Archiv der Kategorie: Formentera (Gitarrenbau)

Bundmarkierungen

Meine Les Paul hat 22 Bünde auf dem Griffbrett. Um sich darauf besser zurechtzufinden, bringt man zwei Sorten von Markierungen an:

  • Punkte oder andere Formen auf dem Griffbrett
  • Kleine Punkte auf der Seite vom Hals

Die seitlichen Punkte am Hals werden immer angebracht. Die Punkte auf dem Griffbrett (bzw. „Dots“ wie der Fachmann sagt) können dagegen auch weggelassen werden. Sie gehören aber zum guten Aussehen dazu, finde ich. In beiden Fällen markiert man die Bünde 3, 5, 7, 9, 12, 15, 17, 19 und 21. Der 12. Bund erhält Doppelpunkte. Ab hier wiederholen sich die Töne, sie klingen nur eine Oktave höher.

 

Markierungen an der Seite

Das Griffbrett ist an den äußeren Rändern 6 mm hoch. In der Mitte ist es mehr, aber das interessiert hier nicht. Nun werden die oben genannten Bünde mittig markiert. Das geht wunderbar, denn die Schlitze sind ja schon gesägt. Mit Hilfe eines Abstandshalters, bzw. einer Plastikschablone mit kleinen Löchern wird das Loch für die Markierung immer auf der gleichen Höhe gebohrt.

Die Löcher haben 2 mm Durchmesser. Nachdem man einen Tropfen Sekundenkleber hinein gegeben hat, steckt man anschließend einen dünnen runden Stab aus Kunststoff in das Loch. Da er nicht ganz hineingeht, einfach so weit wie möglich reinstecken und dann glatt abknipsen. Ein kleiner Schlag mit dem Plastikhammer und der Stift dürfte komplett versenkt sein. Später wird die Kante dann abgeschliffen.

Griffbrett Punkte

Eigentlich hat eine Les Paul Inlays in trapezoid Form auf dem Griffbrett. Da das recht aufwändig ist, mache ich stattdessen Kreise. Hierfür markiere ich äußerst genau die Position auf dem Griffbrett (ist mir am 17. Bund leider misslungen) und körne sie an. Ich habe mich für 5 mm durchmessende Punkte aus weißem Abalone entschieden. Es gab sie auch in verrückter Perlmutt-Glitzeroptik, aber das überlasse ich Country-Musikern und Elvis-Imitatoren.

Da die Inlays in ihren Löchern halt finden sollten, werden die Löcher auch mit 5 mm gebohrt. Hierfür kommt ein Bohrer mit Spitze zum Einsatz. Dieser wird genau auf dem Holz an der Körnung platziert und dann erst die Maschine eingeschaltet. Griffbrett gut festhalten, hier darf nichts wackeln. Als Tiefe wird 1,2 mm angepeilt, am Ende wird es eh mehr. Es ist aber erstaunlich, wie fein sich dieses Ungetüm von Bohrmaschine mittels Hebeln und Schrauben einstellen lässt.
Nun werden die Dots einer nach dem anderen in die Löcher gedrückt oder geschlagen, nachdem wieder ein Tropfen Sekundenkleber zum Einsatz kommt.

Bevor nun im nächsten Schritt die Bunddrähte eingesetzt werden, kann das Griffbrett noch mal intensiv auf Fehler bzw. Rillen untersucht werden. Diese werden bei Bedarf mit Epoxi gefüllt. Danach wird das Griffbrett noch einmal kurz auf den Bandschleifer gehalten, damit die Dots glatt sind und der Sekundenkleber verschwindet.

Dann wird mit feinem 400er Sandpapier abgeschmirgelt. Hinterher wird der Hals mit dem Griffbrett an die Poliermaschine gehalten und abschließend noch mit feinster Stahlwolle abgerieben. Das Griffbrett glänzt jetzt so richtig schön.

Korrigieren und Reparieren

Wenn Laien Instrumente bauen, geht eine Menge schief. Wir Teilnehmer kennen zwar in der Regel das fertige Instrument, wissen aber nicht, wie das Resultat jedes einzelnen Arbeitsschritts aussehen soll. Daher werden wir am Anfang schnell dazu verleitet, beherzt ins Holz zu hacken und Fehler zu begehen. In diesem Artikel schildere ich einige aufgetretene Fehler und wie man sie wieder beheben kann.

Kleben

Ein Stück Holz ist ausgerissen. Regel Nummer eins: immer sofort nach dem fehlenden Stück suchen, und sei es noch so klein. Oft kann man es wieder einkleben. Hier kommt es drauf an, ob es groß oder klein war. Ist es nur ein 3 mm kleines Stückchen, kann es mit Sekundenkleber wieder an die alte Stelle gebracht werden. Hierfür platziert man das Teilchen an der richtigen Stelle. Danach klebt man ein Stück Tape darüber und hebt das Tape mit dem Teilchen zur Hälfte wieder ab, es klebt nun am Tape. Danach kommt ein Tropfen Sekundenkleber in den Riss und danach klappt man das Tape wieder drüber. Zieht man es nach kurzer Trockenzeit wieder ab, bleibt das Stück Holz an der richtigen Stelle eingeklebt. Danach fein abschmirgeln.

Handelt es sich um ein sehr großes Stück, muss man es mit Holzleim (z.B. Titebond) und Klemmzwingen wieder anbringen. Das kommt eher selten vor, sollte es zumindest. Bei Brunos Bass und meiner Les Paul hat das Wenge-Holz wegen seiner groben Struktur einige doppelte Klebeaktionen nötig gemacht.

Ist es ein mittelgroßes Stück, so kommt Epoxi-Kleber zum Einsatz. Dieser wird in zwei Flaschen aufgehoben und ist erst einsatzbereit, wenn er 1:1 durchgemischt wurde. Dazu macht man zwei gleichlange Würste aus beiden Flaschen in ein Plastik- oder Gummischälchen. Die entstandene Masse kann bei Bedarf mit Holzstaub aus dem beschädigten Bereich vermischt werden. So erhält man eine lückenfüllende Masse in der korrekten Farbe. Das Auftragen kann mit einem kleinen Zahnstocher oder diversem anderen Zahnarztbesteck erfolgen, je nachdem was die Werkstatt hergibt. Geht man dann noch mit dem Fön, bzw. der Heizpistole vorher über das Holz und auch nach dem Auftragen, so sickert die Masse schön in die Ritzen.

Wärme sorgt auch für eine kürzere Trockenzeit, je nach Kleber kann das eine enorme Beschleunigung sein. Da man meistens auch noch ein gutes Stück um die gewünschte Stelle herum Klebstoff hat, sollte man den vor dem Trocknen wieder mit dem Spachtel entfernen. Nach dem Trocknen zieht man die Stelle mit einem dünnen Blech o.ä. ab und schmirgelt den Rest.

 

Delle entfernen

Schnell ist es passiert, dass im unbehandelten Holz des Korpus eine Delle, eine falsche Körnung oder ein Kratzer ist. Ist der Schaden nicht zu tief, kann man sie mittels heißem Dampf wieder herausbekommen. Die Durchführung ist simpel, man benötigt nur einen Lötkolben oder ein Bügeleisen, ein Tuch und etwas Wasser. Zunächst gibt man mit dem tropfnassen Tuch etwas Wasser auf die gewünschte Stelle und lässt das Holz kurz quellen. Danach legt man das nasse Tuch auf die Stelle und drückt den heißen Lötkolben oder das Bügeleisen kurz darauf.

Nachsehen, ob sich was getan hat und gegebenenfalls wiederholen. Klappt ganz hervorragend, zumindest bei Ahorn und Mahagoni.

 

Loch falsch gebohrt

Tja, ein Loch ist ein Loch, und bleibt so wie es ist. Und vor allem wo es ist. Aber: man kann schon etwas tricksen. Oft bohrt man ja zunächst mit einem kleineren Bohrer vor. Beim Aufweiten auf die finale Größe kann man nun den größeren Bohrer langsam dazu bringen, bevorzugt eine Seite des kleinen Lochs zu „fressen“. Damit lässt sich das Große um einige Millimeter versetzen. Wunder sind hier natürlich nicht zu erwarten. Handelt es sich um ein Loch für die Mechaniken der Kopfplatte darf man nicht vergessen, dass oben noch eine Mutter draufkommt. Diese deckt ja auch wieder etwas mehr vom Holz und darunter liegenden „Halblöchern“ ab.
Mein Tipp bezüglich dem Bohren von Löchern lautet: zunächst mal an einem anderen Stück Holz als an der wertvollen Klampfe üben. Das sollte man bei allen heiklen Aktionen tun, egal wie viel Zeitdruck auch sein mag. Es gibt in der Regel genug Holzabfall von der eigenen Gitarre, so dass man sogar unter identischen Bedingungen üben kann.

 

Loch versetzen

Falls man keine andere Wahl hat, als ein Loch komplett zu versetzen, kann man folgendermaßen vorgehen:

  1. Zunächst das falsch gebohrte Loch aufbohren. Man nimmt einen größeren Bohrer, der auch noch den Bereich des neuen Lochs abdecken sollte.
  2. In das neue Loch muss nun ein Holzstift mit gleichem Durchmesser gesteckt werden. Diesem Stift sollte man mindestens eine längs verlaufende Rille verpassen (feine Säge) und ihn unten etwas abrunden.
  3. Danach Holzkleber drauf verteilen und den Stift ins Holz kloppen. Den überstehenden Teil hinterher vorsichtig abzwicken, feilen und schmirgeln.
  4. Jetzt kann das ursprünglich geplante Loch wieder gebohrt werden, diesmal hoffentlich richtig. Ich musste es gleich zweimal machen…

Auf dem Bild sieht man das Ergebnis. Ursprünglich war das kleine Loch im Zentrum der Ausbesserung gewesen, jetzt etwas weiter unten.

 

Loch reißt unten aus

Sollte einem beim Bohren von Löchern der untere Rand des Bohrlochs ausreißen, einfach ein weiteres Stück Holz drunter legen und dort reinbohren. Ist der Ausriss übel, kann man auch überlegen, den Rand etwas abzusenken. Falls der Einsatzzweck des Lochs das erlaubt.

Argh! und ein wenig Bünde Sägen

Was für ein verschwendeter Tag heute. Von 8 Stunden habe ich vielleicht 3 etwas Sinnvolles getan, und das kam so: gleich morgens wollte Ekki meinen Hals ein wenig schlanker fräsen, damit er in die Schablone zum Sägen der Bünde passt. Dummerweise hat die Standfräse ein ordentliches Stück vom Griffbrett abgerissen, da er gegen die Faser gefräst hat. Man kann so etwas zwar flicken, was später auch gelungen ist. Jedoch bringt Kleben auch immer eine gewisse Wartezeit mit sich. Und da wieder dieser scheinbar nicht richtig trocknende Zweikomponentenkleber zum Einsatz kam, musste die Geschichte am Nachmittag ein zweites Mal geklebt werden. Genau wie bei Brunos Decke.

Das bedeutete für mich, dass bis auf ein paar Schönheitsarbeiten im E-Fach erstmal nichts zu tun war. So habe ich die Löcher im Fach für die Potis mit dem Stechbeitel etwas vergrößert, so dass die Anschlüsse besser Platz haben. Danach Testweise ein Poti mit Unterlegscheiben reingebaut – passt. Habe anschließend das Fach dann aus lauter Langeweile noch von innen geschmirgelt.

Frust. Wenn ich eines nicht kann, dann untätig warten. Daraufhin hatten Ekki und ich eine kleine Diskussion, denn so wie es momentan lief, war ich nicht wirklich glücklich. Ich glaube, die „Message“ kam an. Da später die Reparatur des Griffbretts geglückt ist und man auch wirklich so gut wie nichts mehr von dem Riss sieht, bin ich seit diesem Tag davon überzeugt, dass man fast alles reparieren kann. Nur Warten kann ich immer noch nicht…

Unten zu sehen ist die kritische Stelle auf dem Griffbrett, welche hier mit Epoxi gefüllt wurde.

Am Abend – als der Kleber dann getrocknet und das olle Griffbrett einsatzbereit war – bin ich endlich dazu gekommen, die Bünde zu sägen. Hierzu wird der Hals in eine Schablone eingespannt, welche als Führung für die Bundsäge dient. Die Säge hat ein paar Millimeter oberhalb der Schneidezähne eine Metallschiene. Man kann also nicht tiefer sägen als bis zu dieser Schiene. Da das Griffbrett gewölbt ist, folgt man beim Sägen automatisch der Wölbung.

Das Ergebnis ist ein gleichmäßig tiefer Schnitt, der die selbe Wölbung wie das Griffbrett hat. So bleibt mehr Holz erhalten und die Bundstäbchen passen hinterher genau in ihre Spalten, ohne Luft oder Kleber darunter. Bei Gibson gibt es so etwas nicht, hier wird einfach gerade durchgesägt. Eines von mehreren Merkmalen, die eine bei Ekki gebaute Gitarre von „Markengitarren“ unterscheidet, und zwar im positiven Sinne. Siehe hierzu später auch die Hals/Korpusverbindung.

Damit ging dieser etwas unnütze Tag dann zu ende. Und er bleibt hoffentlich die Ausnahme. Die folgenden Tage sollten dann auch tatsächlich entspannter verlaufen, aber zu diesem Zeitpunkt war das noch nicht abzusehen. Denn eins ist klar: wenn hier einer was verbockt, dann bin ich das selbst, und nicht auch noch der Cheffe. Schwamm drüber.

Griffbrettradius und Abdeckungen für Fächer

Griffbretter haben je nach Gitarrenfamilie verschiedene Radien. Kein Griffbrett ist flach, sondern alle haben eine Wölbung nach oben. Wie viel das ist, hängt eben vom Typ der Klampfe ab. Fender hat einen Radius von 7.25 Zoll, Gibson hat 12 und Tom Anderson (Hamer) sogar 15 Zoll. Da das Griffbrett einen Ausschnitt eines Kreises darstellt, ist also das Fender Brett am stärksten gebogen. Das macht es einfacher für die Hand, ganze Akkorde zu greifen. Aber für Speed-Freaks und Bending-Fetischisten ist ein flacheres Griffbrett besser geeignet.

Hinzu kommt noch, dass sich der Radius eines Griffbretts auch über seine Länge betrachtet ändert. Üblicherweise misst man am ersten Bund und am zwölften. Bei Gibson hat man dann entsprechend 9 und 12 Zoll. Die Veränderung des Radius nennt man „Compound Radius“ und viele Firmen lassen sich diese Eigenschaft deftig bezahlen. Dabei entsteht ein solcher veränderlicher Radius automatisch, wenn man das Griffbrett manuell am Bandschleifer formt. Man müsste sogar ordentlicher arbeiten, um überall den gleichen Radius hinzubekommen.

 

Abdeckungen für das Elektronikfach

Auf der Rückseite einer Les Paul gibt es zwei Fächer: ein kleines rundes, welches später den Schalter zum Wechseln der Tonabnehmer aufnimmt, und ein großes rautenförmiges, in welchem sich die vier Potentiometer und diverse Kabel befinden. Für diese Fächer braucht man Abdeckungen. Ich habe mich für ein rotes Holz namens „Paduk“ entschieden. Es ist hart und steht in einem schönen Kontrast zum Mahagoni.

Das Aussägen der Formen ging recht einfach, da hierfür eine Schablone existiert. Einmal aufgemalt und mit der Bandsäge ausgeschnitten, schon steht der Deckel größtenteils. Wie immer liegt der Teufel im Detail. Denn so ganz genau passt der Deckel natürlich doch nicht in die Aussparung der Fächer. Und sei es nur ein Millimeter: hier ist wieder ausgiebiges Feilen angesagt. Die beste Strategie ist, den Deckel an einer Ecke passend einzulegen und dann an der anderen Seite das Abfeilen vorzunehmen. Passt die Abdeckung dann endlich, muss sie noch auf die richtige Höhe geschliffen werden, damit sie mit der Korpusdecke auf der selben Höhe abschließt.
Als letzter Schritt werden Löcher für die Schrauben in den Deckel selbst und das darunter liegende Fach im Korpus gebohrt.

Die kleine runde Fachabdeckung erhält Löcher mit 1,8 mm, die rautenförmige mit 2,5 mm Dicke. Hier sollte man besonders aufpassen, dass die Ankörnung am Deckel korrekt ist, so dass sie darunter ins Holz trifft und nicht halb ins Leere. Optional kann man die Oberseiten der Löcher dann noch mit einem kegelförmigen Bohrer abflachen, so dass die Köpfe der Schrauben in den Vertiefungen verschwinden und die Gitarre später vollkommen plan aufliegt.

Hippiemarkt

Die Insel Formentera hat in den 70er Jahren so einige Hippies angezogen. Viele kamen aus Deutschland und haben hier ein neues zu hause gefunden. Junge Hippies – oder „Alternative“, wie man sie wohl mittlerweile nennt – habe ich noch nicht entdecken können. Merkwürdige ältere Typen mit langen Bärten, Sandalen mit Socken und Strohhut begegnen einem da schon häufiger. Wovon diese Nasen genau leben, weiß ich nicht. Aber einige von ihnen veranstalten hin und wieder sonntags einen „Hippiemarkt“ in der Ortschaft Mola. Diese liegt am östlichen Ende der Insel, etwa 13 Kilometer entfernt von Sant Ferran. Die Strecke verläuft größtenteils schnurgerade, bis auf die letzten zwei Kilometer, die sich in engen Kurven auf 200 Höhenmeter hinaufschrauben. Das hat es in sich, besonders wenn am eigenen Fahrrad nur die mittleren Gänge funktionieren.

Der Markt selbst haut einen jetzt nicht vom Hocker. Vielleicht zwanzig Stände mit Schmuck, Tüchern, Schnitzereien und kleinen Bildern warten auf Besucher. Da hat jeder Touri-Ort an der französischen Atlantikküste mehr zu bieten. Aber egal, hier auf Formentera gibt es nichts Besseres und irgendwie kann ich es ja verstehen, dass sich diese deutschen Hippie-Nerds ein paar Euros dazuverdienen wollen. Aber schöne T-Shirts gibt es. Danach sind wir noch schnell zur Steilküste mit dem Leuchtturm geradelt und dann wieder die Serpentinen zurück in die Ebene. Auch das nur mäßig spaßig mit halb defekter Bremse.

Auf dem Rückweg haben wir – das sind Nadav, Bruno und seine Freundin Julia – im Restaurant „La Tortuga“ halt gemacht und Abend gegessen. Der Koch ist deutsch, und daher gingen die Gerichte auch in diese Richtung. Ich habe mich für ein „Formenteraschwein in Apfel-Zimt Weißwein Sauce“ entschieden. Nicht spektakulär und schon gar nicht spanisch, aber es hat gut geschmeckt. Bruno und Julia haben auf einer heißen Steinplatte klein geschnittenes Rindersteak gegrillt. Dazu gab es einen Krug mit weißer und noch einen mit roter Sangria. Teufelszeuch.

Auf dem Heimweg hat sich meine Kopflampe wieder einmal prima bewährt. Dieses Teil hat wirklich den Outdoor-Oscar verdient. Es hat mich bisher weder beim Segeln, noch im Dschungel oder auf dem Hundeschlitten verlassen. Die Lampe braucht kaum Batterien, ist hell, kann aber auch gedimmt werden z.B. zum Lesen und hat einen Blinkmodus. Das alles kann über einen einzigen Knopf durchgeschaltet werden. Beim Radfahren im Dunkeln muss man sich lediglich entscheiden, ob man sie lieber verkehrt herum aufsetzt, damit nachfolgende Autos einen sehen können, oder ob man selbst etwas in Fahrtrichtung sehen möchte. Ich bräuchte also eigentlich eine Version mit zusätzlichem abnehmbarem rotem Rücklicht.

Charakterstudien

Ekki

Er hat vor ca. 10 Jahren diese Werkstatt von seinen Vorgängern übernommen. Nachdem er selbst zwei Mal als Teilnehmer hier war und schon Erfahrung mit der Holzbearbeitung hatte, wurde ihm angeboten bei Formentera Guitars einzusteigen. Damals waren sie wohl noch zu dritt, jetzt macht er es alleine. Mehr zur Geschichte von Formentera Guitars hier und hier.

Ekki ist Mitte fünfzig und hat einen kleinen Hund namens Kiko. Er kann im Handstand pinkeln. Der Hund. Die Werkstatt ist mit Maschinen „Made in W. Germany“ ausgestattet, was die Arbeit enorm erleichtert. Besonders Schleif- und Hobelarbeiten sind ohne Maschinen sehr zeitraubend. Wenn ich mir vorstelle, dass wir ansonsten alle großen Flächen mit der Hand hätten plan schleifen müssen… kein Spaß. Dort, wo es potentiell gefährlich wird, z.B. beim großen Bandschleifer und der Kreissäge, lässt er keinen ran. Das ist auch gut so, denn schließlich brauchen wir alle unsere Finger noch. Außerdem ist bei der Bedienung dieser Maschinen viel Erfahrung vonnöten, damit man seine Gitarre nicht beim ersten Versuch schon verramscht. Deswegen übernimmt er delikate Arbeiten wie zum Beispiel das Teilen der Hölzer mit der Kreissäge oder das Schleifen des korrekten Radius der Griffbretter.

Mit seinem weißen Zopf und den Schlabberklamotten wirkt er wie ein Gitarren-Gandalf. Was ihm manchmal etwas abgeht, ist das Verständnis für die Wünsche seiner Kursteilnehmer. Gerade Bruno, der mit einem ziemlich speziellen Vorsatz für die Konstruktion seines Basses hierher kam, musste das spüren. Anstatt mit dem Teilnehmer konstruktiv seine Wünsche zu besprechen, werden diese erstmal einigermaßen rüde abgebügelt. Das finde ich etwas unglücklich, denn wir alle hoffen doch, von ihm wertvolle Tipps zu bekommen, wie wir unserem Trauminstrument so nah wie möglich kommen können. Und wenn ein Wunsch unsinnig ist und sich ein Teilnehmer trotzdem dafür entscheidet, dann muss er dennoch mit Ekkis voller Unterstützung rechnen können. Wenn es anders wäre, würde wir am Ende des Workshops alle mit der gleichen Gitarre bzw. Bass aus seiner Werkstatt gelaufen kommen. Viele möchten eben gerade diese Gelegenheit nutzen, um sich ein individuelles und einmaliges Instrument zu fertigen.
Davon abgesehen reichen einige seiner Erklärungen nicht aus, damit man alle auszuführenden Tätigkeiten vollständig versteht. So kam es anfangs häufig vor, dass man einen Arbeitsschritt falsch ausgeführt hat und hinterher dafür zurechtgewiesen wird. Das wurmt natürlich, denn schließlich sind wie alle hier keine Deppen, sondern musikbegeisterte Menschen, die ihre sauer verdiente Kohle in diesen Workshop investieren.
Durch konstantes Nachfragen lässt sich aber in der Regel jede Unklarheit vermeiden, man muss nur sehr penetrant sein.

Sehr positiv zu vermerken ist, dass ihm immer eine Lösung einfällt, wenn einer etwas verbockt hat. Und dafür gibt es Gelegenheit genug. So ein Bohrer oder eine Fräse, die hacken schnell mal eine Menge mehr Holz weg als man eigentlich vorhatte. Da sind rettende Einfälle gefordert, und die hat Ekki genug. Er selbst ist hauptsächlich Bassist, kann aber auch sehr gut Gitarre spielen. Man sollte sich also von seinen Untertreibungen in Sachen „Spielen-Können“ nicht täuschen lassen.

Nachtrag:
Nachdem ich in der Folgewoche einige der oben genannten Themen mit Ekki besprochen habe, ist unsere Teamarbeit richtig gut geworden. Es war wohl etwas Aufwärmzeit nötig. Ekki hat sich später sogar Gedanken gemacht, wie man das Inlay meiner Gitarre am einfachsten umsetzen kann und sogar Brunos Phantasiebass (siehe unten) nimmt mit seiner Unterstützung solide Formen an.

Bruno

Sprich: Brüno. Er ist der feurige Portugiese, zweiunddreißig, Jahre alt und er lebt seit sechs Jahren in England. Damit gehört er zu den wenigen Iberen (Iberiern?) die wirklich gut englisch sprechen können. Er hat generell ein Talent für Sprachen. Die Basics hat er in Englisch, Spanisch, Russisch, Italienisch und Deutsch drauf. Nicht schlecht. Ansonsten ist er ein recht kompakter kleiner Kerl, der vor kurzem noch mit Vollbart und langen Haaren als Schwertkämpfender Statist in einem Mittelalter B-Movie namens „Ironclad“ mitgespielt hat. Im richtigen Leben installiert und supportet er Set Top Boxen für Fernseher. Ach ja, und seine Karriere als Pornostar ist leider gefloppt, weil den Produzenten seine Plautze zu dick war… Allerdings hat er Plautze mit Mucki-Oberkörper, dank ausgiebigem Training in früheren Jahren.

Er ist gern an der frischen Luft und raspelt daher vorzugsweise mit nacktem Oberkörper an seinem Instrument herum. Kaum dass wir in der Mittagspause den Strand erreichen, wirft er in der Regel die Klamotten weg. Alle. Sein Bass ist – wie zuvor schon erwähnt – etwas Besonderes. Da sein Lieblingsmotiv der Vogel Phönix ist, soll dieser die Bassdecke zieren. Der Plan ist also, einen hellen Korpus mit dunkler aufgeleimter Decke zu kombinieren. In diese fast schwarze Decke aus Wenge-Holz möchte er dann den Phönix hineinschnitzen. Hinzu kommt eine mit Phantompower gespeiste Elektronik. Da er Erfahrung mit Elektrokram hat, wird er das sicherlich hinbekommen. Außerdem sollen im Bass noch diverse Signalprozessoren werkeln. Was da genau passieren soll, weiß keiner so recht. Aber er wird’s schon schaukeln.

Er wohnt nicht wie Nadav und ich im Hostal Pepe sondern in einem kleinen Studio (etwas größeres Doppelzimmer mit Mini-Küche) in La Savina, da er im Verlauf der drei Wochen noch Besuch von seiner Freundin und anderen Freunden bekommt.

 

Nadav

Spanischer "Icecoffee" im Rohzustand

Er ist 30 Jahre alt, kommt aus Israel und ist somit der erste Jude in meinem Bekanntenkreis. Das fiel mir neulich erst auf. Er hat mein Bild vom Leben in Israel etwas korrigiert. Zunächst mal kommt er aus einer sehr liberalen Familie, in welcher der Glaube keine Rolle spielt. Er befolgt auch keine Ernährungsregeln, wie sie für Juden typisch sind: kein Schwein, keine getrennte Kühlschränke und so. Das leben in Tel Aviv wäre ziemlich genau so, wie in europäischen Großstädten auch, meint er. Zumindest in Bezug auf Party & Co. Dass er nicht die Meinung seiner Regierung unterschreibt und hardcore Siedler auf den Golan-Höhen schwachsinnig findet (obwohl er sie natürlich in Schutz nimmt), macht ihn sehr sympathisch. Ich glaube dennoch, dass auch solche jungen Leute in meinem Alter irgendwann in den Strudel aus Tradition und Geschichte hineingezogen werden und dann eben für eine Seite Partei ergreifen. Er hat sich vor einiger Zeit für vier Jahre beim Militär verpflichtet, da er sonst keine beruflichen Pläne hatte. Mittlerweile ist er bei einer israelischen Zeitung als Redakteur angestellt und hofft, später einen Artikel über diesen Gitarrenbaukurs veröffentlichen zu können.

Er hat gleich am ersten Tag auf Formentera ein spanisches Mädel kennen gelernt und war die erste Woche entsprechend beschäftigt. Ansonsten baut er eine Gitarre, welche eine Mischung aus Telecaster und Stratocaster ist. Die Form des Korpus entspricht der einer Tele, jedoch aus Erle gefertigt. Pickups und Bridge mit Tremolo werden aber wie bei einer Strat ausgeführt. Dazu kommen noch leichte Variationen bei der Position der Potis und des 5-Wege Switches.

Nadav ist ein hervorragender Jazz-Gitarrist, was ich bei seinem Gastspiel in der Bonkas-Bar feststellen konnte. Ach ja… da ist noch seine Vorliebe für das Fotografieren von toten Vögeln. Muss man nicht verstehen, jedem seins.

Monedas

Spanien, bzw. Formentera, ist muchos teuer. Wer hier einmal gestrandet ist, muss die Preise akzeptieren oder wieder gehen. Für die kurze Überfahrt von Ibiza wurde mir schon die erste Kohle aus der Tasche gezogen, da waren gut 26 Euro fällig. Für eine knappe halbe Stunde Fahrt wohlgemerkt. Der Kurztripp vom Hafen mit dem Taxi nach Sant Ferran (5 Km) hat 12,50 Euro gekostet. Damit komme ich durch ganz Frankfurt. Oder kann mich tagelang durch Bombay fahren lassen. Ok, das ist Zugegebenerweise nicht so ganz direkt vergleichbar.

Im Waschsalon kostet eine Maschine mit 3 Kg 12 Euro und eine mit 4 Kg 14 Euro. Inklusive Trocknen. Ist das wirklich schon so lange her, dass ich zu Studentenzeiten im Waschsalon 2 Euro pro Maschine eingeworfen habe?

Caféterias sind nur preiswert beim Kaffee selbst, hier bekommt man für 1,50 einen Cappuccino oder für 1,60 einen Verlängerten. Für ein Eis aus der Hand mit einer einzigen Kugel sind 1,90 Euro fällig. Das traut sich noch nicht mal der Italiener am Frankfurter Römer zu nehmen, hier liegen wir noch bei einem bescheidenen Euro, was für deutsche Verhältnisse auch schon recht viel ist.

Ein wirklich preiswertes Restaurant haben wir in Sant Ferran noch nicht finden können. Am günstigsten kommt man mit dem Tagesmenü im Hotel Illes Pitiüses weg. Vorspeise, Hauptspeise, Getränk und Nachtisch oder Kaffee für ca. 12 Euro. Das ist immer noch viel, aber dafür hat man auch was auf dem Teller. Preiswerter wird es nur, wenn man sich für die immer und überall verfügbaren Tapas entscheidet. Eines davon schlägt mit 4 bis 5 Euro zu buche, mit dem beiliegenden Brot kann man sich so über den Tag retten. Ordert man mehrere Tapas, ist man auch wieder schnell bei 15 Euro. Pizzas bekommt man ab 9 Euro, eher 12. In dieser Liga sind auch Salate und Pasta unterwegs (Restaurant „Macondo“). Angeblich soll die Fonda Pepe günstig sein, aber dort hat die Küche noch geschlossen.

Bleibt noch die Selbstversorgung. Hier sind wir Hostal-Bewohner leider etwas im Nachteil, da es keine Küche oder ähnliches gibt. Für das Frühstück reichen mir ein paar abgepackte Mini-Croissants. Demnächst werde ich mir auch Hartkäse und Salami für eine Brotzeit organisieren. Einmal am Tag ins Restaurant gehen sollte genügen.

Ich gehe also von mindestens 20 Euro pro Tag für Verpflegung aus, eher 30 wenn abends noch ein Bar-Besuch ansteht. Damit verteilen sich die Kosten in etwa folgendermaßen:

Gitarrenbaukurs:  2000 Euro
Unterkunft:               400 Euro
Flug:                            320 Euro
Verpflegung:             600 Euro (je nach Partylaune auch locker das Doppelte)

Somit bin ich für diese drei Wochen ca. 3320 Euro los, eher noch mehr. Davon abziehen müsste ich natürlich streng genommen meine normalerweise zu hause anfallenden Kosten für Verpflegung und Auto. Dann läge ich unter 3000 Euro. Was ich dafür bekomme, ist ein langer Urlaub auf einer schönen Insel, und am Ende eine selbstgebaute Gitarre. Deren Wert ist schwer zu schätzen, dürfte aber auch bei einigen Hundert Euro liegen. Um es kurz zu machen: es muss einem die Sache einfach Wert sein, dann regt man sich auch über die Peseten nicht mehr auf. In einigen Jahren wird die Gitarre und die Erinnerung an diese Zeit nicht mehr mit Geld aufzuwiegen sein. Wie eigentlich bei allen schönen Urlauben, ob in der Karibik, in Asien oder sonst wo. Schließlich arbeite ich nicht um Geld zu verdienen, sondern um es möglichst Genuss bringend wieder auszugeben.

Hostal Pepe

Diese günstige Unterkunft für Backpacker und arme Gitarrenbauer wie mich ist die reinste Geldruckmaschine, meint Ekki. Damit hat er wohl Recht, denn die letzte Renovierung dieses Gästehauses dürfte noch zu Francos Zeiten gewesen sein. Wie früher schon geschrieben, sind die Einzelzimmer, die Nadav und ich haben, spartanisch eingerichtet. Stuhl, Bett und Schrank, das war’s. In den Schrank lege ich aber nichts rein, da er dermaßen nach Mottenkugeln stinkt, dass meine Klamotten sonst für immer verseucht wären. Ab und zu rieselt Kalk von den Wänden. Diese sind meterdick, und so dringt durch das kleine Fenster kaum Licht in meine Zelle. Das gesamt Haus ist trotzdem hellhörig wie nur was, jetzt gerade kann ich problemlos Nadav beim leisen Gitarrenspiel in seinem Zimmer schräg über den Flur hören.

Zum Glück ist noch Vorsaison und es sind kaum Gäste da. Daher ist die Hausbar geschlossen und auch draußen am Pool findet kein Nightlife statt. Das alles macht das Hostal Pepe konkurrenzlos günstig. Für 20 Euro pro Person und Nacht kann man sich hier einquartieren. Das am Komfort gesparte Geld kann man dann in den unzähligen Cafés und Bars in Sant Ferran auf den Kopf hauen. In einigen davon gibt es gratis Wifi Internet, deshalb verbringen wir die meiste Zeit dort. Letztlich ist man fast nur zum Schlafen im Hostal, denn die Mittagspause verbringe ich lieber am Strand als in der engen Zelle. Gegenüber vom Hostal befindet sich noch die Fonda Pepe, wo es angeblich bald Frühstück geben soll, was dann im Preis inbegriffen ist. Mal sehen.

Nachtrag: das Frühstück ist einfach, aber reichlich, siehe Bild.

 

Jazz in San Francisco

Freitagabend spielt im Nachbarort „Sant Francesc“ immer eine Jazz-Band in der Bonkas-Bar. Es gibt Nudelsalat und eingelegte Oliven for free, während man den Jungs von „Longusta“ lauscht. Allesamt Argentinier, die auf hohem musikalischen Niveau spielen. Der Drummer war vorgestern schon mal kurz in der Werkstatt gewesen, um eine Klampfe reparieren zu lassen. Es scheint eine Tradition zu sein, dass Ekki seine Studenten und ein paar Instrumente mitbringt, um in der Spielpause selbst ein wenig zu jammen. Wir wurden zwar vorgewarnt, hatten aber keinen wirklichen Plan, was wir denn nun beisteuern sollten. Schließlich hat sich eine Formation um Ekki am Bass mit Nadav an der Gitarre und dem schon bekannten Argentinier am Schlagzeug gebildet.

Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit klang es wirklich gut. Besonders Nadav hat klasse improvisiert und prima Jazz-Zeugs mitgefuddelt. Das fanden auch ein paar andere Gastmusiker, die dann mit Trompete und Posaune eingestiegen sind. Da ich selbst mit Jazz rein gar nichts am Hut habe, bin ich an die Congas gegangen und habe etwas im Hintergrund mitgedaddelt. Auch Bruno hat hier sein Betätigungsfeld gefunden, nachdem der Plan, ihn „Here comes the sun“ singen zu lassen, nicht ganz aufging. Nächstes Mal wollen wir was von den Stone Temple Pilots bringen. Weiß noch nicht genau, ob das in diesem Laden gewünscht ist, oder ob Ekki dann Hausverbot kriegt.

Zurück nach Hause ging es wieder mit dem schrottreifen Rad, das mir Ekki von hinter der Werkstatt hervorgekramt hat. Der Sattel ist so tief fest gerostet, dass ich wie auf einem Chopper sitze. Es geht nur der mittlere Zahnkranz und von den beiden Bremsen funktioniert nur die hintere. Immerhin zu 40 Prozent. Aber wer will hier meckern, denn ohne diesen gratis Drahtesel müsste ich mir einen leihen. Ein Rad ist auf dieser kleinen Insel völlig ausreichend. Zusammen mit meiner Kopflampe finde ich so auch nachts den Weg nach hause. Zwischen den Ortschaften ist es hier richtig dunkel, nicht nur so ein bisschen, wie man es vom Rhein-Main-Gebiet gewohnt ist.

Kopfplatte, Halsende und Zugang zum Halsspannstab

Jede Gitarre hat eine mehr oder weniger einzigartige Kopfplatte. Meine Les Paul bekommt eine im klassischen Stil, also ähnlich der von Gibson.

Sie ist nicht ganz so breit, würde ich mal schätzen, ohne jetzt einen direkten Vergleich zu haben. Dafür ist sie mit dem restlichen Hals aus einem Stück Holz gebaut und es werden auch keine Seitenteile angeklebt. Anhand der Schablone schneide ich die grobe Form mit der Bandsäge aus und schleife die Rundungen anschließend mit der Maschine und dem Handschleifer (siehe Bild oben) zurecht.

Am Ende des Halses befindet sich ein Holzfortsatz, der unter dem Griffbrett, welches später draufgeklebt wird, in den Korpus mündet. An dieser Stelle entzünden sich unter Les Paul Fans häufig Diskussionen, wie hier ein korrekter Übergang auszusehen hat. Dabei wird um jeden Zentimeter gestritten, den dieser Fortsatz länger ins Holz ragt und in welcher Form er gefertigt ist. Bei mir ist das ganz einfach: er ist so lang wie möglich und reicht daher bis zum (oder sogar unter) den ersten Pickup. Dieser Fortsatz wurde heute aus dem Hals gefräst, er beginnt am 16ten Bund.

Anschließend wurde das Palisander Griffbrett mittels Epoxi-Kleber aufgeklebt. Dieser Klebstoff war nach dem Mischen immer noch sehr dünnflüssig und daher höchst wahrscheinlich nicht mehr im besten Zustand, da sich die Griffbretter hartnäckig gegen eine Fixierung gewährt haben. Nach der Mittagspause hat es dann aber gepasst.

Da das Griffbrett jetzt auf dem Hals montiert ist, muss man ja später irgendwie wieder an den Halsspannstab herankommen, der darunter liegt. Das wird im Hause Formentera Guitars auf etwas andere Art und Weise gelöst, als das bei anderen Herstellern der Fall ist. Fender und Gibson beispielsweise legen den Zugang für die Stellmutter entweder ganz oben an den Anfang der Kopfplatte oder ganz nach hinten, ans Ende des Halses. Dieser muss dann zum Verstellen entweder abgeschraubt werden oder man entfernt das ganze Pickguard mit den Tonabnehmern. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten.

Bei uns wird keine von diesen Lösungen verwendet, sondern es wird ein ovales Loch in das Griffbrett gefräst. Hierüber kommt man mit einem Schraubschlüssel bequem an die Mutter. Ein Nachteil ist jedoch, dass die Abdeckung dieses Lochs aus Kunststoff ist. Dieser ist entweder durchsichtig oder schwarz. Und er hat ein kleines Loch in der Mitte, in das man eine Schraube (M3) dreht, die nach einer Weile den unter Spannung stehenden Plastikverschluss nach draußen befördert. Das nächste Bild zeigt die Reparaturaktion vom Folgetag, aber auch hier ist die Abdeckung zu erkennen.

Man erkennt diese Abdeckung zum einen also leicht, und zum anderen liegt sie beim wieder hineindrücken nicht immer plan auf dem Griffbrett auf. Für mich keine optimale Lösung. Zumal ich nicht zu der Sorte Gitarrist gehöre, die ständig ihre Halsbiegung anpassen müssen und daher permanent Zugang zum Spannstab brauchen. Aber so wird das nun mal hier gebaut.

Dicker Hals

Heute (und auch die nächsten Tage) ging es um das Thema Halsbau. Auch dieser wird von uns vollständig selbst gefertigt. Die Theorie dazu hielt sich allerdings in Grenzen. Wie man die Abstände der Bünde kalkuliert war nicht Thema, denn dafür gibt es Schablonen. Zumindest, wenn man einen Hals im Stil von Fender, Paul Reed Smith oder Gibson baut. Denn diese haben in der genannten Reihenfolge abnehmende Maße. Hinzu kommt, dass für einen Fender-Hals liegende und für einen Gibson-Hals stehende Jahresringe bevorzugt werden. Je langsamer ein Baum wächst, desto stabiler und dichter ist das Holz. Somit kann es sehr unterschiedlich aufgebaut sein, je nachdem ob es nährstoffarm auf einem Felsen oder in fruchtbarem Boden gewachsen ist.

Der Hals einer Gitarre (natürlich auch beim Bass) besteht aus folgenden Teilen:

  • Der eigentliche Hals, also das tragende Holz (Neck)
  • Halsspannstab (Truss Rod)
  • Griffbrett (Fretboard)
  • Kopfplatte (Headstock)

In dieser Reihenfolge haben wir dann auch gearbeitet. Zunächst stand wieder die Entscheidung nach dem Holz für den Hals an. Das war bei mir Mahagoni, wie bei einer Les Paul üblich. Das Griffbrett ist aus Palisander, welches sehr hart ist und sich wenig abnutzt. Hier gibt es diverse Tönungen, die von tiefschwarz ins helle oder sogar ins violette gehen. Meines ist so eines von der leicht violette Sorte und es hat eine kräftige Maserung. Dafür habe ich sogar ein kleines Astloch in Kauf genommen.

Während der Hals mit einem Kanal für den Spannstab versehen wird (siehe weiter unten), haben wir uns parallel schon einmal um die Fertigung des Metallstabs gekümmert. Es ist so, dass ein Hals, wenn er nur aus Holz bestünde, irgendwann dem Zug der Saiten nachgeben und sich biegen würde. Um das zu verhindern, wird in das Holz ein Metallstab eingelegt.

Die Alternative zu diesem Stab wäre, sehr dickes Holz für den Hals zu verwenden, was natürlich niemand will. Die ersten Gitarren wurden noch so gebaut, auch bei Klassikgitarren braucht man wegen der Natursaiten mit niedrigerer Spannung keinen Stab. Also misst man die Länge des Metallstabs so ab, dass er kurz vor dem ersten Bund beginnt und ca. am zwanzigsten Bund endet.

An beiden Seiten erhält er ein Gewinde, dass wir manuell mit einem Gewindeschneider (M5) fertigen. In diesem Fall ist der Stab 5 mm dick und wird nachher eingefettet gegen Korrosion in den 6 mm breiten Kanal eingelegt. An das eine Ende des Stabs wird ein Metallstück geschraubt und der Stab oben breit geklopft. Das ist das feste Ende. Am anderen Ende zwischen dem 19. und 20. Bund wird auch ein Gewinde benötigt, in das eine Mutter geschraubt wird. Diese Mutter frisst sich in das Gewinde gegen den Widerstand vom Holz und spannt somit den Halsstab. Sie kann in beide Richtungen gedreht werden und wird deshalb weltmännisch „dual action“ genannt.

Bevor der Stab in den Kanal eingelegt werden kann, muss dieser natürlich erst noch gefräst werden. Das findet statt mit einer kleinen Handfräsemaschine.

Der Kanal geht nicht einfach gerade durch die Mitte des Halses, sondern er ist gebogen, wie ein leicht gespannter Jagdbogen. Damit liegt der Stab später schon vorgebogen im Inneren des Halses. Da so eine Wölbung des Kanals freihand wieder einmal nicht zu erzeugen ist, kommt eine gebogene Schiene aus Plexiglas zum Einsatz, auf welcher die Fräse hin und her gleiten kann und entsprechend tief oder flach fräst. Nachdem der Stab im Hals liegt, kann der offene Kanal schließlich mit einem passenden Holzstück und etwas Kleber geschlossen werden.

Deckenwölbung und Elektronikfächer

Heute standen die folgenden zwei Dinge an:

Fertigen der Deckenwölbung

Eine Les Paul besitzt eine gewölbte Decke. Das lässt sie gitarrenartiger aussehen als die flachen Fender-Bretter, bringt aber auch einen Arbeitsschritt mehr mit. Da hier in der Werkstatt nichts per computergesteuerter CNC-Fräse gefertigt werden kann, wie das die großen Hersteller machen, muss die Wölbung per Hand erzeugt werden. Zum Glück, denn diese Gitarre soll ja auch reine Handarbeit sein. Zum Erzeugen der Wölbung wird die Kreissäge verwendet, da das große runde Sägeblatt einen passenden Durchmesser besitzt. Ob das jetzt wirklich hundert Prozent wie bei einer Original Les Paul ist, sei mal dahingestellt. Aber das fertige Resultat kann sich sehen lassen.

Die grobe Schnittkante muss hinterher natürlich geglättet und von den Sägespuren befreit werden. Diese Spuren gehen schwerer raus, als gedacht. Denn das Holz ist im Muster der Sägezähne komprimiert und muss entsprechend intensiv abgeschmirgelt werden. Das Abschmirgeln mit Sandpapier sollte immer in Faserrichtung erfolgen, was bedeutet, quer zu den Jahresringen zu schleifen. Vor der Schmirgelaktion nimmt man noch einen kleinen Handhobel und gleicht damit die Rundung der Kante in schnellen kreisförmigen Bewegungen an. Es reicht, den hinteren bauchigen Teil zu bearbeiten, da die Decke vorne in Richtung Hals später sowieso noch abgeflacht wird. Der Hobel sollte so eingestellt sein, dass er nur kleine Späne abschneidet.

Eines muss man sich dabei wirklich hinter die Ohren schreiben beziehungsweise ins Hirn fräsen: Holz entfernen geht immer, aber was hinzufügen ist (fast) unmöglich. Also immer schön in kleinen Schritten arbeiten, dann wirken sich Fehler nicht so gravierend aus. Das bedeutet auch, beim Zuschneiden mit der Bandsäge lieber einen Millimeter zu viel als einen zu wenig stehen zu lassen. Auf der anderen Seite ist jeder überstehende Millimeter gleichbedeutend mit mehr Sandpapieraktion… Meine Finger können ein Lied davon singen. Nur soviel: die Les Paul und ich, wir sind jetzt Blutsbrüder. Hugh.

 

Fräsen der Elektronikfächer

Um größere Aussparungen in den Korpus zu schneiden verwenden wir eine Oberfräse. Das ist vom Prinzip her eine größere Bohrmaschine, die mit dem Bohrfutter nach unten hängt. Nur anstatt Bohrer einzuspannen, nimmt man eben spezielle Einsätze zum Fräsen. Diese besitzen an beiden Seiten Messer und schneiden daher nur in eine Richtung gut. Durch Senken der Fräse in die Oberfläche des Holzes kann man sehr schnell sehr viel Material weghauen. Da das freihand sehr Riskant ist, gibt es Schablonen. Darin wird der Korpus fixiert und man kann ihn jetzt nur noch innerhalb der Grenzen der Schablone bewegen.

Danach ist es recht einfach: man senkt den Fräskopf in das Holz und schneidet es innerhalb der Grenzen der Schablone weg. Da das Fach für die Elektronik – es enthält später die Potentiometer, Schalter und Kabel – ein paar Zentimeter tief wird, muss man den Vorgang einige Male wiederholen. Es gehen immer nur 6 mm auf einmal.

Eine Les Paul hat zwei Humbucker Tonabnehmer, die jeweils durch zwei Regler für Lautstärke und Höhen gesteuert werden können. Das bedeutet, dass das E-Fach vier Potis aufnehmen muss. Diese sind rund und haben eine Metallachse, die durch den Korpus hindurch gesteckt wird, bis sie oben wieder herausguckt. Darauf werden später Plastikknöpfe gesteckt. Zwischen Fach und Oberseite müssen 5 mm Deckenstärke stehen bleiben. Das bedeutet, in den Boden des Fachs müssen jetzt noch vier etwas tiefer gehende Aussparungen für die Potis gefräst werden.

Damit diese an der richtigen Position gefräst werden, bohrt man zunächst vier kleine Löcher von 3 mm vollständig durch, da diese die genaue Position der Potis auf der Decke festlegen. Zentriert über diesen Löchern wird dann die Aussparung gefräst. Am Ende werden die kleinen Löcher auf 10 mm aufgeweitet, je nach Achsendicke der Potis. In meinem Fall wird eines davon als Push/Pull funktionieren und hat eine dünnere Achse, welche ein 8 mm Loch braucht. Beim Bohren dieser finalen Löcher sollte man von außen in einem leichten Winkel bohren, da einige Regler an Stellen sitzen werden, die im Bereich der Wölbung liegen. Es sieht einfach schöner aus, wenn die Drehregler der Kontur folgen.

I’m still sanding

Nach einem gemütlichen Frühstückskaffeetrinken ging es wieder in die Werkstatt. Ich war schwer gespannt, wie meine beiden zusammen geleimten Holzstücke die Nacht in der Presse überstanden haben… aber alles gut! Danach kam der Teil des Tages, der am meisten Konzentration, Blut, Schweiß und Sägemehl verbraucht hat: das Aussägen des Korpus. Es ist ja nicht so, dass diese olle Maschine mal sägen würde, wie man es sich insgeheim vorstellt. Nein, sie hat auch ein Eigenleben und sie möchte vor allem geführt werden. Das heißt, wenn eine Kurve ansteht – und davon ist eine Les Paul nun mal voll – sollte man deren Verlauf schon antizipieren und ein wenig früher eingelenkt haben. Falls man das vergisst, heißt es: Maschine ausschalten, Sägeblatt zurückschieben, bisschen stärker einlenken und weiter geht es. Ziel ist es, knapp außerhalb der Bleistiftmarkierung zu bleiben, welche den äußersten Rand des Korpus definiert. Das war doch manchmal etwas eng… andererseits möchte man auch nicht zu viel Holz stehen lassen, denn das muss ja später alles weg. Nur dann anstatt mit Maschine mit der Handfeile und Sandpapier!

Nach dem Aussägen war also Feilen angesagt. Der Trick ist, mit der ganzen Hand immer wieder zärtlich über die Flanken der Paula zu streicheln, um wirklich alle Unebenheiten zu spüren. Die müssen dann weg. Auch die Brandmarken im Holz, die von verzweifelten Kurskorrekturversuchen der Bandsäge stammen, müssen verschwinden. Ganz zu schweigen von ins Holz gehackten Kerben mit dem Sägeblatt. Die inneren Rundungen können zum Glück mit der Maschine geschliffen werden.

Das Angleichen der Form mit der Feile beschäftigt einen erstmal den längsten Teil des Tages, zusammen mit dem Abschmirgeln („sanding“) der schmalen Seiten des Korpus. Daher auch Nadav’s freie Interpretation von Elton John’s Hit „I’m still sanding“. Mit Schmirgeln sollten wir auch die nächsten Tage noch reichlich beschäftigt sein.

Der Trick beim Abrunden der Kanten (und eigentlich beim Bauen der Gitarre insgesamt) besteht darin, immer nur kleine Schritte zu machen. Am Ende sieht das Ergebnis zwar wie eine dahingezauberte Gitarre aus, in Wahrheit wurde sie aber doch nur mit Wasser gekocht. Immer ein Schritt nach dem anderen. Das klappt sogar für durchschnittlich begabte Schreinergesellen wie mich ganz hervorragend.

Die Kanten wurden also zunächst im 45 Grad Winkel mit der groben Feile abgeflacht. Die neu entstandenen zwei Kanten wurde dann ihrerseits wieder mit einer feineren Feile im halben Winken gefeilt. Danach geht man mit Sandpapier drüber und hat, voilà, eine zauberhaft schöne, abgerundete Kante mit etwa 5 mm Bogendurchmesser. Indem man mit dem Sandpapier beim Schleifen dem Faserverlauf des Holzes folgt, vermeidet man später sichtbare Schleifspuren. Tipps dieser Art hat Ekki immer parat.

Bruno hatte leider nicht so viel Glück. Der Leim, der seinen Korpusboden mit der Decke verbinden sollte, hat nicht gehalten und er musste noch mal neu verleimt werden. Später am Abend dann ein drittes Mal. Wollte einfach nicht halten, trotz Presse und Schraubzwingen. Dieses Wenge-Holz sollte später auch bei meinem Hals etwas problematisch werden, allerdings wird es dort nur als dünner Trennstreifen verwendet.

Nadavs Gitarre macht fast dieselben Schritte durch wie meine. Da es sich um einen Tele-Body aus Massivholz handelt, braucht er natürlich keine aufgeleimte Decke. Dafür hat er sich für eine Aussparung auf der Rückseite entschieden, welche dafür sorgt, dass keine harte Kante direkt in den Bauch drückt. Ich wollte das nicht, denn meine Klampfe darf ruhig kantig sein. Wie der Herr so’s Gescherr.

Hölzerne Körper

Da die Fonda Pepe – das Restaurant, welches zum Hostal gehört – noch nicht geöffnet hat, fand das Frühstück in der Bar vom Hotel „Illes Pitiüses“ statt. Mehr als ein Kaffee war es nicht, was ich später noch bereuen sollte. Der Kurs besteht aus lediglich drei Teilnehmern. Außer mir sind das noch Nadav aus Israel und Bruno aus Portugal. Die Amtsprache ist folglich Englisch. Bruno lebt seit Jahren schon in England und Nadav spricht auch gut Englisch, daher können wir uns prima verständigen.

Nach ein paar Stunden Theorie zum Thema Holz, Zuschnitt und Resonanzverhalten ging es dann los mit der Holzauswahl. Folgende Instrumente werden gebaut:

  • Nadav: Gitarre in Telecaster Bauform aber ansonsten mit allen Merkmalen einer Stratocaster. Also Erle Korpus, Ahorn Hals und Tremolo-Brücke.
  • Bruno: Bass in Phantasieform. Hier hatte Ekki seine liebe Not, Brunos Pläne zu konkretisieren. Es wird aber wohl ein Korpus aus Ash (Esche, sehr hell) mit Decke aus Wenge (fast schwarz). In diese möchte er die Form eines Phönix reinschnitzen. Man darf gespannt sein.
  • Ich selbst habe mich für eine Les Paul Gitarre entschieden. Traditionell besteht diese aus einem Mahagoni Korpus, Mahagoni Hals mit Palisander Griffbrett und einer Ahorn Decke.

Heute sind wir schon sehr weit gekommen. Nach der Auswahl der Holzplanken und dem Zusägen mussten wir anschließend die Schablonen für die Korpusform möglichst geschickt anlegen. Ziel war, den schönsten Teil der Maserung zu erwischen und mögliche Astlöcher außen vor zu lassen.

Die heutigen Arbeitsschritte im Einzelnen:

  1. Holz auswählen. Das Lager hat einiges zu bieten. Geklärt werden muss, ob die Klampfe eher traditionell wie das Vorbild gebaut sein soll oder mit einer anderen Holzkombination. Oben im Regal liegt das schön gemusterte Holz mit Flammen, Quilted oder Vogelaugen. Das kostet dann Aufpreis. Hierbei ist es immer amüsant, Ekkis angestrengtes Gesicht beim Kalkulieren des genauen Betrags zu betrachten. Für einen besonders schönen Body muss man schon mit gut 100 Euro Aufpreis rechnen, ein Hals vielleicht 40. Das kommt natürlich auf die Qualität des Holzes an.
  2. Grober Zuschnitt, so dass nur noch das Holz rund um den Body übrig bleibt und die Rinde ab ist. Hier halte ich gerade die Schablone für den Korpus an das Deckenholz.
  3. Aufklappen der Planke, um zwei Teile zu erhalten, die „bookmatched“ sind. Dazu wird das Holz längs durchgesägt. Hier nicht gut zu sehen, da die Teile noch ungeschliffen sind. Das schwarze sind Brandspuren, welche von der Säge erzeugt werden. Obenauf liegen die beiden Mahagoni-Planken und drunter die dünneren Ahornstücke für die Decke.
  4. Planhobeln der Stücke, so dass sie vollkommen flach und eben sind. Besonders an den Stellen, die später verleimt werden.
  5. Über Mittag Zusammenkleben der beiden aufgeklappten Stücke. Hierfür spannt man sie mit Pressen und Zwingen zusammen.
  6. Nach dem Trocknen und Entfernen von überschüssigem Klebstoff wieder glatt hobeln.
  7. Danach glatt schleifen mittels Maschine. In vielen Durchgängen, bis die letzten Unebenheiten weg sind. Jeder Durchgang entfernt 0,4 Millimeter.
  8. Ich hatte nun also zwei Teile: den dickeren Bodenteil aus Mahagoni und den dünnen hellen Teil aus Ahorn.
  9. Jetzt kann die Kontur des Körpers mit Hilfe der Schablone aus Plexiglas auf Decke und Korpus übertragen werden.
  10. Zusammenleimen von Decke und Korpus, dafür wird eine spezielle Presse verwendet. Das Resultat sieht man hier.

Ziemlich viel für den ersten Tag, wer hätte das gedacht. Da wir nach dem ersten Verleimen ca. 1,5 Stunden warten mussten, haben wir dann Mittag gemacht. Das war letzten Endes um halb sechs und unsere Mägen hingen uns schon zwischen den Beinen. Es gab leckere Tapas und anschließend ging es dann weiter.

Frankfurt – Formentera

Seit einigen Jahren schon überlege ich mir, wie cool es wäre, eine eigene selbst gebaute E-Gitarre zu haben. In diversen Artikeln habe ich immer wieder von dieser einen Insel im Zusammenhang mit Gitarrenselbstbaukursen gelesen: Formentera. Hier hat Ekkehard Hoffmann eine Werkstatt (www.formentera-guitars.com) und bietet Kurse für gitarrenbegeisterte Laien an. Da ich dieses Jahr mit recht viel Urlaub gesegnet bin, beschloss ich, zuzuschlagen.

Um 5 Uhr war die Nacht zu Ende. Warum sind Flüge zu humanen Zeiten bloß so teuer? Um kurz nach 7 ging der Flug dann ab in Richtung Spanien. Die Insel Fomentera hat keinen eigenen Flughafen, aber Ibiza gleich neben dran hat einen. Zunächst ging es aber nach Madrid. Musste leider sein, alle anderen Flüge waren nicht bezahlbar. Die Fluggesellschaften karren ihre Kunden ziemlich gerne kreuz und quer durch Europa. Das füllt leere Plätze und spart mir so einiges an Kosten. Außer Zeit, die kostet es dafür extra.

Im Hafen von Ibiza bin ich dann mit der Fähre rüber nach Formentera gefahren. Das dauert nur eine gute halbe Stunde, man sieht die Insel schon bequem von Ibiza aus. Leider war Ostersonntag und der Bus fuhr nicht mehr. Dachte ich jedenfalls. Als ich dann im Taxi nach San Ferran saß, kam mir der Bus entgegen. Spanische Fahrpläne muss man nicht verstehen.

Das Wetter war schlecht, sehr bedeckt und wolkig. Als es dann zu regnen anfing, bin ich durch den Ort gelaufen um mal zu gucken, was es hier so hat. Es ist übersichtlich. Sehr sogar. Die meisten Kneipen und Bars haben noch geschlossen. Es geht hier wohl erst ab Mai los. Etwas kühl ist es auch. Hätte vielleicht einen späteren Kurstermin wählen sollen.

Mein zu hause für die nächsten drei Wochen ist das „Hostal Pepe“. Es liegt gleich um die Ecke von Ekkis Werkstatt. Mein Zimmer ist preisgünstig und simpel. Auf zehn Quadratmetern finden die drei Möbel (Bett, Schrank, Stuhl) hier bequem Platz. Im ein-Quadratmeter-Bad muss man die Beine in die Dusche stellen, während man auf dem Thron sitzt. Warmes Wasser sollte erst drei Tage später kommen.

Habe Ekki in seiner Werkstatt einen kurzen Besuch abgestattet. Morgen um zehn geht es los. Jetzt wird erstmal ausgeschlafen.