Archiv der Kategorie: Deutschland

O2 – billige Preise und schlechter Service

Schon mal einen Vertrag mit O2 eingegangen? Dabei kann einem Abstruses widerfahren. Es beginnt schon online im ersten Schritt mit der Auswahl einer vierstelligen Kundenkennzahl. Hätten sie es ganz einfach „Passwort“ genannt, dann hätte ich mir die Nummer aufgeschrieben. So ging ich davon aus, dass mir diese Nummer gemeinsam mit allen anderen Daten am Ende des Bestellvorgangs nocheinmal angezeigt wird. Dem war nicht so.

Zwei Tage später steckte die neue SIM-Karte im Handy und nach nur wenigen Anrufen bei der Hotline wurde das Gerät auch schon aktiviert. Angeblich geht das automatisch, aber wer will denn schon meckern. Bei der Gelegenheit fragte ich die Dame am anderen Ende, ob sie mir auch gleich meine Kennzahl mitteilen könne.
Leider ginge das nicht, aus Geheimhaltungsgründen. Man müsse schon in den nächsten O2-Shop gehen und sich dort ausweisen.

Nächster Tag, ab in die Stadt und auf die Zeil in den O2-Shop. Zwei griesgrämige orientalisch-türkische Männer – eigentlich eher noch Jungs – von vielleicht Anfang Zwanzig hatten zunächst wenig Interesse mir zu helfen. Einer hat sich dann doch dazu herabgelassen und missmutig meinen Personalausweis entgegengenommen. Ich erklärte ihm meine Lage, dass ich eine neue Kundenkennzahl benötige. Er stiert auf den Bildschirm, tippt parallel eine SMS auf seinem iPhone und – fragt mich als erstes nach meiner Kundenkennzahl…!

Irgendwann hatte er es dann kapiert und ich durfte gnädigerweise ein Formular zum Beantragen einer neuen Nummer ausfüllen. Während ich noch meine Adresse aufschrieb, verschwanden beide Araber durch eine Tür in ein Hinterzimmer. Da mein Ansprechpartner nicht mehr zurückkam, drückte ich dem anderen eben das Formular in die Hand.
„Was er denn nun damit machen solle“, fragte er mich. Daraufhin klärte ich ihn auf und empfahl ihm, doch am besten seinen Kollegen wieder reinzuholen, der wüsste ja worum es geht. Von diesem Augenblick an legte sich scheinbar ein Schalter im Kopf des Jungen um und er blaffte mich an, was mir denn einfiele, ihm Anweisungen zu geben?! Und überhaupt handele er aus Kulanz – wenn überhaupt – denn er müsse mir eigentlich kein bisschen helfen.

Demonstrativ zerknüllte er dann das ausgefüllte Formular und warf es vor meinen Augen in den Mülleimer. Der andere Kollege, mittlerweile wieder hereingekommen, machte das gleiche mit der Kopie meines Personalausweises.
„Ich könne jetzt gehen, denn mit unfreundlichen Kunden gebe man sich nicht ab.“

Wow. Da ist man erstmal platt.
Aber trotz erhöhtem Puls konnte ich den Jungs einfach nicht böse sein. Es sind Migrantenkinder, die kaum Deutsch sprechen können. Sie sind mit der Situation überfordert gewesen und ihr üblicher Wortschatz im Stil von „Ey Alder, kuckst du machst du“ ist auch einfach nicht ausreichend, um großartige Debatten zu führen. Was man sich allerdings bei O2 (bzw. Telefónica Germany) dabei denkt, asoziale und nicht ausgebildete junge Menschen einzustellen, bleibt mir ein Rätsel. Konsequenterweise müsste ich kündigen oder zumindest einen netten Brief nach München schicken. Aber ändert das etwas? Man kauft billig und bekommt billigen Service, that’s it. Die Begleitumstände sind eine Krankheit unserer Gesellschaft und wohl kaum O2 anzulasten, die diese Umstände lediglich hemmungslos ausnutzen, aber nicht verursachen. Die miesen Jobs kriegen halt die miesen Typen. Das war schon immer so, und heute arbeiten diese Typen eben im O2-Shop anstatt als Handlanger auf dem Bau.

Ach ja, keine 50 Meter weiter auf der Zeil befindet sich ein anderer O2-Shop (gleich neben Esprit). Reingegangen, dem sehr netten Orientalen mein Problem geschildert, er schreibt mir das alte Passwort auf einen Zettel und die Sache ist gegessen. Was habe ich eben noch gleich gesagt…

What the F? MTK forever. Ein Abend auf dem Ordnungsamt.

Seitdem das Anwohnerparken eingeführt wurde, dachte ich mir, dass es nun an der Zeit wäre, mich selbst und das Auto in Frankfurt anzumelden. Wenn ich die neulich aufgestellten und kryptisch verschlüsselten Schilder richtig deute, dann darf ich nämlich nur noch zwischen 7 und 10 Uhr vormittags sowie zwischen 22 und 8 Uhr nachts vor meiner Haustür parken. Alternativ auf der anderen Straßenseite.

Schon nach wenigen Monaten hatte ich es also geschafft, zu den arbeitnehmerfeindlichen Öffnungszeiten des Ordnungsamts anwesend zu sein. Hier schenken sich die Banken und die Ämter gegenseitig nichts – weltfremde Öffnungszeiten strahlen hier Souveränität aus. Der erste Termin war dennoch umsonst. Eigentlich war der Plan, endlich ein „F“ unter dem Kühler zu tragen. Eine Kennzeichenänderung erfordert jedoch die Beantragung einer sogenannten „EVB-Nummer“, welche über die Haftpflichtversicherung des Wagens erlangt werden kann. Es reicht wohlgemerkt nicht aus, die eindeutige Versicherungsnummer zu nennen. EVB lautet das Motto. 7 Stellen muss sie haben, meinte die griesgrämige, dicke Schalterfrau noch, bevor sie mich unverrichteter Dinge aus ihrem Reich verbannte.

Also nach wiederum nur wenigen Wochen endlich wieder Zeit gefunden, an den Römerhof aufs Amt zu fahren. Diesmal gut präpariert und für alle Eventualitäten gewappnet:

  1. Fahrzeugbrief
  2. Fahrzeugschein
  3. Versicherungsbestätigung mit Versicherungsnummer
  4. Führerschein
  5. Personalausweis
  6. abgeschraubte Nummernschilder

Um es kurz zu machen: „Neiiin, junger Mann“, sagte die griesgrämige, schrumpeligdürre Schalterfrau, „die EVB-Nummer brauchen Sie, sieben-stellig!“.
Soso, und was steht da auf meiner Versicherungsbescheinigung?! Eine schöne Nummer mit sieben Stellen und sogar noch einem Buchstaben. Aber eben keine EVB-Nummer. Somit fiel mir die Entscheidung leicht: liebes Frankfurt, leck mich. Dann zahle ich meine Kfz-Steuern eben weiterhin fleißig nach Hofheim. Außerdem klingt „MTK“ für alle Nicht-Hessen doch viel exotischer als ein einsames „F“! Und alle Frankfurter behandeln mich auf der Straße mit der Nachsicht, die man Auswärtigen eben so angedeien lässt. Man gilt dann als quasi unzurechnungsfähiges Land-Ei und kann sich auch dementsprechend verhalten.

Wer braucht schon F-UN? MTK 4ever!

Oh, der Parkausweis, richtig. Für den zieht man dann nocheinmal ein Nümmerchen, wartet wieder ein Stündchen, zahlt erneut seine Schutzgebühr und kann sich dann hemmungslos auf den Bürgersteigen der Stadt breitmachen.

Taj Taj Tandoori Restaurant Kritik

Das Taj Taj Restaurant liegt auf halbem Weg, wenn man vom Frankfurter Hauptbahnhof die Kaiserstraße hinunter läuft. Gleich nebenan ist das English Theatre und ansonsten jede Menge Banken und andere zwielichtige Läden – ganz Kaiserstraße also.

Das Taj Taj zählt sich selbst zu den edleren Locations, was in erster Linie über den Preis definiert wird. Ein Butter-Chicken für 19 Euro, das ist schon happig, besonders wenn man die überschaubare Portionsgröße bedenkt. Geschmeckt hat es gut, es ist solide indische Küche, nicht mehr und nicht weniger. Somit ist es genaugenommen zu teuer. Davon abgesehen, dass das Chilli-Chicken eindeutig eine geschmackliche Verirrung in Richtung China war. So kocht man nicht in Indien, da waren sich alle anwesenden Inder einig.

Das Ambiente im Inneren ist nett, aber auch nicht gerade spektakulär. Es gibt keinen überflüssigen Tand, wie man das häufig in Asia-Restaurants findet. Alles ist ein wenig reduziert. Hier geht die Reduzierung allerdings so weit, dass noch nicht einmal ein Schild zum Finden der Toiletten angebracht wurde. Wenn ich eines hasse, dann nach den Toiletten fragen zu müssen.

Der Service machte einen gemischten Eindruck. Obwohl einige der Jungs indisch-orientalisch aussahen, konnten sie sich mit meinen indischen Kollegen nicht auf Hindi verständigen. Englisch ging gerade so. Die Bedienung als Selbstbewusst zu beschreiben, würde das ganze etwas beschönigen. Freundlich Worte wird man hier jedenfalls nicht zu hören bekommen. Selbst dann nicht, wenn der Laden am frühen Abend noch halb leer ist und man eigentlich relaxt sein könnte. Selbstverständlichkeiten, wie etwa eine Portion extra Schärfe im Essen, so dass es auch indischen Zungen schmeckt, wurden uns selbst nach ausdrücklichem Wunsch nicht erfüllt. Das ist der einzig wirklich traurige Punkt, denn schließlich soll das hier authentisch indisch sein. Aber uns Deutschen geht es ja nicht anders, wenn wir in einem Bayerischen Restaurant in Singapur sitzen und uns dennoch deplatziert vorkommen.

Wäre ich nicht geschäftlich hier gewesen, wäre ich wohl nicht freiwillig gekommen. Die Preise für das Essen kamen mir schon von vornherein unrealistisch hoch vor, was auf keine gesunde Mentalität dieses Restaurants schließen lässt.
Wie sagten meine Kollegen am Ende so schön: wenn sie in Indien mehr als eine viertel Stunde auf das Essen warten müssen, dann gehen sie einfach. Hier hätten sie dann dreimal gehen können.

Frankfurt Marathon

Dank Zeitumstellung heute Nacht glaubt möglicherweise der eine oder andere Läufer, auf dem Weg zu einer neuen Bestzeit zu sein… Verwirrung allenthalben. Bei angenehmen 14 Grad und nahezu Windstille hatten die Afrikaner auch heute wieder beste Bedingungen und der Berlin-Rekord von vor ein paar Tagen wäre fast geknackt worden.

Diesmal führte die Strecke wenige Meter von meiner Wohnung entfernt durch die Stadt, so dass ich einfach mal vorbeischauen musste. Anstatt die Meute über die volle Länge der Mainzer Landstraße zu führen, gab es diesmal einen Schlenker über die Frankenallee, vorbei an der Hellerhofstraße.

Die Stimmung war prima, alle paar Meter eine Blaskapelle oder ein Straßenmusiker, dann natürlich regelmäßige Verpflegung u.s.w. Wenn man also mal die ersten 35 Km geschafft hat, sollte einen das Begleitprogramm bei Laune halten.

Nicht alle sahen bei Km 38 noch frisch aus. So mancher hatte überhaupt keine Farbe mehr im Gesicht und ein Blick auf die Videoleinwand bestätigt dann auch den Verdacht, dass sich der eine oder andere schon auf den Sanitäter im Ziel freut.

Nahezu unmöglich war es, die „Bio-Meile“ an der Alten Oper anzulaufen. Die Strecke führt hier in mäandernden Schlaufen durch die Innenstadt, so dass man keine Chance hat, sie zu überqueren. Also eben kein Bio-Imbiss heute.

Aber das Beste war sowieso – die Leere der Stadt.

Business Lounge (II) und ungarische Filippinos

Es gibt schon Unterschiede, so ist das nicht. Die Business Lounge im Bereich der Abflug-Gates für Kurzstreckenflüge ist spartanischer ausgestattet als die für Langstreckenflüge. Die Vodka-Martini-Bier-Bar ist zwar gleich gut bestückt, die Auswahl an Speisen ist aber in Langstreckenbusinesslounges eindeutig besser.

Ansonsten ist noch auffällig, dass hier besonders viele Menschen einen an der Klatsche haben. Eine dunkelhäutige Dame beispielsweise setzt sich mir gegenüber und bittet darum, zu einer bestimmten Uhrzeit geweckt zu werden.
Na, selbstverständlich mache ich das. Falls ich dann noch hier bin. Ein anderer Reisender ist damit beschäftigt, mit dem Zeigefinger die Reste des Milchschaums aus seiner Kaffeetasse zu pulen. Ein dritter wiederum – Österreicher, wie nicht zu überhören ist – nutzt den Ruheraum dafür, endlich ungestört lautstark telefonieren zu können, während seine kleine Tochter die Lounge tyrannisiert. Basst scho. Ein älteres britisches Paar ist dagegen vollkommen relaxt und nutzt die Zeit für eine Partie Scrabble.

Auch nach dem Einsteigen in den Jumbo dominieren die Bekloppten. Einer behauptet steif und fest, die vier Sitze in der Mitte „reserviert“ zu haben. Reserviert, vier Sitze? Dann hätte er sich ja gleich und für weniger Geld ein First-Class Ticket kaufen können. Egal, die Stewardessen spielen mit und so darf er ungehindert andere Passiere verscheuchen, die sich verständlicherweise einen angenehmeren Sitzplatz sichern möchten. Vielleicht ist der Typ auch schwer krank und kann nur liegend fliegen… Reine Spekulation, man versucht eben, eine sozialverträgliche Begründung zu finden. Oder er ist einfach ein gewiefter fauler Sack, was möglicherweise die traurige Wahrheit ist.

Eines Tages muss ich das Alkoholexperiment endlich durchziehen. Erst in der Lounge mit Vodka abfüllen und dann volltrunken im Flieger weiter fleißig Wein und Schnäpse ordern. Ein starkes Stück, dass die Fluggesellschaften das Betrunkensein von Passagieren tatkräftig fördern. Nicht nur, das Besoffene gern mal auf dumme Ideen kommen, so wie mein damaliger Kojen-Nachbar auf dem Segelboot, der nachts die grandiose Idee hatte, den Motor unserer ankernden Segelyacht zu starten. Nein, sie schnarchen auch einfach sehr laut…

Einen Vorteil hat es natürlich, von alkoholisierten Sitznachbarn umgeben zu sein: die Kommunikation ist exzellent. Zu meiner linken saß diesmal ein ungarisch-deutscher Rentner, der gerade auf dem Weg zu seiner Frau auf den Filippinen war. Seit 25 Jahren führen die beiden eine Halbjahresfernbeziehung. Sobald es in Deutschland anfängt, schmuddelig zu werden – also spätestens ab Oktober – setzt sich der Rentner ins Flugzeug und fliegt zu seiner Lebensgefährtin in die Tropen. Wenn nur die hohe Luftfeuchtigkeit nicht wäre, meint er. Aber dafür schmeckt das Obst dort gut, was die lange Anreise definitiv rechtfertigt.
Wenn diese Beziehung mal nicht „csípős“ ist, dann weiß ich es auch nicht.

Keine Dippe auf der Dippemess

Das Fazit gleich zu Beginn: die Frankfurter Dippemess ist richtig mies, nix zu gucke für den Dippegucker. Was vor tausend,5 Jahren mal als Markt für Steingutwaren begonnen hat, ist heute nichts anderes mehr als eine beliebig austauschbare Dorfkerb im Großformat. Selbst die Fahrgeschäfte stehen in der selben Reihenfolge wie am Wädchestag oder x-beliebigen anderen Frankfurter Festen. Kulinarisch ist die Auswahl miserabel, noch nicht einmal das Männchen mit den eingelegte Gurken ist dabei. Einfach erbärmlich.

Nicht umsonst hat die Dippemess bei den „Locals“ keinen guten Ruf, es gibt ganz einfach keinen vernünftigen Grund, dort hinzugehen. Die Dorfjungend macht noch das beste draus: Komasaufen, sobald die Sonne untergegangen ist. Eine traurige Sache, wo doch diese Dippemess in Zeiten boomender Mittelaltermärkte echtes Potential hätte.

Ach ja, „Dippe“ kann man auf der Mess‘ tatsächlich kaufen. Es gibt genau 1 (einen) Stand zu diesem Zweck. Er besteht zwar hauptsächlich aus Namenstassen und Fantasy-Keramik, bietet aber auch zwei drei Krüge aus Steingut an. Dieser Stand scheint das schlechte Gewissen des Volksfestes zu sein.

Wer sich ernsthaft für Bembel & Co. interessiert, dem sei der „Dippenmarkt“, ein Geschäft in der Fahrgasse am südlichen Rand der Altstadt, ans Herz gelegt. Hier gibt es das ganze Bembel-Programm sowie gerippte Gläser für den Ebbelwoi und noch viele andere Dinge. Hinter der Theke steht eine ältere Dame, die einen etwas pampig aber durchaus nicht  unfreundlich abkassiert. Mein Favorit ist immer noch die Butterdose aus Steingut. Ich finde, Butter gehört einfach in solch ein Behältnis aus Bembelmaterial.

Opernplatzfest Frankfurt

Frankfurt hat eine Freßgass und diese führt zielstrebig bis auf den Opernplatz. Für eine gute Woche herrscht hier zusätzlich zum eh schon üppigen Angebot eine Art edles Schlaraffenland. Dabei wird mehr auf die Kategorie Gäste Wert gelegt, welche sonst üblicherweise samstags ihren Prosecco an der Kleinmarkthalle schlürfen als auf die jüngere Starbucks&Subway Kundschaft.

Gastland ist wohl diesmal Österreich, weshalb ein rot-weißer Pavillon gleich mal ganz vorne steht. Man ist es ja schon 2000 Meter über dem Meer gewöhnt, für ein paar labberige Pfannkuchenfetzen ein Vermögen auf den Tisch des Hüttenwirts zu legen. Aber auch auf Normalnull langen sie kräftig zu, was man an den winzigen Germknödeln (Pfirsichgröße) für 5 Euro das Stück feststellen kann. Nix wie weg, Einkehrschwung gibt’s woanders.

Dann doch lieber zu den Asiaten einen Stand weiter, die hatten Dim Sum im Angebot. Das sind über heißem Dampf gedünstete kleine Teig- und Fleischhäppchen. Hier ist nicht nur der Teigmantel dicker als bei den Ösis, es gibt sogar noch Füllung im Dumpling. Eins fuffzich, Baby! Sehr lecker, besser war’s auch in Singapur nicht.
Ebenfalls sehr interessant der Stand vom Inder ein paar Schritte weiter. Für läppische 9 Euro konnte man sich einen Fleischspieß aus dem Tandoor bestellen. Das ist ein heftig-heisser Ofen, in den man die Stäbe hineinstellt und dadurch knuspriges Fleisch erhält, das innen aber noch schön saftig ist.

Auch 9 Euro teuer aber noch saftiger war das halbe gegrillte Lamm, das mir beim argentinischen Stand auf den Teller gehievt wurde. Zunächst dachte ich, der Chef bereitet hier mehrere Portionen vor. War aber nur meine, und was für eine. Zwar hing noch eine Menge Fett und anderes tierisches Zeugs dran, aber das ist es Wert. Idealerweise hätten sie mir noch ein scharfes Messer gegeben, damit ich mir wie ein Gaucho die zarten Fleisch-Streifen hätte absägen können. Kurz gesagt: hier stimmt das Preis-Leistungsverhältnis. Oder anders ausgedrückt: ich hätte an deren Stelle dafür mehr Kohle verlangt.

Das eigentliche Highlight des Tages war aber doch der kleine Dackel, der sich vom zufällig aufspritzenden Wasser der Brunneninstallation auf dem Rathenauplatz fertig machen ließ.

Hessentag in Oberursel

Wir Hessen haben einen eigenen „Hessentag„, weiß der Geier warum. Die ursprüngliche Idee war wohl, der Bevölkerung eine gemeinsame Identität zu verpassen. Historisch betrachtet hatten Nord- und Südhessen wohl mal eher wenig miteinander zu tun. Jedenfalls, auf diese Weise kommt die eine oder andere Gemeinde zu Weltruhm, indem sie diesen Hessentag ausrichten darf.

Eigentlich ist es eher ein Bratwurst-Pommes-Polizei-und-Armee-Tag. Diesen Eindruck gewinnt man zumindest beim Flanieren über die Orscheler Straßen. Keine Ecke, an der nicht ein Polizeiverein um Aufmerksamkeit wirbt oder ein Hubschrauber der Bundeswehr als Spielplatz für Kindergartenkinder dient.
Ja, was ist denn hier los, fragt sich der Hesse…  The Army needs you oder what? Wusste gar nicht, dass wir in Hessen soviel Militär und Polizei haben. Gut, die paar atomaren Langstreckenraketen sind ja ein alter Hut. Aber hat es die Bundeswehr so nötig, um Nachwuchs zu werben? Scheinbar ist es so. Also immer rein in die Tornados und in die Hub-Schrabb-Schrabbs, ihr lieben Kleinen. Baggerfahren war gestern, in 20 Jahren muss ja auch noch irgendwer in Afghanistan Wache schieben können.

Davon abgesehen herrscht auf dem Hessentag kulinarische Gleichschaltung: ein Bratwurststand folgt dem anderen. Eine 1/2 Meter Bratwurst von unseren thüringer Nachbarn, die aber in ein winziges Brötchen passt… wer wird da schon nachrechnen wollen. Eine Pommesbude folgt der nächsten, ein Crêpe-Stand dem anderen. Echt traurig. Eine der wenigen lobenswerden Ausnahmen ist der Stand mit gebratenem Lachs. Dieser wird auf eine Holzplanke genagelt und über das offene Feuer gehalten. Sehr lecker und auch sehr teuer. Man bucht es ab unter „kulinarische Entwicklungshilfe“.

Kleiner Schwenk zum zeitgleich stattfindenden Frankfurter Wäldchestag.

Von diesem sollten sich die Veranstalter mal ein Scheibchen abschneiden. Hier gibt es Spare-Ribs, Bratfisch und anderes Meeresgetier, Hot-Dogs und Paella. Das alles wird zwar zu Preisen angeboten, die man nur noch sittenwidrig nennen kann, aber lecker is des halt scho! Und nicht zu vergessen die Krone der Schöpfung: saure Gurken. Ein altes Männlein aus der Wetterau hat seine zwei Töpfe aufgebaut und verkauft für einen Euro pro Stück gigantische saure Gurken. Hier stimmt das Preis/Leistungsverhältnis zwar, dafür hält sich der Coolness-Faktor arg in Grenzen.

Zurück zum Bundeswehr-Rekrutierungstag. Hier hatte erstaunlicherweise die Bundespolizei – welche ebenfalls üppig vertreten war – den attraktivsten Cocktail-Stand. Dieser war angenehem mit Sand und Sonnenschirmen ausgestattet, und nach einer Weile hatten wir uns sogar zwei Liegestühle organisiert. Noch ein Weilchen später gesellte sich Constanze, ihres Zeichens selbständige Finanzberaterin, zu uns in den Sand. Nachdem sie uns erläuterte, wie schnell man aus 0 Euro mal eben 7000 Euro machen könnte, und man sie dafür nur mal eben anzurufen bräuchte, war sie leider in nullkommanix auf meiner persönlichen Balz-Skala durchs Raster gefallen. Manche Leute können einfach nicht abschalten.
Der kleine blaue Zeppelin mit der Goodyear-Werbung drauf, welcher die ganze Zeit über uns herumknatterte, ist dann später abgestürzt. Aber zum Glück nicht auf die Stadt.

Indisch Kochen in der Genussakademie

Die Genussakademie in Frankfurt bietet viele Kurse rund um’s Kulinarische an. Vorletztes Jahr hatte ich einen Kurs von Ralf Bos besucht, in dem es rund um Trüffel ging. Leider haben wir Teilnehmer nicht selbst gekocht, sondern wurden von Profis bekocht. Dazu gab es reichlich Theorie und Geschichten von Herrn Bos, was sehr informativ war und das Essen später war dann auch sehr lecker.

Durch Zufall hatte ich jetzt entdeckt, dass die Genussakademie auch indische Kochkurse anbietet, und zwar mit „richtigem“ Kochen. Ursprünglich hatte ich gegoogelt, ob es sowas wie Feinschmecker-Touren durch Bombay gibt. Auf diesem Weg bin ich über Anjana Schmidt gestolpert, die nicht nur Kochkurse in der Genussakademie gibt, sondern auch selbst Gourmet-Reisen in Indien veranstaltet. Sie hat mich freundlicherweise mit reichlich Infos versorgt, wo man in Bombay hingehen sollte, um leckere Dinge zu essen. Siehe meine Artikel aus Bombay.

Zurück in Frankfurt habe ich also spontan den nächsten freien Kurs gebucht. Am Sonntag ging es schon gleich los in der „Fressgass“, wo die Genussakademie residiert. Passender Ort, irgendwie.

Nach einer Begrüßung mit Apéritif haben wir 13 Teilnehmer uns die Schürzen umgebunden und ran ging es ans Masala! Anjana hat zunächst die einzelnen Gänge des Menüs erklärt und gezeigt, wie die Zubereitung zu erfolgen hat. Danach waren wir dran. Durch die super Vorbereitung lagen alle Zutaten schon in Reichweite auf den Tischen und wir konnten uns auf das Schnibbeln, Marinieren und Braten konzentrieren. Zwischendurch ist auch genug Zeit, den anderen Teilnehmern mal über die Schulter zu gucken.

In meiner Gruppe („Vorspeise“ – Tandoori Spieße mit Minzsauce) war eine junge Dame von vielleicht Mitte dreißig, die sich überraschenderweise nicht als Studentin sondern als Richterin entpuppt hat. Sie kümmert sich um den Bereich der Straftäter mit elektronischer Fußfessel in Hessen. Nachdem ich mir beim Zwiebelhacken die Bemerkung erlaubte, dass es prima ist, nachgucken zu können wo sich so ein Straftäter gerade aufhält, bekam ich erstmal eine Lektion in Gesetzestreue. Nein, es wäre nicht möglich und schon gar nicht „legal“, immer zu wissen wo sich ein Fußfesselträger gerade aufhält. Das wisse nur der Computer und der gibt dann auch Alarm, falls nötig. Da ich selbst in der Software-Branche arbeite, habe ich ihr meine Skepsis mitgeteilt, und ob es nicht besser wäre, jemand Lebendiges vor den Ortungs-Schirm zu setzen, der solche Menschen überwacht. Aber zwecklos, als Juristin stellt sie keine Gesetze in Frage sondern sorgt für ihre Einhaltung… aber dennoch schade, dass sie nicht über den Tellerrand guckt. Denn man darf doch wohl auch als Richter eine eigene – private – Meinung haben.

Später dann („Nachspeise“ – Mango-Mousse mit Sahne) bin ich zu dem Schluss gelangt, dass ich dieser jungen Richterin wirklich nicht als Angeklagter gegenüberstehen möchte. Davon mal abgesehen, dass ich generell keinem Richter gegenüberstehen möchte. Falls doch, dann aber bitte jemand mit mehr Lebenserfahrung, dem ich das Konservativ-Sein auch abkaufe. Oder warte mal, ist das nicht überhaupt Grundvorraussetzung, um Richter zu sein? Werden die konservativen Menschen von diesem Job  nicht wie magisch angezogen? Und dieses Volk hebt oder senkt schließlich den Daumen über uns, na Danke.

Am Ende war das Menü jedenfalls gegessen, allen hat es geschmeckt und wer wollte, konnte sich sogar noch ein paar Reste einpacken (der gelbe Reis mit den gerösteten Nüssen war grandios!). Nach einem Espresso ging ich erstmal ans Mainufer runter, zum Relaxen in der Sonne. Und zum Nachdenken, warum es eigentlich keinen Psychotest für Richter gibt.

Kräuter auf der Konsti

Die Konstablerwache ist samstags immer Schauplatz für einen ziemlich elitären Markt. Hier stehen nicht einfach nur ein paar Bäuerchen mit ihren Kartoffeln herum, nein, hier trifft sich die Frankfurter Schickeria zwischen Westerwälder Käsewagen und Friedrichsdorfer Gemüsepritsche zum Picheln des einen oder anderen viertelchens Prosecco. Abgesehen von unmengen Bratwurst- und Schnitzelständen gibt es dort einen Kräuterverkäufer mit einer Auswahl, wie ich es woanders noch nicht gesehen habe. Es gibt allein mehrere Sorten an Basilikum, Minze und Salbei. Meistens handelt es sich noch um recht junge kleine Setzlinge. Das Kraut ist also zum selber Anbauen gedacht und nicht zum sofort ernten. Wer hier nicht fündig wird, hat sehr wahrscheinlich gelitten.

Für exotische Kräuter, wie man sie für asiatisches Kochen benötigt, empfehle ich die mittlerweile nur noch als genial zu bezeichnende Kaiserstraße mit ihren unzähligen India- und Asia-Shops. Curryblätter, Thai-Basilikum, kiloweise Chillis, Koriander und vieles mehr zu niedrigsten Preisen. Ganz zu schweigen von den getrockneten Gewürzen wie Koriandersamen, Zimtstangen, Gewürznelken, Kurkuma etc. Wer das Zeug beim Rewe kauft zahlt ein Vielfaches.

Kaiserstraße auf Google Maps.

Alles rund um Kräuter weiß Gernot Katzer.

Business Lounge (I)

Ich liebe die Business Lounge. Seit ich am Jahresende einige Bonusmeilen in Statusmeilen umgetauscht habe, zähle ich jetzt zu den „Frequent Flyern“ und habe Zugang zu diesen Lounges.

Hier hängen zwar auch die gleichen übermüdeten Gesichter herum, mit auf dem Schoß zusammengefallenen Zeitungen und Sabberfaden im Mundwinkel. Aber, und das ist der wesentliche Unterschied zur Lounge für die Normalos einen Stock tiefer, das Ganze hat einen größeren Sexappeal. Man fühlt sich als ein Teil der weltweiten Reise-Elite, was wohl auch so beabsichtigt ist. Besonders die jungen Häufigflieger lassen diese Eliten-Attitüde auch gern raushängen. Man erkennt es am demonstrativ gelangweilten Gesichtsausdruck, mit dem man sich im Clubsessel herumfläzt.

Wie muss man sich so eine Lounge vorstellen? Also zunächst mal: wer wirklich nagenden Hunger hat, der sollte sich noch in der Check-In Halle des Flughafens einen Burger reinziehen. Wer dagegen etwas Experimentierfreude mitbringt und auch dem einen oder anderen Schluck härteren Alkohol nicht abgeneigt ist, der sollte zusehen, dass er so schnell wie möglich die Business Lounge entert.

Es ist tatsächlich so, dass hier alkoholabhängige Manager voll auf ihre Kosten kommen. Die Bar (und auch der Rest der Selbstbedienungstheke) ist von 5 Uhr morgens bis spät in die Nach hinein geöffnet. Die Palette reicht vom harmlosen Beck‘s-Bier über diverse Weine – auch der heimatliche Äppelwoi ist dabei – bis zum harten Sprit. Ein eiswürfelgekühlter Kelch enthält einige Vodkaflaschen, gleich daneben geht es mit Jägermeister und Co weiter. Ein Paradies besonders für die oben erwähnten Grünschnabel-Vielflieger. Eigentlich fehlt hier nur noch ein Kühlschrank mit verschreibungspflichtigen Psychopharmaka und Schmerzmitteln… aber das ist dann wohl der Senators-Lounge vorbehalten.

Einen weiteren Vorteil hat mein neuer Vielfliegerstatus noch: ich dürfte jetzt endlich meine prallgefüllte Golf-Tasche mitnehmen! Hätte ich denn eine, wäre ich hocherfreut gewesen. So aber muss ich wohl nach wie vor meinen „prallen“ Gitarrenkoffer, der mich hin und wieder begleitet, mit dem erprobten Charme an der Dame vom Check-In  vorbeibekommen.