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Was die Nordlichter so essen

Wenn der Segelkurs in Kühlungsborn abends endlich rum ist, steht die wichtigste Entscheidung des Tages an: in welches Restaurant gehe ich heute? Zur Auswahl stehen diverse Fischkneipen und Segler-Kaschemmen – genau was ich brauche.

Zum Harten Törn
Hier hab ich lecker Labskaus und Grünkohl mit Schweinebauch gegessen. Beim Labskaus handelt es sich um eine Pampe aus Kartoffelbrei mit Corned Beef und Roter Beete sowie anbei einem Matjes mit Zwiebeln. Oben drauf noch ein gebackenes Ei und schon ist Surf ’n Turf à la Ostsee fertig. Ich mag ja Kontraste. Bei anderen dürfte das latenten Brechreiz auslösen.

Grünkohl mit Schwein ist soweit nichts Besonderes, das gibt es in Variationen auch in Hessen bis runter nach Bayern. Bei uns heißt das halt „Haspel“ mit Sauerkraut und bei den Bayern ist es ne „Hax’n“ mit Kraut, alles das gleiche. Schlachtplatte eben. Nur der Grünkohl wird hier oben doch häufiger gegessen, das hatte ich schon während meiner Bremer Zeit entdeckt. Im Original gehört dazu natürlich „Pinkel“, was nichts Unanständiges ist, sondern eine Mettwurst mit geschrotetem Hafer, den man als Grütze auch an den Kohl gibt, um die Flüssigkeit zu binden.

Fisch Hus
Dieser Pavillion-artige Laden ist spezialisiert auf Fisch und es war tatsächlich jedes Mal lecker. Großartige Varianten darf man allerdings nicht erwarten. Der Fisch wird halt in die Pann gehauen, in Butter gebraten und dazu gibt es dann Bratkartoffeln. Meine Buttermakrele war prima, nur der orangefarbene Dünnpfiff vom vielen Fett am nächsten Tag war doch aussergewöhnlich unangenehm.

Café unterm Leuchtturm
Genaugenommen Valetins Café, wie es richtig heißt. Da der Leuchtturm nur 10 Minuten von meiner Pension entfernt lag, bin ich dort auch bei horizontalem Regen und Sturm noch hingetigert, um einen Sanddorn Grog zu trinken. Vom Tisch aus hat man einen prima Blick auf die Ostsee, welche an dieser Stelle in die Wismarer Bucht einbiegt. Genau dort fanden auch einige der Kartenaufgaben zum Sportbootführerschein See statt. Dass der Leuchtturm eine Kennung mit Blinklicht (2,1 Sekunden), Gruppe 4 mit den Farben weiß und rot hat, spielt an dieser Stelle allerdings überhaupt keine Rolle und sei bloß erwähnt, um unnützes gelerntes Wissen wieder loszuwerden…

Sportbootführerschein See in Kühlungsborn

Zu Studentenzeiten hatte ich einmal den Sportbootführerschein Binnen gemacht. Wer mit einem einigermaßen motorisierten Boot in deutsche Küstengewässer will, braucht aber den SBF-See. Und um diesen zu machen, bin ich Mitte Dezember für eine Woche nach Meck-Pomm an die kalte Ostsee nach Kühlungsborn gefahren. Oder „K-born“, wie die Einheimischen sagen. Für mich als F-furter zwar ein gutes Stück weit weg, aber außer der hier ansässigen Segelschule gibt es nicht viele Anbieter eines einwöchigen Kurses. Einquartiert hatte ich mich in der Pension Zum Leuchtturm, welche gleich nebenan in Bastorf liegt. Ein sehr sympathischer Laden mit großen Zimmern, gutem Frühstück und einer freundlichen Besitzerin.

Außer mir war im Kurs lediglich noch ein schwäbisches Ehepaar dabei, die sich schon ein kleines Bootchen auf der Insel Föhr gekauft hatten und jetzt eben diesen Schein brauchten, um es zu segeln. Kursleiter war „Bubi“, ein Käpt’n-Blaubär-mäßig redender, älterer Herr, der mit diversen Schwänken aus dem Leben eines Seemanns die graue Theorie aufgelockert hat. „Moin Kinnings, dann lass’ uns mal die lütten Tonnen im Fahrwasser bestimmen…!“, so in etwa hat er uns morgens begrüßt. Richtig gut, deswegen bin ich hier. Nur durch einen solchen Kursleiter lernt man Zusammenhänge, wie sie einem der blanke Text nicht vermitteln kann.

Da der zu bewältigende Stoff nicht so ganz wenig ist – ca. 350 Fragen, welche möglichst im Wortlaut in der Prüfung wiederzukäuen sind – hatte ich schon einige Wochen vorher mit dem Lernen angefangen. Das hat sich als sehr sinnvoll herausgestellt. Denn der puren Verzweiflung in den Augen der Schwaben nach zu urteilen, hatten diese beiden hier keine entspannten Abende. Sie wollten möglichst „unbelastet“ in den Kurs gehen, was ja auch funktioniert hat. Nur ist dann eben die Belastung währenddessen größer. Jedem seins. So ganz unschuldig ist daran auch die Segelschule nicht, denn die könnten einem ruhig auch den Hinweis geben, dass hier ne Menge Schiet in die Birne rein muss. Wenigstens einmal vorher das offizielle Begleitbuch durchlesen, das sollte schon mindestens drin sein.

Zu Kühlungsborn selbst ist nicht viel zu sagen – zwischen November und März haben die ganzen Läden mit maritimem Nippes sowieso geschlossen. Und was noch geöffnet hat, schließt schon um 18 Uhr. Nach Kursende war hier also tote Hose angesagt. Was jeder Besucher aber unbedingt ausnutzen sollte, ist das Essen von Fisch und anderen Norddeutschen Spezialitäten in einem der Restaurants. Die Qualität ist gut und die Preise in Ordnung. Das freut die wenigen Rentner, die hier noch herumfallen. Im Sommer dürfte dagegen ordentlich was los sein, da tanzt der Senior auf der Uferpromenade, würde ich mal sagen.

Mit Schietwetter hatte ich gerechnet. Dass hier aber gleich ein dickes Sturmtief über Deutschland zieht und auch noch Springflut ist, während die Motorbootübung stattfindet, das hatte mir natürlich vorher keiner gesagt. Andererseits – bei 25 Grad in Badeshorts die Prüfung machen… das kann ja jeder.

Im Test: Rindswurst von Gref-Völsing

Als Frankfurter stolpert man früher oder später über die legendären Rindswürste von Gref-Völsing. Selbst der schmuddeligste Bild-Zeitung-Kiosk rühmt sich noch mit ihrem Namen auf einem vergilbten Schild. Fakt ist: die Worscht ist hier in der Gegend ein Klassiker.

Wie ich auf die Wurst kam

Nachdem ich neulich (das war 2011) mal wieder über die hübsch-hässliche Hanauer Landsstraße gelaufen bin, kam ich am Stammgeschäft der Metzgerei Gref-Völsing vorbei und habe mir dort gleich mal eine Rindswurst genehmigt. Das Ergebnis will ich jetzt noch nicht vorwegnehmen. Einige Wochen später lief ich dann in der Feinkostabteilung vom REWE an der Hauptwache an einer Pyramide mit eingedosten Würsten dieser Marke vorbei. Vier Stück sind drin, ca. 6,50 Euro kostet der Spaß, also 1,65 Euro pro Wurst (mittlerweile in 2022 kostet die Dose schon 8 Euro!). Ein ziemlich selbstbewusster Preis für ne Dosenwurst.

Ein Test mit Kollegen

Also wie auch immer, die Dose gleich mitgenommen und am nächsten Tag den Kollegen auf der Arbeit vorgesetzt. Nachdem mir die Vegetarier-Fraktion und auch die Joghurt-zu-Mittag-Esser verständlicherweise die Teilnahme verweigerten, blieben noch drei Kandidaten übrig: ein Rheinländer, ein Gießener und ich. Der Testaufbau bestand im Wesentlichen aus der korrekt im Wasserbad aufgewärmten Wurst, ein paar Semmeln und Senf.

 

Hier nun die Urteile, alles natürlich gemittelte Werte.

  • Haut: zu dick und zu zäh, aber knackig
  • Konsistenz: homogen und fein, einfach Standard
  • Geschmack: dünn, etwas fad, kaum salzig

Tja, Gesamtnote: nur eine „2-“ (eigentlich eine 3, aber als Lokalpatriot hat meine Stimme einfach mehr Gewicht…).
Das Schlimme ist, dass diese Dosenwürste immer noch besser waren als das, was ich in der Ur-Metzgerei vorgesetzt bekommen habe. Dort war die Haut geradezu lederig und die Wurst nur lauwarm. Schon traurig, wenn es Gref-Völsing nicht einmal in der eigenen Imbiss-Stube hinbekommt, seine Rindswürste aufzuwärmen. Wie dem auch sei – das größte Manko ist ganz klar der Geschmack. Wie sich diese Wurst ihren Ruf erarbeiten konnte, bleibt wohl ein Rätsel. Sie ist nicht wirklich schlecht… nur eben bei weitem nicht so gut, wie ihr Ruf. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Zwei Jahre gingen ins Land

War jetzt (2013/2015/2017) doch nochmal dort Essen gewesen, direkt an der Hanauer Landstraße. Jeder verdient eine zweite Chance. Diesmal war alles so, wie es sein soll: die Worscht war heiß und der Kerl hinter der Theke hatte die Pelle schon abgezuppelt, noch bevor ich „bitte denken Sie an die Pe…“ sagen konnte. Es war Mittags und damit Stoßzeit, dann stehen fast mehr Leute hinter der Theke als Kunden davor. Somit kommt man schnell dran, was für mich ein wichtiges Argument ist. Denn z.B. beim Vapiano stelle ich mich nicht mehr an, es dauert zu lange. Ansonsten das übliche Frankfurter Bild zur Mittagszeit: Banker wo man hinschaut. Wenn die neue Burg der EZB demnächst fertig ist, wird das wohl noch schlimmer werden. Die Anzugträger erwidern auch kein „Mahlzeit!“, aber dafür kann Gref-Völsing ja nix. Jetzt zum Geschmack. Hm. Ich finde sie immer noch zu lasch. Eine Rindswurst sollte kräftiger schmecken, finde ich. Aber über Geschmack brauche mer net streite. Vorläufiges Fazit: Entwarnung. Und zum Metzger Dürr in Bad Vilbel fahre ich demnächst auch noch, versprochen.

gref_völsing_rindswurst

Jetzt in 2022 stelle ich außerdem fest, dass ich ja tatsächlich das 10jährige Jubiläum dieses Artikels verpasst habe. Das muss ich bald mal nachholen mit umfangreichen Feierlichkeiten. Vielleicht miete ich einfach den ganzen Gref-Völsing Verkaufsladen und mache mit allen Rindswurst-Fans ein Worscht-Come-Together!

Ab in den Einkaufswagen

Online gibt’s die Gref-Völsing bei Amazon noch nicht, aber dafür die von der Frankfurter Konkurrenz „Fries“:

Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Käufen.

 

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