Archiv der Kategorie: Kroatische Adria

Segeln auf der Adria 8: Wilson…!

Tagsüber lasse ich mich gerne und so oft wie möglich vom Autopiloten herumkutschieren, besonders unter Motor. Genaugenommen ist er mein engster Verbündeter auf dieser Reise, jedenfalls immer dann, wenn ich einhand unterwegs bin. Da ich eine Pinne zum Steuern habe und kein Rad, nennt man ihn auch „Pinnenpilot“. Er wird in einen Flansch an der Wand des Cockpits gesteckt und am anderen Ende auf einen Dorn an der Holzpinne gelegt. Er hält die Richtung wirklich sehr genau, vor allem, wenn wenig Seegang herrscht. Wie er es genau macht, weiß wohl nur der Hersteller. Es gibt wohl ein paar Algorithmen, nach denen er anhand der Reaktion der Pinne auf den Wellengang oder die generelle Tendenz des Bootes schließen kann, eine bestimmte Richtung zu bevorzugen. Grundsätzlich verfügt er über einen eingebauten Kompass, und den verwendet er zum Kurshalten. Nicht etwa die Windrichtung, man muss ihn also unter Segeln ab und zu anpassen, damit das Boot keinen Unsinn fährt. Strom braucht er natürlich auch, daher lasse ich ihn nur stundenweise ran oder unter Motor auch gerne mal länger. Beim Segelsetzen ist er auch Gold wert, aber darüber schreibe ich ein andermal.

pinnenpilot

Das war die Vorgeschichte, nur zum Verständnis. Während also der Pinnenpilot pilotiert, sitze ich auf einem Kissen (des Skippers knochiger Hintern wird mit den Wochen immer empfindlicher vom vielen Rumsitzen) vorne an Deck und lasse mir wahlweise die Sonne auf den Bauch scheinen oder genieße den Schatten des Segels. Beim Einlaufen in eine Bucht verziehe ich mich dann wieder ins Cockpit und fange mit dem Rundendrehen zum Suchen eines Ankerplatzes an oder hänge Fender raus, sortiere Leinen oder was weiß ich eben alles. An diesem Tag war es recht windig, so 5 Beaufort mit stärkeren Böen dazwischen. Nach einer Weile liegt meine Zelda gut vor Anker und ich trage unten in der Kabine die üblichen mickrigen zurückgelegten Seemeilen (meist so um die 20) ins Logbuch ein. Da höre ich noch eine Böe und das Schleifen eines Gegenstandes über Deck… schnell rausgerannt und wie vermutet trieb das schöne blaue Kissen schon mit dem Wind über das Meer in Richtung Bari davon.

Aber das Leben besteht aus Herausforderungen, und natürlich musste auch diese angenommen werden. Also Brille schnell runter und Kopfsprung hinterher. Das Kissen war schnell eingeholt, doch dann fiel mir etwas ein, was ich vor dem Kopfsprung wohl nicht bedacht hatte. Nämlich, wie kommt man eigentlich an Bord zurück, wenn man die Badeleiter noch nicht heruntergelassen hat? Das 1-Euro Schrottkissen von AWN ist gerettet, aber ich soll jetzt die Nacht unter der Bordwand hängend verbringen? Der Schreck währte nur kurz, denn mein Bootchen hat wirklich keine sehr hohe Bordwand und ich hatte ich mich zu Übungszwecken auch schon einmal daran hochgezogen. Ist zwar anstrengend, es geht aber gut. Zumindest wenn man nicht zu viele Kilos mit sich herumschleppt. Jedenfalls, was hatte ich noch vor kurzem über diesen selten dämlichen Film „Open Water“ gelacht, wo eine Gruppe Heinis allesamt ins Wasser springen und nicht mehr zurück an Bord kommen wegen besagter vergessener Leiter! Aber jetzt muss ich zugeben, dass es durchaus Gründe für solch ein, ähem, „Missgeschick“ geben kann.

Übrigens klappt es auch auf größeren Booten, wieder an Deck zu kommen. Mit Teamwork geht fast alles! Man muss sich gegenseitig stützen und der Kräftigste wird schon die Kante der Bordwand zu fassen kriegen und kann sich dann mit den Beinen zuerst hinaufwinden. Aber einfach ist es nicht und nach einigen Versuchen muss das auch hinhauen, sonst war’s das nämlich mit der Kraft in den Fingern.

open_water

Das Kissen lag noch eine Weile zum Trocknen in der Sonne, und wenn mich nicht alles täuschte, zeigte es einen etwas hämischen Gesichtsausdruck und zwinkerte mit einem Auge. Mein Wilson!

wilson_kissen

Segeln auf der Adria 7: Ankern, Boje oder Hafen?

In Kroatien hat es sich durchgesetzt, dass immer mehr schöne, von allen Seiten geschützte Buchten mit Bojenfeldern vollgepflastert werden. Das ist einerseits nicht schlecht, da so mehr Boote hineinpassen und diese auch meist an gut befestigen Bojen liegen. Preislich reden wir hier von 10-20 Kuna pro Meter Bootlänge, das sind umgerechnet 1,30-2,60 Euro. Das ist zu verkraften, denn im Hafen kostet es 3 Mal so viel. Dort bekommt man allerdings auch Wasser, Strom, Toiletten und Duschen.

Dennoch wurmt es einen, dass die besten Buchten nicht mehr zum Ankern zur Verfügung stehen. Man kann in der Nähe von Bojenfelder schon noch ankern – aber man wird dennoch abkassiert, so als ob man an einer Boje hinge. Hier greift die neuerdings verabschiedete Regelung, dass im Umkreis von 300 Metern um ein Bojenfeld nicht mehr kostenlos geankert werden darf (wer dagegen ist, kann sich hier eintragen). Der kroatische Staat ist zur Zeit sehr kreativ im Erfinden von Gebühren. Man weiß ja nie, welche Gebühren noch übrigbleiben, wenn Brüssel nach dem EU Beitritt von Kroatien zum 01. Juli erstmal ausgemistet hat. Da schadet es nicht, die eine oder andere Sicherheitsgebühr, Steuer, Taxe oder Umweltbeitrag in der Hinterhand zu haben.

bojenfeld_sonnenuntergang

Sieht man es realistisch, so werden sich die meisten Crews auf Charterbooten sogar über das große Angebot von Bojenfeldern freuen. Was gibt es besseres, als sich nicht mehr um haltende Anker und das ganze Geraffel kümmern zu müssen! Nur, alle Langzeitsegler, die hauptsächlich ankern, weil sie a) eine gutes Ankergeschirr und b) eine tendenziell knappe Bordkasse haben, ärgern sich über diese Praxis.

Was zum Ankern übrig bleibt, sind meistens nur noch die suboptimalen Buchten, die 2. Klasse, eben überall dort, wo es einen aus mehr als einer Richtung durchschaukeln kann. Natürlich kann man sich auch hier nach Rückversicherung bei der kroatischen Wettervorhersage die Zuckerbucht für die angesagte Windrichtung heraussuchen – aber die Auswahl an freien Buchten schrumpft beträchtlich.

Meine persönliche Reihenfolge bei der Auswahl eines Liegeplatzes liest sich so:

  1. Top Wetter, wenig Wind, Sonne pur: dort ankern, wo es einem gefällt. Der Wind schläft abends eh ein, da macht es keinen Unterschied, ob die Bucht gut geschützt ist oder nicht.
  2. Es besteht die Chance auf schlechtes Wetter, also durchgehend blasender Wind, auch nachts. Oder man möchte einfach sorgenfrei pennen, weil man mal wieder den Wetterbericht verpasst hat. Dann ab an die Boje.
  3. Es ist schlechtes Wetter angesagt oder ein kleines Blitzsymbol auf der Wetterkarte sorgt für gerunzelte Augenbrauen: ab in den nächsten Hafen.
  4. Die natürlichen Ressourcen an Wasser, Strom und Lebensmitteln werden knapp: dann auch ab in den Hafen.

Zum Schluss noch der Link zur ultimativen Seite für Bojenfelder, sie nennt sich „Wosamma“ (eigentlich der Name des Bootes, aber auch so passend) und stammt vom Österreicher Wolfgang Götzinger, der sich die Mühe gemacht hat, das amtliche Verzeichnis der Bojenfelder in eine schöne Google Maps Karte zu implementieren. Der kroatische Staat vergibt die Konzessionen für Bojenfelder auf einer Versteigerung regelmäßig neu, und so können manche Felder verschwinden und neue irgendwo auftauchen. Wie gesagt, hier wird gut Reibach gemacht.

Segeln auf der Adria 6: Ein Lichtlein brennt, rabimmel rabammel rabumm

Boote, die nachts vor Anker liegen, müssen ein Licht zeigen, das Ankerlicht. Die meisten modernen Boote haben es auf dem Mast montiert, manchmal ist es sogar schon eine energiesparende LED Lampe. Ich finde es zwar eher irritierend, dass die Lichter so hoch angebracht sind, da man sie leicht mit wesentlich weiter entfernten Lichtern an Land verwechseln kann. Aber sinnvoll sind sie schon, besonders bei wenig Mond oder bei Bewölkung: man ist ohne Licht ein schwarzes Loch unter schwarzen Löchern. Wie wichtig ein Ankerlicht wirklich ist, wurde mir erst neulich bewusst, als ich in der Mitte einer recht engen, langgezogenen Bucht ankerte. Das Essen war gekocht und längst verspeist, das Anlege- sowie das abschließende Verdauungsbier gezischt und eigentlich sprach alles dafür, so langsam auf den Matratzenball zu gehen. Da merke ich, wie sich ein entferntes Motorboot mit ziemlicher Bugwelle langsam aber mächtig auf mich zu schob. Die Besatzung ahnte wohl schon, dass hier Yachties ohne Licht liegen könnten und suchten ihren Fahrweg mit einem starken Scheinwerfer ab. Mir schoss jedenfalls gleich der Satz meines Ausbilders durch den Kopf: „siehst du grün, weiß, rot, Skipper bist in Not“ oder so ähnlich. Für Nichtsegler: die Farben entsprechen den Positionslampen, welche man links, rechts und in der Mitte führen muss. Sieht man alle drei bei einem anderen Boot, so ist es auf Kollisionskurs mit einem selbst.

ankerlaterne_sturmlaterne

Der Zeitpunkt für die Öllaterne schien gekommen. Eine robuste Konstruktion, jeder kennt sowas vom Camping. Aber erst recht auf einem Boot ist so eine Sturmlaterne einfach genial und macht ihrem Namen alle Ehre. Man kann sie am Mast hochziehen und seitlich verzurren, damit sie nicht durch die Gegend baumelt. Dort hängt sie stabil und kann mit einer Ölfüllung locker 2-3 Nächte (20 Stunden) durchleuchten. Die Leuchtstärke ist selbst auf kleinster Stufe, bzw. Dochtlänge noch viel heller als jegliche für mein Bootchen in Frage kommende elektrische Ankerleuchte. Dazu kommt, dass sie auch einen Teil des Decks anstrahlt, wenn man sie nicht ganz nach oben zieht. So bekommen andere Skipper einen viel besseren Eindruck, was sie da für ein Kahn unterhalb des Lichts erwartet. Wer sagt denn, dass ich kein fetter Katamaran bin? Alleine am Ankerlicht ist das nicht zu erkennen. Und der Knüller zum Schluss: die Sturmlaterne frisst keinen kostbaren Strom! Auf dem Bild zu erkennen ist noch das rote aufgeschnittene PVC-Rohr, in das die Laterne zum Verstauen hinein geschoben werden kann. Der Vorbesitzer hat das konstruiert, damit die Laterne in der Backskiste nicht beschädigt wird. Super praktische Sache, es passt genau.

Wie sich herausstellte, schob sich da ein ca. 20 Meter langes Motorboot-Monster an mir vorbei, mehr schon ein Trawler als eine Yacht, und warf wenige Meter hinter mir seinen Anker. Die schmale Bucht hatte vielleicht 60 Meter Breite, also eigentlich viel zu wenig Platz zum sicheren Ankern für so ein Vieh. Aber wer sagt denn, dass MoBo-Fahrer (Kapitäne, müsste man bei diesem Kaliber schon fast sagen) cleverer als Yachties sind.

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Manche Skipper stellen oder montieren sich neuerdings diese Solarlichter aus dem Baumarkt ins Cockpit. Voller Stolz erzählen sie einem, dass das Ding die ganze Nacht durchhält. Ich unterstelle den Kollegen einfach mal, dass sie diese Lampen für das gemütliche Ambiente beim abendlichen Rotwein verwenden und nicht als ernsthaftes Ankerlicht. Wie gesagt, reine Unterstellung…

Segeln auf der Adria 5: Die erste Überfahrt alleine

Schließlich habe ich die Überfahrt von Rab nach Krk gewagt. Die Prognose sagte zwar immer noch einiges an Wind aus Nord-Osten voraus, aber lange nicht mehr so viel wie die zwei Tage zuvor. Dazu klarer Himmel ohne Gewitter, es musste also losgehen. In der vergangenen Woche habe ich zwar auch die meisten Segelmanöver alleine durchgezogen, aber es macht schon etwas aus, zu wissen, dass immer noch eine zweite Person mit an Bord ist. Man kann mal spontan das Ruder loslassen oder sich vom Cockpit aus helfen lassen, während man selbst am Mast steht und mit den Segeln hantiert.

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Es lief jedenfalls gut. Zwischen den Inseln stand allerdings eine richtig schöne Ostsee-Welle, also relativ kurz und steil. Der Wind kann hier nicht viel Anlauf nehmen, um mehr Welle aufzubauen. Dafür ist die Strecke zwischen dem Festland und dieser Passage zu kurz. Es reichte trotzdem, dass die Gischt meine schöne Zelda von oben bis unten mit Salzkristallen bedeckte. Über dem Velebitgebirge standen wieder die Wolkenkolosse in Reih und Glied, aber die Bora war heute nicht oder nur sehr wenig aktiv. Leider musste ich viel motoren, da es ja gegen Wind und Welle ging (oder zumindest schräg dazu, was angenehmer zu fahren ist). Erst als ich mich der Insel Krk näherte, konnte ich vor dem Wind mit Hilfe der großen Genua (ein Vorsegel) Segeln.

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Segeln auf der Adria 4: Wie das Wetter so ist, wenn es nicht schön ist

Das erste Tief erreicht mich. Weniger mental als meteorologisch. Wie damit umgehen? Seit der Abfahrt aus Portoroz war das Wetter bombig: eine Mörderhitze dank des starken Hochdruckgebiets, keine Wolken, nette Thermikwinde und kaum Wellen. Doch jetzt verabschiedet sich dieses Hoch in Richtung Osten und hinterlässt eine Lücke, die umgehend von einem Tiefdruckgebiet ausgefüllt wird. Dumm nur, dass ein weiterziehendes Hoch hinter dem Gebirge, welches an der jugoslawischen Küste entlangläuft, für eine Bora Wetterlage sorgen kann. Immer, wenn dort mehr Druck herrscht als auf der Adria, fegt der kühle Wind in Sturm- oder sogar Orkanböen aus den Bergen über das Meer. Leider so unregelmäßig, dass in Krk Sturm herrschen kann, während man sich auf Rab in der Sonne aalt. Dazu kommen Gewitter, wenn es sich um eine großräumigere Wetteränderung handelt. Und auch diese sind nicht vorhersehbar. Sich aus dem Hafen heraus trauen kann nach einer Stunde damit enden, durch eine Unwetterfront zu fahren.

Irgendwie haben wir hier gerade von allem etwas. Alle paar Stunden zieht ein besagtes Gewitter hindurch. Und wenn nicht hier auf Rab, dann eben auf Krk, ist schließlich alles in Sichtweite. Dazu die Gewissheit, dass es trotz blendendem Sonnenschein draußen auf dem Meer hin und wieder spontane Bora-Böen von Sturmstärke gibt und schon fällt die Motivation, den Hafen zu verlassen, ganz erheblich. Es ist dennoch eine unklare Sache. Es gibt nicht „das“ schlechte Wetter, wie man es von der Ostsee her kennt. Ist das Wetter dort durchgezogen, kann man mit gutem Gewissen die Leinen loswerfen und weitersegeln. Aber hier ist das anders. Auf der einen Seite herrscht heiter Sonnenschein und 25 Grad, aber keine paar Seemeilen weiter kachelt ein Gewitter herunter. Dazu die Wettervorhersage, welche ausdrücklich vor Sturmwinden in Phantasiestärke warnt… da verlässt man den Hafen nicht freiwillig, auch wenn es der Geldbörse weh tut.

Segeln auf der Adria 3: Dunkle Wolken über Rab

Montag früh wollten Gerd und ich eigentlich von der Insel Rab zur nächsten Insel Krk rüber fahren. Es war zwar ein Gewitter für die Nacht angekündigt worden, weshalb ich mich für den sicheren Hafen entschied. Aber das Gewitter kam nicht. Stattdessen stand morgens um 9 Uhr der Himmel bleischwer am Horizont. Daraufhin beschloss ich, lieber gleich loszudüsen, um noch vor dem Unwetter anzukommen. Das zu schaffen war ein naiver Irrglaube, wie wir nach einer halben Stunde Vollgas (6 Knoten, also eher flottes Jogging) feststellten: Regen, Blitz und Donner sowie eine wachsende Welle machten mich nachdenklich. So fällte ich nach Rücksprache mit Gerd die Entscheidung: wir prügeln da jetzt nicht rüber. Also direkt kehrt gemacht und wieder eingelaufen in die Supertarska Draga Marina. War definitiv die richtige Entscheidung. Auch wenn später wieder für viele Stunden die Sonne scheinen sollte, es war Bora angesagt, also stürmischer Wind aus den Bergen. Und zwar eine ordentliche mit 35-50 Knoten. Für Nichtsegler: das ist Sturm mit Orkanböen. Erwischt einen das mit gesetzten Segeln, kann man selbige als Polyesterkonfetti zu Karneval wiederverwenden.

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Gerd hat sich dann später den Bus nach Istrien geschnappt, wo mein Auto steht, da er bald wieder zu hause sein muss. Ich selber sitze nun abends alleine im Boot und bewundere das zweite Gewitter an diesem Tag. Mein Zeltaufbau für das Cockpit hat sich auch hier wieder bewährt, es kommt kein Tropfen durch. Hatte es an der Ostsee fast jeden Tag im Einsatz. Für die Adria habe ich es optimistischerweise ganz unten in der Backskiste, dem unergründlichen Staufach ohne Boden, untergebracht. Hilft alles nix, unter dem Teil ist es einfach angenehmer bei Regen. Eine dampfende Tasse Kaffee in der Hand und schon kann der gemütliche Teil beginnen.

Lektion jedenfalls heute gelernt: wenn der Himmel schwarz ist, wird es Gewittern, abhauen ist zwecklos. Und nein, das Unwetter wird trotz heftigem Wunschdenken nicht an einem vorbeiziehen. Ich zocke ja gerne mal, aber gegen Mutter Natur ziehe auch ich den kürzeren.

Segeln auf der Adria 2: Ja Servus die Nachbarn!

Nach einer Woche unterwegs sein von Istrien nach Rab hatten wir in vielen schönen Buchten geankert oder auch mal an einer Boje festgemacht. Der erste Hafen auf der Insel Rab, die ACI Supertarska Draga Marina, war folglich ein kleiner Kulturschock. Hatte ich doch geglaubt, die Bayern und Österreicher würden mit ihren Schifferln nicht südlicher als Pula kommen. Doch weit gefehlt, die Autobahnen sind hier gut in Schuss und so fährt es sich flockig in 7 Stunden von München nach Rab, wie mir der bauchige Bayer vom Boot gegenüber versicherte. Er hat ein ähnlich kleines Segelbootchen wie ich (27 Fuß) und investiert eine jährliche Summe von um die 3.000 Euro für einen Liegeplatz. Nach fünf Jahren könnte er sich dafür eigentlich eine neues (und wahrscheinlich besseres!) Schiffchen kaufen. Somit steht für mich fest: hier im Norden der Adria sind die Preise einfach nur verkommen, hier werde ich mir sicherlich keinen Platz organisieren. Auch wenn es seinen Reiz hat, auf Toiletten gehen zu können, wo die Putzfrauen schon darauf warten, bis man die Kabine verlässt und wo im Hintergrund Jazz-Radio läuft. Aber nicht zu dem Preis.

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Außerdem sehe ich mich einfach noch nicht in der Reihe der sonnenverbrannten, dicklichen Typen (ich weiß, ich wiederhole mich), deren Hauptbeschäftigung es zu sein scheint, ihr Boot mit dem Wasserschlauch abzuspritzen und ansonsten mit dem Nachbarn ein Bierchen aus frei wählbarem Anlass zu köpfen. Der Kleingartenverein lässt grüßen. Mal sehen, was der Süden so bringt.

Segeln auf der Adria 1: Bootstransfer nach Portoroz

Der Transport meiner Zelda von Rendsburg nach Portoroz in Slowenien hat gut geklappt. Der Kahn ist heil geblieben, nur ein paar zerplatzte Mücken am Bug zeugen noch von der rasanten Fahrt mit etwa 50 Knoten. Nicht schlecht für mein Bootchen, wo wir doch sonst eher so um die 5 Knoten schaffen. Mit Rückenwind. Leider kam der Transporteur einen halben Tag später im Hafen an, was für so einige Folgeprobleme gesorgt hat. Zwei Dinge gab es eigentlich nur für die Leute der Marina zu tun: mein Boot ins Wasser hieven und den Mast stellen. Im Wasser war es recht schnell. Nur mit dem Maststellen hat es am selben Tag nicht mehr gelangt. Dann kam auch noch dummerweise eine Meute von 200 italienischen Regatta-Seglern von Trieste herüber. Der Hafen war gerammelt voll, ich war zugeparkt und auch der Kran zum Mast stellen außer Reichweite. Sonntag Vormittag hatte ich mich noch x-Mal erkundigt, ob das denn jetzt noch was würde, mit der Kranerei. Nach langem hin- und her: nein, Montag.

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So bin ich mit Gerd zum Strand gegangen. Kaum waren wir wieder zurück, lag mein Boot halb aufgetakelt unter besagtem Maststellkran. Die Wanten nur lose festgezogen, die Fallen und alles andere willkürlich um den Mast geschlungen. Ein Albtraum. Montag morgen kam dann endlich jemand, nachdem ich das „Missverständnis“ ausgeräumt hatte, von wegen dass ich selber alles einrichten könnte. Kann ich nämlich nicht, habe noch nie einen Mast gestellt. Der Kollege, der dann kam, war ein fähiger Maststeller, außerdem ein Musiker und somit seelenverwandt. Haben gleich gemeinsam über den geisteskranken Kranmeister gelästert und währenddessen alles eingerichtet. Habe viel von ihm gelernt!

Am Mittag haben wir dann zum ersten Mal abgelegt, so richtig in die Adria gestochen und Kurs auf Umag, erste Grenzstadt in Kroatien, gesetzt. Hier mussten wir einklarieren, also sämtliche Dokumente des Bootes, Versicherung, Internationaler Bootsschein und unsere Ausweise vorzeigen. Doch was war das… der Bootsschein war nicht mehr da! Hätte Stein und Bein schwören können, ihn zusammen mit den anderen Unterlagen in der Mappe zu haben. Da stehe ich nun vor der Dame und muss ihr mitteilen, dass der Schein, äh, „weg“ ist. Viel peinlicher ging es kaum noch, zumal ich ohne den Schein nicht legal hätte einreisen dürfen. Oder anders ausgedrückt: bei einer Kontrolle hätte es später recht teuer werden können. Die kurzfristig vom Rechner ausgedruckten Kopien des Scheins wollte sie auch nicht sehen.

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Am nächsten Morgen aus lauter Verzweifelung in Portoroz angerufen und siehe da, man habe den Schein vorliegen. Also kleine Planänderung, ins Taxi gestiegen, zurück nach Portoroz gefahren, den Schein abgeholt und mit dem eigenen Auto zurück nach Umag gefahren. Bis heute weiß ich nicht, was diese fehlorganisierten Marina-Büro-Heinis noch mit meinem Schein zu schaffen hatten und warum sie ihn mir nicht vor der Abfahrt ausgehändigt haben. Ich selbst hatte schon längst vergessen, dass er dort lag… zu viel Hektik bei der Ankunft.

Fazit: während ich selbst jeder Kleinigkeit hinterher gerannt bin, wurde in den drei Tagen eine fabrikneue Hanse mit 54 Fuß Länge zu Wasser gelassen und komplett aufgeriggt. Muss wohl echt was an meinem Bankkonto ändern, damit ich zukünftig ähnlich behandelt werde. In Rendsburg lief das früher übrigens nach Auskunft des Vorbesitzers meines Bootes so. Anruf bei Olli, dem Kranmeister und Experten für alles: „Olli, wirfst du die Dicke ins Wasser?“ Mehr war nicht nötig und schon lag die Dame fertig aufgeriggt in ihrer Box im Hafen.

Seitdem die Startschwierigkeiten gemeistert sind, läuft es jedenfalls prima. Wir kommen gut vorwärts und haben heute den Sprung über die Kvarner Bucht gemacht. Das Wetter ist seit Tagen stabil, auch wenn das Hoch sich gerade etwas abschwächt. Jetzt liegen wir vor Anker in einer Bucht auf Unije, einer kleinen Insel neben Cres. Danach geht es wahrscheinlich nach Mali Losinj.

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Eine kroatische SIM Karte habe ich mir vor ein paar Tagen auch besorgt: Vipme von VIP (Vodafone). Darüber habe ich sehr flottes und günstiges Internet und bin auch noch telefonisch gut zu erreichen, selbst auf abgelegenen Inseln. Ein Segen auf den Fortschritt, denn es ist sehr angenehm, immer den aktuellen Wetterbericht (DHMZ) zur Hand zu haben und auf Empfang zu sein!