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Café Leopold

In der Nähe vom Suba Palace Hotel befindet sich das populäre „Café Leopold“. Hier sitzen vor allem Ausländer und trinken ihren Cappuccino oder ein Pint Kingfisher. Es ist teuer und überlaufen, vor allem abends, aber mein Cappuccino war gut. Während ich ihn so vor mich hingeschlürft habe, wurde mir bewusst, dass dieses Café ein prima Ort für den nächsten Terroranschlag ist. In Pune haben sie ja auch die „German Bakery“ in die Luft gejagt und nicht das nahe gelegene „Oh Calcutta!“ oder ein ähnliches Restaurant für Einheimische. Vor dem Leopold verläuft direkt der Colaba Causeway, dazu stehen noch alle Türen weit offen bzw. es gibt gar keine. Man bräuchte bloß gemächlich hineinspazieren und sich auf die Jungfrauen im Paradies freuen. Traurig, so was zu denken. Aber verdrängen kann man es auch nicht, denn es kann jederzeit wieder passieren. Und die überall herumstehenden Polizisten mit Gewehren können daran auch nichts ändern.

(Nachtrag: wie ich später recherchiert habe, war dieses Café tatsächliche das erste von mehreren Zielen für Terrorattacken während der Anschlagserie von 2008)

Einen indischen Chai-Tee haben sie in diesem Café nicht, auch kein Kulfi Eis. Also habe ich mich für „Falooda“ entschieden. Dabei handelt es sich um eine Art Milch-Shake. Er wird mit einem mir unbekannten Eis und einem noch unbekannter schmeckenden roten Sirup sowie mit Maracuja hergestellt. Der Shake ist gar nicht mal so süß, ein weiteres Indiz dafür, dass es das Leopold nicht auf den einheimischen Geschmack abgesehen hat. Der Sirup erinnert an Badeschaum, mit einer Note von Reinigungsmitteln. Kampfer ist es nicht, schmeckt eher wie die flüssige Version dieser roten Räucherstäbchen. Muss das mal googlen. Andererseits – vielleicht auch besser nicht. Wenn man alles weiß, ist der thrill gone…
(Wer es doch wissen will: HowtomakeFalooda)

Abends war ich auf Empfehlung des Liftboys (eigentlich ein armer Liftopa, der immer von seinem Hocker hochschreckt, wenn jemand den Knopf drückt und dann hektisch das Gitter vor der Tür zur Seite schiebt) in einem Lokal nicht weit vom Regal-Kino essen. Hatte es nachmittags auf dem Rückweg schon erspäht. Es fällt allein wegen seines hübschen Äußeren schon auf, leider war es innen dann trauriger Standard. Ein unglaublich lahmer Angestellter bequemte sich irgendwann, meine Bestellung aufzunehmen. Aber erst, nachdem er langsam schlurfend den Weg zu meinem Tisch gefunden und lauthals die Nase hochgezogen hatte: „Yessir…?“. Ich bestellte eine gemischte Barbecue Platte aus dem Tandoor. Es war Ok, nur nicht wirklich heiß. Das Fleisch war sehr zart und gut gewürzt, da könnten auch deutsche Metzger noch etwas von lernen. Zum Nachtisch habe ich es endlich geschafft, „Kulfi“ zu bestellen. Wie sich herausstellte, hatte ich es irgendwann früher schon einmal probiert. Es schmeckt immer noch gewöhnungsbedürftig. Subjektives Rezept:

  • 8 Teile Zucker
  • 1 Teil gesüßte Kondensmilch
  • 1 Teil H-Milch

Nicht wirklich mein Ding.

Echtes Rezept: Kulfi.

Indian Summer

Aufschrift einer 7up-Flasche:
7up – Life is like a lemon, squeeze every drop! (CONTAINS NO FRUIT)

„Indian Summer” hieß das Lokal meiner Wahl (guckst du Google Maps). Sehr originell und auch passend zur Situation, in der ich mich befand. Nachdem ich zunächst einmal in der Gluthitze der Mittagssonne am Marine Drive herumgeschlappt bin, bog ich irgendwann in eine Seitenstraße ein, in der das Restaurant lag. Der Marine Drive, eine Art Uferpromenade, folgt dem Verlauf der Bucht in Richtung Chowpatti Beach und liegt in der prallen Sonne. So können sich die Steinplatten ganz hervorragend aufheizen und man wird wie im Tandoor von allen Seiten schön gegrillt. Mit Umluft.

Wer schlappt schon in der Mittagshitze bei 40 Grad durch die Stadt? Eben, nur ich und andere idiotische Touris. Rechtschaffene Inder halten jetzt lieber ein Mittagsschläfchen, so von 13 bis 16 Uhr. Genau hierfür erschuf Gott den zurückklappbaren Fahrersitz.

Das Restaurant bot ein Buffet, das bedeutet also, jede Menge verschiedener Currys. Alleine die servierten Vorspeisen hätten schon gereicht, um mich satt zu machen. Denn aufgrund der Temperatur war es mit dem Hunger nicht so weit her.

Es gab diese wunderbaren aufgepufften Teigkugeln, in welche man einige grüne und weiße Mungebohnen (oder andere Samen/Nüsse?), Kichererbsen sowie zwei Saucen füllt. Selbst die Inder haben mehrere Namen für die Teile: Pani Puri, Gol Gappa oder Puchka – je nach Region. Die eine Sauce entspricht der giftgrünen Allroundwürze aus Koriander, Minze und grünem Chilli. Die andere ist auch etwas scharf aber größtenteils süß und außerdem rot. Obendrauf kann man noch frittierte Teigkrümel streuen. Dann am Stück ab damit in den Mund und die folgende Geschmacksexplosion genießen… toll! Eine Variante war mit Joghurt sowie den beiden Saucen gefüllt, auch sehr lecker.

Danach gab es eine nicht erwähnenswerte Hühnersuppe, gefolgt von in einen dünnen Teigmantel eingeschlagenem Hühnerfleisch mit Chillisauce. Das war so ähnlich wie das, was es auf dem Hinflug nach Pune zum Frühstück gab. Nur jetzt also in frisch, und nicht aus der Flugzeugdampfküche.

Jedes einzelne Curry des Buffets aufzuzählen spare ich mir jetzt – sie waren gut, aber nicht außergewöhnlich. Buffet eben.

Rezept für Pani Puri hier (nicht ganz so wie in Mumbai).

Mehr Hintergründe zu indischem Streetfood.

Thali, all you can eat

Zum Lunch gab es heute „Thali“, und das geht so:

  1. Hinsetzen
  2. Thali serviert bekommen
  3. Essen
  4. Nachfüllen lassen
  5. Essen, etc.
  6. Zahlen, und schließlich den eigenen Dickwanst aus dem Restaurant schieben

Bei einem Thali handelt es sich um eine Platte mit gemischten Speisen. In der Mitte stapelt sich das Fladenbrot, der Reis, Gurkensalat und die unvermeidlichen Zwiebel- und Limettenstücke. Drumherum reihen sich in kleine Blechschüsseln gefüllte Köstlichkeiten auf. Meistens ist der Inhalt vegetarisch, es gibt also Dal (Linsensuppe), verschiedene Currys in scharf, in süß und in scharf-süß und noch Curd (Joghurt). Als Inder würde man jetzt alles mit dem Reis zermanschen und es sich mit der Hand hineinschaufeln. Als unzivilisierter Deutscher greift man doch lieber zum Löffel und nutzt die Hand nur zum Stippen von Brot in Curry. „Brot mit Tunke“, wieder eine Gemeinsamkeit zwischen deutscher und indischer Küche.

thali_pune

Sobald sich der Pegel der Schälchen senkt, kommt einer vom Restaurant herbeigeeilt und füllt sie wieder aus seinem 4-fach-Curry-Vorratsbehälter auf. Das funktioniert relativ unemotional, so wie man es sich in einem Gefängnis vorstellt: Kelle rein und einen ordentlichen Platscher auf die Thali-Platte gemacht.

Wer hauptsächlich Chapatis isst, so wie ich, der ist übrigens offiziell nur halb satt. Denn ohne Reis ist für einen Inder der Magen nur halb gefüllt. Klingt irgendwie nach der weltweit üblichen Erziehungsmethode der Eltern: wer die meisten Klöße/Kartoffeln/Brot isst… na und so weiter.