Archiv der Kategorie: Indonesien

Indisches Party-Animal

Am Abend extra noch eine Aspirin eingeworfen. Der Tag war mehr als stressig. Aber später stand die indische Party auf dem Programm, da konnte ich unmöglich fehlen. Das bedeutet: Abhotten zu Maharaschdra Beats! Es hieß: für Essen und Getränke ist gesorgt. De-Facto hieß das: die Party startet um 18 Uhr, bis 21 Uhr gibt es aber nur Snacks. Die Inder sind ja ein Volk, das ausschließlich von Snacks leben kann. Wir dicken Europäer haben dagegen den Anspruch, vor einem wie auch immer gearteten Abend etwas ordentliches zwischen die Rippen zu bekommen. Hier bedeutet das, es gibt gewürzten Puffreis, Erdnüsse & Co. Mein eher kräftig gebauter Kollege hat schon ein langes Gesicht gezogen…

Viel Zeit zum Schnute ziehen war aber sowieso nicht, denn: „After six, we are all equal!“. Auf gut Deutsch: nach sechse herrscht Party on the dancefloor und da hat der Cheffe nichts mehr zu melden. Oder noch anders ausgedrückt: was die Inder tagsüber nicht schaffen, das machen sie am Wochenende auf der Tanzfläche locker wieder wett. Unglaublich, wie die Jungs in diesem völlig überklimatisierten Raum abhotten. Wer tagsüber noch unscheinbar über den Flur geschlurft ist, mutiert hier plötzlich zum Shah-Rukh-Travolta. Besonders der 100kg schwere Monster-Inder zieht hier seine Show ab: wer ihm in die Arme fällt, hat nichts zu lachen. Hemd aus der Hose und hoch das Bein. Er „führt“ nicht nur, er schleudert. Six o’clock und Party on Wayne, what the f*.

Ok, diverse Rum-Cola und Bintangs später zuckte auch bei mir die Hüfte ziemlich lässig. Irgendwie muss man sich ja Respekt verschaffen. Aber diese Jungs haben den Beat einfach im Blut. Weder Status noch Alter können verhindern, dass hier ein gemeinsames Happening zelebriert wird.
In Deutschland?
Äh…

Genau.

Padang Essengehen

Padang ist der Name einer Stadt im Westen von Sumatra. Von hier stammen viele Menschen, die auf der Nachbarinsel Java harter körperlicher Arbeit nachgehen und die entsprechend kräftige Nahrung brauchen. Man sagt, die Männer von dort verdienen ihr Geld auf dem Bau, während ihre Frauen Restaurants betreiben. Wie auch immer. Padang-Restaurants findet man an jeder Autobahnraststätte und in jedem Städtchen. Zu erkennen sind sie an ihren spitzgiebeligen Dächern und in jedem Fall an den kunstvoll aufgestapelten Tellern im Schaufenster.

Gerade für Nicht-Indonesier ist diese Sorte Lokal ideal, denn man muss sich keine Gedanken über den Bestellvorgang machen. Vergessen ist das ewig dauernde Studieren rätselhafter Speisekarten. Auch der Herr Ober legt keinen Wert auf Konversation. Sobald man sitzt, wird der Tisch gedeckt bis er sich biegt. Es kommen bis zu 12 Teller mit den verschiedensten Speisen zum Einsatz. Reis und Tee gibt es auch gleich dazu, man ist also in wenigen Augenblicken voll ausgestattet und kann sofort zulangen.

Die Regel ist einfach: was angefasst, bzw. probiert wird, muss bezahlt werden. Der Rest geht wieder zurück. Auf mehr als 5 Euro wird man aber auf keinen Fall kommen, es schadet also nicht, alles mal probiert zu haben. Das mit dem Zurückgehen ist natürlich so eine Sache – wer will schon gerne das zurückgegangene Essen der Vorgänger haben. Aber ich kann versichern, die Herren Ober schauen äußerst wachsam auf die Tische und rechnen gnadenlos ab, auch wenn man nur ein winziges Stückchen stibitzt. In kleineren Lokalen kann es schon mal sein, dass sie einem das Essen nicht richtig warm machen. Hier hilft das internationale Zeichen für „Mikrowelle“ (gibt es bestimmt eins).

 

Das Essen selbst ist eine wahrhaftig bunte Mischung aus diversen Stilrichtungen: Thai-Curries, Seafood, Frittiertes, Omelette, Gemüse. Und alles ziemlich spicy. Bei manchen Tellern weiß ich immer noch nicht, ob es jetzt Gemüse oder Gehirn war, aber Hauptsache die Sauce ist gut. Mit diesem Argument hatte ich auch einen indischen Kollegen, seines Zeichens strikter Vegetarier, in ein Padang-Restaurant gelockt. Er sollte sich einfach nur vorstellen, dass es alles Gemüse ist.
Er war nicht zu überzeugen.
Ich aber liebte es.

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Gucci auf dem Bau, Versace für den Slum

Indonesien ist ein modebewusstes Land. Oder eher gesagt, es ist sich seiner Mode nicht bewusst, trägt sie aber äußerst lässig. Hier wundert es keinen, wenn der Arbeiter vom Straßenbau knietief im Dreck steht und dabei eine Hose von Gucci versaut. Oder dass völlig abgeroppte Personen aus dem Slum mit Hemden von Versace herumlaufen.

Der Grund heißt „Bandung„! Die Stadt preist sich selbst als das „Paris von Java“ an, nur weil die brutalen Kolonialisten aus Holland hier damals zur Sommerfrische hinfuhren. In dieser Stadt, vier Stunden östlich von Jakarta, wird alles verkauft, was die lokalen Kleiderfabriken herstellen können. Ein großer Teil ist schlecht kopierte Ware, was man schnell am Einheitsdesign oder an falschen Logos erkennt. Aber andere Klamotten sehen schon verdammt original aus und zeigen auch nach häufigem Tragen keine Qualitätseinbußen. Hierbei handelt es sich einerseits um fehlerhafte Originalprodukte, also z.B. Polo-Shirts mit einem kleinen Fleck irgendwo oder mit einem falschem Etikett. Andererseits kann es auch Ware aus Überproduktion sein, die eigentlich nicht auf den Markt gelangen sollte. Das trifft dann eher auf Adidas & Co zu, hier hängen manchmal noch die Etiketten für den US- oder Euro-Markt mitsamt Verkaufspreis dran (was natürlich auch wieder gefaked sein könnte…). Da die meisten Textilien von Einheimischen gekauft werden und damit das Land nicht verlassen, können die Hersteller ihren mystischen Markenhype in Europa ungestört weiter zelebrieren.

 

Es wäre uns Westlern auch schwer zu vermitteln, warum in der Frankfurter Goethestraße ein Polo Shirt von Burberry oder Hackett über 100 Euro kosten soll, während es in Bandung gerade mal 25 Euro kostet. Diese nette Anleitung zum Erkennen von gefakeden Burberry Shirts sollte man vor der Shopping Tour gelesen haben, um keinen Schrott zu kaufen. Danke, Burberry!

Zwei Straßenzüge sind in Bandung besonders beliebt für Klamotten. Das ist der Jalan Cihampelas („Jeans Street“) und Jalan Riau. Auf letzterer Straße befinden sich die großen Factory Outlets, während die Jeans Street hauptsächlich – wer hätte das gedacht – Jeans im Angebot hat. In Zeiten, wo eine Jeans bei Aldi nur noch 15 Euro kostet ist es aber relativ sinnfrei, hier einzukaufen. Außer man geht natürlich auf Markenjagd. Besonders die großen, phantasievollen Pappkameraden an den Fassaden der Läden machen aber eine Menge her und erfreuen den Shopper.

Fast am Ende des Jalan Cihampelas befindet sich ein Restaurant der lokalen Kette „Sapu Lidi„. Wer den Link aufruft, hört dort exakt jene Sorte von Musik, welche hier in allen traditionellen Restaurants vom Band läuft… leicht nervig, aber eben „okinal“. Bis jetzt war ich in zwei Sapu Lidis und muss sagen, es speist sich hier ganz exquisit. Die Atmosphäre stimmt auch, man sitzt in einem ruhigen Garten auf der Rückseite des Gebäudes unter offenen, palmwedelgedeckten Hütten. Das Haupthaus in Lembang bietet sogar noch Reisfelder, die um die Tische wachsen. Das Essen ist sundanesisch, es gibt also allerlei Frittiertes, Huhn und Fisch. Besonders der Fisch ist phänomenal, denn sie können ihn so frittieren, dass man ihn mitsamt Kopf und Gräten wegknuspern kann. Meine Wahl fiel diesmal allerdings auf einen Fisch mit Tomaten-Chilli-Sauce, siehe Bild. Diese kleinen grünen Stippse da, das ist der Mörder-Chili. Je kleiner, je gemeiner.

Ganz zu schweigen von wirklich geschmackvollen Saté Ayam (Hühnerspießen) mit Erdnußsauce. So lecker (und keimfrei) bekommt man sie weder auf der Straße bei einem fahrenden Warung, noch irgendwo in Europa in einem Asia-Restaurant. Was ich sonst noch auf dem Teller hatte: in Chili-Kokossauce angemachte Auberginen-Scheiben (links) und eine Probierportion von extrem salzigem, frittiertem Klippfisch (kleines grünes Päckchen unten links).

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