Im Test: Flinkes Gansl von Wiesbauer bei Edeka

Wer am Martinstag noch spontan versucht, eine Gans zu bekommen, muss entweder Tiefkühlware nehmen oder sich lange vorher darum gekümmert haben. Bei Edeka fand ich die interessante Alternative, nämlich eine (kleine) halbe Gans, die schon fix und fertig ist und nur noch kurz in den Backofen muss.

 

Der Weg zum schnellen Gänsefleisch

Eigentlich hoffte ich, um diese Jahreszeit ganz normale frische Gänsekeulen zu finden. Abseits vom Wochenmarkt oder Großhändlern wie der Metro ist das aber leider nicht möglich. Man könnte natürlich auf Entenkeulen ausweichen, aber die kommen an Sankt Martin natürlich nicht auf den Tisch. Und da ich sowieso eine Schwäche für Fertigprodukte habe und sie gerne teste, fiel mein Blick beim Streifen durch die Gänge des Edeka-Supermarkts auf das „Flinke Gansl“ des Herstellers Wiesbauer. Wie das mit flinken und fixen Produkten so ist, haben wir es auch in diesem Fall mit einem Convenience Produkt zu tun. Das Gänsefleisch wurde in seiner Plastikverpackung „sous-vide“ gegart, ähnlich wie die Spare Ribs von Lidl in meinem anderen Test. Es ist fertig gewürzt und im Prinzip verzehrfertig, so dass man die Gans bloß noch aufwärmen braucht.

Der Clou bei einer guten Gans ist natürlich die knusprige Haut. Die hat ein solches gekochtes Federvieh natürlich nicht und daher liegt der Fokus der Zubereitung auf dem Knusprigmachen der Gänsehaut. Das soll durch Abtupfen und dann im Backofen braten bei 180 Grad Umluft funktionieren. Hier ein Link zur Anleitung des Herstellers, inklusive Video. Dort sehen wir Helmut Österreicher, einen Sternekoch, der sich nicht schämt, die Plastiktüte aufzuschneiden und die Gans in den Ofen zu schieben. Mei, was macht man nicht alles für ein kleines Zubrot! Dass die Zubereitung einer wirklich guten Gans nicht ganz trivial ist, habe ich in meinem Beitrag „Best of Gänsebraten“ schon erwähnt. Jetzt sind wir mal gespannt, wie es zu hause klappt.

Ein Wursthersteller versetzt Berge

Doch von vorne. Der Wursthersteller Wiesbauer stammt aus Österreich, genauer gesagt aus Wien und gelangte vor ein paar Jahren in die Schlagzeilen, als er aus Marketinggründen eine Bergspitze in Tirol umbenennen wollte. Aus dem Mullwitzkogel sollte die Wiesbauerspitze werden. Offiziell ist das wohl auch geschehen, bloß juckt es niemanden. Der Berg heißt im Volksmund immer noch Mullwitzkogel, der Alpenverein verwendet den alten Namen und auch Wikipedia nutzt eine direkte Weiterleitung darauf, wenn man „Wiesbauerspitze“ eingibt. Der perfekte Boykott also. Ich weiß nicht, wie unsere Bayern reagieren würden, wenn sagen wir mal eine Berliner Firma ihre Zugspitze umtaufen würde. Andererseits hält sich der Protest bei schon mehrfach umbenannten traditionellen Fußballstadien schwer in Grenzen. In Frankfurt zum Beispiel juckt es niemanden mehr, wie das Waldstadion gerade offiziell heißt.

 

Das flinke halbe Gansl

Die halbe Gans scheint, seit sie hergestellt wird, kräftig geschrumpft zu sein. Schaut man sich im Internet um, wurde ihr Gewicht bislang mit 1,5 Kg angegeben. Hier in der Packung sind es heuer nur noch 1,2 Kg. Dafür hat sich der Preis gegenläufig entwickelt, nämlich von 14 Euro auf 23,30 Euro pro Kilogramm! Das ist ein Plus von 66%, da bleibt einem doch glatt das Gänsefutter im Halse stecken. Ob das jetzt an Inflation, Lieferkettenproblemen oder neuerdings hohen Erzeugerpreisen liegt, kann ich nicht sagen. Da die Gans aus dem „EU-Land“ kommt, ist aber davon auszugehen, dass es sich um eine osteuropäische, konventionell aufgezogene Billiggans handelt. Jeder mache sich sein eigenes Bild.

In der Packung ist außer der eingeschweißten Gans nichts weiter enthalten. Die Anleitung steht ja drauf, also wird sie nun erst einmal mitsamt ihrer Kunststoffhülle in heißes Wasser gelegt. Das ist einfacher geschrieben, als getan. Denn hier muss schon ein richtiger Gänsebräter ran, in andere Töpfe passt das kleine Ungetüm nämlich nicht hinein. Ziel ist es, den durch das lange Kochen anhaftenden Schlabber und das Fett zu verflüssigen. Schneidet man nach ein paar Minuten die Packung auf, kann man das meiste davon abgießen und später für die Sauce verwenden. Der sich beim Garen bildende Schlabber sollte dabei unbedingt aufgefangen werden, denn er enthält den guten Gänsegeschmack. Falls noch festes Fett zwischen dem Flügel, dem Schenkel und der Brust feststecken sollte, kann man es ganz einfach mit einem Löffel herauskratzen. Ich würde es nicht in die Sauce werfen, wer braucht schon ein zentimeterdicke Fettschickt auf der gebundenen Sauce.

Die Nährwerte

Das Fett bringt uns direkt zur Nährwertetabelle. Sie sieht für eine Gans auf den ersten Blick recht normal aus: 21% Fett enthält so eine Erna ohne Weiteres. Diesen Anteil könnte man durch Auskratzen des festen Fetts oder Abschöpfen im flüssigen Zustand sicherlich auf unter 10% drücken. Der Salzgehalt von 1,3% ist dagegen sehr hoch. Empfohlen wird eine tägliche Salzmenge von nicht mehr als 5-6 Gramm. Die vorliegende Gans mit ihren 1,2 Kg enthält also insgesamt 15,6 Gramm. Wobei das Salz sicher nicht in den Knochen steckt, sondern im Fleisch, das auch tatsächlich ziemlich salzig schmeckt. Ich würde also schätzen, dass im Fleisch etwa 20 Gramm Salz enthalten sind. Isst man daran zu zweit, sind das ca. 10 Gramm pro Person, was jeglichen Rahmen sprengt. Convenience Food ist selten gesund, das muss man sich eben hinter die Ohren schreiben.

Es ist angerichtet

Das Gans liegt nun trocken abgetupft bei 180 Grad Umluft im Backofen und wartet darauf, knusprig zu werden. Die Empfehlung des Herstellers, nach 20 Minuten auf Oberhitze zu schalten, habe ich ignoriert. Wie ich in meinem ausführlichen Artikel zum Gänsebraten schon geschrieben habe, muss eine Gans von allen Seiten Hitze bekommen, damit die Haut rundrum krusprig wird. Keine Experimente also und nach einer guten halben Stunde kommt sie wieder aus dem Ofen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, sie ist zwar etwas zerrupft aber dafür auch lecker knusprig geworden. Das Fleisch ist sehr saftig, nicht nur am Schenkel sondern auch das Bruststück. Und durch das lange Garen sous-vide kann man die halbe Gans mit einem Messer leicht zerteilen.

Und nun die große Frage: wie schmeckt sie denn? Die Antwort ist leicht: gut schmeckt sie! Von einer Sterne-Gans ist sie zwar so weit weg wie Wien von Tirol. Sie ist auch recht salzig, aber dafür eben auch knusprig und zart. Die Würzung ist unaufdringlich, man schmeckt vor allem etwas Pfeffer heraus. Da es sich bei einem Gänsebraten um ein Gericht handelt, das naturgemäß selten auf der Speisekarte landet, kann man mit den erwähnten Nachteilen leben. Fett, Salz und viel Fleisch sind nun einmal ungesund, das weiß mittlerweile jeder. Aber wer keine Lust auf große Kochorgien hat und gewillt ist, das Geld für eine solche Gans auszugeben, der wird mit einem leckeren Gericht belohnt.

Eine Runde durch Mecklenburg-Vorpommern

In „Meck-Pomm“ gibt es nicht nur die Ostseeküste, sondern auch noch das Hinterland mit der Mecklenburger Seenplatte. Beide verbindet das Wasser! Wir waren einmal gegen den Uhrzeigersinn unterwegs in der Region.

Ausgangspunkt Berlin

Zugegeben, Berlin liegt nicht in Meck-Pomm sondern eben in Berlin. Aber dort ging es nun mal los. Vor einigen Jahren gönnte mir die Firma eine Weiterbildung und ich nahm sie dankend an. So kurz vor den Osterferien war das Ideal und ich verband die Angelegenheit sofort mit einem Urlaub, um ihn im hohen Norden mit der Freundin zu verbringen.

 

Berlin ist eine richtige Wasserstadt, denn sie liegt nicht nur an der Spree mit ihren Flussarmen und Kanälen. Sie bringt einen auch bei Bedarf über ebendiese Kanäle und Schleusen sowohl an die Ostsee (über die Oder und Stettin) als auch in verschiedene Gebiete mit Seenplatten. So zum Beispiel im Westen in das Potsdamer Wald- und Havelseengebiet, weiter die Havel runter in Richtung Brandburg oder auf der westlichen Seite zum Naturpark Dahme-Heideseen. Wer hier sein Segelboot liegen hat, gelangt mit etwas zeitlichem Aufwand also in eine Vielzahl abwechslungsreicher Segelreviere. Merle Ibach hat das sehr schön in ihrem vor zehn Jahren erschienen Buch „Ostseeprinzessin“ beschrieben.

Stettin nach Usedom

Für uns ging die Reise weiter nach Norden. Über einen kurzen Stopp in Stettin (mit Pierogi Suppe zum Frühstück und anderen Köstlichkeiten) landeten wir schließlich auf Usedom an der Ostseeküste. Hier gibt es nicht nur viel Sandstrand und günstige Einkaufsmöglichkeiten, weil Polen so nahe ist. Hier steht auch das Historisch- Technische Museum bei Peenemünde. Eigentlich müssten sie es das „V2-Museum“ nennen, denn eine der Hauptattraktionen ist ein Modell ebenjener Rakete, mit der die Nazis ihren Kriegsterror bis über den Ärmelkanal verbreitet haben.

Stralsund und Rügen

In den Alpen geht die Skisaison bis Ostern. Was wir allerdings nicht vermutet hätten war, dass es hier im hohen Norden an Ostern schneien kann! Doch so wachten wir eines morgens in Stralsund auf und konnten uns an einer weiß überzuckerten Stadt erfreuen. Der Ausflug nach Rügen stand dann auch ganz im Zeichen des kalten Nordwinds. Schneedünen am Strand, ein Glühwein auf der Terrasse des Cafés und sogar eine Pinguinfamilie hatte sich hierher verirrt. Sachen gibt’s. Beim Besichtigen der „Gorch Fock 1“ beschlossen wir dann, wegen der Glätte ausnahmsweise einmal nicht die Takelage zu erklimmen. Nicht dass noch jemand runterfällt. Das war allerdings auf der „Gorch Fock 2„, die heute skandalumwittert im Kieler Hafen liegt.

Rostock und Lübeck

Unsere nächste Station war Lübeck, wo mein damaliger Arbeitsgeber zu hause war. Eine Stadt voller Historie, die irgendwann einmal ihren eigenen Artikel verdient hat. Auf dem Weg dahin kamen wir an Rostock und Kühlungsborn vorbei, wo ich Ende 2011 meinen „Sportboot Führerschein See“ gemacht habe. Siehe den schon etwas betagten Artikel hier im Blog dazu. Die alte Segelschule scheint es nicht mehr zu geben.

 

Außerdem scheint es so, als müsste ich immer in den kalten Monaten an die Ostsee fahren… Zwar war ich letztes Jahr hier in der Region segeln, doch obwohl es im Sommer war, lagen die Handschuhe nie weit entfernt. Ausgehend von Großenbrode sind wir im „kleinen Dreieck“ erst nach Warnemünde, dann nach Kühlungsborn und nach einigen Tagen Schlechtwetter wieder zurück nach Großenbrode gesegelt. Wetter is‘ Wetter, da muss man mit leben. Und „im Hafen eingeweht sein“, wie der Segler das ausdrückt, ist hier im Norden ganz normal.

Mecklenburger Großseenland

So langsam schließt sich der Kreis und die Rundfahrt geht ihrem Ende entgegen. Um ihn aber tatsächlich zu schließen, sollte man auch die Mecklenburger Seenplatte nicht links (oder südlich) liegen lassen. Wie eingangs erwähnt, kann man hier nicht nur ebenfalls segeln, sondern in diversen Freizeitresorts seine Zeit verbringen. Ob das nun ein Urlaub am Fleesensee ist, der bei Malchow liegt oder ein Campingurlaub in Waren an der Müritz – hier kann man viel unternehmen. Das genannte Resort ist zwar etwas exklusiver, dafür schwärmen die Gäste vom guten Service und dem guten Essen. Man kann ja nicht immer mit nassen Segelhandschuhen im Cockpit sitzen und Kaffee aus der Thermoskanne trinken, manchmal will man sich auch etwas gönnen!

Ein Urlaub in der Bretagne mit Schlössern und diploiden Austern

Wer Frankreich und das Meer liebt, kommt an der Bretagne nicht vorbei. Eine Reise von den Schlössern an der Loire bis zur Küste der Bretagne mit dem Golf von Morbihan und der Region um Finistère.

Der Weg in die Bretagne führt an Schlössern vorbei

Seit vielen Jahren schon lebt meine Schwester in Nantes und hat dort ihren Lebensmittelpunkt. Um die Bretonen zu besuchen, müssen wir Mainzer den Kompass einmal nach Süd-Westen ausrichten und dann geht es immer der Nase nach. Man fährt ziemlich genau 1.000 Kilometer der untergehenden Sonne hinterher und voilà, schon ist man da. Wer allerdings gerade Urlaub hat und etwas Zeit mitbringt, sollte nicht am Stück durchfahren, sondern sich die Schlösser der Loire ansehen. Diese Tour ist ein Klassiker unter den französischen Touristen-Hotspots und es gibt viel zu entdecken. Da es ja später auch noch den Rückweg gibt, muss man nicht gleich jedes Château auf dem Hinweg besichtigen, sondern kann sich den Rest für den Heimweg aufsparen.

 

Ab Orléans ist es an der Zeit, die Autoroute zu verlassen und über die Landstraße einfach der Loire zu folgen. Man kommt vorbei an Blois, Tours, Saumur und Angers, bevor man fix und fertig vom vielen Schlössergucken endlich in Nantes eintrudelt. Wer darüber mehr wissen will, kaufe sich einfach einen Schlösserführer und erfährt dann alle Details über die Châteaus von Chambord, Troussay oder den Wandteppich der Apokalypse in Angers.

Von Nantes nach Saint-Nazaire auf der Loire

Nantes als östlichste Großstadt der Bretagne ist natürlich auch sehenswert (man denke nur an die Île de Nantes mit ihren Maschinen!), aber wir nehmen gleich das Ausflugsboot auf der Loire und legen die letzten Kilometer bis zum Meer auf dem Fluss zurück. Nantes lag in grauer Vorzeit einmal direkt am Meer, so ähnlich wie Bremen. Beide Städte haben gemeinsam, dass sie jedoch heute ungefähr 50 Kilometer von der Küste entfernt liegen, aber noch immer die maritimen Traditionen pflegen. Und beide merken noch immer den Einfluss von Ebbe und Flut, das ist faszinierend! So pflügt unser Fluss-Schiff munter die Loire hinab und kreuzt dabei reichlich Sehenswürdigkeiten. Denn über die komplette Strecke hinweg haben sich Künstler ausgetobt und im und am Fluss entlang ihre Werke aufgestellt. Wie zum Beispiel dieses halb versunkene Haus:

Am Ziel der Reise in Saint-Nazaire geht es mit der Kunst gleich weiter. Die von den Deutschen Nazis im Zweiten Weltkrieg gebauten Betonbunker zum Schutz der U-Bootflotte wurden mittlerweile zu einem großen Gesamtkunstwerk umfunktioniert. Toll zu sehen, wie kreativ die Franzosen ihre nicht mehr genutzten Stadtteile und Überreste der Zeitgeschichte in Freiraum für Künstler umwandeln.

Der Golf von Morbihan

Von Saint-Nazaire geht es nun endlich an der Küste entlang weiter in die Bretagne hinein. Unser nächstes Ziel ist also der Golf von Morbihan mit seiner „Hauptstadt“ Vannes. Wir wollen allerdings lieber direkt am Wasser wohnen, daher fahren wir am südlichen Ufer des Golfes bei Sarzeau noch ein Stück nach Norden und schon haben wir unsere schöne Ferienwohnung erreicht. Die netten Gastgeber wohnen im Haus oben, wir unten. Da es uns so gut gefiel und wir den Aufenthalt ein paar Tage verlängerten, luden uns die beiden zu einem „Apéritif“ ein, was in Wahrheit ein ganzes Abendessen war.

Vor allem der eigentliche Apéro hatte es in sich: wie ich schon in meinem Artikel über die Karibik geschrieben hatte, trinken die Franzosen gerne den Rhum Agricole aus ihren Übersee-Departements. Nach ein paar davon wurde mein Französisch immer flüssiger und das des Gastgebers immer schlechter, so dass wir uns bei bester Laune in der Mitte trafen! Danach wusste ich Dank Yves genau, mit welchen Kniffen man am besten auf kleinen Segelbooten im Golf von Morbihan die Gezeiten austrickst.

 

Austern satt beim Vivier

Nur einen 5-minütigen Spaziergang entfernt befindet sich „Les Viviers Du Ruault„, ein Austernrestaurant. Das Wort „Vivier“ bedeutet eigentlich „Aquarium“, allerdings keines nur zum Anschauen von Meeresgetier. Denn was sich hier im Aquarium befindet, soll möglichst am selben Tag noch auf den Tellern der Gäste landen. Restaurants dieser Art gibt es hier wie Sand am Meer, dieses zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass die Betreiber auch eine der vielen Austernfarmen im Golf von Morbihan betreiben. Was gibt es besseres, als ein paar frisch geöffnete Austern, Baguette mit Butter und einen kühlen Weißwein vor sich zu haben?

Beim Thema Austern reden sich die Einheimischen gerne in Rage. Auslöser dafür sind die seit einigen Jahren gezüchteten triploiden Austern. Normalerweise haben die Tiere (ja, Austern sind Tiere, was man bei deren lebendigem Verspeisen gerne verdrängt) zwei Chromosomensätze, sind also diploid. Die neue Sorte verfügt über drei Chromosomensätze und wird daher „triploid“ genannt. Die triploiden Tiere waren ursprünglich nicht fortpflanzungsfähig und haben daher die gesparte Energie in Wachstum investiert. Im Vergleich zu ihren diploiden Vettern wachsen sie mehr als dreimal so schnell. Da überlegt sich der Züchter schon, ob das nicht eine lohnenswerte Sache ist. Denn üblicherweise kann er seine jungen Austern erst drei Jahre später verkaufen. Der Nebeneffekt ist aber, dass der Züchter sich jedes Jahr neue triploide Austernkinder besorgen muss. Dank Tricks und Kniffen sind sie heute wohl doch fortpflanzungsfähig, so richtig verstanden habe ich es mangels Biologiestudium leider nicht. Hier beschreibt die Austernlobby in schönen Worten ihr Tun und hier spricht die Wissenschaft. Jeder möge sich sein eigenes Bild machen.

Yves und seine Nachbarn schwören jedenfalls auf die klassischen diploiden Austern und verdammen die triploiden. Darauf einen `ti Punch! Genaugenommen verehren sie vor allem die lokalen Sorten, die zwar recht klein sind, aber dafür auch außergewöhnlich lecker und leider teuer. Ich habe mir einmal verschiedene Sorten gleichzeitig gekauft und konnte beim besten Willen keinen großen Unterschied feststellen. Zwar bekommt man hier die Austern auch nicht geschenkt. Aber unter 1 Euro pro Stück ist wirklich nicht die Welt und verglichen mit dem Preis, den sie nach 1.000 Kilometer Wanderschaft zu uns in den Westen haben, ein wahrer Witz. Dann wird nämlich mindesten das Doppelte für eine „Fine de Claire“ fällig, je nach Größe auch mehr. Am besten kauft man das „Douzaine“ folglich vor Ort und macht es wie Casanova: so viele Austern essen, bis man vor Potenz platzt.

 

Die Umgebung von Sarzeau und Arzon

Wir schon erwähnt sind wir hier am südlichen Zipfel des Golfs von Morbihan unterwegs. Man sollte sich die lokalen Märkte in den Kleinstädten der Umgebung nicht entgehen lassen. Ein Muss ist das Probieren der bretonischen Spezialität „Galette„. Dabei handelt es sich im Prinzip um einen Crêpe, nur dass der Teig aus Buchweizenmehl besteht und nicht süß ist. Auf dem Galette platziert der Bretone dazu passend deftige Lebensmittel wie Schinken, Käse und Ei. Vorsicht bei der Variante mit „Andouillette„! Diese Wurst ist nur für echte Feinschmecker oder solche, die ihren Geschmackssinn durch Corona eingebüßt haben. Man stellt die Wurst aus den Innereien des Schweins her, vor allem aus Darm. Wer es schafft, mehr als zwei Scheiben davon zu essen, soll sich melden und ich gebe einen Rum aus.

Nicht ganz so heftig aber immer noch am oberen Rand der Deftigkeit gelegen ist der „Pied de Cochon„. Leicht zu übersetzen heißt das „Schweinefuß“. Wer hierbei an die knusprige Haxe denkt, liegt leider vollkommen daneben. Denn es handelt sich tatsächlich um die Pfote des Schweins, die gekocht, zerpflückt und am Ende zu einer Art Wurst zusammengebunden wird. Es kommt viel Majoran hinein, um den ganzen Glibber zu würzen. Mein Fall ist es nicht.

Die Galette mit ihren Schweinereien haben wir an der Uferpromenade von Arzon genossen. Hier kann man dem Treiben im Hafenbecken zusehen und sich eine kleine Rundfahrt durch den Golf gönnen. Das ist nicht teuer und man bekommt einen schönen Einblick in diese von Ebbe und Flut geprägte Landschaft. Die Strömung im Golf ist dermaßen stark, dass man schon einen kräftigen Bootsmotor haben muss, um dagegen anzukommen. Für die Ausflugsboote kein Problem. Für die Segler schon. Sie sollten sich immer in Ufernähe aufhalten, denn dort ist die Strömung viel schwächer (Yves kennt sich aus!). Statt mit dem Ausflugsboot kann man auch die günstigeren kleinen Fähren nehmen, die auf dem Golf ständig zwischen verschiedenen Häfen hin und her pendeln (unten links im Bild).

Nicht nur Ausländer verbringen hier am Golf gerne ihre Ferien. Auch die Franzosen schätzen die Region sehr und kommen im Sommer gerne hierher. Daher kommt es, dass es allerlei Angebote für Touristen gibt. Wer immer schon mal Bretonische Tänze lernen möchte, kann das hier machen.

Die Salzgärten von Sarzeau

Ebenfalls nur einen Katzensprung von unserer Ferienwohnung entfernt liegen die Salzwiesen bzw. Salzgärten von Sarzeau, auf Französisch „Les Marais de Sarzeau“ (genaugenommen „de Truscat“, so heißt die kleine Halbinsel im Golf). Hier hat sich ein Mann (Olivier) selbst verwirklicht und eine ehemals stillliegende historische Meerwassersaline wieder zum Leben erweckt.

 

Gäste können das Gelände jederzeit betreten und sich die auf liebevolle Weise gestalteten Tafeln zum Thema Salzgewinnung anschauen. Auch praktische Lehrbeispiele gibt es. So liegen an einer Station zwei 1,5 Liter Wasserflaschen, die man in der Hand wiegen soll. Eine ist deutlich schwerer als die andere, da sie mit Salz gesättigtes Wasser enthält. Am Ende des Spaziergangs kommt man wie zufällig an einem großen Berg Meersalz vorbei und kann sich hier für wenig Geld ein paar Beutel Salz abfüllen. Das haben wir gleich gemacht, unser Mineralienhaushalt wäre also gesichert!

Bei Finistère endet die Bretagne

Wem der Golf von Morbihan nicht reicht, der fährt einfach weiter entlang der Atlantikküste. Hier trifft man als nächstes auf die Presqu’île de Quiberon, die zwar bildschön, aber auch stark überlaufen ist. Danach kommt Lorient, dann Concarneau und so langsam nähern wir uns dem Département Finistère, der westlichsten Region der Bretagne. Hier gibt es viele recht schicke Campingplätze, auf denen man sich noch ein bisschen verwöhnen lassen kann. Campingplatz ist eigentlich etwas untertrieben, es handelt sich schon eher um Freizeitresorts, denn es gibt auch Mobilheime, die teilweise einen eigenen Hotwhirlpool haben. Dazu gehobene Gastronomie und vieles mehr. Wer also 5-Sterne-Camping in der Bretagne in Strandnähe sucht, sollte sich hier einmal umsehen.

Wir betrachten derweil zu hause die Ausbeute unseres Urlaubs und können noch eine ganze Weile in französischen Sardinen, Salz und Senf schwelgen!