Schlagwort-Archive: Sightseeing

Was man in Funchal auf Madeira alles unternehmen kann

Im Gegensatz zum staubigen Felsbrocken Gran Canaria, der eine Flugstunde weiter südlich liegt, begrüßt einen die Insel Madeira mit üppigem Grün und einer Autobahn, auf der man sich fast wie in Deutschland fühlen kann. Gesponsort durch EU-Gelder verläuft sie in schlängelnden Windungen über die Südseite der Insel und bietet viele Tunnels und saftige Steigungen, die schonmal den Einsatz des dritten Gangs erfordern. Die Hauptstadt Funchal ist durch mehrere Abfahrten angebunden und für Touristen leicht erschließbar. Um das Stadtzentrum zu finden, braucht man kein Navi sondern fährt einfach immer bergab, solange, bis man am Meer steht.

Der Yachthafen
Wenn wir schonmal unten an der Uferpromenade stehen, ist der Weg zum Yachhafen nicht weit. Wer das nötige Kleingeld hat, kann sich hier auf einem Trawlerboot zum Sportfischen einchecken oder eine Rundfahrt buchen. Wer einfach nur herumspaziert, sollte sich die äußere Hafenmole einmal genauer ansehen. Da Madeira häufig von Segelbooten angelaufen wird, die den Atlantik überqueren wollen, haben sich hier viele Crews mit bunten Farben an der Betonmauer verewigt. Auch etwas schräge Charaktere kann man dort treffen. Zum Beispiel diesen Fahrradfahrer aus Portugal, der vor längerer Zeit aufgebrochen ist, um kreuz und quer durch Europa zu fahren. Jetzt gerade wartet er auf einen „Freund“, der hier mit seiner „Fähre“ angeblich jedes Jahr vorbeikommt und ihn diesmal mit rüber in die Karibik nimmt. Hmm, also… habe ihm jedenfalls viel Glück gewünscht. Nicht dass er dort drüben so endet wie dieser eine weißbärtige Deutsche, der sich irgendwann in den 80ern in sein klappriges Segelboot setzte, über den Teich fuhr und seitdem völlig abgebrannt im Hafen von Martinique die Touristen anschnorrt.

2013 Madeira (90)_sm

Das Museum für Madeira Wein
Die Firma Blandy’s hat es durch ein glückliches Händchen im Laufe der letzten 200 Jahre geschafft, die Vorherrschaft über alle anderen Hersteller von Madeira Weinen zu erlangen und bietet Touristen eine halbstündige Führung durch das ehemalige Firmengebäude an, das jetzt hochtrabend „Blandy’s Wine Lodge“ heißt. Es liegt genau an der Haupteinkaufsmeile von Funchal und kann gar nicht übersehen werden. Mehr dazu im ausführlichen Artikel hier im Blog.

2013 Madeira (85) blandy

Eine Fahrt mit Bergbahn und Schlitten
Es gibt tatsächlich eine waschechte Bergbahn mit kleinen Knubbelkabinen direkt hier in Funchal. Südlich der Altstadt steht die Talstation direkt am Meer und die Gondeln fahren äußerst malerisch über die Häuser hinweg nach oben zur Bergstation. Dort angekommen, kann man entweder gleich in den Botanischen Garten gehen oder man schaut sich erst die Kirche an und lässt sich dann von verkleideten Einheimischen per Korbschlitten wieder ins Tal rodeln. Habe es nicht selbst ausprobiert und auch der historische Zweck dieser Aktion leuchtet mir nicht ganz ein, aber es soll wohl eine ziemliche Gaudi sein, über den Asphalt zu rutschen. Macht doch wirklich keinen Sinn, erst Zeit beim Abwärtsrodeln zu sparen und dann nach dem Einkaufen in der Stadt den ollen Schlitten wieder den Berg hinauf zu ziehen…
Auf Madeira hat man ja schon das Zeitalter des Walfangs verpennt. Aber dass sie auch die Entdeckung des Rads verpasst haben, kann ich mir irgendwie nicht vorstellen. Jedenfalls, unten wieder angekommen, könnte man gleich die Markthallen besuchen oder das Story Center.

2013 Madeira (147) bergbahn

Das Madeira Story Center
Gleich gegenüber von der Talstation der Bergbahn liegt das Madeira Story Center. Hier wird auf multimediale, interaktive und sonstwie coole moderne Art den Besuchern die Geschichte der Insel näher gebracht. Auch verkleidete Menschen sind wieder mit dabei. Und etwas für Kinder. Einen Shop gibt’s natürlich auch. Und die Firma Blandy’s hat hier schon wieder die Finger mit im Spiel. Ich glaube, denen gehört die halbe Insel.

Der Botanische Garten „Jardim Botânico“
Man kann leicht durcheinander kommen mit all den Gärten in Funchal. Abgesehen von Blandy’s Garten (war ja klar, dass die wieder dabei sind), gibt es noch einen Orchideengarten und diverse Stadtparks. Letztendlich ist die gesamte Insel ein Garten. Denn dort, wo man hinspuckt, wächst kurze Zeit später ganz sicher irgendetwas mit intensiven Farben.

2013 Madeira (54) strelizie botanischer garten

Den Besuch des Botanischen Gartens kann man gleich mit einer Fahrt der Bergbahn nach Monte kombinieren. Man stolpert förmlich von der Bergstation direkt in den Garten und kann dort Lustwandeln, bis man keine Pflanzen mehr sehen mag. Das Gelände ist in verschiedene Themenbereiche gegliedert, wo man einheimische Arten, Kakteen oder Nutzpflanzen findet. Außer viel Grünzeug gibt es hier noch einen Pavillon zu sehen, der in Formaldehyd konservierte Fische und Krustentiere ausstellt. Die ältesten Gefäße sind von Ende der 1800er Jahre, als man so langsam begann, die Tiefsee zu erforschen. Zu diesem Thema gab es einmal eine sehr gute Sonderausstellung im Frankfurter Senckenberg Museum, die ihresgleichen suchte. Leider ist man dort wieder zu den spröden Kristallen und morschen Dinoknochen der Dauerausstellung zurückgekehrt.

Weiter hinten, bzw. unten im Garten findet man dann noch eine sehr große Sammlung von Vögeln, und zwar lebenden. Für mich sahen sie alle nach „Papagei“ aus. Wer es genauer wissen will, liest die Infotafeln. Eine schöne Liste mit Beschreibungen der Gärten findet sich auf dieser Seite.

Die Markthalle
Sobald man mit der Gondel wieder unten in der Stadt ist, kann man direkt rüber zur Markthalle laufen. Was man dort zu sehen bekommt und auf welch charmante Art ich dort ausgenommen wurde, steht in diesem Artikel hier im Blog.

Eine Stadtführung durchs Frankfurter Gallus

Die Firma Frankfurter Stadtevents bietet rein gefühlsmäßig tausend-und-eine Stadtführung zu so ziemlich jedem Thema an. Eines davon ist die Führung durch das Frankfurter Gallusviertel, wo früher die „arme Leut“ erst am Galgen gehenkt und dann verscharrt wurden. Die Stammesältesten kennen es noch unter dem inoffiziellen Namen „Kamerun“, mittlerweile heißt es schlicht und einfach „Gallus“. Auch das neue und gerade sehr gehypte Europaviertel ist übrigens noch ein Teil des Gallus. Soll das später dann auch einfach nur „Europa“ heißen…?

führung_gallus (1)sm

Unser Führer des Abends heißt jedenfalls eindeutig Sascha Ruehlow und ist eigentlich nicht zu übersehen, wenn man ihn kennt. Da ich ihn jedoch nicht kannte und der Treffpunkt am Hauptbahnhof nicht unbedingt menschenleer war, musste ich eine Weile Kreise ziehen. Ein Schild oder so eine dämliche rote Fahne wären nicht ganz schlecht gewesen.

führung_gallus (3)sm

Hier am Bahnhof ging es dann auch gleich los, denn das Gallus beginnt genau hier. Das Bahnhofsviertel mit Nidda-, Taunus- und Weserstraße beginnt nördlicher, dort wo man über die mehrspurige Straße geht. Unser Guide kennt zig Geschichten zu jeder Straße und jedem Wohnblock. Die alle nachzuerzählen spare ich mir, lieber sollten Interessenten einfach diese preiswerte Tour buchen. Mit 10 Euro für 2 Stunden ist der Preis mehr als fair. Zumal man mit Sascha Ruehlow einen Guide hat, der – einmal angestochen – nicht mehr aufhört, interessante Stories zu erzählen. Er führt noch andere Touren, wobei mich die „Trinkhallentour“ vorbei an den Frankfurter Wasserhäuschen besonders reizt. Hatte eh schonmal die Idee, mit einem Kumpel eine solche spät abendliche Tour zu unternehmen. Am besten im Bademantel, ganz Dittschemäßig.

führung_galluswarte (4)

Apropos Trinkhalle, schließlich standen wir vor der Galluswarte (mit ihren beiden verfeindeten Kiosken) und die Tour näherte sich leider schon ihrem Ende. Da alle Teilnehmer, inklusive dem Guide, hier im Umkreis von wenigen Minuten wohnten, ging nun jeder seines Weges. Irgendwie sind wir ja doch alle Nachbarn, hier im Kamerun.

Frankfurt kulinarisch: Mit Laura Di Salvo durchs Nordend

Das Konzept der Tour
Die Firma Eat-The-World bietet für 30 Euro pro Person geführte Touren in mehreren Deutschen Großstädten an, seit Neuestem auch in Frankfurt. Innerhalb von 3 Stunden klappert man dabei 7 Stationen ab, wo einem kleine Köstlichkeiten gereicht werden. Nebenbei erfährt man noch etwas über das jeweilige Stadtviertel, wobei der Schwerpunkt nicht auf Geschichte oder Architektur liegt sondern eher auf „Stadt und Leute“. Schließlich werden die Touren nicht von studierten Historikern geleitet, sondern von engagierten Menschen, die die Gegend kennen und eine Faible für das Speisen haben.

Die angebotenen Touren richten sich an wirklich jeden, vom Einheimischen bis zum Eingeplackten. Ich selber liege irgendwo dazwischen, da ich mich selbst nicht ernsthaft als einen „Frankfurter“ bezeichnen würde. Wie heißt es doch so schön: entweder, man ist hier geboren und mindestens ein Elternteil ist „echter“ Frankfurter. Oder man wohnt hier schon seit mindestens 25 Jahren. Beides trifft nicht vollständig zu. Als Taunus-Boy bin ich erst nach dem Studium hierher gezogen. Kann allerdings nicht ohne Stolz behaupten, in einem Haus zu wohnen, das schon seit bald 100 Jahren im Besitz der Familie ist.

frankfurt_kulinarisch_2013_ (20)sm
Interessanterweise wird der Frankfurt-Ableger von Laura Di Salvo geleitet, die man als echter Hesse natürlich vom Hessischen Rundfunk kennt, wo sie als Wetterfee zu sehen ist. Dort wirkt sie vor der Wetterkarte allergoldigst – alleine wegen ihr schalte ich die Glotze immer schon 2 Minuten vor der Tagesschau an. Trifft man sie dann „in echt“, so ist sie einfach eine charmante und lebhafte Frau, der man es nicht anmerkt, dass die heutige Tour ihre allererste ist.

frankfurt_kulinarisch_2013_ (9)sm

Am Friedberger Platz war der Treffpunkt für die 16 Teilnehmer. Von der Leiterin Di Salvo war dank der vielen aufgespannten Regenschirme nicht mehr viel zu sehen, denn Petrus hatte unserer Wetterfee zum Einstieg leider keinen Sonnenschein geschickt, sondern fiesen Dauerregen. So stiefelten wir dann durch das nasse Frankfurt, schnabulierten hier und dort einen Snack und lauschten den Ausführungen unserer Fee. Hier die Stationen im Einzelnen.

Die Stationen
Bäckerei „Kronberger“ mit einem Zitronenkuchen. Der Kuchen war lecker, leider hat sich niemand blicken lassen, um uns den Rest des Sortiments schmackhaft zu machen. Angeblich gäbe es hier die besten Baguettes östlich von Paris. Netter Artikel in der FR.

frankfurt_kulinarisch_2013_ (2)sm

Café „Familienbetrieb“ mit einer Knusperrolle, gefüllt mit Frischkäse und Schinken. Auch hier hat sich die Ladenbesitzerin nicht gezeigt. Dabei gibt es eine an das Café angeschlossene Boutique. Über diese ungewöhnliche Kombination hätte sie uns gerne etwas erzählen können.

frankfurt_kulinarisch_2013_ (4)sm

Feinkostladen „Die Olive“ mit Wurst und Käse aus Italien. Sehr sympathische Besitzerin, die uns über ihre Philosophie aufklärte und das Sortiment kurz vorstellte. Habe ihr gleich ein Stück Salsiccia abgekauft.

frankfurt_kulinarisch_2013_ (6)sm

Restaurant „Wiesenlust“ mit… Pommes! Sollten eigentlich aus Süßkartoffeln sein, aber die waren schon aus. Also gab es selbstgemachte Kartoffelpommes stattdessen. Eigentlich steht der Laden für Hamburger. Merkwürdig.

Michis Schokoatelier“ mit Pralinen und anderen Schokoladereien. Leider war auch der „Michi“ schwer beschäftigt, und so musste ich mir selbst die Frage stellen, wie man eigentlich so schöne Pralinen wie auf dem Foto unten herstellen kann oder was man in seinen Kursen so alles lernt.

frankfurt_kulinarisch_2013_ (15)sm

Imbiss „Suppengrün“ mit einer Kürbissuppe. Verfeinert mit Ingwer und anderen Gewürzen, sehr lecker. Die Dame des Hauses hat es sich nicht nehmen lassen, uns über die Herstellung zu informieren und gab uns noch diverse Tipps zum Suppekochen mit auf den Weg. So hatte ich mir das vorgestellt. Warum dieser Laden floriert, aber die früher ebenfalls Suppen und Eintöpfe anbietende „Chilli Queen“ dicht gemacht hat, ist mir ein Rätsel.

frankfurt_kulinarisch_2013_ (18)sm

Café und Lounge „Dolce & Gusto“ mit einem gefüllten Gebäck aus Italien. Was es genau war, konnte uns der junge Chef leider nicht sagen.

frankfurt_kulinarisch_2013_ (21)sm

Fazit
Die Tour war unterhaltsam und bot einige wirklich gute Leckereien. Andererseits aber auch reinen Durchschnitt, wie z.B. die „Pommes“, den Sandkuchen und das etwas dröge Gebäck aus Italien. Nur wenige Ladenbesitzer haben sich Zeit für unsere Gruppe genommen. Die meisten glänzten durch Abwesenheit, und dass obwohl noch nicht einmal immer viel Betrieb herrschte. Dieser Punkt ist wirklich tragisch, denn scheinbar haben sie nicht begriffen, dass hier ein paar nette Worte und einige Hintergrundinformationen auf ein dankbares Publikum treffen würden. Zumindest eine Vorstellung des eigenen Sortiments müsste wohl drin sein. Natürlich soll diese Tour nicht zu einer Teppich-Verkaufsveranstaltung mutieren, aber wenn es einem schmeckt und der Laden einen guten Eindruck macht… wer lässt da nicht noch freiwillig ein paar Euros zusätzlich? Vielleicht dauert es noch eine Weile, bis das Konzept auch bei den Ladenbesitzern angekommen ist. Momentan hat man eher noch nicht das Gefühl, überall willkommen zu sein. Man wird wortwörtlich draußen im Regen stehen gelassen.

Laura Di Salvo hat diese Tour erstmalig auf die Beine gestellt und dafür, dass es das erste Mal war, ist es wirklich gut gelaufen. Ich würde mir wünschen, dass zukünftig noch andere Stationen hinzukommen und vielleicht kann sie die Ladenbesitzer ja auch davon überzeugen, in ihrem eigenen Interesse mehr auf die Kulinariker-Gruppe einzugehen. Denn immerhin sind fast jeden Freitag und Samstag Touren geplant. Wer als Ladenbesitzer keine Lust hat, auf diese Zielgruppe einzugehen, soll eben nicht mitmachen.

Es gibt in Frankfurt noch andere Anbieter von kulinarischen Touren, aber alles in allem könnte hier ruhig noch mehr passieren, denn Frankfurt hat viel zu bieten. Also: hingehen, denn trotz meinem Gemecker sind es drei schöne Stunden!

Batavias schwarze Kanäle

Jakarta besitzt so etwas wie eine Altstadt. Es ist bloß nicht wirklich viel davon übrig geblieben. Im Wesentlichen sind es nur noch zwei, drei Gebäude, die ein bisschen Altertum ausstrahlen. Und dazu zähle ich jetzt mal nicht die Bauwerke, welche einfach nur verrottet, aber nicht historisch sind (also halb Jakarta). Wirklich antik ist beispielsweise das „Museum Fatahillah“ (Historisches Museum und ursprüngliches Rathaus), welches ich mir heute ansehen wollte. Dummerweise wollten das einige hundert Schulklassen auch, und so hab ich das mal schön sein lassen.

Zweimal hat man mich überfallen, allerdings nur zum Interviewen. Einige Schulklassen hatten wohl die Aufgabe, Touristen aus der Menschenmenge zu fischen und ihnen diverse Fragen zu stellen. Nicht nur meine Antworten auf diese Fragen von historischer Bedeutung („Where are you from?“), auch meine Signatur schmückt jetzt die Poesiealben einiger indonesischer Mädchen.

Die Gegend an sich ist hier an Unattraktivität schwer zu überbieten. Genau in diesem nördlichen Zipfel der Stadt hatten die alten Holländer Anfang 1700 ihr „Batavia“ gegründet. Es lag – und liegt immer noch – in einer sumpfigen Küstengegend, welche mit Kanälen zum Abführen des Wassers durchzogen ist.
Wenn unsere lieben Nachbarn ja schon immer eines konnten, dann war das Kanäle bauen. Und so ziehen sich diese stehenden, brackigen und tiefschwarzen Gewässer auch heute noch durch diesen Teil der Stadt. Für die Slumbewohner ist das ein Segen, so braucht hier keine Müllabfuhr vorbeizukommen. Einmal im Jahr zur Regenzeit zieht dann Petrus die Spülung. Das muss reichen.
Ich hatte mich schon immer gefragt, wenn in Büchern vom „süßlichen Gestank der Verwesung“ die Rede ist, wie das wohl riecht. Jetzt weiß ich es, und ich kann gern darauf verzichten.

Schon als James Cook mit seiner „Endeavour“ um 1770 herum in Batavia einen Zwischenstopp einlegte, konnte er den Aufenthalt nicht kurz genug halten. Ein Großteil seiner gesunden Matrosen hatte sich dank Mosquitos mit Malariafieber und allen möglichen anderen Krankheiten angefreundet. Wie er das fand, hat sein Biograph J. C. Beaglehole sehr realistisch beschrieben, ein Auszug:

„Batavia, said Cook, was certainly a place that Europeans need not covet to go to. ‘Founded by the Dutch on the ruins of Jakarta in the early seventeenth century, it had been instrumental in extending their empire through the East Indies, had sent vast riches to the Netherlands, seen the coming and going of fleets, had provisioned and loaded and mended them; gained a reputation as ‘Queen of the Eastern Seas’. It was a queen that stank to heaven, corrupt and filthy.“

Dem ist auch 240 Jahre später nichts mehr hinzuzufügen.
Gerade die korrupte Polizei hat auch heute wieder einmal bewiesen, dass alles beim alten ist: mein Fahrer durfte nach einer Kontrolle erstmal etwas Bakschisch abdrücken, bevor es weiterging. Aber das hatte ich selbst ja auch schon erlebt.

Wer sich für die Reisen von Capt’n Cook interessiert, dem empfehle ich das Buch „James Cook – Die Entdeckung eines Entdeckers„, da es auf sehr unterhaltsame Weise davon erzählt, wie der Autor der Cook’schen Route nachgereist ist.

Ach ja, Mittagessen gab es wieder im „Grand Duck King„. Neben Soft Shell Crab, Barbecue Duck und diversen Dim Sum habe ich wieder einmal Hühnerfüße probiert. Das unscharfe Schrottfoto zeigt ein einsames Füßlein in scharfer Sauce. Interessant ist, dass tatsächlich jede Zehe aus mehreren Knöchelchen besteht, ganz wie beim Menschen. Entsprechend umständlich ist das Essen und ich habe es dann auch aufgegeben.

Im Trabbi durch Mumbai-Süd

Wie weiter oben schon erwähnt, gibt es in Mumbai vor allem diese Trabbi-artigen Taxis. Ich habe mal dagegen geklopft: sie bestehen wohl doch aus Blech und nicht aus Pappe. Darin gefahren zu werden hat Go-Kart Charakter. Entsprechend fahren die Driver auch, Stoßstange an Stoßstange. Todesmutig fordern sie alles vom Motor und scheuen auch nicht davor zurück, ihn im letzten Gang kurz vorm Abwürgen den Hügel hochzutreiben. Währenddessen könnte man aussteigen und schieben. Das Taxameter habe ich auf der Rückfahrt dann eigenhändig eingeschaltet, was für den Beifahrer auch leichter ist als für den Fahrer, da sich der Blechkasten mit dem Zähler auf der linken Seite vor der Außenscheibe befindet. Alles noch reine Mechanik: den Hebel hintendran zweimal nach rechts drehen, und schon wird gezählt. Vom Planetarium am Nuhru Centre ausgehend zurück zum Gateway of India dauert die Fahrt ca. eine halbe Stunde und kostet 100 Rupees. Jetzt erst geht mir auf, was die Rikscha-Fahrer in Pune doch für Abzocker sind.

Doch zurück zum Anfang des Tages. Zunächst mal habe ich mir wieder in der Mittagshitze die Füße platt gelaufen. Schon klar, das ist bekloppt. Aber was willste machen, die Alternative hieße, früher aufstehen und vormittags losziehen. Dann doch lieber einen Kreislaufkollaps riskieren und ausschlafen.

Nachdem ich mich am Chowpatti Beach habe absetzen lassen, ging es per Pedes weiter in Richtung Hanging Gardens bzw. Malabar Hill. Dummerweise hatte ich Depp immer noch nichts Besseres als den Ausdruck von Google Maps dabei. Das hat sich diesmal endgültig gerächt, denn nachdem ich einmal falsch abgebogen und zwanzig Minuten in die falsche Richtung geschlappt bin, war die Luft raus und ich bin mit dem nächstbesten Trabbi zu Station Nummer zwei gefahren: dem Mahalakshmi Tempel.

Der hatte leider wegen Renovierung geschlossen. Was soll’s, also weiter zu Station Nummer drei: der Haji Ali Bukhari Moschee.

Diese liegt ein Stückchen vor der Küste und ist über einen Damm von einigen hundert Meter Länge zu erreichen. Wenn man nicht so genau hinkuckt, hat das von weitem Ähnlichkeit mit den auf Holzstelzen an die Ostseeküste gepflanzten weiß gestrichenen Restaurants. Wenn man aber doch einmal genauer hinsieht, liegt der Unterschied vor allem darin, dass es an der Ostsee recht wenige Muslimfamilien gibt und am Rand des Steges keine verkrüppelten Bettler um Aufmerksamkeit buhlen. Auch an den hier herrschenden unglaublichen Gestank kann ich mich an der Ostseeküste nicht erinnern. Dort verwesen aber auch nicht bei Ebbe die Abfälle einer Millionenmetropole im Schlick.

Die Moschee ist glänzend weiß und von außen nett anzusehen. In den innersten Bereich bin ich nicht gegangen, dafür war es zu voll und die Moschee zu klein. Außerdem wollte ich meine Schlappen nicht auf den riesigen Haufen zu den anderen werfen. Und schon gar nicht wollte ich den Schuh-Boys Geld fürs „Bewachen“ geben.

Das Planetarium sollte eigentlich erst später am Nachmittag drankommen. Aber da kein Taxifahrer in der Nähe der Moschee mein Ziel für die Mittagspause kannte – die City Walk Shopping Mall – bin ich halt doch früher hin als geplant. Das Planetarium gehört zum Nehru Centre, eine Art Science Park zum Lernen und Anfassen. Nach ein paar Samosas als Mittags-Snack war ich nach kaum einer Stunde Schlangestehen schon drin.

Die Show war ein wenig Altbacken. Unter einem Planetarium hatte ich mir etwas Moderneres vorgestellt als nur langweilig animierte Fotos von Sternenhaufen. Ich hatte auch in Erinnerung, dass normalerweise so ein riesiges Projektionsmonster in der Mitte der Kuppel steht und sich dreht wie wild. Hier wurde das Bild von einigen rot/blau/gelb-Projektoren an den Wänden erzeugt. Mit dem Erfolg, dass sich die Kids in den hinteren Reihen einen Spaß daraus gemacht haben, ihre dicken Birnen davor zu halten, so dass man das in riesengroß an der Kuppeldecke sehen konnte. Meinem Sitznachbarn war das wurscht. Er ist schnarchend eingepennt, kaum nachdem es dunkel war.

Indian Summer

Aufschrift einer 7up-Flasche:
7up – Life is like a lemon, squeeze every drop! (CONTAINS NO FRUIT)

„Indian Summer” hieß das Lokal meiner Wahl (guckst du Google Maps). Sehr originell und auch passend zur Situation, in der ich mich befand. Nachdem ich zunächst einmal in der Gluthitze der Mittagssonne am Marine Drive herumgeschlappt bin, bog ich irgendwann in eine Seitenstraße ein, in der das Restaurant lag. Der Marine Drive, eine Art Uferpromenade, folgt dem Verlauf der Bucht in Richtung Chowpatti Beach und liegt in der prallen Sonne. So können sich die Steinplatten ganz hervorragend aufheizen und man wird wie im Tandoor von allen Seiten schön gegrillt. Mit Umluft.

Wer schlappt schon in der Mittagshitze bei 40 Grad durch die Stadt? Eben, nur ich und andere idiotische Touris. Rechtschaffene Inder halten jetzt lieber ein Mittagsschläfchen, so von 13 bis 16 Uhr. Genau hierfür erschuf Gott den zurückklappbaren Fahrersitz.

Das Restaurant bot ein Buffet, das bedeutet also, jede Menge verschiedener Currys. Alleine die servierten Vorspeisen hätten schon gereicht, um mich satt zu machen. Denn aufgrund der Temperatur war es mit dem Hunger nicht so weit her.

Es gab diese wunderbaren aufgepufften Teigkugeln, in welche man einige grüne und weiße Mungebohnen (oder andere Samen/Nüsse?), Kichererbsen sowie zwei Saucen füllt. Selbst die Inder haben mehrere Namen für die Teile: Pani Puri, Gol Gappa oder Puchka – je nach Region. Die eine Sauce entspricht der giftgrünen Allroundwürze aus Koriander, Minze und grünem Chilli. Die andere ist auch etwas scharf aber größtenteils süß und außerdem rot. Obendrauf kann man noch frittierte Teigkrümel streuen. Dann am Stück ab damit in den Mund und die folgende Geschmacksexplosion genießen… toll! Eine Variante war mit Joghurt sowie den beiden Saucen gefüllt, auch sehr lecker.

Danach gab es eine nicht erwähnenswerte Hühnersuppe, gefolgt von in einen dünnen Teigmantel eingeschlagenem Hühnerfleisch mit Chillisauce. Das war so ähnlich wie das, was es auf dem Hinflug nach Pune zum Frühstück gab. Nur jetzt also in frisch, und nicht aus der Flugzeugdampfküche.

Jedes einzelne Curry des Buffets aufzuzählen spare ich mir jetzt – sie waren gut, aber nicht außergewöhnlich. Buffet eben.

Rezept für Pani Puri hier (nicht ganz so wie in Mumbai).

Mehr Hintergründe zu indischem Streetfood.

One Day in Bombay – Salaam und Ave Maria

Es gibt erstaunlich gute Bürgersteige in Mumbai. Auch das Überqueren von Straßen funktioniert relativ gelassen, da sich bei großen Kreuzungen sogar an die Grünphasen gehalten wird. Sogar an die für Fußgänger. Ansonsten gilt wie immer: mindestens ein Inder zwischen den Autos und mir! Nur er weiß, ob es ratsam ist loszulaufen oder stehen zu bleiben. Am einfachsten ist es, in einer Gruppe über die Straße zu gehen. Das funktioniert dann auch bei rot.

Mein kleiner Kompass hat sich wieder gut bewährt. Aber wenigstens sind die meisten Straßen zweisprachig beschildert, man kann sich also auch so zurechtfinden. Allerdings sollte man mehr dabei haben, als einen Ausdruck von Google-Maps… es geht aber auch alleine damit *räusper*. Bin gespannt, ob in diesem Land jemals Streetview zum Einsatz kommt. Das muss herrliche Szenen geben!

Unterwegs bin ich in eine Moschee gegangen. Wie soll ich sagen… man wird nicht ganz vorurteilsfrei empfangen. Gegen unfreundliche Blicke hilft aber Schlappen ausziehen, lächeln und trotzdem reingehen. Grundsätzlich sind Moscheen frei zugänglich, sofern nicht anders ausgeschildert. Natürlich sollte man keine kurzen Hosen tragen, nicht gerade vor den Betenden herumlaufen, etc.

Anders dagegen die Kirchen. Diese zu betreten ist stressfreier. Was vielleicht auch daran liegt, dass es hier kaum Christen gibt und sie gähnend leer sind. Wie immer in großen Städten ist es sehr angenehm, eine Weile Platz zu nehmen und durchzuatmen. Es ist zwar nicht so kühl, wie in dickwandigen europäischen Kirchen, aber dennoch erholsam. Die Wände sind voller marmorner Denkmäler für Admiräle, Kapitäne und die Besatzungen ihrer gesunkenen Schiffe. Das war die Zeit der dicken, kanonenbeladenen Linienschiffe. Sehr eindrucksvolle Kolonialgeschichte.

One Night in Bombay

Diese Menschenmassen! Sonntagabends strömen sie zum „Gateway of India“, dem Wahrzeichen der Stadt. Man kommt sich vor wie im Vatikan: der gesamte Vorplatz ist abgesperrt, man kommt nur links hinein und hinaus. Dann läuft man einmal um das monströse Tor herum und quetscht sich wieder raus. Direkt davor steht das Taj Mahal Palace Hotel. Hier sieht man, dass aufgrund der Lage direkt an der Strasse jederzeit wieder eine Bombe hochgehen könnte. Beides, das Gateway und das Taj, sehen jedenfalls sehr hübsch aus, wenn die Sonne untergeht.

mumbai_2011_ (86)

Kulinarisch gesehen gab es abends leckere Lamm-Rippchen in rotem Curry auf der heißen Platte („sizzling“) sowie gebratene Auberginen. Letzteres hatte ich selbst schon einige Male gekocht und war daher überrascht, wie nah ich dem ganzen zu Hause schon gekommen bin. Hierfür benötigt man die kleinen Mini-Auberginen, die von sämtlichen Indern im Frankfurter Bahnhofsviertel angeboten werden. Man muss daran denken, sie einzuschneiden, dann garen sie beim Braten gleichmäßiger. Wenn man sie dann noch im rohen Zustand kurz blanchiert, zieht das die Bitterkeit aus der Frucht.

mumbai_2011_ (7)

Als kleine Finesse hatte dieses Bratauberginencurry (es gibt nix ohne Curry-Sauce) ein intensives Knoblauch- und Röstaroma. Als Beilage noch das übliche Chapati und Roti. Diesmal habe ich in weiser Voraussicht ein Kingfisher Beer in Stufe „mild“ gewählt. Es hat die „korrekten“ 5%. Übrigens, falls man beim Bestellen von Getränken nach der Wunschtemperatur gefragt wird, immer sagen: freezing! Warm wird’s von alleine, und zwar noch vor dem Hauptgang.

Temperaturmäßig legt Mumbai im Vergleich zu Pune noch einen ordentlichen Zahn zu. Irgendwo zwischen 35 und 40 Grad pendelt sich das Thermometer ein. Zumindest jetzt, zur Frühlingszeit bzw. im Frühsommer. Hinzu kommt die hohe Luftfeuchtigkeit. Es entsteht dann dieser charakteristische gärende, dampfende, süße, organische Mief, der auch in Jakarta vorherrschend war. Will gar nicht wissen, wie das zur Regenzeit ist.

Auf dem Rückweg zu meinem Hotel („Suba Palace„) – man kann übrigens prima auf Bürgersteigen laufen – bin ich durch eine Shoppingstraße gegangen. Hier gibt es alles Zeuch und Krempel, was man sich nur wünschen kann. Leider ist mein Koffer schon am Limit. Platz im Magen hatte ich dagegen noch für eine kleine spezielle Süßigkeit vom Straßenrand. Ähnlich dem früher schon beschriebenen „Paan“ handelte es sich ebenfalls um eine in ein Blatt gewickelte Gewürzmischung. War wohl Bombay-Paan. Nachdem mir der Verkäufer den Preis von 10 Rp nannte, war ich erstmal skeptisch… man weiß ja nie, will der mich über den Tisch ziehen? Aber fairerweise muss ich sagen, dass es bis heute noch kein Inder versucht hat, mich auszunehmen. Jedenfalls keine Geschäftsleute. Die sich häufig anbiedernden und meist etwas schäbig aussehenden Gesellen hier einmal ausgenommen, die haben natürlich nur Dollars in den Augen: „What’s your name, where are you from, I am hungry…“.
Vielleicht sollte ich beim Einkaufen nicht so misstrauisch sein.

Wer noch nicht ausgelastet ist, hat unterwegs immer wieder die Möglichkeit, Haschisch oder „nice ladies“ zu kaufen bzw. zu besteigen. Das erinnert mich sehr an karibische Verhältnisse. Falls man auf die Frage „Do you like Bob Marley?“ mit „Yes“ geantwortet hat, war das ein klares Signal an den Verkäufer, seine Ganja-Vorräte zu präsentieren.

Von Pune nach Lonavla: die Bhaja Caves

Zwischen Pune und Mumbai liegt das Städtchen Lonavla (hier gibt es übrigens das berühmte „Chikki„). Da es ziemlich genau auf halbem Weg liegt, ist hier sogar ein größerer Bahnhof eingerichtet. Menschen aus Mumbai flüchten gern hierher, weil Lonavla schon im Hochland, der Deccan Ebene, liegt und somit kühler ist. Aus Pune kommt man dagegen auch gerne her, einfach zur Abwechslung. Es gibt auch einige Seen und vor allem Höhlen. Ich habe mir die Höhlen von Bhaja angesehen. Das habe ich auch erst nachträglich herausgefunden, eigentlich wollte ich zu den Höhlen von Karla. Aber egal, die sind sowieso recht ähnlich.

pune_2011- (53)

Diese Höhlen sind nicht einfach nur Löcher im Stein, sondern eher Tempel. Sie wurden in eine senkrechte Wand aus dem Felsen gehauen und dienten den Mönchen der Vergangenheit als Tempel und als Schlaflager. Dafür hatte jeder Mönch seine eigene Schlafhöhle, mit einem Podest drin und das war’s. Schon recht eindrucksvoll, besonders die Haupthöhle, die wie das Mittelschiff einer Kathedrale wirkt. Alles fein säuberlich rausgemeißelt, man sieht die Spuren noch. Mittendrin im Mittelschiff das indische Phallussymbol oder sowas in der Art. Es scheint wohl Glück zu bringen, oben hinein Geldmünzen zu werfen, das war jedenfalls die Hauptbeschäftigung der anwesenden Kinder.

pune_2011- (57)

Noch besser als die Karla und Bhaja Caves sollen wohl die Tempelanlagen von Ellora sein. Dort hat man die Idee konsequent zu Ende gedacht, einfach alles an Stein wegzukloppen, was nicht Tempel ist. Und so ist eine Anlage entstanden, bei der jedes Gebäude und jede Götterfigur aus dem selben Stück Stein entstanden ist.