Wie Länder riechen

Wie riechen eigentlich Länder? Ganz einfach, so nämlich:

Indonesien
Rauchig, süßlich verwest und gleichzeitig nach reifem Obst und vergorener Milch. Es ist natürlich rund ums Jahr sehr warm hier, daher verrottet eigentlich immer irgendwo irgendetwas. Obst, Abfälle, tote Tiere, was auch immer. Die Einheimischen rauchen Zigarretten, die ganz anders als die westlichen Rauchwaren riechen. Mehr krautig und eigentlich angenehmer. Diese Düfte zusammen ergeben für mich den typischen Indonesien-Geruch.

Karibik
Zumindest die Kleinen Antillen riechen eindeutig nach Grün. Aber frisch und feucht, wie ein feiner Nebel und ganz ohne Moder. Der konstante Ost-Wind bläst alles Unangenehme einfach weg, übrig bleibt nur noch die Frische. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich mich die meiste Zeit auf dem Wasser aufgehalten habe.
Auf den Inseln selbst bleibt mir vor allem das Aroma des frischen, weißen Rums in Erinnerung. Er riecht so intensiv nach Rohrzucker, dass man fast glaubt, die Pflanze wächst direkt im Glas. Zusammen mit etwas Limettensaft, Zuckersirup und einer Prise Muskat erhält man den „Ti Punch„. Weißen Rum ziehe ich jederzeit einem braunen Übersee-Rum vor, der mich immer nur an Christstollen erinnert. Der Geruch von frischer Muskatnuss ist übrigens viel obstiger und pfefferiger als der von getrockneten Exemplaren.

Singapur
Hat keinen Geruch, die Stadt ist steril und peinlich sauber. Wer eine Stinkfrucht (Durian) in die U-Bahn mitnimmt, muss zwar keine Strafe zahlen, bekommt es aber mit der Bolizei zu tun.

Indien
Inder schaffen es – wie Italiener auch – den Landesgeruch 1:1 in ihren Einkaufsläden in Deutschland mitzuführen. Das liegt in erster Linie an den Gewürzen und Räucherstäbchen, die dort angeboten werden. In ganz Indien werden diese Dinger ständig angezündet. Es weht also meistens eine süßliche, parfümierte Brise mit Moschusnoten und Rosenaromen. Die Inder selbst riechen auch so. Nach dem Kochen riechen sie nach in Öl gerösteten Samen von Koriander und Kreuzkümmel – der Basis eines jeden Currys.

Italien
Dieses Land riecht für mich nach einer Mischung aus Parma-Schinken und Frühstücksgebäck. Man muss nur mal beim Betreten eines Italien-Shops tief durchatmen: es ist eine einzigartige Melange aus Wurstwaren, die anders geräuchert sind als in Deutschland, Hartkäse wie zum Beispiel Pecorino und Parmesan und Gebackenem wie zum Beispiel Panettone oder Cornetti und Frühstücks-Kekse.

Frankreich
Hier habe ich ein bestimmtes Putzmittel im Kopf, dass meine damalige Vermieterin gerne benutzt hat. Schwer zu beschreiben, weil mit nichts Natürlichem zu vergleich. Und dann natürlich noch der Geruch und Geschmack von Baguette mit Pâté und Butter-Croissant.

Deutschland
Das ist am schwersten. „Herbstlicher Waldmoder“ trifft es ganz gut. Komischerweise aber auch in Teer getränkte Zaunpfähle oder Eisenbahnschwellen.

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