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Knurpsige Zungen in der Temple Street

Das Hotel „Imperial“ habe ich wieder einmal – ähnlich wie in Mumbai – in einer etwas zwielichtigen Gegend gebucht. Könnte auch am Preis liegen, dass das immer so ist, fällt mir gerade ein. Schlappe hundert Euro kostet hier die Nacht im winzigen Einzelzimmer, von billig kann hier eigentlich keine Rede sein. Für Hong Konger Verhältnisse leider schon. Es ist so klein, dass ich nirgends den Koffer vollständig aufklappen kann. Dafür besitzt es ein Fenster, dachte ich zumindest im ersten Moment hocherfreut. Aber hinter dem Vorhang was nur ein halbhohes Milchglasfenster, das nicht aufging. Ansonsten hätte ich hier vom 17. Stock eine prächtige Aussicht gehabt: auf die nächste Häuserwand, voll mit Klimageräten.

Das mit der zwielichtigen Gegend ist so eine Sache. Nicht dass es mich stört, immer wieder auf Haschisch, Copy-Rolex und Ladies angesprochen zu werden. Es ist der Gegensatz, der hier herrscht. Im Stadtteil Kowloon finden sich Hotels von der Backpacker Liga bis zur Deluxe Kategorie. Keinen Steinwurf weit entfernt liegen beispielsweise sowohl die Chungking Mansions als auch das Peninsula Hotel, das in der überobersten Liga spielt.

 

In Mumbai war es dafür das berühmte Taj Mahal Palace, das gleich um die Ecke meiner Bruchbude lag. Und während ich das gerade so schreibe, fällt mir ein, dass auch der Frankfurter Hof am oberen Ende der Kaiserstraße liegt, welche für ihren – äh – „internationalen“ Charakter bekannt ist. Sollte diese unheilige Verbindung etwa gewollt sein…?

Da ich wusste, dass etwas nördlich der Nathan Road, wo mein Hotel war, die Temple Street liegt, habe ich mich gleich nach dem Einrichten des Zimmers auf den Weg dorthin gemacht.

Diese Straße wird abends gesperrt und im Handumdrehen in einen Markt für Krimskrams verwandelt. Der Krimskrams ist austauschbar (verkauft wird das übliche kopierte Zeug), die Imbiss-Stände jedoch nicht. Man sitzt auf diesen kleinen Plastikhockern an Tischen und bestellt sich entweder von der Karte oder man zeigt direkt mit dem Finger auf den noch lebenden Inhalt eines Aquariums. Da die Chinesen verrückt nach Seafood sind, ist die Auswahl entsprechend groß: Muscheln verschiedenster Sorte, Schnecken, Krabben, Krebse, was man will. Trotz billiger Anmutung ist das Essen kein bisschen billig. Fünf bis sieben Euro pro Portion muss man rechnen.

In fremden Ländern lautet meine Regel: „Gegessen wird, was noch nicht auf dem Tisch war“. An diesem Abend waren das frittierte Entenzungen und diese länglichen Muscheln mit Rüssel. Beides lecker, aber auch nicht spektakulär. In den Zungen steckte noch ein Knorpel, den man entweder mitessen oder wieder ausspucken musste.

Später am Abend lief ich noch auf dem Rückweg zum Hotel an einem BBQ Restaurant vorbei. Beziehungsweise, versuchte daran vorbeizugehen. Da das unmöglich war, konnte ich noch eine Portion Barbecue Pork als Nachtisch genießen. Es war leider etwas kühl und auch schon nicht mehr so saftig, aber dafür zart und geschmackvoll. Das vielen Speisen in Hong Kong bewusst lauwarm serviert werden, sollte mir erst später auffallen.

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Hong Kong Touchdown

Hong Kong ist wie Frankfurt, hat nur mehr Hochhäuser. Hong Kong ist erst recht wie Jakarta, nur sehr viel sauberer. Oder eigentlich ist Hong Kong wie Singapur, nur wichtiger. Aus dem Flugzeug betrachtet ist der Unterschied jedenfalls schnell zu erkennen: während man in Jakarta das Gefühl hat, auf einem braungrünen, abgelutschten Bolzplatz zu landen, denkt man in Hong Kong, dass der Flieger gleich eine Notlandung auf dem Wasser macht. Man rauscht förmlich ein paar hundert Meter über die Wellen, bevor es kurz ruckelt und die Turbinen auf Umkehrschub schalten. Der alte Hong Konger Flughafen lag mitten im Stadtteil Kowloon, entsprechend gehörte der Anflug zu den schwierigsten der Welt. Jetzt, nachdem neben einer vorgelagerten Insel auf neu gewonnenem Land ein neuer Flughafen gebaut wurde, ist die Sache wesentlich einfacher.

Ebenfalls eine einfache und komfortable Sache ist der Airport Express. Eine Art S-Bahn, deren Fahrplan selbst der größte Depp begreift. Einsteigen und los geht’s, es gibt keine falsche Richtung und alle Stationen werden durch blinkende Punkte und Bildschirminformationen angekündigt. In der Stadt angekommen, steigt man in den Shuttle Bus, der inklusive ist und einen bis fast vors Hotel fährt. Hiervon könnte sich der Frankfurter Flughafen mal was abgucken. Dort steige selbst ich als Einheimischer nach einem langen Flug schon mal in die falsche S-Bahn… Ein Ausländer kommt möglicherweise gar nicht soweit, denn die Gleise sind gut versteckt und die Ticket-Automaten nur mit Germanistik-Studium zu bedienen.

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