Schlagwort-Archive: Segeln

Segeln auf der Ostsee 12: Skanör und nicht weiter

„Ich bin immer noch in Skanör. Gestern morgen habe ich entschieden, nicht mehr weiter nach Osten zu fahren. Wie ich vorgestern schon geschrieben habe, ist das bis jetzt nicht der Urlaub, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Bei der Streckenplanung habe ich mich wohl verschätzt. Zwar wären die Etappen alle machbar, allerdings würde es dann im bisherigen Stil weitergehen: Hafen – Segeln – Hafen. Das ist mir zu eintönig und auch zu anstrengend. Dazu kommt der Druck, immer eine gewisse Strecke fahren zu müssen.

Jetzt sieht es also so aus, dass ich hier auf Tristan warte, der in ein paar Tagen kommen wird. Wir fahren dann gemeinsam wieder Richtung Dänemark. Heute hat Jürgen den Bus nach Kopenhagen genommen und er fährt dann mit der Bahn weiter in Richtung Frankfurt. Es war super, ihn die ersten zwei Wochen dabei zu haben, habe viel gelernt! Ulli ist auch schon informiert, leider ist er der einzige mit gebuchtem Flug, das tut mit natürlich leid. Aber so sieht er auch noch etwas vom Land :-)

Ansonsten ändert sich an den Crew-Wechsel Terminen erstmal nichts. Nur der Ort ist eben nicht mehr Schweden, sondern Dänemark. Dort kann man auch schön zwischen den Inseln herumfahren und alles liegt dichter beisammen.

Hier in Skanör ist es sehr schön, geradezu „hyggelig“. Es gibt zwei Sandstrände mit weißem, feinem Sand und sogar das Wasser ist teilweise türkisfarben (trotz dem Algenteppich weiter draußen!). Die Toiletten und Duschen sind gut und auch WLAN ist vorhanden. Es gibt zwei Fischgeschäfte und eine Räucherei mit Restaurant und der Fisch schmeckt ausgezeichnet. Wer original rundes, schwedisches Knäckebröd möchte, kann mir jetzt noch Aufträge zum Mitbringen geben.

Gestern Abend hat es im Hafen ganz gewaltig gepfiffen mit gut 7 Windstärken. Die waren so nicht vorhergesagt. Aber es regnet nicht und kalt ist es auch nicht. Da mein Boot hier direkt an der Sliprampe liegt (wo man Boote ins Wasser lässt), habe ich eine Terrasse mit prima Aussicht. Hier legen alle Jollenfahrer und auch die Motorboote vom Trailer an und ab. Ausserdem gibt es bestes Hafenkino, wenn mal jemand (so wie ich) mit zu viel oder zu wenig Schwung anlegt und dadurch ein gewisses Leben ins Hafenbecken bringt…

So, ich warte dann jetzt auf Tristan, werde mir mal ein Fahrrad leihen und über die Halbinsel radeln und ansonsten das gute Wetter am Strand genießen!“

-o-

Nach viel Grübelei hatte ich mich einen Tag nach unserer Ankunft entschlossen, die Reiseplanung der Realität anzupassen… Es wäre einfach idiotisch gewesen, weiter die schwedische Küste entlangzusegeln, wenn ich doch genau wüsste, dass mit jedem Tag und jeder weiteren Seemeile der Druck wachsen würde, die selbe Strecke wieder zurück fahren zu müssen. Zwar hatte ich für den längsten Teil des Weges immer einen Mitsegler organisiert. Allerdings wäre im Falle einer Weiterfahrt gegen Ende des Törns ungefähr zwei Wochen Einhandsegeln angesagt gewesen. Und das habe ich mir zu diesem Zeitpunkt einfach nicht zugetraut.

Auch wenn das jetzt für Ulli bedeutete, von Stockholm aus eine längere Strecke mit der Bahn zurück zu meinem nächsten Liegeplatz zu fahren (750 Km), als es der direkte Weg von daheim zu mir gewesen wäre (700 Km), es half nichts. Aus Fehlern wird man klug, und so werde ich zukünftig bestimmt keine festen Orte oder Termine für den Crewwechsel mehr einplanen.

Segeln auf der Ostsee 11: Von Rödvig nach Skanör

„Wir sind jetzt seit gestern offiziell in Schweden. Und zwar in Skanör, das ist der kürzeste Weg rüber über den Sund zwischen Dänemark und Schweden. Dummerweise liegt dort auch ein überdimensionales Verkehrstrennungsgebiet. Das ist so eine Art Autobahn für die Berufsschiffahrt und dort hat es sogar einen Kreisverkehr. Dieser Kreisel misst ca. 4 Seemeilen. Bis man dort mit 4,5 Knoten durch ist, das dauert fast eine Stunde. Immer mit dem flauen Gefühl, ob nicht irgendwo noch ein Tanker auftaucht. Denn die Riesendinger fahren so schnell, dass sie schwer einzuschätzen sind. War aber alles gut.

Nur das Wasser ist immer trüber geworden. Erst haben wir es für abgelassene Scheiße gehalten. War aber „bloß“ Algenwuchs. Überall, wie ein Teppich. Und Mücken auf dem Wasser ohne Ende. Zum Glück im Hafen nicht. Heute hatten wir Glück: ein Mann hat im überfüllten Hafenbecken auf eine kleine Lücke ganz am Ende gedeutet und dort haben wir uns in Zeitlupe reingezogen, ohne Motor. Das geht prima. Später haben wir dann zugesehen, wie die Päckchen immer größer wurden. Jetzt liegen uns gegenüber zwei 7er Päckchen. Man muss also im Extremfall über 6 Boote steigen, um an Land zu kommen. Scheint wohl noch Hochsaison zu sein….

Vorgestern war es etwas schwieriger. Auch Rödvig war schon voll und so sind wir wieder längsseits im Päckchen zu einem Norweger gegangen. Später meinte der dann, es wird morgen recht früh werden, sie wollen die Klippen von Mön bei Sonnenaufgang erleben. Also haben wir nachts um 4 Uhr die Boote mit Leinen herumrangiert. Ich hätt kotzen können. Ging aber gut. Die Klippen konnten die gar nicht bei Sonnenaufgang erreichen, denn die Entfernung ist zu weit und die Sonne geht schon vor 5 Uhr auf. Wirklich Deppen.
Heute lagen wir hier in Skanör und sind nicht gesegelt. Mir ist die ganze Hetzerei zu stressig. Immer von Hafen zu Hafen ohne irgendwas zu sehen. So habe ich mir das nicht vorgestellt. Also wird morgen mal Urlaub gemacht. Demnächst werde ich es öfter so machen.“
-o-

Windstille mitten im Öresund. Mücken auf dem Wasser, Mücken in der Luft, Mücken am Segel und sogar Mücken zwischen den Zähnen! Es war grauenvoll und wir hofften, dass es im Hafen besser ist. Zum Glück war es auch so, andernfalls wäre es unerträglich geworden. Warum nur beginnt ab Dänemark der skandinavische Mückenwahnsinn? Was haben die hier, was die Mücken glücklich macht? Wenn die jetzt auch noch auf die Idee kommen würden, zu stechen, dann gute Nacht.

Skanör jedenfalls, da lag ich nun. Falsterbo im Süden der Halbinsel, Malmö im Norden und die Brücke über den Öresund in Blickweite. Der Hafen war wirklich schön. Es gab zwei Fischräuchereien, ein Restaurant und mehrere Imbiss-Stände sowie im Städtchen einen sehr guten Supermarkt. Hier war Leben, ganz anders als in den meisten anderen Häfen, die ich noch anlaufen sollte. Ein riesiger Sandstrand und eine weite Dünenlandschaft gleich nebendran. Skanör machte den Eindruck, das Kronberg oder das Schwabing der Schweden zu sein. Wo sonst fährt der Hafenmeister einen Porsche?

Segeln auf der Ostsee 10: Hesnaes und Klintholm

„Wir sind jetzt in Klintholm. Das ist ein gemütlicher Hafen am äusseren Zipfel der Insel Mön. Hier gibt es auch das Kap mit den weißen Kreidefelsen. Mit dem High-Speed Katamaran vom Jelle sind wir 2005 hier schon vorbeigefahren, aber mit 13 Knoten statt mit 4. Eigentlich wollten wir gestern schon herfahren, aber diese ewig lange Bucht zieht sich unheimlich. Und so sind wird dann stattdessen in Hesnaes gelandet. Da war es ziemlich voll, ist gerade Hauptsaison und spitzen Wetter, also sind die regulären Plätze ab 17 Uhr alle schon weg. Ich habe dann eine dicke Bavaria 46 gefragt, ob wir längsseits liegen dürfen und so haben wir es dann gemacht. Das Schiff war von einem Urlaubsveranstalter mit Skipper drauf und die wollten heute schon recht früh los. Also haben wir um 8 Uhr schon den Hafen verlassen. Heute habe ich alles selbst gemacht, so als ob ich allein an Bord wäre. So ein bisschen war ich das auch, da Jürgen die gestrigen Rum-Cola nicht so gut weggesteckt hat, höhö. Bis auf das Anlegemanöver ging das auch gut. Kurs abstecken, Segel setzen, mit Autopiloten hantieren, Navigieren das ging alles prima. Die Karte vom Hand-GPS funktioniert auch seit Gedser, ich brauche also nicht mehr jedesmal in die Kajüte rennen, die GPS Koordinaten auf die Karte übertragen und kucken wo ich bin. Gute Sache, so eine digitale Seekarte.

Vor Klintholm habe ich das Schiff dann klar fürs Anlegen gemacht, also Segel runter, Leinen klar machen und Fender montieren während das Boot selbst weiter im Wind fährt. Heute wollte ich es komplett alleine machen das Anlegen, aber es ging natürlich schief. Egal, jeder Versuch bringt einem wieder mehr Erfahrung. Und das Boot ist ja auch robust, den Steg hat es heute jedenfalls geküsst…! Morgen habe ich vor, das Anlegemanöver wieder mit Jürgen zu fahren, das sollte dann klappen mit zwei Personen. Alleine beide Heckleinen über die Pfosten zu werfen ist schwer und das Schiff ist dann meist schon abgetrieben und liegt quer in der Box – ein Traum.

Momentan ist wie gesagt das Wetter traumhaft, 3 Beaufort Wind und ne Menge Sonne. Hoffentlich bleibt das so. Die erste Woche war schon ganz schön deprimierend mit dem ewigen Regen und Starkwind, draussen auch Sturm (aber ohne uns). Zwischendurch hatten wir ordentlich Welle, und das kickt einen richtig durch die Gegend. Auf der dicken Bavaria 46 habe man nichts davon gemerkt, hieß es… das sind wirklich verschiedene Welten.
Als nächstes steht der „Sprung“ nach Schweden an. Falls wir von hier aus rüber fahren, wären das gute 40 Seemeilen, was bei unserem Bootchen bedeutet, bei passablem Wind mindestens 10 Stunden unterwegs zu sein. Falls wir erst weiter nördlich queren, geht es schneller aber natürlich ist der Weg insgesamt dann länger.
Schönen Gruß in die Runde, und alle, die sich fürs Mitsegeln angekündigt haben bitte ich darum, langsam etwas konkreter zu werden. Sonst muss ich andere Leute auftreiben, denn das Alleinesegeln ist doch wesentlich unlockerer als zu zweit oder zu dritt.“
-o-

Ich hatte mir wirklich den idealen Zeitpunkt für meinen Segeltörn ausgesucht: mitten in der Hauptsaison! Die Häfen sind dann meistens schon am frühen Nachmittag überfüllt und man findet keinen regulären Boxenplatz mehr. Heute würde es mir natürlich viel leichter fallen, irgendwo noch eine Nische zu finden. Aber als wir in Hesnaes einliefen, war die Ratlosigkeit doch erstmal groß. Später habe ich dann mitbekommen, wo man sich als kleines Bootchen noch so überall reindrücken kann. Dazu kommt, dass es an der Ostsee üblich ist, im Päckchen zu liegen. Zur Not auch mal gegen den Willen des anderen. Schließlich braucht jeder einen Platz, und so sollte es selbstverständlich sein, es später kommenden Yachten zu ermöglichen, längsseits zu liegen. Im Mittelmeer ist das dagegen total unüblich, daher waren Jürgen und ich anfangs sehr zögerlich. Später sollten wir noch sehr viel größere Päckchen sehen.

Die maritime Bevölkerung auf der Ostsee hat eine Altersstruktur von 60 Jahren aufwärts. Das führt dazu, dass spätestens morgens um 8 Uhr schon ausgelaufen wird. Wie sonst sollten sich die Senioren auch frühzeitig einen guten Platz im nächsten Hafen sichern? So ganz habe ich es bis heute nicht begriffen, warum man sich ein Boot im Wert eines Einfamilienhauses kaufen soll, nur um damit von Hafen zu Hafen, von Box zu Box zu fahren  und dort mit einer Distanz zum nächsten Nachbarn von weniger als einer Armlänge zu liegen.

Segeln auf der Ostsee 9: Damp, Lippe, Burgtiefe, Gedser

Von Damp nach Lippe
„Gestern sind wir im Auto von Frankfurt nach Damp hochgefahren. Ziemlich regnerisch war es, und hier oben ist es seit gestern gemischt. Mal Regen, mal Sonne. Für morgen ist das auch so vorhergesagt. Der Wind wird wohl gerade noch Ok sein, also mit 5-6 Beaufort Stärke und dann abnehmend auf 4. Dazu kommt er aus der passenden Richtung, also „von Hinten“ bzw. Halbwind, also Süd bis Südwest. Wir wollen dann Richtung Fehmarn aufbrechen. Jedenfalls, solange die Wettervorhersage so bleibt. Eingekauft haben wir auch ne Menge, das Schiff liegt tief! Ansonsten ist es natürlich schön, wieder auf dem Boot zu sein.“
-o-

Wir hatten es nicht in einem Rutsch von Damp bis nach Burgtiefe auf Fehmarn geschafft. Erst blies noch ordentlich Wind, danach war er weg und es regnete stundenlang. Daher beschloss ich, den winzigen Hafen bei Lippe anzulaufen. Durch den Regen und den Dunst waren die kleinen gelben Tonnen vor dem Hafen kaum auszumachen. Mein Hand-GPS mit digitaler Seekarte war in diesem Gebiet noch nicht zu gebrauchen. Die Karte begann erst ab kurz vor Gedser. Und so mussten wir uns langsam vorantasten und ständig die Position vom GPS manuell in die Karte eintragen. Was wir sonst stündlich gemacht haben, wurde jetzt alle 10 Minuten erledigt. Bis wir uns sicher waren, die richtigen Tonnen gefunden zu haben.

Der Hafen war sehr eng und ich hatte es noch nicht im Gefühl, wie das Boot richtig manövriert wird. Aufgrund seiner ungewöhnlichen Konstruktion ist es nur schwer zu lenken, besonders rückwärts. Das liegt daran, dass bei einer Albin Vega die Schraube oberhalb und zudem noch hinter dem Ruder liegt. Das Ruderblatt wird also nicht direkt von der Schraube angeströmt und das Boot reagiert erst auf die Pinnenlenkung, wenn etwas Fahrt anliegt. Daher kommt es, dass die Vega trotz ihrer mickrigen Länge von 8,25 m einen Wendekreis hat, der größer als der von modernen 12 m Yachten ist.

Ausserdem habe ich schlicht und ergreifend die Pinne beim rückwärts Fahren falsch herum eingeschlagen… Man merkt das leider erst nach einer halben Ewigkeit, wenn das Boot endlich reagiert hat. Doch dann ist es zu spät für eine Korrektur. Und so bin ich im Hafen mal vorwärts gefahren, mal rückwärts. Dann wieder volle Kraft voraus. Dann wieder voll Rückwärts. Und so weiter und so fort, bis mir ein netter Bootsbesitzer am Steg bedeutete, ich solle doch einfach in die große Box neben ihn kommen. Und so ging es dann auch. Am nächsten Tag schafften wir es mit mächtig Wind und Welle im Nacken – die Logge zeigte über 8 Knoten, weit über Rumpfgeschwindigkeit – bis nach Burgtiefe auf Fehmarn. Dort blieben wir dann noch zwei Tage und saßen das schlechte und stürmische Wetter aus.

Von Burgtiefe nach Gedser
„Wir sind seit gestern in Gedser. Hier gibt es unglaubliche Mückenschwärme, so dicht, dass es wie Rauchwolken aussieht. Zum Glück stechen sie nicht… Heute fahren wir dann nach Klintholm, das sind auch wieder ca. 30 Seemeilen und es wird wohl so 8 Stunden dauern.“

Ein paar Tage später dann, in Gedser, klappte das Anlegen schon viel besser. Langsam aber sicher kam irgendwann das Verständnis für das Boot. Obwohl ich auch die nächsten zwei Wochen noch ein zuverlässiger Veranstalter von bestem Hafenkino bleiben sollte!

Die in meiner Email erwähnten Mückenschwärme waren wirklich nicht von dieser Welt. Wir dachten zunächst tatsächlich, dass hinter dem Schilfgras ein Boot mit qualmendem Schornstein reinkommt! Es war aber kein Rauch, sondern bloß undurchsichtige, wabernde Wolken aus Mückenmasse. Auch die Toilettenräume waren mit diesen Viechern bedeckt. Sie wurden dann morgens mit einem Industrie-Staubsauger zu Fliegenbutter verarbeitet. Was für ein widerlicher Geruch. Ich musste an diesen Comic Strip von Calvin und Hobbes denken…

Segeln auf der Ostsee 8: Vorbereitung der Crew und Streckenplanung

„Wollte euch mal informieren, wie der Stand der Dinge bezüglich der Weltumseglung, pardon, Ostseebesegelung ist!

*Terminliches:*
Abfahrt ist wie gehabt am 16.07. in Damp mit Jürgen… (hier Planung diverser Crewwechsel)
Alle Crewwechseltermine +/- 1 Tag oder so, wegen Wetter kann ich leider keinen festen Termin nennen. Oder eben einen alternativen Hafen. Ob ich es bis Stockholm schaffe, ist fraglich. Sicherheit geht vor, und so können schon mal ein paar Tage im Hafen wegen Starkwind draufgehen. Da ich es relaxt angehen lassen will und in erster Linie Erfahrung sammeln möchte, wird es sicher kein Törn zum Meilenfressen werden. Ich peile eher Norrköping oder Nyköping als nördlichsten Punkt an. Von dort dann langsam zurück. Ab Mitte August werde ich dann auch wieder auf dem Rückweg sein. Ab da ist also noch frei und ich würde mich freuen, wenn ihr einen Termin zum Mitsegeln finden würdet.

*Anreise:*
Was die Häfen angeht, so sind diese hier verkehrstechnisch wohl am leichtesten für euch zu erreichen (von West nach Ost):
Ystad, Karlskrona, Kalmar, Oskarshamn, Västervik, (Visby,) Nyköping, Stockholm
An der Küste fahren Busse und verbinden die Orte. Generell:
* http://www.schwedenerleben.com/touristen/reiseplanung/unterwegs-im-land/busverkehr/
*
http://www.swebus.se/SwebusExpress_de/
Und rund um Kalmar:  *
http://www.klt.se/
In Dänemark:  *
http://www.rejseplanen.dk/

Ansonsten ist in Kalmar ein größerer Bahnhof. Nach Nyköping fliegen die Billigflieger und nennen das „Stockholm“, da weiss Ulli jetzt bestimmt mehr. Ansonsten könnte man auch nach Kopenhagen fliegen und von dort per Bus oder Bahn weiterfahren. Per Fähre anreisen lohnt sich nicht, da recht teuer und langwierig.

*Auf dem Boot:*
Seit der Überführung weiss ich, dass es mit mehr als 3 Personen an Bord eng werden kann. Für kurze Zeit gingen auch 4, denn es gibt 4 Schlafplätze. Dann tritt man sich aber schon auf die Füße. Zwei Gäste plus mir selber passt also gut. An Bord sind zwei Rettungswesten plus meine eigene natürlich, alle mit Lifebelt. Was die Klamotten angeht, so ist robustes Zeug wichtig, ist ja kein Ponyhof auf der Ostsee :-) Es kann schon kühl und nass werden, wie ihr teilweise besser wisst als ich. Deswegen müssen die Klamotten warm und trocken sein. Regenjacke, Regenhose und Gummistiefel muss daher jeder haben. Mütze und dünne Handschuhe würde ich auch empfehlen. Aber vor allem wird es ja auch WARM! und deshalb muss auch die Badehose mit, is doch klar. Ich war im Mai schon mal baden und hab eine Angelschnur aus der Schraube geschnitten, das war noch recht frisch. Im August wird es natürlich mörderwarm, so 18 Grad Wassertemperatur sind schon drin… in den Schären kann es aber sogar auf über 20 Grad steigen. Bringt bitte keine sperrigen Taschen mit. Stauraum ist genug, aber faltbar muss es sein.

*Geld:*
An Bord wird es eine Bordkasse geben, aus der Verpflegung, Diesel und Hafengeld bezahlt wird. Jeder inklusive mir zahlt den gleichen Teil. Wieviel weiss ich noch nicht, aber Skandinavien ist eher teuer, was Lebensmittel angeht. Ausserdem wäre es nett, wenn ihr euch mit einem gewissen Betrag pro Woche am Unterhalt für das Boot beteiligt. Wenn ihr Bares mitbringt, dann am besten in Landeswährung, also Dänische Kronen (14 DKK = 2 EUR) oder Schwedische Kronen (9 SEK = 1 EUR). Wie sagte der Vorbesitzer so schön: „Ein Boot ist ein Loch im Wasser, in das man Geld wirft…“. Das merke ich so langsam auch.

*Und sonst noch:*
Anbei ist nocheinmal die Karte mit der krakelig eingezeichneten Route. Ergänzt um grob geplante Ankunftszeiten. Dann hier noch ein eindrucksvolles Video, für wer es noch nicht kennt. Der Crashtest einer Yacht: http://www.youtube.com/watch?v=rvxhQO4pw2E
Lustigerweise lassen sie die Yacht auf die Hafenmole von Damp rauschen, wo mein Boot gerade liegt :-) Meine Zelda ist übrigens noch stabiler gebaut als diese Dehler 31.
Jetzt fällt mir nix mehr ein, also bis denne!“
-o-

Tja, so sah meine Planung des Törns zum damaligen Zeitpunkt aus. Voller Elan plante ich, Kurs auf Stockholm zu nehmen. Dazu mehr oder weniger festgelegte Zeitpunkte für den Crewwechsel. Fehler, die ich jetzt nicht mehr machen würde. Denn dass die Strecke sehr lang, das Boot sehr klein und langsam und ich noch ziemlich unerfahren war, das hatte ich irgendwie verdrängt… Auch das Wetter hatte ich überschätzt. Kann es sein, dass alle Ostsee-Segler nur solche Fotos veröffentlichen, auf denen die Sonne scheint? Daran musste ich später des öfteren denken, insbesondere während der ersten zwei Wochen, als sich das Wasser im Inneren meiner Jackentaschen gestaut hat. Im Regen macht man einfach keine Fotos. Hier mal eine Ausnahme, nur zur Bestätigung der Regel:

Wie gesagt, mit der Distanz hatte ich mich arg verschätzt. Am Ende bin ich doch die meiste Zeit in dänischen Gewässern gefahren, ganz anders als geplant. Doch dazu später mehr.

Segeln auf der Ostsee 7: Die Überführung von Rendsburg nach Damp

„Die Überführung meiner ZELDA ist glatt gelaufen! Das Segeln war super, Wetter klasse und wir hatten ordentlich Wind. Anbei mal einige Bilder. Auf dem Nord Ostsee Kanal ist es schon ein komisches Gefühl, wenige Meter entfernt an den Riesendampfern entlang zu tuckern… Das Anlegen klappt auch schon ganz gut, da muss ich aber noch mehr üben. Es war jedenfalls prima, dass Sandro und Simon mit dabei waren. Der Boden schwankt jetzt noch ein wenig, aber bald bin ich ja wieder aufm Boot.“
-o-

So ging das los: die Pinne zum ersten Mal in der Hand und dann Kurs voraus. Gemeinsam mit dem Verkäufer durch den Nord-Ostsee-Kanal von Rendsburg nach Damp. Das Boot ist zwar eigentlich recht klein, aber es kam mir zu diesem Zeitpunkt doch ziemlich groß vor. Schleusen, Segeln, Manöver fahren, alle Infos vom Verkäufer aufsaugen, Anlegen, 10 Stunden unterwegs sein… mir schwirrte der Kopf. Aber hey – es war jetzt mein Boot!

Und ZELDA sollte sie heißen, ein schöner Frauenname. Und ausserdem der Titel eines alten Nintendo-Games, das ich als Kind bis zum Umfallen gezockt habe, bis die Prinzessin „Zelda“ gerettet war. Da lag sie nun, als kleinstes Schiff am Steg mit lauter anderen Dauerliegern drumherum. Alles weißbärtige Männer oder Frauen (ohne Bart), die teilweise skeptisch, teilweise in Erinnerungen an das eigene erste Boot schwelgend, meine Zelda begutachteten.

Und kalt waren die Nächte noch im Mai. Morgens waren es zwischen 5 und 10 Grad in der Kabine. Dass es nachts auch später im Sommer nicht gerade kuschelig werden würde, das wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Jedenfalls lag meine kleine Yacht jetzt erstmal für die nächsten 2 Monate auf ihrem Liegeplatz und wartete auf ihren Skipper, der erst im Juli wieder zurück kommen würde.

Segeln auf der Ostsee 6: Boote besichtigen und schließlich eine Unterschrift

Mit einem Wochenende im Frühjahr plus zwei Urlaubstagen Ende März lässt sich schon mal eine Menge anfangen. Schließlich musste ich rauf an die Ostsee und Boote zwischen Flensburg und Lübeck besichtigen. Ich hatte schon relativ früh im Januar angefangen zu suchen, was dazu führte, dass einige Boote schon längst den Besitzer gewechselt hatten, als meine Reiseplanung fertig war. Früher als zwei Wochen vor Anreise und Besichtigung lohnt es sich daher nicht, den Verkäufer anzuschreiben. Und auch dann sollte man besonders bei Händlern kurz vorher nochmal anfragen, denn diese lassen auch schon lange verkaufte Boote gerne in ihrer aktuellen Verkaufsliste stehen…

Sechs Boote standen mit Besichtigungstermin auf meiner Liste: zwei Albin Vega, zwei Bianca 27, eine Janneau Aquila und eine Friendship 28. Alles Boote, die auf Fotos und im Exposé einen guten Eindruck gemacht haben. Letztendlich war der Maßstab für alle Boote doch gleich die erste Albin Vega, welche ich in Rendsburg am Nord-Ostsee-Kanal besichtigt habe. Es handelte sich um ein wirklich sehr liebevoll gepflegtes Schiffchen, bei welchem mir so gut wie keine nennenswerten Mängel auffielen. Dazu waren die Besitzer äusserst nett und konnten sich gut in meine Lage versetzen. Denn vor wenigen Jahren waren sie selbst als Anfänger mit dieser Vega unterwegs gewesen, bis es sie jetzt zu einem größeren Modell gezogen hat. So ist der Lauf der Dinge, deswegen ist der Markt der Gebrauchtboote auch proppenvoll mit kleinen Booten in dieser Größe.

Alle folgenden Schiffe hatten also von vornherein das Problem, sich mit diesem Idealkandidaten zu messen. Erstaunlicherweise war die andere Albin Vega, die wir am folgenden Tag besichtigt haben, ebenfalls in einem guten Zustand. Ganz im Gegensatz zu den übrigen Booten meiner Liste. Sie unterschied sich allerdings beim Motor stark von der ersten Vega, denn es war ein alter Motor und auch noch der Originalpropeller mit Wendegetriebe war installiert. Auch der generelle Pflegezustand war eher mäßig, da es sich um das Familienboot eines alten Mannes gehandelt hat. Das schlug sich auch auf den Preis nieder. Für 9.000 Euro hätte ich es haben können, was ein wirklich günstiger Einstieg ins Segeln bedeutet hätte. Sicherlich würde es sich auch beim Probeschlag gut Segeln, kein Thema, und sogar die Verkäufer waren sehr nett. Im direkten Vergleich mit der anderen Vega stellte sich eigentlich nur die Frage: lieber ein günstiger Einstieg mit einem nicht so schönen Boot oder ein teurer Einstieg mit einem besser erhaltenen Boot?

Vor dieser Entscheidung standen aber noch die beiden Bianca 27. Leider haben sich beide Eigner nicht sehr um die Pflege ihrer Boote gekümmert. Man merkte in jedem Detail, dass hier „eigentlich was getan werden müsste“, wie die Verkäufer schon selbst zugaben. Einer meinte noch, dass mit zwei Tagen Schleifen, Schrubben und Polieren alles wieder wie neu wäre. Da frage ich mich doch, warum er dass nicht mal eben an einem freien Wochenende selbst gemacht hat… Wie er das abblätternde Antifouling, das rissige GFK und alle gesplitterten Holzteile in dieser Zeit wieder auf Vordermann hätte bringen wollen, das bleibt wohl sein Geheimnis. Das Boot lag im Freien unter einer Plastikplane, die lediglich über dem Cockpit zur Seite geräumt war. Als ich den Verkäufer fragte, ob er denn nicht mal die gesamte Plane wegräumen könne, damit ich das Boot vollständig sehe, meinte er nur: „Ja, wenn es ernst wird…“. Hm, glaubte er ernsthaft, er würde mich noch ein zweites Mal sehen? Den Spruch mit dem ersten Eindruck, der zählt, war ihm wohl unbekannt.

Schließlich kam es, wie es kommen musste: die zuerst besichtigte Albin Vega wurde gekauft. Die Mischung stimmte, sowohl das Boot als auch die Verkäufer machten einen ehrlichen Eindruck und so sind wir uns schnell handelseinig geworden.

Jetzt konnte das Abenteuer losgehen. Über die Ostsee. Auf eigene Faust. Im eigenen Boot!

Segeln auf der Ostsee 5: Verkaufsanzeigen wälzen

Wo findet man nun ein Boot, wenn man zentral in der Mitte Deutschlands wohnt und der nächste Yachthafen 500 Km entfernt ist? Hier hilft nur sorgfältige Planung, denn einfach mal die Marinas abklappern is nich. Gebrauchtboote findet man heute zum Glück sehr leicht über folgende Quellen:

Die Vielfalt ist erschlagend und die Detailsuche daher sehr zu empfehlen. In meinem Fall filtere ich alles heraus, was nicht in die folgenden Kategorien passt:

  • Länge: 7 bis 9 Meter
  • Preis: 8.000 bis 20.000 Euro
  • Liegeplatz: Deutsche Ostsee

Übrig bleiben immer noch um die 60 Boote je Börse. Im Folgenden wird nach dem Alter und Zustand des Motors, dem allgemeinen Zustand (Refit, Lackierung wann?) und dem Alter der Ausrüstung (Segel, Toilette, Batterie, Polster, etc.) sortiert. Erst ganz am Ende kommt das Zubehör wie GPS, Kocher, Zusatzanker, etc. Entscheidend ist das Zubehör allerdings nicht, es ist eher als nette Dreingabe zu sehen. Wichtig ist, dass das Equipment zum Segeln vollständig und einsatzbereit ist.

Nachdem der Besitzer angeschrieben oder angerufen wurde, kommt der spannende Moment: wie ist der drauf? Schon nach kurzem Telefonieren oder Email-Kontakt weiss man, wen man vor sich hat. Nette Segler, die ihr Boot lieben und von dem guten Stück ehrlich schwärmen? Oder reine Zweckverkäufer, wobei man dem Besitzer jedes Detail aus der Nase ziehen muss? Manche Verkäufer begreifen nicht, dass der Wechsel eines Boots vom alten auf den neuen Besitzer auch ein gutes Stück mit Vertrauen zu tun hat. Es gibt schließlich keinen Boots-TÜV, auf dessen Plakette man bauen könnte. Einen Gutachter würde man bei einem Boot dieser Preisklasse wohl eher nicht einschalten und auch dieser kann nicht vorhersehen, was sich vielleicht nach einigen Jahren dem zukünftigen Besitzer offenbaren wird. Auch der Transfer des Kaufbetrags und schließlich des Bootsschlüssels sind Vertrauenssache. Denn mal ehrlich – wo läuft es denn schon so lehrbuchmäßig ab, dass Stück für Stück das Objekt bzw. das Geld den Besitzer wechselt? Meistens tritt einer von beiden in Vorleistung, auch wenn es nur die Anzahlung des Kaufpreises einen Tag vor der Übergabe ist. Allein schon um späterem Ärger ein wenig die Luft zu nehmen, ist es daher besser, wenn man sich zwischen Verkäufer und Käufer grün ist.

Segeln auf der Ostsee 4: Wie sieht es aus, das richtige Boot?

Das Wichtigste überhaupt, das ist die Frage nach dem Boot. Da ich mich für einen Zeitraum von 2 Monaten entschlossen habe, kämen grundsätzlich zwei Möglichkeiten in Frage, um an ein Boot zu kommen. Einmal das Chartern, sprich Mieten eines Boots für diesen Zeitraum. Vorteil ist, dass man aufs Schiff steigt und einfach ablegt. Nachteil ist, dass mir kein Vercharterer sein Bootchen aushändigt, ohne vorher meinen Sportküstenschifferschein (SKS) gesehen zu haben. Den habe ich dummerweise nicht und damit fällt diese Möglichkeit auch schon gleich ins Wasser. Denn um den SKS zu erhalten, ist ein Praxistörn von mindestens einer Woche (wobei gern geschummelt wird) sowie natürlich die üblichen Berge an Theorie nötig. Diese Zeit habe ich jetzt nicht, denn es soll ja schon in der kommenden Saison losgehen.

Bleibt also das Kaufen, und zwar auf dem Gebrauchtbootmarkt. Und hier geht der Spass erst richtig los, denn Bootskauf ist wie Autokauf (oder „…wie eine Schachtel Pralinen“): man weiss nie, was man kriegt. Zur Vorbereitung habe ich mir einiges an Literatur beschafft, wobei es eigentlich um zwei Dinge geht. Nämlich einmal um das grundsätzliche Verständnis, was an einem Boot von Wichtigkeit ist und daher unbedingt intakt sein muss. Und zweitens das Zusammenstellen einer ellenlangen Checkliste mit zu prüfenden Punkten. Diese Liste kann man sich leicht durch ein wenig Googeln selbst erstellen, denn viele Webseiten bieten Vorlagen an. Fündig wird man zum Beispiel bei Gebrauchtboot-Börsen, Segelmagazinen, Versicherungen und natürlich in Foren.

Das Boot meiner Träume hat folgende Eigenschaften.

  • Maximaler Preis: 15.000 Euro
  • Liegeplatz: Deutsche Ostsee
  • Länge über alles: ca. 8 bis maximal 9 Meter
  • Langkieler
  • Einbaumotor nicht älter als 15 Jahre
  • Sitzgelegenheiten bzw. Kojen in Längsrichtung
  • Wenig Technik (z.B. kein Kühlschrank oder Kartenplotter)
  • Segelfertiger Zustand

Dieses Boot könnte zum Beispiel eine Albin Vega 27 oder eine Friendship 26 sein, welche von ihren Vorbesitzern aus Altersgründen abgegeben wird. Solche Boote sind trotz ihres hohen Alters von mehr als 30 Jahren oft in einem sehr guten Zustand, da sie gehegt und gepflegt wurden und quasi startklar sind. Dazu kommt, dass diese alten Schiffchen aus Glasfaserkunststoff damals sehr robust gebaut wurden. Die Wandstärke ist wesentlich größer als im Vergleich zu heutigen GFK-Yachten. Wird so ein Boot in Schuss gehalten, gibt es (abgesehen vom Motor) nichts Grundlegendes, was ausgetauscht werden müsste. Es ist erstaunlich zu sehen, dass diese Boote nach einer Generalüberholung wieder wie neu aussehen.

Ich bin bereit, ein paar Euro mehr auszugeben, wenn ich dafür weniger Arbeit in die Ausrüstung und Sicherheit des Bootes stecken muss. Handwerklich ungeschickt bin ich zwar nicht, allerdings würde jegliche größere Reparatur den vorhandenen Zeitrahmen sprengen.

Anmerkung: Da ich diesen Artikel vor meinem Segelurlaub geschrieben habe, möchte ich hier nachträglich etwas zu den oben aufgeführten Eigenschaften schreiben, die mir damals wichtig waren. Ich würde heute eine andere Priorität setzen, nämlich auf leichte Bedienbarkeit und Manövrierbarkeit. Es ist schon sehr praktisch, wenn alle Leinen ins Cockpit geführt sind und das Segel einfach in einen Lazy Bag fällt. Auch ist eine moderne Rumpfform mit optimal angeströmtem Ruder wesentlich leichter zu manövrieren als ein Langkieler. Den Rest würde ich aber wieder genau so unterschreiben.

Noch spätere Anmerkung (das Weichei schlägt durch): Da ich mittlerweile auch viele Motorbootfahrer in der Adria an mir vorbeirauschen gesehen habe, frage ich mich, wie es wohl mit solch einem Motorrenner aussähe… Man könnte sich zum Beispiel so ein Sea Ray Teil kaufen (zur Seite), wo man zwar nicht viel Freude an Duschkabinen und Rundsitzgruppen hat, dafür ist man aber in drei Stunden von Italien nach Kroatien gedüst, kann sich dort eine Grillplatte reinpfeifen und ist am nächsten Mittag wieder zurück am Strand von Bari. Hat alles seine Vor- und Nachteile. Der Wind kann einem schnurz sein und falls sich das Wetter verschlechtert, ist man in Null Komma nix im nächsten Hafen. Wer sich so ein Sportboot kaufen will, kann sich mal auf der Seite im angegebenen Link informieren. Dort gibt es auch Gebrauchtboote.

Segeln auf der Ostsee 3: Das Scheinesammeln

Wenn man nicht gerade mit einem winzigen und nahezu unmotorisierten Boot unterwegs ist, benötigt man in Deutschland zum Befahren der Seeschiffahrtsstraßen eine Bescheinigung. Man sagt, die Amerikaner haben das Internet erfunden, die Deutschen haben es daraufhin reglementiert. So ähnlich ist das beim Segeln auch. Dem deutschen Bürger traut es sein eigener Staat nicht zu, dass er freiwillig Vorbereitungskurse besucht, bevor er sich auf See begibt. Daher gibt es eine Scheinpflicht und das Produkt nennt sich „Sportbootführerschein See (SBF See)“. Liegt ein Fluss auf dem Weg zum Meer, wie das zum Beispiel bei den Berlinern der Fall ist, wird zusätzlich der „Sportbootführerschein Binnen“ benötigt. Hat man auch noch ein einfaches UKW-Funkgerät an Bord, ist mindestens das „Short Range Certificate (SRC)“, wenn nicht gar das „Long Range Certificate (LRC)“ fällig. Je nach eingebauter Funkanlage. Oh, und auch hier gibt es natürlich separate Scheine für Seefunk und Binnenfunk, ist doch klar. Möchte man sich das Boot nicht gleich kaufen, sondern lieber erstmal mieten, dann möchte der Vercharterer obendrein noch den „Sportküstenschifferschein (SKS)“ sehen.

Rechnet man all diese Anforderungen zusammen, so kommt man im ungünstigsten Fall auf 6 Bescheinigungen, die man sowohl zeitlich als auch finanziell unter einen Hut bekommen muss. Ganz abgesehen vom umfangreichen Prüfungsstoff, der irgendwie verdaut und wiedergekäut werden muss. Da ich selbst vor habe, mir ein eigenes Boot zu kaufen, sind lediglich der SBF See und das SRC notwendig – sofern mein Boot denn eine Funke haben wird. Zwei Scheine also, das ist zu schaffen. Wie und wo ich den SBF See gemacht habe, beschreibe ich im Artikel „Sportbootführerschein See in Kühlungsborn“.

Segeln auf der Ostsee 2: Segeln, aber für wie lange?

Das Gefühl, wenn man im Bugkorb sitzt und nichts anderes als das Rauschen des Wassers hört und den wehenden Wind spürt – das ist einfach unbeschreiblich schön. Das ist eine erste Vorstellung von Freiheit. Klar, wenn ich alle unsere gemeinsamen Segel-Urlaube und auch meine eigenen Unternehmungen zusammen zähle, dann werde ich bis heute auf kaum mehr als zwei bis drei Monate reines Segeln kommen. Aber immerhin, für berufstätige Menschen schon mal nicht schlecht. Nur, wirklich weit kommt man mit dem normalerweise zur Verfügung stehenden Jahresurlaub nicht. Zieht man von den insgesamt 30 Tagen noch ein paar ab für Weihnachten, Herbst und Frühjahr, so bleiben vielleicht 20 übrig. Je nach Revier können diese 20 Tage bei schlechtem Wetter und somit Zwangspause leicht auf 10 bis 15 Tage reines Segeln schrumpfen. Das langt mir nicht.

Zunächst muss also geklärt werden, welche Möglichkeiten es gibt, um Job und Segelwunsch unter einen Hut zu bekommen.

Die große Lösung: gar nicht erst versuchen, Job und Segeln unter einen Hut zu bekommen, sondern direkt kündigen und ab ins Blaue. Klingt prima, ist aber nur möglich, wenn die Finanzen stimmen und man auch die weiteren Konsequenzen zu tragen bereit ist:

  • Wohnung untervermieten oder auflösen
  • Haushalt verkaufen oder einlagern
  • Kein regelmäßiges Einkommen mehr, dafür teure Versicherungen, etc.

Der unbestreitbare Vorteil ist natürlich, dass anschließend zu 100% Segeln angesagt ist, keine halben Sachen.

Die etwas kleinere Version: ein Sabbatical. Also den Job für einen vordefinierten Zeitraum von einem halben bis zu einem ganzen Jahr unterbrechen. Hierbei kann das häusliche Leben weitestgehend stillgelegt werden, man kann aber noch jederzeit zurück ins gemachte Nest. Und vor allem muss man sich keine Sorgen über den Wiedereintritt ins Berufsleben machen.

Bei laufendem Job gibt es die beiden folgenden Möglichkeiten: Teilzeit arbeiten oder unbezahlten Urlaub nehmen.

Teilzeit arbeiten. Das heißt, man arbeitet natürlich Vollzeit, kann sich die angesparte Teilzeit aber anschließend am Stück gönnen. Vorteil ist, dass der Arbeitgeber den Wunsch nach Teilzeit nicht verweigern darf. Bei einer halben Stelle könnte man also ein halbes Jahr Segeln gehen. Nachteil ist, dass kein Arbeitgeber verpflichtet ist, den erfahrenen Matrosen ein Jahr später wieder in Vollzeit statt in Teilzeit einzustellen. Es sei denn, dies wurde vertraglich vereinbart.

Unbezahlten Urlaub nehmen. Um bei den oben genannten Zahlen zu bleiben, würde das bedeuten, 20 Tage bezahlten und 20 Tage unbezahlten Urlaub zu nehmen. Damit wäre man 2 Monate unterwegs, hätte noch ein paar Urlaubstage für andere Zwecke übrig und hätte außerdem kaum Gehaltseinbußen. Nachteil: kein Arbeitgeber der Welt kann gezwungen werden, unbezahlten Urlaub zu genehmigen. Ausserdem verfällt bei unbezahltem Urlaub von mehr als einem Monat die Verpflichtung der Firma, weiterhin Sozialabgaben und Krankenversicherung zu zahlen. Sofern man jedoch einen guten Draht zu seinem Chef hat und die Urlaubszeit nach Absprache in einen günstigen Zeitraum legt, erscheint mir dieser Weg als der beste.

Allerdings haben alle Wege (aber vor allem die beiden Letztgenannten) für Berufstätige einen gemeinsamen, gewaltigen Nachteil: sie können beim Arbeitgeber leicht den Eindruck erwecken, dass einem die persönliche Freizeit und Abenteuerlust wichtiger ist als der Job. Ich würde sogar behaupten, dass es aus Karrieregesichtspunkten in vielen Berufen das Todesurteil ist, Teilzeit zu beantragen. So muss also jeder für sich selbst entscheiden, welche Version für ihn am besten ist.

Ich bin den Weg „unbezahlter Urlaub“ gegangen. In meinem Fall hielten sich sowohl die Karriereaussichten als auch die aktuelle Firmenkonjunktur schwer in Grenzen, daher war mein Chef sogar grundsätzlich angetan von der Idee des unbezahlten Urlaubs. Denn in manchen Branchen schwankt die Auftragslage einer Firma doch sehr stark und da kommt eine vorübergehende Einsparung in Form eines Monatsgehalts doch sehr gelegen.

Segeln auf der Ostsee 1: Warum DAS denn jetzt?

Eines Tages, irgendwann im letzten Jahr, beschloss ich zur See zu fahren.

So ganz aus heiterem Himmel kam dieser Gedanke nicht. Irgendwie bin ich schon seit  Jahren immer tiefer in das Thema hineingerutscht. Wie ich damals als Student auf die Idee kam, den Schein für das Binnensegeln zu machen, weiss ich heute nicht mehr. Jedenfalls ist dadurch eine Freundschaft mit einem anderen Kursteilnehmer entstanden, die aus dieser Zeit stammt. Wir sind später in wechselnder Begleitung durch das Mittelmeer getingelt, natürlich mit einer Charter-Yacht und immer nur für eine Woche. Mein Kumpel hat weiter fleißig Scheine gesammelt und konnte somit eine Yacht mieten. Mit einer jungen und tatkräftigen Crew war es auch für uns als Anfänger kein Problem, ein solches Dickschiff zu bedienen. Diese Urlaube waren unglaublich spannend und entspannend zugleich. Die mediterrane Kultur, das warme Wasser und das Gefühl, mit dem eigenen Boot hinfahren zu können, wo man will… davon wollte ich mehr. Zwar würde ich nicht im Mittelmeer anfangen, sondern auf der Ostsee. Aber schließlich sollte ja auch das selbständige Segeln gelernt werden. Um dafür eignet sich dieses Revier vor der Haustür, so ganz ohne Tiden, ganz hervorragend. Ausserdem bin ich zwar schon recht weit in der Welt herumgereist, aber unsere Nachbarn Dänemark und Schweden waren mir immer noch unbekannt.

Das ist der „technische“ Hintergrund, die Fakten. Es gibt aber auch noch andere Beweggründe, ausgerechnet jetzt das zu tun, was mir am Wichtigsten ist. Da gibt es zum Beispiel seit einiger Zeit immer häufiger diese schlechten Nachrichten von Menschen, die man recht gut oder manchmal auch etwas weniger gut kannte. Sie starben an den abscheulichsten Krankheiten oder fielen einfach sofort tot um, weil irgendjemand da oben beschlossen hatte, dass jetzt Schluss sei. Ich bin gerade Anfang 30 und dennoch häufen sich seit ein paar Jahren diese Geschichten. Eine zweite Welle wird später, in vielleicht 20 Jahren wiederum ein paar mehr Bekannte und Freunde dahinraffen. Wer kennt das nicht aus seiner Elterngeneration – links und rechts beginnen die Schicksalsschläge häufiger zu werden. Selbst wenn es einen nicht gleich erwischt, es kann ja auch schleichend gehen. Soll ich vielleicht bis 65 warten, wenn die Gesundheit schwächelt aber dafür das Bankkonto voll ist? Nein, es muss jetzt los gehen.

Sportbootführerschein See in Kühlungsborn

Zu Studentenzeiten hatte ich einmal den Sportbootführerschein Binnen gemacht. Wer mit einem einigermaßen motorisierten Boot in deutsche Küstengewässer will, braucht aber den SBF-See. Und um diesen zu machen, bin ich Mitte Dezember für eine Woche nach Meck-Pomm an die kalte Ostsee nach Kühlungsborn gefahren. Oder „K-born“, wie die Einheimischen sagen. Für mich als F-furter zwar ein gutes Stück weit weg, aber außer der hier ansässigen Segelschule gibt es nicht viele Anbieter eines einwöchigen Kurses. Einquartiert hatte ich mich in der Pension Zum Leuchtturm, welche gleich nebenan in Bastorf liegt. Ein sehr sympathischer Laden mit großen Zimmern, gutem Frühstück und einer freundlichen Besitzerin.

Außer mir war im Kurs lediglich noch ein schwäbisches Ehepaar dabei, die sich schon ein kleines Bootchen auf der Insel Föhr gekauft hatten und jetzt eben diesen Schein brauchten, um es zu segeln. Kursleiter war „Bubi“, ein Käpt’n-Blaubär-mäßig redender, älterer Herr, der mit diversen Schwänken aus dem Leben eines Seemanns die graue Theorie aufgelockert hat. „Moin Kinnings, dann lass’ uns mal die lütten Tonnen im Fahrwasser bestimmen…!“, so in etwa hat er uns morgens begrüßt. Richtig gut, deswegen bin ich hier. Nur durch einen solchen Kursleiter lernt man Zusammenhänge, wie sie einem der blanke Text nicht vermitteln kann.

Da der zu bewältigende Stoff nicht so ganz wenig ist – ca. 350 Fragen, welche möglichst im Wortlaut in der Prüfung wiederzukäuen sind – hatte ich schon einige Wochen vorher mit dem Lernen angefangen. Das hat sich als sehr sinnvoll herausgestellt. Denn der puren Verzweiflung in den Augen der Schwaben nach zu urteilen, hatten diese beiden hier keine entspannten Abende. Sie wollten möglichst „unbelastet“ in den Kurs gehen, was ja auch funktioniert hat. Nur ist dann eben die Belastung währenddessen größer. Jedem seins. So ganz unschuldig ist daran auch die Segelschule nicht, denn die könnten einem ruhig auch den Hinweis geben, dass hier ne Menge Schiet in die Birne rein muss. Wenigstens einmal vorher das offizielle Begleitbuch durchlesen, das sollte schon mindestens drin sein.

Zu Kühlungsborn selbst ist nicht viel zu sagen – zwischen November und März haben die ganzen Läden mit maritimem Nippes sowieso geschlossen. Und was noch geöffnet hat, schließt schon um 18 Uhr. Nach Kursende war hier also tote Hose angesagt. Was jeder Besucher aber unbedingt ausnutzen sollte, ist das Essen von Fisch und anderen Norddeutschen Spezialitäten in einem der Restaurants. Die Qualität ist gut und die Preise in Ordnung. Das freut die wenigen Rentner, die hier noch herumfallen. Im Sommer dürfte dagegen ordentlich was los sein, da tanzt der Senior auf der Uferpromenade, würde ich mal sagen.

Mit Schietwetter hatte ich gerechnet. Dass hier aber gleich ein dickes Sturmtief über Deutschland zieht und auch noch Springflut ist, während die Motorbootübung stattfindet, das hatte mir natürlich vorher keiner gesagt. Andererseits – bei 25 Grad in Badeshorts die Prüfung machen… das kann ja jeder.