Archiv der Kategorie: Kroatische Adria

Segeln auf der Adria 23: Orte wo’s schön war

Luka Tiha auf Hvar

In meinem Sprachgebrauch nur noch die Wespenbucht. Sie liegt in der geräumigen Bucht bei Stari Grad auf der Insel Hvar. Man findet immer eine freie Boje, kann aber auch in einem der inneren Arme frei Ankern oder besser noch man bringt eine Landfeste aus und liegt dann sehr sicher. Und es koscht dann nix. Ansonsten sind die Bojen auch nicht teuer, 15 Kuna der Meter Boot. Etwas Schwell von vorbeifahrenden Booten, außer man fährt in einen der linken Arme, die etwas enger sind. Sehr klares Wasser, guter Ankergrund und einmal sogar einen Rochen gesehen. Falls man in Lucice keinen Platz mehr bekommen hat: hier ist immer was frei. Irgendwo ist auch ein Restaurant versteckt, das ich aber nicht finden konnte.

luka_tiha

 

Lucice auf Brac

Diese Bucht habe ich gern als ersten Stop mit Gästen aus Split gewählt. Man segelt nicht zu lange und findet dann am frühen Nachmittag immer direkt eine freie Boje. Das Bojenfeld wird von zwei verschiedenen Konzessionären geführt. Auf der rechten Seite (Boat Boy im Festrumpf Motorboot) hatte ich das Gefühl, unerwünscht zu sein. Ich solle doch bitte irgendwo frei ankern und außerdem wäre die Boje mit 300 Kuna (reiner Fantasiepreis) für mein 8 m Boot doch viel zu teuer. Klare Sache, hier wartet der Bojenbetreiber lieber auf einen dicken Katamaran mit hungriger Crew, als dass er meinem 2-Mann Boot vorzeitig den Platz überlässt. Immer blöd, wenn der Bojenkonzessionär auch noch ein Restaurant in der selben Bucht betreibt. Ein Gefühl der Genugtuung überkam mich, als ich dann schließlich auf der anderen Seite an einer Boje hing und beobachten konnte, dass die erste Boje weiterhin frei blieb. Also, immer links an eine der Bojen fahren, der zuständige Boat Boy ist auch ein sehr Netter. Etwas chaotisch wird es nur, wenn sein Opa noch herumfährt und die Boote beliebig anweist. Also besser gleich auf den jungen Kerl im Twin-Kiel Schlauchi warten. Er bringt einen auch in das richtig gute Restaurant, falls man einen Shuttle Service braucht. Super Fisch, man wählt ihn direkt am Tisch aus. Ansonsten eine solide Konoba, wo man aber auch mal gerne eine Stunde warten muss, wenn alles voll belegt ist. Solange kann man den freien Blick auf sein Boot genießen.
Im Rest der Lucice Bucht kann umsonst geankert werden, aber man ist dann voll dem südlichen Schwell ausgesetzt, der eigentlich fast immer herrscht.

lucice

 

Bobovisce

Der Ort Bobovisce liegt am westlichen Zipfel von Brac, gleich nördlich von Milna. Hier gibt es zwei Bojenfelder, die zwar sehr gut geschützt sind, aber leider mit Muring funktionieren. Man befestigt also einen Festmacher direkt an der Boje, schnappt sich dann die Muring, welche an der Boje herab hängt und zieht solange daran, bis man die dicke Leine am Heck belegen kann. So passen eine Menge Boote parallel angeordnet in die Bucht hinein, was vor allem am Samstag Abend nötig ist, wenn einige Charterer hier ihre erste Nacht verbringen. Aber man liegt eben auch sehr eng. Dennoch, eine sichere Liegemöglichkeit mit fast immer freien Plätzen. Außerdem kann man dort auch geschützt ankern, falls wirklich einmal nichts mehr frei sein sollte. Ansonsten hat es dort noch drei Restaurants und zwei Läden. Leider abends auch herumgrölende einheimische Jugendliche, besonders am Wochenende. Der Boat Boy ist sehr hilfsbereit. Er fiel aus allen Wolken, als ich ihm einmal per Email mitteilte, dass ich leider seine Muringleine zerschneiden musste, weil sich mein Propeller darin verfangen hatte. Sonst macht das wohl niemand. Seitdem sind wir wie Blutsbrüder (ok, er kennt jetzt zumindest den Namen meines Bootes).
Von Bobovisce nach Split oder Kastela ist es ein Katzensprung, und so ist das gern meine letzte Station „im Freien“, wenn ich Gäste zurück zum Flughafen bringen muss.

bobovisce

 

Vinisce

Diese Bucht liegt am Festland nördlich von Trogir und ist ein guter Zwischenstopp auf dem Weg in den Norden bzw. Süden. Sie eignet sich bei allen Windrichtungen außer NO bis S, dann steht kräftiger Schwell in die Bucht, was ich einmal nachts bei Starkwind erleben durfte. Schlafen bei 20 Grad Krängung ist irgendwie suboptimal…!
Seit Juli diesen Jahres werden hier Ankerlieger abkassiert (10 Kuna/Meter), obwohl es keinerlei Gegenleistung gibt. Da hilft nur, den dilettantischen Einsammlern vor 19 Uhr zu entwischen und die gesparte Kohle in einem der drei Restaurants zu lassen. Die Konoba Porat hat einen fetten Grill, und wenn dort eine Sau schmort, sollte man sich das nicht entgehen lassen. Falls ohne Sau, dann lieber zu dem Restaurant mit der Veranda gehen (der Besitzer fährt täglich im roten Schlauchboot herum und macht Werbung). Hier gibt es gute Qualität.

vinisce

 

Mirine

Diese Ausbuchtung des Festlands liegt südlich von Sibenik und der Insel Zlarin. Im Beständig wird sie nur als „die Bucht, wo das Ankergeschirr schmutzig hochkommt“ beschrieben. Hatte das an anderer Stelle schonmal erwähnt. Für mich war die Bucht ideal, da sie recht flach ist und gegen alle Windrichtungen bis auf NW geschützt ist. Aber selbst ein NW Wind kann wenig anrichten, selbst bei Starkwind aus dieser Richtung liegt es sich noch relativ komfortabel. An Land kann eine alte Römermauer erkundet werden, sonst hat es dort allerdings keine Highlights. Moment, stimmt nicht ganz: es kommt niemand zum Kassieren, das zählt ja mittlerweile auch schon als Highlight.

mirine

Segeln auf der Adria 22: 34 ab Mitternacht

In Trogir habe ich endlich einen Friseur gefunden, der mir die Wolle stutzt. Mittlerweile sah ich aus wie ein Waldschrat, oder eher Seeschrat. So richtig bändigen ließen sich die Locken auch nicht mehr, selbst im nassen Zustand wollten die immer irgendwohin fluppen. Heute um Mitternacht werde ich 34. Und morgen kommt auch noch Damenbesuch vom Flughafen, also mehrere Gründe, sich wieder zivilisiert zu geben.

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Da sitze ich nun in der Nähe von Split auf meinem Bootchen, das Wetter ist durchwachsen, die nassen Wolken wabern den Berghang herunter und feiere alleine in meinen Geburtstag hinein. Wie kam es eigentlich dazu? Im Gegensatz zur Ostseereise letztes Jahr habe ich diesmal die Adria Blogeinträge direkt starten lassen, ohne Vorgeplänkel mit weshalb und weswegen. Vielleicht ist das jetzt die richtige Stelle, um einmal zurück zu schauen.

Ein Ding ergab das andere. Im Job war ein mehr oder weniger toter Punkt erreicht. Das Management hat es nach wie vor nicht hinbekommen, eine gewisse Kontinuität und Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit der Firma zu schaffen. Die Mitarbeiterfluktuation war hoch und ich nur einer von vielen, die sich für einen Abgang entschieden. Obwohl der Laden klein ist, schien es niemanden ernsthaft zu stören, langjährige Mitarbeiter mit dem mühsam erarbeiteten Spezialwissen zu verlieren, ganz gleich aus welcher Abteilung. Ein kurzer Händedruck, ein wenig Herumgeplänkel, warum und vor allem wohin man denn nun so plötzlich gehen wolle, das war’s. Es war traurig mitanzusehen, dass die Firma keine starke Führung besaß, die Wert auf Mitarbeiterentwicklung legt und einem attraktive Wege zeigen kann. Es war also die richtige Entscheidung, die Kündigung einzureichen. Obwohl ich es dort unter anderen Umständen durchaus noch eine ganze Weile ausgehalten hätte. Bevor ich aber weiterziehe war mir klar, dass das jetzt der richtige Zeitpunkt ist, die Segelleidenschaft wieder einmal auszuleben.

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Ist es eigentlich eine Leidenschaft fürs Segeln? Eigentlich nicht. Genauso gut könnte ich mit einem Mini-Van durch Neuseeland fahren, mit einem Motorrad durch den Amerikanischen Kontinent knattern oder mit Pferden durch die Mongolei wandern. Aber das Boot ist nun einmal vorhanden, die Freiheit auf See unheimlich anziehend und die Planung eigentlich mental schon halb abgeschlossen. Ich wusste, dass Segeln im warmen Mittelmeer eine ganz andere Welt sein würde, als auf nordischen kalten Gewässern im Hafen auf besseres Wetter zu warten. Ein Bootstransport wird sich schon finden lassen und ließ sich schließlich auch finden. Der Einstieg musste auf EU Boden stattfinden, und so wurde meine Zelda also ins Slowenische Portoroz gebracht. Und hier beginnt der erste Blogeintrag.

Und hinterher? Kontakte sind geknüpft, potentielle Arbeitgeber in Reichweite, ich war ja nicht untätig vor meiner Abreise. Aber eines ist klar: einen festen Job, in den ich mich fallen lassen kann, den gibt es nicht. Finanzielle Reserven sind dazu da, um irgendwann zum Einsatz zu kommen. Und da ich mich vor einer Weile gegen den Kauf einer Frankfurter Eigentumswohnung entschieden habe, bleibt mir zumindest die dafür vorhandene Anzahlung, um die Zeit bis zum neuen Job zu überbrücken. Es ist bemerkenswert, dass mich alle Bekannten und Freunde in diesem Vorhaben unterstützen. Aber wie viele von ihnen würde selbst so eine Aktion starten? Niemand würde es tun. Es ist ja nicht so, dass ich für vier Jahre um die Welt segele und alle Brücken abbreche. Aber selbst so ein kleiner sommerlicher Ausflug von drei Monaten scheint in unserer heutigen Arbeitsgesellschaft mit einem selbst auferlegten Tabu beschädigt zu sein. Alles für die Karriere, alles für den Job. Null Risiko, jedenfalls nicht jetzt. Vielleicht versteckt man sich auch nur hinter der Jobplanung, denn so ein durchgepampertes Leben ist schließlich auch nicht zu verachten.

Wie kurzgedacht dieses Verschieben auf Morgen ist, das merken die Menschen erst dann, wenn sie mit 60 in Frührente gehen und sich all die Vorhaben verwirklichen wollen, die sie als 30-jährige in irgend einem Winkel ihres Gehirns vergraben haben. Bloß, dass diese dreißig Jahre nicht spurlos an ihnen vorbeigegangen sein werden, das ignorieren sie gern. Natürlich können sie sich später mit viel Geld ein größeres Boot kaufen als in jungen Jahren. Mit allem technischen Schnickschnack, den es dann geben wird. Aber was ist, wenn sie mal zur Schraube tauchen müssen, weil die Muring drin hängt? Oder wenn der Anker per Hand heraufgeholt werden muss, weil die Winsch gerade streikt? Wenn ein Gewitter so viel Stress verursacht, dass panisch der nächste Hafen angelaufen werden muss? Wenn sich beim Anlegemanöver mit viel Wind in der Marina die Brust verengt, weil man seine teure Yacht nicht auf die Kaimauer setzen möchte? Dann merken sie schnell, dass sie jetzt ein anderes Leben führen mit Einschränkungen, an die sie als junge Menschen nicht gedacht haben.

Ich bin mir sicher, genau jetzt das richtige zu tun. Um die Welt Segeln brauche ich nicht. Regattasegeln brauche ich nicht. Reisestress brauche ich nicht. Und ein großes Boot brauche ich auch nicht. Aber ab und zu Freiheit atmen, in egal welcher Form… das brauche ich.
Und jetzt prasselt doch ein ganz ordentlicher Regen auf mein GFK Dach, begleitet von einigen Donnerschlägen. Das macht den Geburtstagsabend nur umso gemütlicher. Denn wenn mein Bootchen eines abkann, dann Wasser aus jeder Richtung!

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Segeln auf der Adria 21: Antizipation, now!

Manchmal hat man ja nichts anderes zu tun, als sich Gedanken zu machen. Damit meine ich Bedenken und Sorgen, die das Boot betreffen. Besonders dann, wenn es nicht optimal liegt. Neulich war da so eine Situation. Ich kam nachmittags bei Flaute in einen kleinen Seitenarm der Luka Tiha Bucht hineingefahren. Es bot sich aufgrund der Enge an, mit Landleine vor Anker zu liegen. Hierfür suche ich mir die Leeseite der Bucht aus, werfe den Anker und nähere mich dann behutsam dem Ufer. Das ganze Manöver habe ich woanders schonmal ausführlich beschrieben. In Kürze: ich schwimme mit der Leine rüber zum Ufer, und wenn der Wind nicht dreht – wie in diesem Fall leider geschehen – reicht die Leine auch bis zum Land. Wenn nicht, ist hektisches Schwimmen angesagt. Meine Zelda mit ihren 3 Tonnen lässt sich gerade noch durch Schwimmen ziehen, falls wenig Wind ist. Kaum hatte ich den Fuß auf Grund gesetzt, konnte ich richtig ziehen und mein Böötchen in Postition bringen.

Jetzt war es nur leider so, dass in dieser Nacht ein größeres Gewitter im Raum Split angesagt war. Meistens kommen die Gewitter nicht weit über das Festland hinaus und auch in dieser Nacht blieb es auf der Insel Hvar, wo die Bucht liegt, bis auf ein paar Tropfen trocken. Das Leuchten der Blitze vom Festland ließ sich aber gut verfolgen. Gegen Wind aus nördlichen und südlichen Richtungen lag ich jetzt gut, direkter Westen und Osten würden mir aber eine volle Breitseite geben. Dummerweise lenkte das Ufer den Nordwest-Wind genau auf Westen. Das machte meinen schönen Liegeplatz etwas suboptimal. In gewissen Grenzen kann ich zwar über die beiden Leinen steuern, wie ich liege, aber 90 Grad wie ich es jetzt bräuchte oder auch nur 45 sind leider nicht möglich. Mein Boot konfrontierte den Wind also mit seiner gesamten seitlichen Angriffsfläche. Was tun… einige Optionen gingen mir durch den Kopf: Die Landleine lösen oder verlängern? Eine weitere Landleine ausbringen? Komplett den Anker einholen oder im Gegenteil die Leine verlängern? Was ist, wenn der Wind dreht, komme ich dann nicht dem Ufer zu nahe? Einen zweiten Anker ausbringen? Oder einfach abwarten was passiert?

cumulus_wolke

Schließlich dachte ich mir, anstatt hier nur herumzusitzen und nachzugrübeln, könnte ich ja mal anfangen, irgendwas zu tun. Also brachte ich zunächst eine zweite Landleine aus und verteilte den Zug auf beiden gleichmäßig. Später sollte ich mir noch ein Stück 3 m Kette kaufen und diese Schlinge über den Stein ziehen, dann rubbelt sich das Seil auch nicht auf. Anschließend dachte ich mir: gut, vorne hält schon mal bombig. Aber was ist mit dem Anker? Also kletterte ich ins Schlauchboot und nahm den uralten 11 Kg Anker mit, den ich seit letztem Jahr spazieren fahre, der hat wenigstens noch eine Kette dran. Rudern bei 6 Beaufort Wind ist schwierig, also hangelte ich mich zunächst an der Landleine entlang an Land, lief dort 20 m mit dem Dinghy im Schlepp und stieß mich dann vom Ufer ab. Das Einschätzen von Entfernungen ist schwierig… die Ankerleine hatte ich ja an Bord befestigt, so dass ich mich nicht weiter entfernen konnte, als sie lang ist. Trotzdem fiel der Anker viel zu spät. Beim Einholen der Leine stellte ich schnell fest, dass für so ein Manöver nächstes Mal wesentlich mehr Leine nötig ist. Schließlich holt man eine ganze Menge Leine ein, bis der Anker greift, zumindest dieses Modell aus Großvaters Zeiten. Ok, der Anker lag jedenfalls auf dem Grund, was aus psychologischer Sicht ein Pluspunkt war. Wirklich die Lage verbessert hat er, so im Nachhinein betrachtet, nicht. Der 15 Kg Rocna hielt mich auf der Stelle, mit knapp 40 m Leine draußen sollte das auch so sein.

Naja. Letztendlich hätte ich auch einfach abwarten können, was passiert. Denn falls die Landleine gerissen wäre, hätte ich ja immer noch am Anker gehangen. Und hätte der nicht gehalten, würde sich das langsam bemerkbar machen und nicht plötzlich. Zeit genug, die Landleine loszuwerfen und den Anker raufzuholen. Aber Übung macht den Meister. Und sowas mal bei Tageslicht unter blauem Himmel zu machen und nicht gleich mit schlotternden Knien bei Regen im Dunklen stärkt das Selbstvertrauen, dass man es auch unter schwierigeren Bedingungen hinbekommen würde.

Jedenfalls, mit „sich Gedanken machen“ und „Antizipieren“ meine ich genau das Durchspielen solcher Situationen. Es schadet nicht, sich haarklein vorzustellen, welche Handlungen nötig sind, falls dieses oder jenes Ereignis eintritt. Nur – verrückt machen darf man sich nicht. Sonst sollte man nicht ankern, sondern sich lieber ins nächste Bojenfeld verfügen. Andererseits, wie soll man jemals die Grenzen seiner Ausrüstung kennen lernen, wenn man immer gleich flüchtet? Bojen halten schließlich auch nicht immer, Vertrauen in das eigenen Ankergeschirr muss also vorhanden sein. Jetzt kann ich jedenfalls zumindest bis 6 Bft Wind beruhigt sein, dass der Anker sicher halten wird. Wie es bei mehr Wind aussieht? Hält wahrscheinlich auch, nur ausprobieren muss ich das erstmal nicht.

Segeln auf der Adria 20: Navigare necesse est

Das lateinische Zitat „Navigare necesse est“ muss in jedem Blog zum Thema Segeln und erst recht in einem später darüber verfassten Buch erwähnt werden. Das wäre hiermit geschehen (Buch folgt später). Der Satz bedeutet so viel wie „Seefahrt ist notwendig“. Der zweite Teil des Zitats wird dabei gern verschwiegen: „Vivere non est necesse“ also „Leben ist dagegen nicht notwendig“. Das ist aber unromantisch und passt den meisten Freizeitseglern nicht, so auch mir nicht und deswegen wird dieser Teil einfach ignoriert. Eigentlich kam ich nur darauf, weil es in diesem Beitrag um die Navigation gehen sollte und da purzelte mir dieser Spruch förmlich entgegen.

seekarte_kroatien

Im Prinzip braucht man hier in der kroatischen Adria das selbe Werkzeug zum Navigieren wie in anderen Revieren auch. Also natürlich den Kompass und ordentliche Seekarten, die auf dem aktuellen Stand sind. Der Brite sagt zwar „Rocks don’t move“, aber Seezeichen verändern eben doch manchmal ihre Kennung und hin und wieder werden auch Brücken gebaut…
Bei den Seekarten fangen die Probleme dann schon an: welche soll man kaufen? Ich habe mich nicht für den Kartensatz vom Delius Klasing Verlag entschieden, sondern für die offiziellen Sportbootkarten der Kroaten. Ich dachte mir, wenn es die schon gibt, sollte man besser den Einheimischen vertrauen. „Wenn in Rom, mache es wie die Römer“ fällt mir da spontan wieder ein Spruch ein. Also mache ich es wie die Kroaten. Nach zwei Monaten Verwendung dieser Karten hat sich allerdings Ernüchterung breit gemacht. Sie bilden zwar das ganze Revier von Umag bis nach Dubrovnik ab, aber die beiden Kartensätze haben folgende Mängel:

  • Es ist keine Übersichtskarte dabei, auf der man schnell und übersichtlich den gesamten Törn planen könnte. Ständig ist man mit mindestens 4 Karten am Jonglieren.
  • Die Tiefenangaben stammen scheinbar aus dem vorletzten Jahrhundert. Kurz gesagt, sie stimmen eigentlich nie. Statt 15 m ist die Bucht in Wirklichkeit 8 m tief. Das sind für Sportboote die Stellen, wo es drauf ankommt, wenn man eine Bucht zum Ankern sucht. Dass es auch weiter draußen himmelweite Unterschiede zwischen Realität und Karte gibt, ist mir zwar relativ wurst, aber es trägt auch nicht gerade dazu bei, das Vertrauen in diese Angaben zu stärken. Dass hier niemand jährlich herumfährt und die Buchten auslotet, ist mir schon klar. Aber alle 10 Jahre wäre das vielleicht mal angeraten. Wozu gibt es eigentlich Studenten der Geologie oder Meeresbiologie…?
  • Die Karten verwenden nicht das heute gängige Koordinatensystem WGS-84 sondern irgendwas eigenes. Das bedeutet, möchte man eine Position vom GPS in die Karte übertragen, muss man in der Regel 0.01 Minuten nach Süden und 0.29 Minuten nach Osten rücken. Rein praktisch ist das kaum möglich, denn die Karten bieten gar kein Raster in dieser Auflösung und teilen die Minute nur in Fünftelschritte auf. Wer es also wirklich genau machen will, sollte einfach seine Bleistiftspitze um einen knappen Zentimeter nach rechts und um einen Mückenschiss nach unten bewegen.
  • Es liegen keine Detailkarten für enge, unübersichtliche Küstenabschnitte bei. Diese Gebiete sind zwar markiert. Aber anstatt den vergrößerten Plan einfach auf die freie Rückseite zu drucken, müsste man sich ein extra Heftchen kaufen. Da lobe ich mir doch die Ostseekarten vom NV Verlag, da ist alles mit drin inklusive Hafenansteuerung.
  • Die Leuchtfeuerkennzeichnung entspricht nicht internationalen Standards. Für mich als Tagfahrer nicht so wichtig, es wäre aber doch schön, wenn es einheitlich wäre.
  • Eines ist sogar positiv zu vermerken, muss aber auch so sein: alle Karten sind mit feinem Stift auf dem letzten Stand gehalten.

Was man sich unbedingt anschaffen sollte, das ist das Handbuch „888 Häfen & Buchten“ von Karl-Heinz Beständig. Seit langer Zeit gilt es als die „Kroatien Bibel“ für den Skipper und das zu Recht. Das Heftchen ist vollgestopft mit nützlichen Informationen zu Ankerplätzen, Bojenfeldern, Häfen, Restaurants etc. Auch die Tiefenangaben sind hier wesentlich genauer.

Natürlich bin auch ich nicht von gestern und besitze einen digitalen Kartenplotter. Aber einen für die Hosentasche. Das Teil ist von Garmin, nennt sich GPSmap78 und möchte natürlich mit einer sauteuren Seekarte gefüttert werden. Das Gerät funktioniert wie ein Autonavi und ist alles in allem ein Traum: Einschalten, kurz auf die Position warten und schon sieht man auf der Karte, wo man ist. Dass es einem eine höhere Genauigkeit vorgaukelt, als es bieten kann, habe ich erst vor kurzem gemerkt. Ich fragte mich, warum manche Tiefenlinien abrupt aufhören und 50 Meter weiter etwas versetzt wieder anfangen. Ganz klar ein Kartenfehler. Schlimmer noch ist aber die Konsequenz daraus, dass natürlich nicht nur diese eine Tiefenlinie verschoben ist, sondern eigentlich der ganze daran anschließende Kartenabschnitt. Und so kam es, dass es mir laut Karte in der Bucht Luka Tiha im Norden der Insel Hvar (bin öfter hier, wie aufmerksame Leser vielleicht gemerkt haben…) erstaunlicherweise gelang, auf dem Festland zu ankern. Tatsächlich lag ich jedoch an der Südseite der im Bild sichtbaren Bucht, in etwa dort wo der Cursor ist.

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Leider fängt das Gerät jetzt in seinem zweitem Jahr, wo die Garantie sich ihrem Ende nähert, an zu spinnen. Nur jedes fünfte Mal startet es noch korrekt. Alle anderen Male bleibt es beim Laden der (ich erwähne es gern nochmal: sauteuren) Seekarte hängen. Hier hilft nur noch ein Hardreset, was ich dank meines noch funktionierenden Handys im Internet herausgefunden habe. Man muss dafür die Tasten Page und Enter beim Starten gleichzeitig drücken. Warum denke ich dabei nur an die Special Moves aus Streetfighter 2? Ganz einfach, die haben bei mir auch nie funktioniert… und so kommt es, dass ich mittlerweile fast jedes Mal erst den Hardreset ausführen muss, bevor das Mistding die Karte anzeigt. Wäre dieses Gezicke nicht, ich würde das Gerät bedenkenlos weiterempfehlen.

Insgesamt halte ich die Navigation hier in der kroatischen Adria an vielen Stellen für einfacher als an der Ostsee. Es gibt fast keine betonnten Fahrwasser, ganz wenig Berufsverkehr, nur ein Verkehrstrennungsgebiet und fast immer viel Platz zum Ausweichen. Die wenigen wirklich relevanten Untiefen sind markiert, ansonsten fällt die Küste meistens recht steil ab, so dass es hier kaum zu unerwünschten Begegnungen mit dem Festland kommen kann. Außer vielleicht virtuell auf dem Kartenplotter.

Segeln auf der Adria 19: In die Möwe starren

„Wenn du lange genug in die Möwe starrst, starrt die Möwe zurück in dich!“ möchte ich mal in Anlehnung an Nietzsche behaupten. Seit meine Zelda im Wasser liegt, begleitet mich diese eine Möwe. Es ist bestimmt die selbe, jeden Tag, denn sie sieht tatsächlich immer gleich aus. Ich denke mal, sie wurde zu meiner Bewachung abkommandiert. Mag sein, dass sie wöchentlich durch einen identischen Zwilling abgelöst wird. Aber sie ist immer da und wartet auf mich. Spätestens abends, wenn ich beim Sundowner auf dem Kajütdach sitze, kommt sie zutraulich näher und will auch einen Schluck. Oder nen Cracker. Und bei diesen Gelegenheiten treffen sich unsere Blicke:

Sie so: „Na, wieder den halben Tag unter Motor gefahren?“ und ich so: „Na und? Kennst mich doch. Vormittags ist eh kein Wind, da darf man das.“ Darauf sie: „Faulpelz, dann zieh halt den Blister hoch, du weißt doch jetzt wie das geht…!“. Ich zurück: „Und wo hast du dich überhaupt tagsüber rumgetrieben, wieder nur faul die Kloake im Wind geschaukelt?!“ Darauf sie nur zickig, schon im Wegflattern: „Werd mir jetzt bloß nicht anzüglich, alter Alleinsegler.“

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Ok, Waffenstillstand. Trotzdem gibt’s heute keine Cracker.

Segeln auf der Adria 18: Ins Manöver ziehen

Was gibt es eigentlich zu tun auf so nem kleinen Segelboot? Welche Manöver werden Tag für Tag gefahren und überhaupt – wie funktioniert das alles? Hier die Antworten.

Segeln

Meine Zelda ist eine Slup. Das heißt, sie hat ein Vorsegel und ein Großsegel. Das Vorsegel ist eine Genua, so nennt man die groß geschnittenen Vorsegel. Sie reicht sogar bis hinter das Großsegel, sie überlappt also und bietet damit eine sehr große Segelfläche. Man kann sie über eine Rollvorichtung ausrollen und auch nach Belieben wieder verkleinern, falls zu viel Wind ist. Dieses Segel leistet locker 70% der Arbeit auf dem Boot. Das Großsegel brauche ich vor allem zum Aufkreuzen, also zum hart am Wind fahren. Zusammen mit der Genua kann ich gut hoch am Wind segeln, jedenfalls wenn beide Segel ordentlich dicht geknallt sind. Ansonsten tut es meistens, also bis halber Wind, auch die Genua alleine. Die paar Knotenbruchteile sind mir das Gerödel vorne am Mast nicht wert, was gleich zum nächsten Punkt führt, nämlich dem Setzen des Großsegels. Zum Setzen des Vorsegels kann ich im Cockpit bleiben. Einfach hart an den Wind steuern und das Segel komplett ausrollen, fertig. Beim Großsegel dagegen ist es leider nicht so einfach, denn alles muss vorne am Mast erledigt werden: Lösen der Strapse vom Segel, Anschäkeln des Großfalls am Top des Großsegels, Hochziehen und stramm setzen per Winsch.

segel_setzen

Dazu lasse ich das Boot unter Vorsegel und Autopilot hoch am Wind laufen. Den Baum lasse ich über die komplett offene Großschot im Wind pendeln. Erst dann kann das Großsegel hochgezogen werden. Viele Segler fahren grundsätzlich per Motor gegen den Wind und führen dieses Manöver aus. Ich halte es aber für wesentlich ruhiger, wenn man es unter Vorsegel und hart am Wind macht. Das geht erstens ohne Motor und zweitens ist es viel stabiler bei Wind und Welle. So lässt es sich dann auch sehr gut Reffen. Dazu wieder hart an den Wind gehen, Großschot im Cockpit öffnen, dann wieder vorne an den Mast spurten und das Segel verkleinern.

segel_gehisst

Generell ist es natürlich von Nachteil, vorne am Mast herumzuhüpfen, während das Boot durch die Wellen steigt. Aber man gewöhnt sich dran. Und außerdem ist eh immer wieder eine Hand nötig, um irgendwas Verklemmtes zu lösen. Dazu kommt, dass die Leinen nicht ins Cockpit umgeleitet sind und daher weniger Reibungswiderstand haben. Wann die Segelfläche verkleinert werden sollte, sagt einem die Pinne in der Hand. Wenn sie so dermaßen gegen die Handfläche drückt, dass man schon seine Hüfte zum Kurshalten benötigt, dann sollte gerefft werden. Statt Reffen geht auch Öffnen der Großschot, so dass der Wind mehr am Segel vorbei als hinein bläst. Das ist zwar unseglerisch, wenig effektiv und so weiter aber es wirkt sofort und spart einem den Gang aufs Vordeck. Den Traveller nach Lee schieben machen ich dagegen nicht mehr. Es zeigt kaum Auswirkung.

Ankern

Grundsätzliches zum Ankern habe ich ja schon in einem früheren Artikel beschrieben. Wie das Manöver selbst abläuft, auf einem kleinen Boot und einhand aus dem Cockpit heraus, das erklären die folgenden Punkte:

Zunächst fahre ich langsam (2-3 Knoten) in die Ankerbucht hinein. Wichtig sind die Ufer, an die man als Ankerlieger stoßen könnte. Ist schon wichtig zu wissen, ob der Grund steil abfällt oder eher seicht verläuft. Hier in Kroatien fällt das Ufer meistens steil ab, man ist also auch 5 Meter entfernt davon noch sicher. Danach erwarten einen allerdings schon direkt scharfkantige Steine.

Jetzt werden die anderen Ankerlieger und die Windrichtung gecheckt. Wo liegen die Anker und wie groß sind die Schwoikreise der Boote? Hat jemand eine Ankerboje ausgebracht? Werden irgendwo Landleinen verwendet? Haben die Leute Ankerkette (fast immer) oder Seil (fast nie) im Einsatz? Das sind wichtige Informationen, damit ich einschätzen kann, wie sich das Ankerfeld bei einer Winddrehung verhält.

anker_manöver

Habe ich mein Plätzchen gefunden, fahre ich mit dem Wind von hinten langsam in Position. Der Anker wird am Heck über die Reling gehievt und ich lasse erst die Kette, dann das Seil durch meine behandschuhten(!) Hände rattern. Das geht flott und ich kann den Anker punktgenau absetzen. Nach 10 m Kette und 20 m Seil belege ich die Ankerleine auf der Heckklampe und fahre mit eingekuppeltem Motor langsam vorwärts. Es muss während dem gesamten Manöver ein wenig Fahrt im Boot sein, sonst liegt die Kette/Leine eventuell nicht richtig auf dem Grund. Spannt sich jetzt das Seil und es tut sich nichts mehr, gehe ich auf Halbgas. Nach Peilung Richtung Festland und anderer Ankerlieger gehe ich vom Gas und schalte den Motor aus, fertig ist das Ankermanöver. Oft sieht man auch direkt den Meeresgrund und kann daran erkennen, ob man schon fest steht oder ob der Anker noch über den Grund zieht. Jetzt kann ich noch die Ankerleine nach vorne auf die Bugklampe führen, um so wie alle Boot im Wind zu hängen. Da ich immer genügend Leine übrig habe, kann ich dazu das lose Ende direkt am Bug befestigen und danach die Leine am Heck lösen, das Boot dreht sich automatisch mit dem Wind herum. Je nach Windrichtung und Sonnenstand lasse ich aber auch gern mal lieber frische Luft ins Cockpit, was ich dann habe, wenn die Heckklampe belegt bleibt.

rocna_anker_backskiste

So, nächster Morgen, der Anker soll wieder rauf. Eine elektrische Winsch habe ich nicht, also muss der Anker per Hand raufgezogen werden. Die ersten 20 m sind einfach, denn erst wenn die Kette bei 10-15 m vom Grund angehoben wird, fängt es an schwierig zu werden. Falls sich jetzt weder ein dicker Brocken Dreck, noch ein Fischernetz verhakt hat, lässt sich der 15 Kg Rocna Anker gut bergen. Hängt aber was dran, wird es haarig. Einmal hatte ich die Kette kurzstag hängen (senkrecht runter ins Wasser, so dass sich der Anker eigentlich lösen müsste) aber nichts ging mehr. Da half nur wieder Auslassen von 20 m Leine, dann Festsetzen der Leine an der Heckklampe und mit Fahrt voraus über den Anker fahren. Zum Glück hat das geklappt. Hatte mir schon am Vorabend den lokalen Bojenwärter warmgehalten für eine kleine Tauchtour runter zum Anker, hatte da so eine Vorahnung. Er meinte, er wäre nicht mehr im Training… aber 10 Meter gehen immer. Das hat meine eigenen Tauchleistungen (5,50 m) doch ein wenig zusammengestaucht. Aber hey, er lebt am Wasser, die Jungs können das. Ich lebe in der Großstadt und verstehe dafür frankfurter U-Bahnpläne, so hat jeder seins…
Das ganze Ankergeschirr landet übrigens direkt in der Backskiste. Dort liegt alles lose aufgehäuft drin und rollt sich auch ohne zu verheddern wieder ab, das ist die beste Lösung.
Wer das Ankermanöver so richtig 1000%ig auch in fremden Buchten und ohne Detailkarte hinkriegen will, sollte es so machen wie die beiden von der Morgan’s Cloud, sie nennen es „Precision Anchoring„.

Landleine ausbringen

Seit ich es mir zutraue, auch alleine eine Landleine vom Boot zum Ufer auszubringen, erschließen sich mir all die kleinen Buchten, in denen man nicht genug Raum zum frei vor Anker liegen hat. Hätte ich ein modernes Boot, so würde ich vorwärts ankern und dann rückwärts in Richtung Land fahren. Problem ist, dass sich mein Boot rückwärts kaum steuern lässt. Und geankert wird vom Cockpit. Also muss ich es so machen, wie oben schon beschrieben. Wichtig ist nur die Windrichtung, ich muss mir die Seite der Bucht aussuchen, auf welche der Wind bläst, muss also bewusst auf „Legerwall“, wie es der Segler nennt, ankern, was man sonst eher vermeiden sollte. So kann ich, nachdem der Anker gegriffen hat, langsam wieder mehr Ankerleine ausgeben und mich bis auf etwa eine Bootslänge dem Ufer nähern. Dann wird es etwas hektisch: ich klettere ins Wasser, schwimme vor zum Bug und schnappe mir dort die sauber vorbereitete Leine. Es hängen noch 3 m Kette dran, die werfe ich mir als Schlaufe sehr baywatchmäßig über die Schulter und schwimme damit zum Ufer. Wenn sich jetzt der Wind dreht, das Boot wegtreibt oder sich die Leine an Deck irgendwo verhakt während ich schwimme, kann ich alles von vorne machen. Aber sobald ich festen Boden unter den Füßen habe, lässt sich das Boot gut halten und ziehen. Ich suche mir einen geeigneten Felsbrocken, lege die Kette mit der angeschäkelten Leine drüber und gut ist. Zurück am Boot kann ich jetzt durch Nachgeben oder Einholen der beiden Leinen bestimmen, wie weit weg ich vom Ufer liegen möchte. Zugegeben, in eine enge Lücke zwischen zwei Booten komme ich so nicht rein. Aber für die meisten Fälle reicht es. Denn wer will beim Ankern schon dicht an dicht neben anderen schwitzenden Leuten liegen?

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Anlegen im Hafen

Das Anlegen in der Marina halte ich für das schwierigste Manöver, denn es droht immer eine große Unbekannte: ist die Kaimauer bzw. der Steg aus Holz (gut, weil weich) oder aus Stein (schlecht, weil härter als Gfk)? Der Knackpunkt ist nämlich, beim Näherkommen die richtige Geschwindigkeit zu finden. Bin ich zu schnell, z.B. wegen Rückenwind oder nervöser Hand am Gashebel, so küsst der Bug die Kaimauer. Bin ich zu langsam, schaffe ich nicht den Sprung an Land und das Boot vertreibt unkontrollierbar. Sobald die Fahrt aus dem Boot raus ist, kann ich kaum noch eingreifen, da meine Schraube das Ruder nicht anströmt. Ein wenig Radeffekt geht noch, das war’s aber dann. Ich habe also exakt einen Versuch und der muss sitzen. Wichtig ist also zunächst mal, eine Festmacherleine an Land zu bringen, der Rest wird sich schon finden. Man kann sich einen Platz direkt neben einem dicken Pott raussuchen, an dem lässt es sich gut nach vorne hangeln. Hat man erstmal die Muring in der Hand, folgt nur noch die Kür, nämlich wieder das Austarieren der Entfernung zum Steg. Meistens wird einem von Marineros geholfen, sie nehmen die Landleine entgegen und reichen die Muringleine fürs Heck. Außer, man fährt in die ultrateure ACI-Marina in Korcula. Dort schauen die Marineros bewußt weg und kümmern sich lieber um die fetten Luxusyachten, vielleicht in der Hoffnung auf ein Trinkgeld, was es bei mir natürlich nicht zu holen gibt.

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Das Ablegen geht dann wesentlich einfacher von statten. Ich löse immer (egal ob Wind von vorne oder hinten) zunächst die beiden vorderen Landleinen. Danach die hintere Muring, habe meist nur eine belegt. An der ziehe ich mich noch ein wenig raus in die Boxengasse, während die Pinne hoffentlich richtig herum liegt und mich somit in Rückwärtsfahrt in die richtige Richtung dreht. Bei viel Wind ist das alles graue Theorie, denn hier gewinnt immer einer: der Wind. Damit muss man sich halt arrangieren. Das Boot ist aber leicht irgendwo abzustoßen und somit per Hand auszurichten. Man muss also kein Könner am Gashebel sein, um den Weg aus der Marina zu finden. Ein Händchen und ein Köpfchen sind ausreichend.

Segeln auf der Adria 17: Der Cobb Grill im Einsatz

Es gibt ja Menschen, die alles Neue zunächst einmal niedermachen, bevor sie den Nutzen erkennen. Das ist so bei jeder neuen Generation von Ankern (Stockanker zu CQR, CQR zu Bügel, Bügel zu Rocna/Spade, usw.) und sogar bei einem simplen Grill verhält es sich so. Der mittlerweile in Seglerkreisen recht bekannte Hamburger Stephan mit seinem Boot „Digger“ ist so ein Mensch, der in dieses Schema passt. Neulich hat er einen sehr amüsant zu lesenden, aber doch etwas cobblosen Beitrag darüber geschrieben, wie unsinnig der vor einer Weile auf den Markt gekommene Grill der Firma Cobb ist. Da ich selber einen habe, muss ich hier mal eine inoffizielle Gegendarstellung schreiben, für die ich leider nicht bezahlt werde.

cobb_grill_schale

Kurz zum Grill: es handelt sich im Prinzip um ein Schale-in-Schale System. Nur die innere Schale mit dem Brikett und dem Grillgut wird heiß. Außenrum wird es höchstens handwarm, da hier ein Drahtgeflecht und genügend Abstand zur Grillkammer keine hohen Temperaturen aufkommen lässt. Auch untenrum wird nichts warm, man kann den Grill also herumtragen, während er noch glüht. Lediglich nach oben weg wird es heiß, logisch. Auch an der Abdeckglocke kann man sich verbrennen. Aber das soll ja so sein, kalt grillen geht halt nicht. Für mich war vor allem ein Argument ausschlaggebend: ich will auf dem Boot grillen können! Und dafür brauche ich einen sicheren Grill, von dem keine Gefahr für mein Plastikbootchen ausgeht. Zugegeben, ein Cobb Grill ist schweineteuer. Aber wer das einmal mit den Preisen für einen Weber Grill vergleicht, die in meinen Augen viel einfacher gestrickt ist, wird sehen, dass der auch nicht billiger ist. Natürlich möchte die Firma Cobb noch diverses mehr oder weniger sinnvolle Zubehör an den Mann bringen. Aber das sei ihnen gegönnt, muss man ja nicht kaufen. Der Standardgrill tut es absolut.

cobb_grill_huhn

Man kann den Grill mit ganz normaler Holzkohle befeuern, die allerdings wenig Platz im Brennraum findet. Daher wird empfohlen, entweder standard Pressbriketts zu verwenden oder gleich das hauseigene Brikett mit integriertem Anzünder zu nehmen. Die Cobb-Bricketts sind – natürlich – sauteuer aber ungemein praktisch. Man zündet den Klumpen an einer Stelle mit dem Feuerzeug an oder legt bei viel Wind einen Grillanzünder darunter. Daraufhin startet im Brikett eine sonnenfusionsähnliche Kettenreaktion und nach viel Gespratzel, Rauch und Feuerwerk glüht der kleine Reaktor für die nächsten 2 Stunden rauchlos vor sich hin. Der Vergleich mit der Atomkraft kommt nicht von ungefähr… ich wüsste ehrlich gesagt nicht, wie man dieses Teil vorzeitig auskriegen soll. Zum Auseinanderziehen ist da nichts. Meine Lösung lautet: Rohrzange ausgepackt und den Kohlekorb über Bord gekippt, feddich! Das spratzelt dann nochmal so richtig schön im Wasser, aber dann ist wirklich Ende Gelände.

Mit einer Sache war ich nicht zufrieden, und das bemängelt der Stephan zu Recht: das Grillgut wird nur sehr schwer geröstet, also braun, dunkel, meinetwegen auch verbrannt, gegrillt eben. Die mit Teflon beschichtete Edelstahlplatte ist in meinen Augen zu dick und frisst zu viel von der kostbaren Hitze. Zwar ist sie mit vielen kleinen Löchern perforiert, aber das hilft recht wenig, da diese nur am äußersten Rand vorhanden sind. Also habe ich für dieses Jahr einige größere Löcher in die Mitte gebohrt und siehe da: es grillt doch! Jetzt habe ich eine Grillplatte mit zwei Temperaturzonen. In der Mitte böllert die Hitze das Grillgut im Nu kross und an den Rändern kann ich es sanft weiter erhitzen oder warm halten. Direkt um die Kohleschale herum ist eine größere Rinne, in die man Wasser mit Gewürzen, Bier oder sonstwas kippen kann. Da drauf lege ich ein paar halbierte Kartoffeln, Zwiebeln und anderes Gemüse. Das kann schon mal in aller Ruhe garen, während ich mich um die obere Etage mit dem Fleisch kümmere.

Als Fazit kann ich dem Grill persönlich fast nur Bestnoten geben. Aber würde ich ihn nicht auf dem Boot gebrauchen… ich würde mir wohl etwas Billigeres anschaffen. Mer habbet jo nix zu verschenke.

cobb_grill_brickett

Segeln auf der Adria 16: Ick hör da was!

An sehr windstillen Tagen (oder fast immer vormittags…) sitze ich ja bekanntlich gern vorne auf dem Sonnendeck. Da hört man den Motor nicht so sehr und außerdem spendet das zusammengeknäulte Segel etwas Schatten. Da sitzt man also so herum und dann plötzlich: was ist das?! Klingelt hier nicht mein Handy im Innenraum? Schnell hin, doch Fehlalarm. Das nächste Mal ist mir, als ob hinten am Heck jemand flüstert. Oder vorne am Bug. Es ist das hochfrequente Zischeln des Wassers, das diese Illusion auslöst. Das arbeitslose Hirn des Seglers fängt dann von ganz alleine an, daraus irgend etwas sinnvolles zu machen. In den Berichten von Leuten, die über den Atlantik gesegelt sind ist hiervon immer viel zu lesen. Besonders während der Nachtwache, wenn man so richtig schön müde und das Hirn im Leerlauf ist, scheint dieses Phänomen aufzutreten.

kielwasser

Und dann gibt es da noch diese riesige Vielfalt anderer Geräusche, die ein Boot so von sich geben kann. Tagsüber fallen sie kaum auf. Aber wehe, nachtsüber fängt der Wind an zu Pfeifen! Dann erst registriert man jedes Klappern, jedes Schlagen von Leinen am Mast, das Knirschen der Festmacher oder das Quietschen der Fender an der Bordwand. Irgendwann hat man es dann gelernt, die nervigsten Geräusche durch den geschickten Einsatz von Bändseln zu bändigen. Den Rest muss man eben hinnehmen. Solange man in etwa weiß, was das Geräusch verursacht, ist es nur noch halb so schlimm. Weiß man es nicht, sollte man zumindest einmal Nachsehen gehen. Vielleicht scheuert sich ja gerade in aller Seelenruhe die Ankerleine durch.

Was einen so richtig auf die Palme bringen kann, sind unbekannte Geräusche, die sich mit jeder Wellenbewegung wiederholen. Toc, toc, toc… dann steht man auf und findet mit etwas Glück die Flasche im hintersten Winkel des Schranks, die ihre 5 Zentimeter Bewegungsspielraum genüsslich ausnutzt, um durch Hin- und Herrollen dieses penetrante Geräusch zu produzieren.

boje

Ein ganz anderes, noch viel lauteres Geräusch produzieren arbeitslose Festmachebojen morgens um 3 Uhr bei Windstille. Sie klopfen mit einem herzerweichenden, ohrenbetäubenden TOC, TOC, TOC an die Bordwand und wollen reingelassen werden. Für dieses Problem, das große Schiffe kaum kennen, da sie sogar die größeren Bojen an ihrer Bordwand fixieren können, habe ich noch keine wirkliche Lösung gefunden. Abfendern und Festzurren führt ein paar Stunden später bloß zu einem Gordischen Knoten und der Bojenhaken findet trotzdem seinen Weg an die Bordwand.

Segeln auf der Adria 15: Delfine für den Samariter

Zwischen Hvar und Brac lag ich wie so oft vormittags auf dem Kajütdach und döste die windlose Zeit zwischen 11 und 14 Uhr hinweg. Da schnaufte es auf einmal neben mir. Ein Schnorchler, kein Problem. Moment mal, bißchen tief hier zum Schnorcheln! Siehe da: ein Delfin leistet mir Gesellschaft. Er taucht noch einmal ab und kommt dann unter Wasser längsseits. Er dreht sich etwas um die eigene Längsachse, so dass er mir besser in die Augen sehen kann. Dann schlägt er kurz mit der Schwanzflosse und weg ist er wieder. Gemeinsam mit seinem Partner verschwindet er am Horizont. Waren das die selben Kollegen, wie schon vor ein paar Wochen in der Gegend von Sibenik? Egal. Irgendwie schon sehr beeindruckend, diese großen Tiere. 2 Meter war der Kollege bestimmt lang. Wäre ich just in diesem Moment ins Wasser gefallen… sie hätten mich bestimmt Huckepack genommen und im nächsten Hafen abgesetzt. Oder totgestupst und aufgefressen.

rent_a_boat_abschlepp

Es gibt in Kroatien an so ziemlich jedem Strand oder Hafen die Möglichkeit, kleine Boote mit Außenbordmotor zu mieten. Diese Rent-a-Boat Boote fahren dann tagsüber durch die Gegend und man sollte sich in eigenem Interesse von ihnen fernhalten. Denn die Menschen darin haben normalerweise wenig Ahnung von Vorfahrtsregeln und anderem Kleinkram. Zwischen Brac und dem Festland traf ich wenig später auf ein solches Exemplar. Ich stelle mir immer die Frage, ob es besser ist, davor oder hinter so einem Boot zu passieren. Wird geangelt, sollte man davor passieren. Sind sie in Fahrt, lieber dahinter. Diese hier lagen still. Da ich ja ein diskreter Mensch bin und es respektiere, wenn zwei andere Menschen auf dem offenen Meer ein wenig Zweisamkeit genießen möchten, wollte ich gerade zu einem großen Bogen ansetzen. Da registrierte ich ein Winken, dass zu intensiv ausfiel, als einfach nur nett gemeint zu sein. Also flott den Piloten ausgehängt und mal rangefahren. Wie sich herausstellte, ging der Motor nicht mehr. Na gut, rechtschaffender Samariter, der man ist, schleppt man solche Leute natürlich ab. Kurz erkundigt, woher sie eigentlich kommen (so genau wussten sie es nicht, aber wir konnten uns auf das Kaff Brela an der Festlandseite einigen) und auf ging es. Während der Fahrt kam dem Kollegen wohl die Idee, mal die Rent-a-Boat Firma anzurufen. Nach einer halben Stunde näherte sich dann ein Mitarbeiter mit einem Ersatzmotor im Schlepp. Damit war das Abschleppabenteuer für mich auch erstmal erledigt. Eigentlich schade, denn während ich noch überlegte, wie ich wohl meinen Abschlepplohn in Form von gutem Wein, Bargeld, Ländereien und sexy Konkubinen abfeiern soll, löste sich diese Fantasie auch schon wieder in Luft auf. Aber was zählt ist ja der gute Wille – dieses Sankt Martin’eske Gefühl sollte mich noch den ganzen Tag verfolgen.

rent_a_boat_tow

Segeln auf der Adria 14: Über das Ankern

Die schönsten Buchten sind die, wo niemand sonst ist. Außer mir. Das heißt, dort ist kein Hafen, kein Bojenfeld, kein noch so winziges Dorf mit überdimensionierter Anlegestelle für die Schnellfähre – einfach nur ein schöner Platz zum Verweilen. Und genau hier kommt der eigene Anker zum Einsatz! Im Unterschied zu den Segelrevieren in nördlichen Gefilden gehört das Ankern im Mittelmeer zur normalsten Sache der Welt. Es eröffnet einem nicht nur ruhige Buchten und mehr Rückzugsmöglichkeiten bei schlechtem Wetter, es ist auch schlicht und ergreifend kostenlos, sofern man sich von Bojenfeldern fern hält.

vor_anker_sonnenuntergang

Was braucht man jetzt, um mit ruhigem Gewissen vor Anker liegen zu können, auch wenn der Wind einmal auffrischt? Einen guten Anker natürlich. Und zwar nicht so Dinger, wie man sie von früher her kennt, sogenannte Stock- oder Admiralitätsanker, von der Sorte, wie Matrosen sie als Tätowierung tragen. Sie halten zwar auch gut, aber sie müssen unheimlich schwer sein, um ihre Vorteile ausspielen zu können. 80 Kg und aufwärts, damit sie sich in wirklich jeden Untergrund hineinkrallen können. Es gibt tatsächlich noch Segler, die solche Teile spazieren fahren, erst neulich wieder auf einem winzigen 24 Fuß Boot gesehen: Vadder beschließt, den Zweitanker wegen viel Wind auszubringen. Und was kommt zum Zug? Der nutzlose Stockanker im Miniaturformat. Aber gut, bei leichten Booten würde es zur Not auch eine ausrangierte Kloschüssel tun (viel zitiertes Gerücht über ankernde Schweden…). Abgesehen von Leuten, die sich nicht von altem Krempel trennen können, gibt es auch noch die wirklich harten Jungs, die solche Anker in extremen Revieren, wie z.B. der Arktis verwenden. Dort macht das wohl Sinn, ist aber für den Otto-Normal-Segler mal eher irrelevant.

Für normale Sportboot-Skipper kommen solche Ankermodelle also nicht in Frage und sie sind auch nicht nötig. Clevere Ingenieure haben sich schon längst etwas Neues einfallen lassen. Ich überspringe jetzt mal elegant 60 Jahre Ankerentwicklung, damit das hier nicht ausartet. Wer will, der kann das bei Wikipedia ausführlicher nachlesen. Am aktuellen Ende der Entwicklung stehen jedenfalls Anker, die aufgrund ihrer ausgefuchsten Bauform greifen und halten. Je nach Konzept graben sie sich wie ein Pflug oder wie ein konkaver Spatel in den Boden ein. Der Pflugscharanker ist mittlerweile auch schon wieder überholt, denn er pflügt bei viel Wind und Zuglast über den Boden, was man ja eigentlich verhindern möchte. So bleiben nur noch die Spatelförmigen Anker übrig, wenn wir von Allroundankern sprechen und nicht von solchen, die z.B. nur auf Sand gut halten wie der Plattenanker. Hier hat sich der Deutsche Rolf Kaczirek hervorgetan, der schon vor 20 Jahren den mittlerweile weltbekannten „German Bügel Anker“ erfunden hat. Über ihn wird viel Positives aber auch Negatives berichtet. Letztendlich lieferte er jedoch die Steilvorlage für den tatsächlich außergewöhnlich gut haltenden Rocna Anker. Dank des Überrollbügels fällt dieser Anker am Meeresboden von selbst in die beste Position, so dass er sich mit seinem spitzen Spatel sofort eingraben kann. Das Eingraben passiert bei Zug umgehend, in weichem Grund aber auch von allein. Der vorhandene Winddruck reicht oft aus, damit er sich nach einer Weile gesetzt hat. Die Hälfte der Yachten im Mittelmeer fährt so einen Bügelanker spazieren und diejenigen mit Rocna oder Spade Version (hat keinen Überrollbügel, funktioniert aber ähnlich) werden mehr und mehr. Der Rocna Anker unterscheidet sich in sofern vom Bügelanker, als dass er eine größere Schaufelfläche hat und außerdem konkav geformt ist. So setzt er auf Zug dem Boden mehr Widerstand entgegen als der relativ schmal gebaute Bügelanker. Das und ein paar weitere kaum sichtbare Unterschiede sorgen dafür, dass dieser Anker genau dort greift, wo er fallen gelassen wurde. Ich kann das nach vielen Wochen des Einsatzes nur bestätigen. Weiter als vielleicht 2 Meter schleift er nicht über den Grund, es ist beim Abtauchen schlicht keine Schleifspur zu sehen. Er greift und hält, fertig aus. Wie es bei Sturm ist kann ich nicht beurteilen, aber Böen bis zu Stärke 7 Beaufort bei seitlicher Belastung hat mein Anker problemlos ausgehalten. Ich muss dazu sagen, dass er überdimensioniert ist. Für mein 27 Fuß 3 Tonnen Boot habe ich mich für die gerade noch per Hand zu bedienende Version mit 15 Kg entschieden. Reichen würde der nächst kleinere Anker mit 11 Kilogramm, da bin ich mir mittlerweile sicher. Ihn mitsamt Kette und Dreckbatzen dran raufzuholen grenzt oft an einen Kraftakt, da habe ich mal gut und gerne 30 Kg am Haken (15 Kg Anker + 8 Kg 10 m Kette + X Kilo Dreck). Hängt dann noch ein altes Fischnetz dran, fehlt nicht mehr viel und man muss ihn liegen lassen… Da ich keine elektrische Ankerwinsch habe, müssen es die Armmuckis alleine reißen. Und denen sind eben auch Grenzen gesetzt.

rocna_anker

Jedenfalls, bei klarem Wasser kann man sich einen schönen sandigen Fleck aussuchen und den Anker punktgenau darauf landen lassen. Man kann darauf vertrauen, dass er später genau dort im Sand eingebuddelt zu finden ist. Es ist wirklich faszinierend zu beobachten, besonders wenn ich an die Ankerorgien damals auf Charterbooten mit schlechten Ankern zurück denke. Ich finde, die Charterfirmen würden sich selbst und auch ihren Kunden das Leben erheblich leichter machen, wenn sie in ordentliche, moderne Anker investieren würden. Und damit meine ich konkret Rocna, Spade oder eben wenigstens Bügel. Delta oder Kobra wäre auch Ok, alles besser als die immer noch oft zu sehenden Pflugschar und Bruce Anker.

klares_wasser

Natürlich spielt auch das Gewicht des Ankers eine Rolle. Aber es ist vor allem die Form der Fläche, die den Zug aushalten soll, wenn der Anker erst einmal eingegraben ist. Das Gewicht macht sich dagegen beim Eingrabevorgang bemerkbar. Ein schwerer Anker beißt sich noch durch Seegras hindurch, wo ein leichter Anker einfach drüber hinweg rutscht. Aus diesem Grund habe ich mich auch für das überdimensionierte 15 Kg Modell entschieden. Ich habe einfach keine Lust, nachts um halb 3 bei auffrischendem Wind zu spekulieren, ob der Anker jetzt wirklich gegriffen hat, oder ob er „nur so tut als ob“. Es schläft sich einfach besser mit mehr Kilos unter dem Kiel.

Alles, was ich hier so über den Rocna Anker schreibe, trifft sicherlich auch auf den Spade Anker zu. Er ist allerdings so abartig teuer, dass er bei mir leider durchs Raster fiel. Reichere Segler als ich haben aber netterweise das Testen übernommen und kommen zu dem Schluss, dass sie nichts anderes mehr brauchen. Siehe hier die Seite Morgans’s Cloud, die auch ansonsten sehr lesenswert ist. Alleine die Kommentare zu den Artikeln sind eine Fundgrube für sich, da allesamt von erfahrenen Seglern geschrieben und proppevoll mit Know How.
(Nachtrag: die Inhalte auf der genannten Seite sind jetzt leider kostenpflichtig geworden)

Außer einem Anker benötigt man noch Kette und/oder Leine, um das Boot mit ihm zu verbinden. In älteren Lehrbüchern (und erschreckenderweise auch in aktuellen!) findet man die Aussage, dass eine Länge der Kette von der 3-fachen Wassertiefe ausreichend sei. Nach aktuellem Wissen ist das jedoch viel zu wenig. Man sollte das 5-fache und bei ordentlichen Winden auch gerne das 7 bis x-fache stecken. Je länger das Seil/die Kette, desto flacher der Zugwinkel auf den Anker. Und das ist es, was ihn entweder immer tiefer eingräbt oder ausbrechen lässt. Leider haben viele Skipper von diesen Regeln noch nie etwas gehört. Sie lassen einfach einen unkontrolliert ausgerauschten Kettenberg auf den Meeresgrund herab, reißen sich dann die Klamotten vom Leib und springen ins Wasser. Argh! So jemand neben mir und der Abend ist gelaufen. Was passiert wohl beim nächsten kräftigen Winddreher? Er liegt weit entfernt von seinem genialen Ankermanöver und treibt fröhlich im Schwojkreis diverser anderer Yachten herum. Nur dass er von meinen 3 Tonnen nachts noch nichtmal geweckt werden würde, wenn er ein Charterdickschiff von um die 50 Fuß fährt, wie es mittlerweile gang und gäbe ist.

Um auf die Kettenlänge zurück zu kommen: das 3-fache der Wassertiefe wäre bei manchem Skipper schon eine gewaltige Verbesserung der Lage! Aber wie schon gesagt lassen sie oft einfach die Hälfte ihrer Kette (also 20 Meter) auf einen Haufen ausrauschen und harren der Dinge, die da kommen mögen. Ich hoffe dann immer, dass sie der Wind mitsamt ihrem gordischen Kettenknoten weit raus oder zumindest in Richtung der anderen Ankerlieger treibt.

adria_zelda_2013_ (530) ankern rocna

Ich selbst habe eine 6 mm starke Edelstahlkette an den Anker geschäkelt. Dann kommen 45 Meter Polyesterleine in 14 mm Dicke. Habe schon überlegt, eine 8 mm Kette zu verwenden, dort würde auch der schöne große Schäkel durchpassen, den ich liebend gerne mal irgendwo verwenden würde. Mein jetziger 6 mm Schäkel stellt ganz klar den Schwachpunkt des Ankergeschirrs dar. Die Leine verträgt um einiges mehr an Belastung, als es die Kette könnte, ganz zu schweigen vom Schäkel. Zum Thema Kette gibt es hier wieder Unmengen an Infos.

Die Kombination von Kette und Seil ist heute jedenfalls Stand der Technik. Zwar nicht wie bei mir, mit einem relativ kurzen Kettenvorläufer und dann einer langen Leine, sondern eigentlich umgekehrt. Aber so viel Kette möchte ich in meinem kleinen Boot einfach nicht spazieren fahren. Zumal ich das ganze Geraffel von Hand ausbringe und einhole, was mit Kette um einiges schwieriger ist. Viele Skipper sind aber immer noch der Ansicht, dass 100% Kette das einzig Wahre sind. Auch würde sie aufgrund ihres Eigengewichts dämpfend wirken und ein Einrucken des Ankers verhindern. Das ist mittlerweile widerlegt, eine Kette unter Vollast (bei Windstärken, die die wenigsten von uns je erleben) ist fast so steif wie eine Eisenstange. Lediglich bei wenig Wind wirkt sie dämpfend. Aber dann braucht man die Dämpfung auch nicht. Ein modernes Seil behält dagegen seine Elastizität auch unter Vollast. Wieviel Spiel hier möglich ist merkt man schon, wenn man sich einen Meter Leine schnappt und einmal mit aller Kraft daran zieht: es geht einiges. Und diese Federwirkung bewahrt den Anker davor, durch einen kräftigen Ruck aus dem Boden gerissen zu werden.

In einer normal überfüllten Mittelmeerbucht zeigt das Seil dann leider seinen großen Nachteil: der Schwojkreis des Boots ist um einiges größer als der von Yachten mit Kette. Zwar ist es eine Illusion, aus der auch die Ketten-Skipper aufwachen werden, wenn es mehr Wind gibt. Denn spätestens dann werden sie nicht mehr um ihre senkrecht nach unten zeigende Kette schwojen sondern um den Anker und damit Leben ins Ankerfeld bringen. Aber wann gibt es schonmal so viel Wind, dass das passiert? Eben. Das Seil fällt also flacher herab zum Anker als es eine Kette tut, und mehr als einmal fröstelte es mir, als wieder so ein 20 Tonnen Pott knapp an mir vorbeifuhr und mir um ein Haar die Ankerleine mitgenommen hätte.

Segeln auf der Adria 13: Urlaub im Urlaub vom Urlaub

Meine Kühlbox überzeugte mich heute davon, mal einen Tag Urlaub vom Segeln zu nehmen. Letzte Nacht lag ich in der unglaublich teuren Marina von Korcula (57 Euro für meine 8,20 Meter!) und dort lief die Kompressorkühlbox überaus effektiv am Landstrom. Nachdem ich sie randvoll mit den Herren Karlovacko und Ozujsko geladen und danach vergessen hatte, die Temperatur auf etwas höher als -18°C einzustellen, präsentierte sie mir am nächsten Nachmittag pünktlich zur traditionellen Kaffeetrinkzeit um 16 Uhr eine tiefgefrorene Milch. In diesem Moment wusste ich: die Box ist jetzt so kalt, da kann ich getrost noch einen weiteren Tag hier in der Bucht vor Anker liegen bleiben, da muss der Motor nicht laufen. Wind ist auch keiner angesagt und Zeit habe ich im Überfluss, warum also nicht einfach hier bleiben?

karlovacko_bier

Zumal diese Bucht ein geniales Fleckchen Erde, bzw. Wasser ist. Gut geschützt nach allen Seiten, einige Restaurants für wer sie braucht und an vielen Stellen eine passable Ankertiefe. Herr Beständig, der Herausgeber des Führers für dieses Revier, mosert zwar ein wenig über den nicht so tollen Boden, in den sich der Anker nicht so recht eingraben will. Aber das ist alles relativ, denn 50 Meter weiter sieht die Sache schon wieder ganz anders aus und nach dem zweiten Anlauf sitzt der Anker. Es gibt mitten in der Bucht eine recht flache Stelle (2-4 Meter), welche im Handbuch nicht zu erkennen ist und die sich sehr gut zum Ankern eignet. Und so kann ich nachmittags immer wieder bewundern, wie eine Yacht nach der anderen einen bestimmten Zipfel der Bucht anläuft, der im Handbuch erwähnt ist und der selbstverständlich schon hoffnungslos überfüllt ist. Alle folgen nun einmal blind dem Führer, so ist das halt bei uns Deutschen, Österreichern und Italienern. 5 Euro ins Phrasenschwein, ich weiß…

Es ist leider kein Klischee, sondern tatsächlich so, dass die wenigsten Skipper einmal quer durch die Bucht fahren und nach guten Ankerplätzen Ausschau halten. Der Herdentrieb siegt, und so schmiegen sie sich lieber dicht an dicht in den engsten Stellen aneinander, als einmal mit offenen Augen und Blick auf das Echolot durch die Bucht zu fahren.

Jedenfalls, für morgen steht Urlaub vom Urlaub im Kalender, denn schon Neptun sagte: „An einem Tag in der Woche sollst du rasten. Such ihn dir selber aus!“. Poseidon sagt das auch, je nachdem, ob man eher den Römern oder den Griechen anhängt. „Rasmus“, wie er von den Nord- und Ostseeseglern genannt wird, heisst er hier jedenfalls nicht. Und er möchte auch keinen Kümmel, Aquavit oder ähnliches über sich geschüttet bekommen. Wenn schon, dann bitte Raki oder Ouzo. Wie eng der Anis jetzt mit dem Kümmelgewächs verwandt ist, das überlasse ich mal den Botanikern.

Segeln auf der Adria 12: Das ewige Bratpfannenlicht

Vor kurzem noch schrieb ich, dass ölbetriebene Sturmlaternen das Nonplusultra als Ankerlicht sind. Das sind sie auch, keine Frage. Nur mit einer Sache habe ich nicht gerechnet: dass die Kroaten gar kein Lampenöl verkaufen! Zwischen Istrien und Split habe ich die Supermärkte abgeklappert, aber ohne Erfolg. Auch Tankstellen führen das Zeug nicht. Also was tun? Die Lösung lautet „Grablichter“. Die Kroaten haben scheinbar eine morbide Schwäche für Grablichter in allen Größen, es gibt nicht nur diese winzigen Dinger wie bei uns. Es gibt sie hier überall zu kaufen und sie haben eine Größe bis, sagen wir mal, 1-Liter-Milchkartongröße. Also ganz ordentlich.

grablicht_ankerlicht

So eine Kerze hält etwa genauso lange wie die Öllaterne mit einer Füllung. Leider ist sie nicht so hell und auch nicht so sicher. Kerze bleibt Kerze. Also mache ich abends vor dem Schlafengehen folgendes: erstmal den halbdurchlässigen Sonnenschutz über das Cockpit ziehen, falls noch nicht geschehen. Danach wird die Kerze in einer Pfanne in die Mitte des Cockpits gestellt, so dass sie genau nach oben strahlt. Bei Geschaukel kann nichts passieren und das Geflecht des Sonnenschutzes verteilt das Kerzenlicht gut sichtbar von innen und aussen. Ok, das ganze ist natürlich nicht über 3 Seemeilen hinweg zu sehen. Aber Boote, die in die Bucht einlaufen und eh auf der Hut sind, die sehen das. Zugegeben, alles nicht optimal aber besser als nichts. Und besoffene Heimkehrer im Dinghi bewahre ich so wenigstens vor einer unschönen Kollision mit meiner Zelda.

Segeln auf der Adria 11: Kroatisch Essen

Böse Zungen behaupten ja über die kroatische Küche, dort würde eh nur alles auf den Grill geknallt und der arme Tourist darf das verbrannte Kohlebrikett dann hinterher noch teuer bezahlen. Ganz so ist das natürlich nicht (immer), aber der Grill hat hier definitiv einen hohen Stand. Und zwar nicht nur in den Konobas für Touristen, sondern auch bei den Einheimischen selber. Bei fast niemandem fehlt es an einer zünftigen Feuerstelle auf dem Grundstück und damit meine ich hier nicht den Garten-Eckplatz für den Weber-Grill, sondern die gemauerte 10 qm Grillhütte. Ein echter Kroate hat möglichst folgendes im Garten:

Feuerstelle mit Drehspieß

Eine offene oder per Blechverschlag zu schließende Feuerstelle. Hier dreht sich der Spieß, auf den man nach belieben Lamm, Spanferkel oder Geflügel schnallen kann. Der Wirt eines Lokals schwärmte uns einmal vor, sein Lamm sei so zart und klein, es hätte vielleicht ein Drittel der Größe eines deutschen Lamms… Es käme also gleich nach der Geburt auf den Grill, ergänzte ich im Stillen. Also, Ethik hin oder her, es war tatsächlich ein Gedicht und zerfiel förmlich am Gaumen (das war im Restaurant der ACI-Marina auf der Insel Rab, absolut empfehlenswert).

spanferkel_spiess

Großer Rost

Statt Drehspieß muss auch Platz für einen Rost über dem Feuer sein. So groß, dass hier das Fleisch und die Gemüsebeilage gleichzeitig draufpassen. Am besten mit Flaschenzug aus Edelstahlkette, damit das Grillgut optimal eingestellt werden kann.

grillrost_feuer_kroatien

Peka oder feuerfeste Töpfe

Ein Tontopf, der in die Asche oder direkt ins Feuer gestellt wird: Peka (der/die/das?). Er besitzt eine Grundplatte, auf der das Gargut liegt. Obendrauf wird ein konusförmiger Hut, ebenfalls aus Ton, gestülpt. Leider habe ich noch kein Bild, welches das besser verdeutlichen könnte. Die verdampfte Feuchtigkeit sammelt sich durch Kondensation wieder unten am Boden und hält so das Fleisch wunderbar saftig. Gartöpfe dieser Art gibt es in vielen Kulturen, mit Variationen. Bei uns ist es der Römertopf, bei den Amerikanern der „Dutch Oven“ bzw. der „Potje“. Diese Teile eigenen sich auch noch prima als Mini-Backofen, man kann durch Auflegen von Glut die gewünschte Unter- oder Oberhitze erreichen.

Es landet natürlich nicht nur Fleisch auf dem Feuer, um den berüchtigten Jugoslawischen Grillteller zu füllen. Der übrigens gar nicht so staubtrocken ist, wenn man ihn hier im Lande bestellt. Genauso findet man Oktopus und Fische jeglicher Sorte auf den Grillrosten. Besonders der Tintenfisch mit seinen Tentakeln so dick wie ein Kinderarm hatte es mir angetan. Zart gekocht und mit leichtem Raucharoma einfach ein Gedicht! Bin aber auch familiär vorbelastet, was Tentakel angeht. Als kleine Kinder im Italienurlaub schlürften mein Bruder und ich schon früh in Öl eingelegte Tentakel, die länger als unsere Unterarme waren. Alles fotografisch vom Vadder dokumentiert…

oktopus_tintenfisch_pulpo

Bei Spanferkel und Lamm vom Grill kann es schon einmal vorkommen, dass auf dem servierten Teller nachher Stücke liegen, die dem „Fleisch-nur-im-Supermarkt-Käufer“ fremd sind. Vielleicht hängt auch mal etwas mehr Fett dran, als einem lieb ist. Aber so isses nun mal, wer das nicht abkann, sollte sich lieber ein frittiertes „Irgendwas-mit-Zitrone-am-Tellerrand“ bestellen.

Als Beilage wird meistens eine Auswahl von typisch mediterranem Gemüse mit in den Grilltopf geworfen: Zucchini, Aubergine, Mangold. Gerade Mangold steht manchmal so hoch im Kurs, dass es sonst nicht anderes gibt. Das ist etwas schade, denn so doll schmeckt er nun auch wieder nicht, da können ihn die Wirte noch so sehr in Knoblauch ertränken. Dann schon lieber den zarteren Chinakohl oder noch besser gleich Bok-Choy, den man nur vom Dampf küssen lassen muss, um eine zarte Gemüsebeilage zu haben! Die Asiaten wissen das, wann spricht es sich auch endlich in Europa herum?

grillfisch

Das war jetzt mehr oder weniger die Grill-Ecke. Wie gesagt ist gebratener Fisch ein Klassiker. Er kommt nicht immer vom Grill, sondern auch oft aus der Pfanne, da man ihn hier besser kontrollieren kann, um das eingangs erwähnte Kohlebrikett zu vermeiden. In Restaurants wird zwischen Fisch verschiedenwertiger Klassen unterschieden. Der teure kostet dann gerne mal 400 Kuna das Kilo (52 solide Euro, dafür bekommt man teilweise schon Hummer!) und der billigere aus der zweiten Klasse immer noch 250 Kuna. Was mir als Fisch-Laien neulich passierte, war der Klassiker: Fisch zweiter Klasse bestellt. Serviert wurde ein äusserst leckeres Exemplar am Stück, geschätzt irgendwas zwischen 300 und 500 Gramm. Später abgerechnet wurde der teure Fisch aus der ersten Klasse, Gewicht pauschal 500 Gramm. Hmpf! Jetzt frag mich mal einer, was für einen Fisch ich nun wirklich auf dem Teller hatte und wie schwer der war? Bin leider kein Son of a Fisherman sondern tätig in der IT-Branche und kann Fische nicht im geringsten unterscheiden oder auch nur ansatzweise bewerten. Irgendwie roch es nach Bauernfängerei. Die Lehre daraus: auf den bestellten Fisch bestehen, das Teil auf der Karte mit dem Finger markieren, so dass hier nicht auf „wir sprechen leider nur schlecht Englisch“ plädiert werden kann. Und die Krönung an Kundenpenetranz: sich den Fisch am Stück im rohen Zustand zeigen lassen. Damit vermeidet man es außerdem nebenbei, ein Fischstäbchen aus der TK-Abteilung vorgesetzt zu bekommen.

Dann gibt es noch Muscheln, oder „Cozze“, wie der Italiener es appetitlich benennt, also genaugenommen Miesmuscheln. Auf jeder Karte findet man die Zubereitungsart „Buzarra“. Das ist im Wesentlichen eine „dicke Sauce mit Knoblauch“, würde ich mal sagen. Zu Muscheln muss ich die jetzt nicht nochmal haben, aber zu hellem Fleisch fände ich sie ganz passend.

muscheln_buzarra

Auch gerne serviert wird der folgende Appetizer: frittierte Sardellen mit einem Glas Wein. Damit locken einen die Konobas in ihre – leider oft teuren – Arme. Für knappe 30 Kuna, also keine 4 Euro, werfen sie einem den Teller mit knusprigen Sardellen plus einem Glas Hauswein hinterher. Davon zwei Stück und man ist auch bedient, es gibt ja noch Brot dazu. Falls man dann nicht schwach wird und einen der oben genannten Fische bestellt, kommt man echt preiswert aus der Nummer wieder heraus. Aber mal Hand auf’s Herz: wenn der Grill lodert und das Grillgut seine Düfte verbreitet, welcher Teutone wird da nicht schwach und bestellt sich noch was á la Carte?

frittierte_sardellen

Mal sehen, was mir noch unter den Gaumen kommt, während ich hier in Kroatien unterwegs bin. Für kulinarische Sünden bin ich jedenfalls immer zu haben.

Segeln auf der Adria 10: Von Nieren, Doppelherzen und Überbrückungskabeln

Letztens wieder in einer Bucht geankert. Gleich nebendran hatten sich zwei Motorboote aus Österreich geschwisterlich verbunden. Das große hatte den Anker draußen, während das kleine parasitär nebendran hing. Abends kam es, wie es kommen musste: Volksmusik & Co. beschallten das Wasser. Nicht so tragisch, schließlich kann ich mit Gitarre live gut dagegenhalten. Am nächsten Tag beschloss ich, noch zu bleiben. Habe ja Zeit und außerdem war die Bucht wirklich sehr idyllisch (im „Beständig“, dem ultimativen Buchtenführer, wird sie abfällig als „die Bucht, in der das Ankergeschirr dreckig werden kann“, geführt – um so besser für mich, denn es war ziemlich leer).

ankerbucht_kroatien

Am übernächsten Morgen also wollte Big Daddy den Anker lichten und vorher noch seine x-tausend PS starten. Ging nicht. Aber das Dinghy hatte ja einen funktionierenden Außenborder und so klapperte er alle anderen Ankerlieger in der Bucht ab. Irgendwann kam er auch zu mir und fragte, ob ich denn vielleicht ein Überbrückungskabel hätte, seine Batterie sei leer. Hmm. Vorgestern noch hatte er meinen Gruß, als ich in die Bucht einlief, geflissentlich ignoriert. Was leider viele machen – man bleibt scheinbar lieber unter sich. Aber man ist ja kein Unmensch und ich meinte sogar, so ein Kabel besitzen zu müssen. Schließlich habe ich einen Vater, der mir die Essenz von nützlichen Dingen aus 20 Jahren Campingurlaub mitgegeben hat. Also mal eben das halbe Boot auf den Kopf gestellt, die dollsten Sachen wiedergefunden, aber leider kein Überbrückungskabel dabei.

Als er von dannen, bzw. zum nächsten Ankerlieger fuhr, überlegte ich mir so im Stillen, dass er ja theoretisch meine zweite Batterie, die randvolle Starterbatterie, hätte haben können. Ich benutze sie nie, es wäre also kein Verlust gewesen, da meine Verbraucherbatterie sehr groß ist. Er wäre damit in den nächsten Hafen gekommen und dort hätten wir uns wieder treffen können. Aber irgendetwas sagte mir, dass das wirklich die allerletzte Maßnahme gewesen wäre. Um zum Punkt dieses Beitrags zu kommen: wer rückt schon gern seine zweite Niere oder einen Lungenflügel raus? Für einen Fremden? Für einen Motorbootfahrer und Österreicher? Das war jetzt nicht so gemeint, liebe Motorboot fahrende Österreicher, es gibt halt nur so viele von euch und ihr nehmt auf dem Wasser leider wenig Rücksicht auf mein kleines Boot.

motorboote

Die Angelegenheit war also eher eine ethische als eine technische Bredouille, denn wirklich in Bedrängnis war er ja nicht. Während ich noch sinnierte, selbst den Anker zu lichten oder noch ein wenig zu warten, kam ein kleines Segelboot längsseits zum Mobofahrer und man schien sich wohl einig zu werden. So konnte ich dann beruhigt wegtuckern und dem Österreicher im Stillen viel Glück bei der Wiederbelebung seines Motorblocks wünschen.

Segeln auf der Adria 9: Von Vögeln und Netzen

Neulich wieder per Autopilot durch die Galaxie geflogen. Da fiel mir eine Horde Vögel auf, die auf meiner Route durch den Hyperraum saßen und um’s Verrecken nicht wegfliegen wollten. Normalerweise flüchten Möwen und Co. immer sofort, wenn man sich ihnen nähert. Aber diese Kollegen waren stur. Na gut, dachte ich mir, bist du halt mal Tierfreund. Einmal mit dem Finger auf die „+10“ Taste am Piloten gedrückt und schon sind die Vögel gerettet. Aber was sehe ich da, als der Schwarm auffliegt? Diese Mistviecher sitzen teilweise so geschickt auf Plastikkanistern, die zu Fischernetzen gehören, dass diese einfach nicht zu sehen sind! Da wäre ich doch beinahe ohne zu zögern über so eine Fischerboje drübergebügelt mit Gott-weiß-was für Netzen und Leinen darunter. Abgesehen vom Ärger mit dem Fischer, der meistens nicht weit weg patrouilliert, habe ich dann den Stress mit einer möglicherweise blockierten Schraube. Den Spaß hatte ich schon letzten „Sommer“ in der Ostsee bei 15 Grad Wassertemperatur. Habe eine Viertelstunde an dem Nylonfaden herumgeschnitten, bis er von der Schraube runter war. Nur für diesen Zweck fahre ich seitdem einen kleinen Neopren Shorty spazieren.

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Diese scheinbar herrenlosen Plastikkanister sind eine Wissenschaft für sich, jedenfalls für mich als ahnungslosen Nichtfischer. Nach welchen Mustern verbinden sie Netze? Wenn die Kanister ein Dreieck oder Viereck bilden, hängt da wirklich ein Netz in der Mitte? Und wenn ja, wie tief hängt es, kann man notfalls drüberfahren, falls man es zu spät bemerkt? Oder handelt es sich um Reusen? Viele Fragen, aber für mich gibt es nur eine Antwort: sobald ein Kanister gesichtet ist, kucke ich nach weiteren Kanistern. Und die werden in weitem Bogen umfahren, fertig. Manchmal trifft man auf regelrechte Sperrgebiete auf dem Wasser, mit seefahrtsrechtlich korrekt angebrachten Gefahrentonnen. Dabei handelt es sich dann um die runden Konstruktionen, die man schon über Wasser von Weitem gut erkennt und die unter Wasser ganze Fischfarmen enthalten. Da muss man schon gut hingucken, denn die Position auf der Karte stimmte vielleicht vor ein paar Jahren noch, aber jetzt sind die Farmen eben ein paar Meilen weiter draußen aufgestellt.

Auch mies sind diese kleinen Motorboote mit Schleppangeln. Man denkt, sie stehen still, aber in Wahrheit fahren in sehr langsamer Fahrt voraus. Manchmal fahren sie auch gerne unvorhersehbare Muster. Ein andermal geben sie Vollgas, man weiß eigentlich nie, was sie als nächstes tun. Nur eines ist sicher: hinter ihnen her schwimmt die Nylonschnur, die ich um keinen Preis in die Schraube kriegen möchte.