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Die rechte und die linke Hand des Teufels

Die Tischmanieren sind in der Tat eine Sache für sich. Wichtigste Regel ist die Vermeidung der linken Hand. Diese zählt in einem Grossteil dieser Welt als schmutzig. Zu Recht, denn wer kein Klopapier verwendet, nimmt das zur Hand, was eben da ist und ansonsten wenig benutzt wird: die Finger der linken Hand. Eine Anleitung hierfür gibt es im Netz. War nicht leicht zu finden, denn das Thema gehört doch ein klein wenig in den Tabubereich…

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Was ich nach eigenen Versuchen noch nicht herausfinden konnte ist, wie man sich hinterher wieder trocken bekommt. Hat jeder sein eigenes Poppeshandtuch oder wie ist das? Habe auch auf indischen Familientoiletten nichts dergleichen finden können. Aber allen Bedenkenträgern zum Trotz ist die reinigende Wirkung einer Hochdruckbrause enorm! Die Finger kommen nur ins Spiel, wenn das gröbste Erledigt ist. Schwieriger hat man es, wenn einem nur ein kleiner Becher angeboten wird. Und sonst nichts. Somit lautet die Schlussfolgerung an alle Weißnasen, die im Urlaub auf der Toilette einen Becher finden:

  1. nicht draus trinken
  2. Naggisch machen und dann erst den Becher benutzen, alles andere endet sonst peinlich

Zurück zu den Tischmanieren. Es macht einfach Spaß, Indern und Südostasiaten dabei zuzusehen, wie sie es auf Gedeih und Verderb zu vermeiden versuchen, die linke Hand zu verwenden! Man kann das selbst mal üben: man nehme ein Stück Brot und versuche es ohne Besteck und nur mit den Fingern einer Hand in Stücke zu zerteilen. Da kommt Laune auf, auch bei manchem hungrigen Inder. Daher gehört zumindest ein Löffel zum Standard-Gedeck.
Anschließend vermischt man mit den Fingern den Reis gemeinsam mit einigen anderen Zutaten (Sauce, Gemüse) und führt ihn sich Portionsweise zum Mund. Deswegen gibt es wohl auch so wenige trocken zubereitete Gerichte. Alles muss ja irgendwie am Reis kleben bleiben.

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Die Haltung am Tisch ist dabei zweitrangig. Dass überhaupt an Tischen gegessen wird ist ja noch nicht so lange Brauch. Die Haltung ähnelt also eher der meinigen beim Essen am Couchtisch vor dem Fernseher. Was praktisch ist, ist gut. Der Couchtisch wird ganz sicher niemals aussterben, lang lebe der Couchtisch!

Holy Cow

Anzahl heiliger Kühe, die mir bis jetzt begegnet sind: eine. Und die war auf dem Bürgersteig vor einem Geschäft in der Haupteinkaufsstraße von Pune festgebunden. Falls Ochsen auch heilig sind, addiere ich noch 15 dazu. Die kamen mir auf der Straße entgegen, mitsamt Hirte. Wohin die wollten, ist mir noch etwas unklar. Hier ist wirklich weit und breit nichts zu fressen zu finden. Jetzt aber von der Kuh zum Thema „Essen“.

Heute Abend habe ich im Hotel doch entgegen meiner Befürchtung sehr gut gegessen. Da zwischen 19 und 21 Uhr auch noch Happy Hour ist, gab es sogar einen Cocktail gratis. Dazu zwei Starter: einmal so eine Art frittierte Kraut/Kartoffel Fladen, ähnlich einem Kartoffelpuffer. Sehr klasse zum Drink! Und dann noch einen marinierten Hühnerfleischspieß. Was ich sehr gut finde ist, dass hier nicht nur langweiliges Brustfleisch serviert wird sondern man ist sich auch nicht zu schade, das Fleisch der Schenkel auszulösen und zu verwenden. Das lässt so einen Spieß herrlich saftig bleiben. Dazu zum Dippen eine giftgrüne Sauce aus püriertem Koriander.

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Die Hauptspeise war ein Lamm-Curry, das einen hervorragenden Geschmack hatte. Ganz wie aus Omas Küche, lang geschmort und so. Nur eben mit anderen Gewürzen. Überhaupt sind die Unterschiede der deutschen und indischen Küche gar nicht so groß. Gut, es werden anderen Gewürze verwendet. Aber viele Zubereitungsarten sind sich sehr ähnlich. Besonders Currys werden ja gern lange gekocht. Dazu gibt es Brot (Naan, Roti oder Chapati), Kartoffeln, Reis und Gemüse. Als Nachspeise muss etwas Süßes gereicht werden. Nur dass fast alle Speisen gleichzeitig serviert werden, ist nicht so deutsch. Aber mal ehrlich – auch bei uns kommt doch das meiste zum Hauptgang auf den Tisch.

Oh Calcutta!

Möchte man nicht jeden Abend im eigenen Hotel essen, muss man nach Alternativen Ausschau halten. Nach ausgiebiger Recherche im weiten Netz standen mir folgende Restaurants in Pune zur Auswahl:

  • Smoke on the Water
  • Barbecue Nation
  • Charcoal Pit
  • Oh Calcutta!

Die Aufnahmekriterien für diese Liste waren:

  • der Name sollte originell sein
  • möglichst kein Hotelrestaurant
  • Kebab oder ähnliches auf der Karte

Am naheliegendsten war das „Smoke on the Water“. Wie sich herausstellte liegt es im Hotel gleich nebenan, und zwar auf dem Dach. Kaum war ich dort, hatte es schon geschlossen, wie immer montags.

Ins „Charcoal Pit“ wäre ich nachmittags schon fast reingestolpert. Es befindet sich auch in einem Hotel auf der M.G. Road. Allerdings in einem dermaßen schmierigen Gebäude, dass ich mir das echt nicht antun wollte.

„Barbecue Nation“ war mir zu weit weg und somit bin ich im schönen „Oh Calcutta!“ gelandet (liegt noch im 50 Rupees Radius)!

Das Essen war hervorragend. Und sehr teuer, man kann 400 Rupien pro Gericht rechnen. Bei drei bis vier Gerichten plus Getränke ist man bei flotten 2000 Rupien, also über 30 Euro. Aber was soll’s, dann verfresse ich eben meinen Tagessatz für Auslandsverpflegung in einem üppigen Dinner, das ist es wert. Was mir in Erinnerung geblieben ist, das ist das Senföl, was einige Speisen enthalten. Am Anfang denkt man, nanu, was schmeckt denn hier nach Motoröl… Beim zweiten Hinschmecken erkennt man aber ganz klar das Senfaroma. Ziemlich stechend, aber sehr senfig. Auch als kleiner Appetizer wurde Senf gereicht. Er sah aus wie bayrischer süßer Senf, nur ohne Zucker. Dafür aber mit Schmackes, also schön scharf. Da hätte jetzt auch eine Weißwurst dazu gepasst! Südlich des Weißwurst-Äquators liegen Pune und Kalkutta allemal.