Archiv der Kategorie: Deutsche Ostseeküste

Boltenhagen zwischen Ost und West

Auf der Webseite von Boltenhagen kann man den Muttis per Webcam zuschauen, wie sie ihre Kinderwägen durch den Kurpark schieben. Während meines Ostseetörns letztes Jahr hatte ich schon einmal über Ostseebäder wie Kühlungsborn und Damp geschrieben. Boltenhagen reiht sich hier nahtlos ein und liegt auf einer Zielgruppenebene wie eben Damp, Eckernförde, Wismar und Warnemünde. Die Insel Poel und Wismar liegen wirklich gleich gegenüber. Für Segler bleibt Wismar gern als der Ausgangspunkt für die nie wirklich angetretene Solo-Weltumseglung von Bernt Lüchtenborg in Erinnerung. Den Ruhm, den er sich flott durch kreative Logbuchführung erschwindeln wollte, haben sich die Küstendörfer mit dem „Seebad-“ vornedran seit der Wende erst mühsam wieder aufbauen müssen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, sowohl bei Kühlungsborn als auch in den ehemals grenznahen Dörfern wie Neustadt, Scharbeutz und wie sie alle heißen. Die Marinas sind blitzblank und auf den glänzenden Uferpromenaden trauen sich noch nicht einmal die Hunde, etwas anderes als Pfotenabdrücke zu hinterlassen.

 

Boltenhagen bietet hier ähnliches. Es gibt einen Yachthafen (mit relativ flacher Einfahrt, wie man auf Google Maps gut sehen kann), es gibt die obligatorischen Ferienwohnungen (siehe Link Urlaub Boltenhagen) und man kann sich auf die obligatorische Seebrücke begeben, von wo man die Ausflugsdampfer zur Besichtigung der näheren Umgebung besteigen kann.
Blickt man vom Boltenhagener Badestrand am Tarnewitzer Huk abends in Richtung Insel Poel und somit zum nahen Leuchtturm Rerik, so müsste man eigentlich den roten Warnsektor sehen, der auf den felsdurchsetzten Grund der Wismarer Bucht hinweist.

Segeln auf der Ostsee 16: Zurück in Rendsburg

„Hier nun die letzte Rundmail zu meiner Ostseereise. Wo war ich letztes Mal stehen geblieben – in Middelfart. Da war Sandro noch an Bord und wir sind wieder in Richtung heimische Gewässer gefahren.

 

Zunächst waren wir auf der Insel Aarö, danach in Sonderborg. Dort hatten wir einen schönen Platz direkt an der großen Pier im Stadthafen.

An diesem Tag war auch ordentlich Wind, die Zelda lag bis zu den Relingstützen im Wasser. Am folgenden Tag war eigentlich auch wieder Wind angesagt, der kam nicht, stattdessen Flaute. So sind wir per Motor nach Damp durchgefahren, obwohl wir zunächst Kappeln geplant hatten.

Diese Unsicherheit, was das Wetter betrifft hat sich über meinen ganzen Törn gezogen: es war fast nie wie vorhergesagt. Da hilft nur, morgens den Kopf aus der Luke zu strecken und selber zu schnüffeln, ob der Wind nun kommt oder nicht. Das dumme ist nur, dass alle Mitsegler irgendwann wieder an einem bestimmten Ort sein müssen, um Heim zu fahren. Und so kommt es, dass man einen angeblichen Starkwindtag im Hafen verplempert, wenn ganz normaler Wind ist. Und dann im Gegenzug rausfährt und eins auf die Mütze bekommt, obwohl nur wenig Wind angesagt ist.

Sandro ist dann vorletzten Samstag heimgefahren, nachdem wir sein Auto aus Nyborg geholt hatten und noch zusammen nach Kiel/Schilksee gesegelt (motort) sind. Schon lustig, wie schnell man ohne Boot unterwegs sein kann.
Danach kamen meine Eltern mit ihrem Wohnwagen nach Schilksee. Wir waren auf der Kieler Förde segeln und sind dann zusammen durch den Nord Ostsee Kanal nach Rendsburg gefahren. Hier liege ich nun auf der Rader Insel und warte auf meinen Krantermin am kommenden Mittwoch. Bis dahin rödel ich noch am Boot herum und bringe es auf Hochglanz.

Zum Abschluss noch einige Gedanken zu allen Mitseglern der letzten Wochen :-)

  • Jürgen: Wir haben zusammen die größte Strecke zurückgelegt. Von Damp nach Skanör. Und ich habe von ihm viele Tipps zum Segeln bekommen, danke dafür!
  • Tristan: Ein schöner Landausflug ins Kriegsmuseum bei Rödvig, ansonsten entspanntes Segeln. Leider nur eine knappe Woche an Bord gewesen.
  • Ulli: Steht morgens zum Brötchenholen schon um halb sieben vorm Supermarkt, bevor der öffnet. Zwei Tage gegen Wind und Welle motort und trotzdem hat er immer sein Mittagsschläfchen bekommen.
  • Sandro: Hat in seinen zwei Wochen fast nur Sonne gehabt und somit 90% der Sonnenzeit meines gesamten Törns abgesahnt. Dafür keinen Fisch geangelt, sondern Miesmuscheln, Tang und einen Seestern.
  • Meine Eltern: Wissen jetzt, wie das so ist in einem kleinen Segelboot: es schaukelt.

Ein großes Dankeschön an alle, die mich begleitet haben!“

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Dem ist nichts hinzuzufügen. Mal selber sehen, wie das bald weitergeht.

Damp für Segler und Urlauber

Da ich notgedrungen recht lange in Damp mit meiner Yacht lag, kenne ich den Ort nun zu genüge. Immerhin war dieser Yachthafen nach der Überführung von Rendsburg mein allererster Hafen überhaupt. Nicht, dass es mich emotional beeinflussen würde – aber nach einigen Wochen hat man eben doch ein anderes Gefühl für diesen Platz.

 

Was die Segler angeht, für die ist gut gesorgt: es gibt reichlich Plätze, selbst im inneren Bereich, wo weniger Schwell steht, findet man mit etwas Glück noch einen. Offizielle Gastliegeplätze gibt es zwar reichlich, aber diese sind leider ausserhalb der inneren Hafenmauer und deswegen hat man es dort bei Ostwind auch schön schaukelig.

Die sanitären Anlagen sind groß und sauber, da kann man nicht meckern. Allerdings finden muss man sie erst einmal. Sie liegen unter der riesigen Beton-Pyramide, welche sich „Damp 2000“ nennt und für alle Ostsee-Segler eine prima Peilung darstellt. Hier kann man also urlauben, muss man aber nicht. Besser wäre es, zum Beispiel eines dieser ulkigen, dreieckigen Ferienhäuser zu buchen, die ein wenig versetzt in der zweiten Reihe stehen. Da hat man einen Garten und ausserdem noch seine Ruhe. Denn rund um den Betonklotz ist im Sommer richtig Party angesagt. Für Familien sicher gut, für Teens auch noch, aber für alle anderen fällt diese Art der Bespaßung eher in die Kategorie „jo, Camping Disco…“.

Bevor ich im letzten Juli auf große Fahrt ging, musste meine Zelda leider für zwei Monate im damper Hafen warten. Dafür musste ich auch ganz gut bluten, obwohl der Hafenmeister mir noch einen netten Rabatt gegeben hatte. Aber was soll’s, wer segeln will muss immer mit offener Geldbörse durch die Welt laufen, ist leider so.

Damp ist jedenfalls ein guter Ausgangspunkt für Unternehmungen. Das gilt für Segler genauso wie für alle anderen Touristen. Zur Schlei mit Kappeln, Arnis und Schleswig ist es nicht weit. Das selbe gilt für Eckernförde und Kiel. Als Segler schafft man es von hier mit einem Schlag rüber nach Dänemark, zum Beispiel nach Sönderborg oder Augustenborg. Auch rüber ins dänische Inselreich kommt man schnell, zum Beispiel nach Marstal, Aerösköbing oder Bagenkop.

Segeln auf der Ostsee 9: Damp, Lippe, Burgtiefe, Gedser

Von Damp nach Lippe
„Gestern sind wir im Auto von Frankfurt nach Damp hochgefahren. Ziemlich regnerisch war es, und hier oben ist es seit gestern gemischt. Mal Regen, mal Sonne. Für morgen ist das auch so vorhergesagt. Der Wind wird wohl gerade noch Ok sein, also mit 5-6 Beaufort Stärke und dann abnehmend auf 4. Dazu kommt er aus der passenden Richtung, also „von Hinten“ bzw. Halbwind, also Süd bis Südwest. Wir wollen dann Richtung Fehmarn aufbrechen. Jedenfalls, solange die Wettervorhersage so bleibt. Eingekauft haben wir auch ne Menge, das Schiff liegt tief! Ansonsten ist es natürlich schön, wieder auf dem Boot zu sein.“
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Wir hatten es nicht in einem Rutsch von Damp bis nach Burgtiefe auf Fehmarn geschafft. Erst blies noch ordentlich Wind, danach war er weg und es regnete stundenlang. Daher beschloss ich, den winzigen Hafen bei Lippe anzulaufen. Durch den Regen und den Dunst waren die kleinen gelben Tonnen vor dem Hafen kaum auszumachen.

 

Mein Hand-GPS mit digitaler Seekarte war in diesem Gebiet noch nicht zu gebrauchen. Die Karte begann erst ab kurz vor Gedser. Und so mussten wir uns langsam vorantasten und ständig die Position vom GPS manuell in die Karte eintragen. Was wir sonst stündlich gemacht haben, wurde jetzt alle 10 Minuten erledigt. Bis wir uns sicher waren, die richtigen Tonnen gefunden zu haben.

Der Hafen war sehr eng und ich hatte es noch nicht im Gefühl, wie das Boot richtig manövriert wird. Aufgrund seiner ungewöhnlichen Konstruktion ist es nur schwer zu lenken, besonders rückwärts. Das liegt daran, dass bei einer Albin Vega die Schraube oberhalb und zudem noch hinter dem Ruder liegt. Das Ruderblatt wird also nicht direkt von der Schraube angeströmt und das Boot reagiert erst auf die Pinnenlenkung, wenn etwas Fahrt anliegt. Daher kommt es, dass die Vega trotz ihrer mickrigen Länge von 8,25 m einen Wendekreis hat, der größer als der von modernen 12 m Yachten ist.

Ausserdem habe ich schlicht und ergreifend die Pinne beim rückwärts Fahren falsch herum eingeschlagen… Man merkt das leider erst nach einer halben Ewigkeit, wenn das Boot endlich reagiert hat. Doch dann ist es zu spät für eine Korrektur. Und so bin ich im Hafen mal vorwärts gefahren, mal rückwärts. Dann wieder volle Kraft voraus. Dann wieder voll Rückwärts. Und so weiter und so fort, bis mir ein netter Bootsbesitzer am Steg bedeutete, ich solle doch einfach in die große Box neben ihn kommen. Und so ging es dann auch. Am nächsten Tag schafften wir es mit mächtig Wind und Welle im Nacken – die Logge zeigte über 8 Knoten, weit über Rumpfgeschwindigkeit – bis nach Burgtiefe auf Fehmarn. Dort blieben wir dann noch zwei Tage und saßen das schlechte und stürmische Wetter aus.

Von Burgtiefe nach Gedser
„Wir sind seit gestern in Gedser. Hier gibt es unglaubliche Mückenschwärme, so dicht, dass es wie Rauchwolken aussieht. Zum Glück stechen sie nicht… Heute fahren wir dann nach Klintholm, das sind auch wieder ca. 30 Seemeilen und es wird wohl so 8 Stunden dauern.“

Ein paar Tage später dann, in Gedser, klappte das Anlegen schon viel besser. Langsam aber sicher kam irgendwann das Verständnis für das Boot. Obwohl ich auch die nächsten zwei Wochen noch ein zuverlässiger Veranstalter von bestem Hafenkino bleiben sollte!

Die in meiner Email erwähnten Mückenschwärme waren wirklich nicht von dieser Welt. Wir dachten zunächst tatsächlich, dass hinter dem Schilfgras ein Boot mit qualmendem Schornstein reinkommt! Es war aber kein Rauch, sondern bloß undurchsichtige, wabernde Wolken aus Mückenmasse. Auch die Toilettenräume waren mit diesen Viechern bedeckt. Sie wurden dann morgens mit einem Industrie-Staubsauger zu Fliegenbutter verarbeitet. Was für ein widerlicher Geruch. Ich musste an diesen Comic Strip von Calvin und Hobbes denken…