Archiv der Kategorie: Deutsche Ostseeküste

Segeln auf der Ostsee 7: Die Überführung von Rendsburg nach Damp

„Die Überführung meiner ZELDA ist glatt gelaufen! Das Segeln war super, Wetter klasse und wir hatten ordentlich Wind. Anbei mal einige Bilder. Auf dem Nord Ostsee Kanal ist es schon ein komisches Gefühl, wenige Meter entfernt an den Riesendampfern entlang zu tuckern… Das Anlegen klappt auch schon ganz gut, da muss ich aber noch mehr üben. Es war jedenfalls prima, dass Sandro und Simon mit dabei waren. Der Boden schwankt jetzt noch ein wenig, aber bald bin ich ja wieder aufm Boot.“
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So ging das los: die Pinne zum ersten Mal in der Hand und dann Kurs voraus. Gemeinsam mit dem Verkäufer durch den Nord-Ostsee-Kanal von Rendsburg nach Damp. Das Boot ist zwar eigentlich recht klein, aber es kam mir zu diesem Zeitpunkt doch ziemlich groß vor. Schleusen, Segeln, Manöver fahren, alle Infos vom Verkäufer aufsaugen, Anlegen, 10 Stunden unterwegs sein… mir schwirrte der Kopf. Aber hey – es war jetzt mein Boot!

Und ZELDA sollte sie heißen, ein schöner Frauenname. Und ausserdem der Titel eines alten Nintendo-Games, das ich als Kind bis zum Umfallen gezockt habe, bis die Prinzessin „Zelda“ gerettet war. Da lag sie nun, als kleinstes Schiff am Steg mit lauter anderen Dauerliegern drumherum. Alles weißbärtige Männer oder Frauen (ohne Bart), die teilweise skeptisch, teilweise in Erinnerungen an das eigene erste Boot schwelgend, meine Zelda begutachteten.

Und kalt waren die Nächte noch im Mai. Morgens waren es zwischen 5 und 10 Grad in der Kabine. Dass es nachts auch später im Sommer nicht gerade kuschelig werden würde, das wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Jedenfalls lag meine kleine Yacht jetzt erstmal für die nächsten 2 Monate auf ihrem Liegeplatz und wartete auf ihren Skipper, der erst im Juli wieder zurück kommen würde.

Segeln auf der Ostsee 6: Boote besichtigen und schließlich eine Unterschrift

Mit einem Wochenende im Frühjahr plus zwei Urlaubstagen Ende März lässt sich schon mal eine Menge anfangen. Schließlich musste ich rauf an die Ostsee und Boote zwischen Flensburg und Lübeck besichtigen. Ich hatte schon relativ früh im Januar angefangen zu suchen, was dazu führte, dass einige Boote schon längst den Besitzer gewechselt hatten, als meine Reiseplanung fertig war. Früher als zwei Wochen vor Anreise und Besichtigung lohnt es sich daher nicht, den Verkäufer anzuschreiben. Und auch dann sollte man besonders bei Händlern kurz vorher nochmal anfragen, denn diese lassen auch schon lange verkaufte Boote gerne in ihrer aktuellen Verkaufsliste stehen…

 

Sechs Boote standen mit Besichtigungstermin auf meiner Liste: zwei Albin Vega, zwei Bianca 27, eine Janneau Aquila und eine Friendship 28. Alles Boote, die auf Fotos und im Exposé einen guten Eindruck gemacht haben. Letztendlich war der Maßstab für alle Boote doch gleich die erste Albin Vega, welche ich in Rendsburg am Nord-Ostsee-Kanal besichtigt habe. Es handelte sich um ein wirklich sehr liebevoll gepflegtes Schiffchen, bei welchem mir so gut wie keine nennenswerten Mängel auffielen. Dazu waren die Besitzer äusserst nett und konnten sich gut in meine Lage versetzen. Denn vor wenigen Jahren waren sie selbst als Anfänger mit dieser Vega unterwegs gewesen, bis es sie jetzt zu einem größeren Modell gezogen hat. So ist der Lauf der Dinge, deswegen ist der Markt der Gebrauchtboote auch proppenvoll mit kleinen Booten in dieser Größe.

Alle folgenden Schiffe hatten also von vornherein das Problem, sich mit diesem Idealkandidaten zu messen. Erstaunlicherweise war die andere Albin Vega, die wir am folgenden Tag besichtigt haben, ebenfalls in einem guten Zustand. Ganz im Gegensatz zu den übrigen Booten meiner Liste. Sie unterschied sich allerdings beim Motor stark von der ersten Vega, denn es war ein alter Motor und auch noch der Originalpropeller mit Wendegetriebe war installiert. Auch der generelle Pflegezustand war eher mäßig, da es sich um das Familienboot eines alten Mannes gehandelt hat. Das schlug sich auch auf den Preis nieder. Für 9.000 Euro hätte ich es haben können, was ein wirklich günstiger Einstieg ins Segeln bedeutet hätte. Sicherlich würde es sich auch beim Probeschlag gut Segeln, kein Thema, und sogar die Verkäufer waren sehr nett. Im direkten Vergleich mit der anderen Vega stellte sich eigentlich nur die Frage: lieber ein günstiger Einstieg mit einem nicht so schönen Boot oder ein teurer Einstieg mit einem besser erhaltenen Boot?

Vor dieser Entscheidung standen aber noch die beiden Bianca 27. Leider haben sich beide Eigner nicht sehr um die Pflege ihrer Boote gekümmert. Man merkte in jedem Detail, dass hier „eigentlich was getan werden müsste“, wie die Verkäufer schon selbst zugaben. Einer meinte noch, dass mit zwei Tagen Schleifen, Schrubben und Polieren alles wieder wie neu wäre. Da frage ich mich doch, warum er dass nicht mal eben an einem freien Wochenende selbst gemacht hat… Wie er das abblätternde Antifouling, das rissige GFK und alle gesplitterten Holzteile in dieser Zeit wieder auf Vordermann hätte bringen wollen, das bleibt wohl sein Geheimnis. Das Boot lag im Freien unter einer Plastikplane, die lediglich über dem Cockpit zur Seite geräumt war. Als ich den Verkäufer fragte, ob er denn nicht mal die gesamte Plane wegräumen könne, damit ich das Boot vollständig sehe, meinte er nur: „Ja, wenn es ernst wird…“. Hm, glaubte er ernsthaft, er würde mich noch ein zweites Mal sehen? Den Spruch mit dem ersten Eindruck, der zählt, war ihm wohl unbekannt.

Schließlich kam es, wie es kommen musste: die zuerst besichtigte Albin Vega wurde gekauft. Die Mischung stimmte, sowohl das Boot als auch die Verkäufer machten einen ehrlichen Eindruck und so sind wir uns schnell handelseinig geworden.

Jetzt konnte das Abenteuer losgehen. Über die Ostsee. Auf eigene Faust. Im eigenen Boot!

Segeln auf der Ostsee 5: Verkaufsanzeigen wälzen

Wo findet man nun ein Boot, wenn man zentral in der Mitte Deutschlands wohnt und der nächste Yachthafen 500 Km entfernt ist? Hier hilft nur sorgfältige Planung, denn einfach mal die Marinas abklappern is nich. Gebrauchtboote findet man heute zum Glück sehr leicht über folgende Quellen:

 

Die Vielfalt ist erschlagend und die Detailsuche daher sehr zu empfehlen. In meinem Fall filtere ich alles heraus, was nicht in die folgenden Kategorien passt:

  • Länge: 7 bis 9 Meter
  • Preis: 8.000 bis 20.000 Euro
  • Liegeplatz: Deutsche Ostsee

Übrig bleiben immer noch um die 60 Boote je Börse. Im Folgenden wird nach dem Alter und Zustand des Motors, dem allgemeinen Zustand (Refit, Lackierung wann?) und dem Alter der Ausrüstung (Segel, Toilette, Batterie, Polster, etc.) sortiert. Erst ganz am Ende kommt das Zubehör wie GPS, Kocher, Zusatzanker, etc. Entscheidend ist das Zubehör allerdings nicht, es ist eher als nette Dreingabe zu sehen. Wichtig ist, dass das Equipment zum Segeln vollständig und einsatzbereit ist.

Nachdem der Besitzer angeschrieben oder angerufen wurde, kommt der spannende Moment: wie ist der drauf? Schon nach kurzem Telefonieren oder Email-Kontakt weiss man, wen man vor sich hat. Nette Segler, die ihr Boot lieben und von dem guten Stück ehrlich schwärmen? Oder reine Zweckverkäufer, wobei man dem Besitzer jedes Detail aus der Nase ziehen muss? Manche Verkäufer begreifen nicht, dass der Wechsel eines Boots vom alten auf den neuen Besitzer auch ein gutes Stück mit Vertrauen zu tun hat. Es gibt schließlich keinen Boots-TÜV, auf dessen Plakette man bauen könnte. Einen Gutachter würde man bei einem Boot dieser Preisklasse wohl eher nicht einschalten und auch dieser kann nicht vorhersehen, was sich vielleicht nach einigen Jahren dem zukünftigen Besitzer offenbaren wird. Auch der Transfer des Kaufbetrags und schließlich des Bootsschlüssels sind Vertrauenssache. Denn mal ehrlich – wo läuft es denn schon so lehrbuchmäßig ab, dass Stück für Stück das Objekt bzw. das Geld den Besitzer wechselt? Meistens tritt einer von beiden in Vorleistung, auch wenn es nur die Anzahlung des Kaufpreises einen Tag vor der Übergabe ist. Allein schon um späterem Ärger ein wenig die Luft zu nehmen, ist es daher besser, wenn man sich zwischen Verkäufer und Käufer grün ist.