerade ist, der muss sich eben anderweitig behelfen. Also lautet mein erstes Motto: nicht gleich am nächstbesten Stand vollstopfen, sondern immer eine Magenecke freilassen. Man weiß ja nie, was noch kommt! Und das zweite lautet: keine Gelegenheit auslassen. Denn ein zweites Mal kommt man bestimmt nicht mehr vorbei.

Auf das Restaurant, welches ich nachmittags als nächstes besucht habe, trifft ebenfalls ein Motto zu, beziehungsweise ein Filmzitat. Es ist ja so, dass man bei vielen Restaurants von außen versucht zu beurteilen, wie das Essen drinnen wohl schmecken mag. „Das Leben ist wie eine Praline, man weiß nie, was man bekommt“, wusste schon Forrest Gump…
So war ich essen bei „Bubba Gump Shrimp Co“.


Seit 1999 stelle ich mir die Frage, ob diese Kette tatsächlich existiert oder nur wegen dem Film erschaffen wurde. Es ist wohl eher letzteres. Das Ambiente ist klasse, überall Zitate aus dem Film und ein Schild an jedem Tisch: „Run, Forrest, Run“ bzw. „Stop, Forrest, Stop“ um die Bedienung herzubeordern. Ich habe mir eine Mischung von diversen Shrimps mit Saucen bestellt. Wer den Geschmack frischer Shrimps – oder Crevetten, oder Gambas – unauslöschbar im Kleinhirn hat, wird von den hier gebotenen enttäuscht sein. Sie schmecken nach nichts, mehr lässt sich dazu nicht sagen, selbst Surimi hat mehr Geschmack.
„Ich bin vielleicht nicht schlau, aber ich weiß, wie Shrimps schmecken“, möchte ich an dieser Stelle Herrn Gump noch einmal frei zitieren.

Grandios ist jedenfalls ohne Einschränkung der Blick auf die Stadt Hong Kong und ihre Bucht, wenn man vom „Victoria Peak“ einen Blick ins Tal wirft. Das sind immerhin 550 Höhenmeter, man möchte es kaum glauben. Stünde der höchste Wolkenkratzer Hong Kongs (das International Commerce Center, 484 m, links hinten Bild) nicht auf der anderen Seite der Bucht, könnte man den Bewohnern des obersten Stockwerks in die Küche schauen.

Ähnlich wie Anno dazumal im indonesischen Bandung haben sich auch hier oben in luftiger Höhe des Berges bevorzugt die Kolonialherren breit gemacht, da das hiesige Klima einfach besser für den Teint war. Statt den Gouverneuren Ihrer Majestät regiert auf dem Berg heute der Geldadel. Die Grundstücke sind so ziemlich das Teuerste, was man sich weltweit kaufen kann.

Runter ging es für einen Euro mit dem Bus und dann wieder rüber aufs Festland mit der Star Ferry für 30 Cent. Der Nahverkehr ist hier unschlagbar günstig. Selbst die hochmoderne Metro (MTR) kostet unter einem Euro für eine mittlere Strecke. Abends ging es wieder zur Temple Street. Diesmal recht unspektakulär: Auberginen mit Hackfleisch und Knobi sowie Muscheln in dicker Sauce. An diesem Punkt erkennt man, dass Chinesen und Deutsche wenigstens die Vorliebe für dicke, kräftige Saucen teilen. Und für Fleisch. Und für Bier. Das könnte der Anfang einer langen Freundschaft werden. Wenn sich die Chinesen das Schmatzen abgewöhnen. Und wir Deutschen die Vorzüge von Quallensalat entdecken.

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