Maritimes Frankfurt

Auswärtige denken bei Frankfurt immer nur an Banken, Bonzen und Banditen. Aber nicht ohne Grund heißt es Frankfurt „am Main“, da fließt also auch ein mittelgroßes Bächlein hindurch, welches das Thema des heutigen Eintrages ist.

Der Main hat allein schon deswegen eine Existenzberechtigung, um „Hibbdebach“ von „Dribbdebach“ zu trennen. Also Frankfurt von Sachsenhausen. Dribbdebach liegt ausserdem noch Offenbach, und alleine schon deswegen ist diese Trennlinie von Bedeutung.

Seit das Mainufer vor einigen Jahren recht schön hergerichtet wurde, gibt es dort sogar Grasflächen und wenn man relaxt in der Sonne badet und dabei die Augen schließt, kann man sich fast wie an einem Mittelmeerstrand fühlen.

Das kommt zum einen daher, dass die Binnenschiffer eine ordentliche Welle verursachen, die idyllisch gegen die Uferbefestigung klatscht. Und zum anderen verströmt Meral’s Imbiss Boot mediterranes Flair. Er bedient übrigens sowohl die Festlandseite als auch die Fluss-Seite, falls man mit dem eigenen Boot längsseits kommt. Mittlerweile hat er ein neues Döner-Boot, die Geschäfte scheinen also zu laufen. Er ist auch der einzige Türke, der das in Istanbul so beliebte Fladenbrot mit gebratenen Sardellen anbietet. Meinetwegen könnte die Stadt Frankfurt noch viel mehr solcher Boote erlauben. In Bremen an der Schlachte funktioniert das schließlich auch.

Im Sommer sollte man es sich nicht entgehen lassen, einmal entspannt mit dem Fahrrad zur Griesheimer Schleuse im Westen oder zur Staustufe Ost zu radeln. Unterwegs überholt man die Ausflugsdampfer (die drehen hier um) und Binnenschiffer (fahren zurück nach Holland).

Für die Jungs von den Frankfurter Rudervereinen stellen diese Schleusen zunächst einmal das Ende der befahrbaren Welt dar.

Apropos Rudern. Auf dem Main macht das richtig Spass, denn der Fluß strömt weitaus langsamer als der Rhein und es kann sich auch keine besonders große Welle aufbauen, mangels Breite der Wasserfläche. Der Nachteil ist leider, dass die großen Pötte ziemlich nah am Boot vorbeifahren und es wird einem doch etwas anders, wenn man in so einem schaukeligen 8er sitzt und sich nebenan eine schwarze Wand vorbei schiebt…

Wer sich fürs Rudern interessiert, dem kann ich den Verein Rheno Franconia wärmstens empfehlen. Nette Leute, die sich über jedes neue Gesicht freuen. Und obwohl sie eigentlich eine Verbindung sind, ist das ein normaler Verein, der mit den deutschtümelnden Studententraditionen anderer Verbindungen nichts zu tun hat.

Auch in einem Boot und ebenfalls mit Rudern bewaffnet sind die Jungs mit den Drachenbooten. Ok, dafür würden mich die Ruderer jetzt steinigen: sie benutzen natürlich „Riemen“ oder „Skulls„, während die Drachenbootruderer „Paddel“ verwenden. Soviel Ordnung muss sein. Einmal im Jahr treten verschiedene Drachenboot-Teams gegeneinander an und fahren um die Wette. Wer zuerst die Glocke unter der Brücke zum Leuten bringt, hat gewonnen.

Schaut man einmal in die andere Richtung, nämlich flussaufwärts, so landet man am  Osthafen an der zweiten Schleuse, der Staustufe Ost, die Frankfurt vom Rest des Mains abgrenzt. Man könnte sich zum Beispiel an die Gerbermühle setzen und den Schippern beim Schippern zusehen. Dumm nur, dass der Wind die meiste Zeit dem Flussverlauf durch die Stadt folgt und somit entweder von hinten oder von vorne kommt. Da hilft nur: Rauftuckern und dann mit dem Wind wieder genüssliche abwärts schaukeln.

Warum sich der Osthafen noch eine eigene Wasserfeuerwehr leistet, weiss ich nicht. Aber sie ist nett anzuschauen.

Der Panamakanal hatte aufgrund seiner Abmessungen zur Folge, dass Schiffe weltweit nur noch so breit gebaut wurden, dass sie dort hindurch passten. Das fiel mir ein, als vor einer Weile eines dieser Schweizer Hotelschiffe mitten auf dem Fluss drehte. Wie man sieht, passt das exakt.

Hin und wieder probt das THW die Benutzung seiner kuriosen Boote. Pardon, „Mehrzweckponton“ heissen die, sagt Google. Da es sich im Prinzip um zwei eigenständige Boote handelt, die verbunden sind, müssen sie irgendwie koordiniert werden. Genau dafür steht in der Mitte ein Mensch und gibt mit den Armen Signale. Jeder Arm ist einem Boot zugeordnet. So kann er beide gleichzeitig lenken und Kurven koordinieren etc.

Im Rahmen dieser Übung mussten einige Ausflugsdampfer von ihren angestammten Liegeplätzen am Eisernen Steg weichen. Einer war nicht ganz manövrierfähig, und so kam ich in den Genuss, am kleinen Main sogar einmal einen Schlepper im Einsatz zu sehen. Vor langer Zeit musste ich im Rahmen des Sportboot Führerschein Binnen die Lichter und Tagzeichen dieser mysteriösen geschleppten Zugverbände und noch viele andere absonderliche Dinge lernen. Jetzt steht fest: es gibt sie also wirklich.

Fast hätte ich es vergessen, aber Frankfurt hat sogar eine Segelschule und einen Segel-Shop. Nämlich am Westhafen, gleich neben dem idyllischen Kohlekraftwerk. Durch das warme Kühlwasser friert man beim Reinfallen nicht so, das ist ein echter Vorteil. Aber Spass beiseite: das ehemalige Hafenbecken langt allemal, um die praktische Prüfung für den SBF-See und -Binnen abzulegen.

Heute hat dieser Hafen keine Funktion mehr, sämtliche Liegestellen für Boote gehören zu den extremst teuren Neubau-Penthäusern und nahezu alle liegen brach. Wer nämlich das nötige Kleingeld für solch eine Luxuswohnung aufbringt, der arbeitet in der Regel von morgens bis abends und hat definitiv nichts mehr für ein Boot übrig. Leben am Wasser, ja bitte. Aber für die nötige Atmosphäre mögen dann andere sorgen. Einfach nur eine Schande.

Jedenfalls, sämtliche Theoriekurse werden im Segel-Center durchgeführt und dafür braucht man wirklich kein Gezeitengewässer. Der Besitzer des Ladens ist nett, die Leiterin meines letzten Kurses zum Thema Funken war es auch und ausserdem noch sehr erfahren und kompetent, was will man mehr.

Also, ich muss sagen: Frankfurt ist schon ganz schön maritim.

3 Gedanken zu „Maritimes Frankfurt“

  1. Ehrlich gesagt, war ich immer nur im Winter in Frankfurt und habe deshalb wahrscheinlich nicht die besten Erinnerungen oder Eindrücke. Ich werde es mir mal diesen Sommer ansehen, da Freunde von mir dort wohnen und mich schon seit längerem fragen, ob ich wieder mal vorbei komme. ;) Viele Grüße aus der Hauptstadt

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